Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 32.
32]
Dienstag, den 14. Februar.
( Nachdrud verboten.)
Der Baumeister.
Roman von Felir Holländer. " Herr Baumeister, wenn Ihre Künstler Beträge von fünfund zehntausend Mark liquidieren, dann hört die Gemütlichfeit auf!
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Sie keinen Dunst! Da sind Kunstwerke, deren Wert dreimal Meinen Sie?!... Nun, mein Verehrter, davon haben so hoch ist! durch wird der Wert des Hauses in einer Weise gesteigert...
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1905
„ Doch, Herr Baumeister, Sie sind es- denn ohne Frenzel werden wir das Theater nicht zu Ende bauen. Die Banken verhalten sich durchaus ablehnend. Bevor das Haus nicht fir und fertig dasteht, bekommen wir keinen Pächter, und bevor wir keinen sicheren Pächter haben, bekommen wir keine zweite und dritte Hypothet."
Keßlers Gesicht rötete sich vor Unwillen.
" Haben Sie mir nicht immer gesagt, daß wir Geld wie Heu kriegen würden?"
Steinert lafonisch. Uebrigens, was wollen Sie denn- man ,, Gewiß. Ich habe mich eben getäuscht," erwiderte Das ist eine Kapitalsanlage!... Da soll uns erst das Kunststück nachmachen, ohne einen Pfennig Geld ,, Das mag alles richtig sein, aber.." Er hielt einen ein solches Theater zu bauen. Wir haben einen Kredit in AnMoment inne und blickte verlegen zu Boden, ehe er fort- pruch genommen," fuhr er fort, wie er nur den kapitalfuhr:„ Unser Theater ist doch kein Museum ist doch keine kräftigsten Häusern gewährt wird. Wissen Sie denn, was das bedeutet, Herr Baumeister? Und vergessen Sie nicht, daß das immer weiter geht; daß wir augenblicklich die ganze meneinrichtung des Tehaters ohne einen Groschen Anzahlung geliefert erhalten. Die einzigen Leute, die bezahlt werden, sind Ihre Künstler."
öffentliche Galerie!"
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" Davon verstehen Sie den Quark!" antwortete Seßler grob.„ Das moderne Theater hat die Vereinigung aller Künste darzustellen. Bis zum Erbrechen habe ich das in jeder Versammlung wiederholt... und jetzt kommen Sie
mir mit so schalen Einwänden!
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,, Die brauchen es auch am nötigsten."
sam das Wort wieder auf, daß, sobald der Bau vollendet ist, " Das Schlimme besteht nur darin," nahm Steinert langwir für all die ungeheuren Summen aufkommen müssen! Herr Baumeister, manchmal überläuft mich ein Grauen, wenn ich an dieses Bataillon von Gläubigern denke."
Keßler horchte auf.
„ Herr Baumeister in den Versammlungen wird ja manches geredet, was man nicht unbedingt. " Nun ist es aber genug," brauste teßler auf. Ich für mein Teil verantworte jedes Wort, das ich öffentlich spreche während Sie allerdings... Wer hat mir beständig gesagt, daß diese elenden Geldsorgen ein Ende haben würden, sobald der Bau unter Dach und Fach gebracht sei. Lassen„ Das ist das Neueste, daß Sie auf einmal den Skeptiker " Machen Sie mir den Kopf nicht heiß!" brummte er. Sie mich zu Ende reden!... Wer hat mir gesagt, daß man uns mehr Geld ins Haus tragen würde, als wir.. herausbeißen!" „ Herr Baumeister, wenn Sie in der Weise zu mir reden, dann kann ich ja gehen... dann bin ich ja überflüssig." Bei diesen Worten griff er nach seinem Zylinder. " Lassen Sie diese Scherze... damit imponieren Sie mir nicht!" fuhr Keßler ihn an.
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hoffnungsfreudiger denn je ich mache nur in aller Er
,, Das liegt mir ganz fern, Herr Baumeister! Ich bin
gebenheit darauf aufmerksam, daß wir eines schönen Tages alle die Gelder werden bezahlen müssen. Sobald das Theater fir und fertig ist und wir einen Pächter haben, kann uns das ja auch nicht schwer fallen."
Wie komme ich dazu, Ihre schlechte Laune auszubaden Bis jetzt haben Sie mich bei keinem Widerspruch ertappt. ,, Was reden Sie denn bloß immer von einem Pächter Ich habe alle meine Versprechungen, glaube ich, eingelöst... ich dachte bis jetzt immer, daß wir selber das Theater in Entreaber diesen unberechneten Ausgaben gegenüber bin ich ohn- prise nehmen." mächtig."
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,, Gewiß, das wollen wir ja auch aber dazu brauchen " Dann tut's mir leid... dann bedaure ich denn wir eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die am Reindaran wird sich wenig ändern lassen!" gewinn beteiligt wird und uns das Betriebskapital gibt." Steinert lenkte ein. Keßler erhob sich.
„ Wir wollen doch in aller Nuhe miteinander verhandeln, Herr Baumeister... ich denke, wir haben die gleichen Interessen."
" Ich bin auch für Ruhe, aber Sie ennuyieren mich mit diesen ewigen Geldgeschichten!"
" Da bedauere ich aufrichtig. Trotzdem komme ich über das Faktum nicht hinweg, daß wir wieder einmal Matthäi am Letzten sind, daß ich eine Unzahl von Wechseln ausgegeben habe, die fällig sind, daß wir schleunigst neues Geld herbeischaffen müssen."
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„ Num gut so schaffen Sie welches herbei! Je mehr, desto besser dazu brauchen Sie mich doch nicht!"
" Ich brauche Sie eben ja, Herr Baumeister sonst wäre ich doch nicht gefommen Für die kleinen, eiligen Ausgaben müssen wir noch einmal Freitag heranziehen... und was den großen Coup betrifft so muß Frenzel daran glauben."
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,, Lassen Sie Freitag aus dem Spiel!" " Das ist unmöglich! Im Gegenteil, ich muß bitten, die Geschichte zu arrangieren! Sie allein haben
den Mann Einfluß!"
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Und Frenzel?"
Bei dem bin ich bereits gewesen."
„ Und?..
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Sie auf
Zunächst hat er mich sehr elegant hinauskomplimentiert er ist verstimmt auf Sie!" „ Auf mich?"
Ja. Vor ein paar Tagen hat er Sie zu einer großen Fete eingeladen und Sie haben ihm bis heute noch nicht geantwortet!"
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„ Das stimmt! Jedenfalls habe ich keine Lust, Herrn Frenzels Feste zu besuchen. Weil dieser Herr mit uns Geschäfte macht, bin ich doch nicht verpflichtet..."
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,, Mir ist von all den Geldgeschäften so wirr im Kopfe," ich sagte er, daß ich Ihnen nicht mehr zu folgen vermag finde nicht mehr aus noch ein... Was wollen Sie eigentlich jetzt von mir?"
„ Ich habe es Ihnen ja bereits gesagt, Herr Baumeister . Sie müssen sowohl bei Freitag wie bei Frenzel neues Geld aufnehmen... Sie müssen in den sauren Apfel beißen und Notabene ein Beinbruch Frenzels Einladung folgen ist schlimmer."
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" Sie werden mich noch in Teufels Küche bringen!" " Ich verspüre nicht die mindeste Lust dazu- zumal ich Ihnen ja folgen müßte. Ihnen und mir öffne ich die Tore zum Ruhm, Glanz und Reichtum! Nur dürfen Sie mich jetzt nicht im Stiche lassen... Sie müssen mir in diesen Dingen nicht beistehen, auch wenn es Ihnen was ich ja begreife gerade angenehm ist." Und eindringlich fügte er hinzu:„ Ich brauche das Geld noch zu einem anderen Zweck... es ist die höchste Zeit, mit den Vorbereitungen für die Eröffnung des Theaters zu beginnen. Wir müssen Dekorationen anschaffen, Schauspieler engagieren Stücke erwerben. Was nüßt es uns, wenn das Theater wie ein Märchenpalast fir und fertig dasteht und wir dann auf dem Trocknen sitzen mit anderen Worten keine Darsteller und keine Stücke haben." Aber das eilt doch nicht dazu kommen wir doch noch zehnmal zurecht."
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Im Gegenteil, Herr Baumeister - dazu brauchen wir viel Zeit und viel Geld, sonst wird uns das beste Material vor der Nase weggeschnappt."
, Gagen werden doch erst beim Antritt der Engagements gezahlt, und Tantiemen
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, Sie irren, Schriftsteller und Komödianten wollen Vorschüsse sehen, bevor sie sich in ein neues Unternehmen einlaffen."