fijcvg, eZ Ware Wahnsinn gewesen. Ich weiß alles. Aber glücklich wäre ich geworden." „Das wärst Du nicht, mein Junge. Auf die Dauer hätte Maggie Dich niemals glücklich gemacht. Denk doch nurl Mit Deiner Schwester entzweit, Karriere, Zukunft, alles aufge- geben. Nein, nein, Maggie ist nicht die Frau, für die man alles opfert. Maggie nicht." „Nie werde ich Maggie vergessen," erwiderte Wolf. ,;Jch schwör Dir's. Nie werde ich aufhören sie zu lieben. So reizend, so lieb, so— ach. so ganz Weib und verführerisch kann nie eine andere sein." „Aber das, was verführt, fesselt nicht fürs Leben. Du wärst schwer enttäuscht worden, wenn Du Tieferes bei ihr ge- sucht hättest." „Ach, wenn sie oberflächlich und leichtsinnig erschien, so war das nur die Schuld ihrer Umgebung. Wenn einer ehrlich gesucht hätte, das Tiefste hätte er bei ihr gefunden.— Nein, nein— mein Gott, ich sterbe ja nicht an dieser Leidenschaft, aber mein Glück, das weiß ich, habe ich ewig verscherzt." „Du Tori" dachte Grabaus bei sich mit leisem Mitgefühl und Spott.„Bist vierundzwanzig und sprichst von der- fcherztem Glück." Es schien ihm Blasphemie, daß man sein Glück verscherzen könnte um einer andern willen als um Marie Luise. Doch dann verfiel er in tiefes Staunen. Ging es ihnen beiden nicht wie den armen Narren im Irrenhaus, die auch, jeder von seiner fixen Idee gebannt, dennoch die des andern durchschaute und für das nahm, was sie war?— Bielleicht befand er sich in gleicher Lage wie Wolf: leidenschaftvcrblendet, für ewig haltend, was nur ein kurzes Fieber war- i- Doch �kaum gedacht, verschlangen tausend empörte. Stimmen diesen Frevel. Wie auf goldnen Wolkenthronen schwebte sie, die für ihn die Seele des Lebens war, die Seele seiner Seele, die Weleberin seiner Augen, daß überall, wo er sie sah, Fröhlich- keit und Schönheit entstand, und die Welt leer und tot wurde, wenn sie fern war. Ucber grüne Wiesen, auf denen blanke, schöne Rinder von besonderer Rasse, mit langgebogenen Hörnern weideten, führte der Weg in prachtvollen Fichtenwald. Dann tauchten mit einem Mal die schmucken Baulichkeiten des Karerscehotels vor -ihnen auf. Anmutig bewegt war das elegante Treiben dieser Kara- wanserei inmitten der grünen Einöde: das massive Schweizer - Haus mit seinen Veranden und Terrassen, dem Wagenpark, den hin und her eilenden Kellnern, der eleganten Gesellschaft, die vor dem Hotel promenierte und sich auf den Tennisplätzen ergötzte. Plötzlich sagte Wolf, auf eine Dame in weißem, fußfreiem Wostüm und grauen Lederschuhen deutend: „Das ist Maggie," und dabei zog er sich noch schnell sein Jackett herunter. Ehe die beiden Frau Laaß erreicht hatten, war an diese der Portier herangetreten, indem er ehrerbietig seine Mütze in der Hand hielt. Maggie schien sehr erregt, nach ihren Gesten gu urteilen. Einen Augenblick zauderten die Freunde, als aber die Unterhaltung sich in die Länge zog und sie Ausdrücke wie: „Unerhört!— Noch heute die Rechnung!— Bin das nicht gewöhnt." vernahmen, trat Grabaus entschlossen heran und jagte den Hut ziehend: „Guten Morgen, gnädige Frau!" Eine reizende, des Theaters würdige Erkennungsszene spielte sich nun ab. Erschrocken trat Frau Laaß zurück, legte abwehrend die Hände auf ihre Brust, doch dann dämmerte ein Erkennen in ihr auf, und plötzlich wie hellster Sonnen- schein strahlte die freudige Gewißheit aus ihrem schönen Gesicht: „Sie sind's! Herr Doktor Grabaus!— Herr von Hellen meine lieben, lieben Freunde.— Ja, wie kommen Sie nur hierher?? Ach, ist das eine Ueberraschung!" Kindlich vergnügt klatschte sie in die Hände. „Ist das ein glückliches Zusammentreffen! Erzählen Sie! Erzählen Sie! Nein, daß Sie plötzlich hier auftauchten! Etwas Schöneres könnte ich mir wirklich nicht denken. Nun bin ich auch mit unserem Mißgeschick ausgesöhnt. Denn was uns passiert ist.— Denken Sie nur!" Sie zog die beiden mit zu einem Tisch und, kaum Atem holend in der Hast ihres Sprechens, begann sie mit einer Wichtigkeit, die erschütternde Dinge erwarten ließ: „Stellen— Sie— sich— also— vor,— mein Mann und ich wollen hier für einige Zeit Aufenthalt nehmen.— Man hat uns Wunderdinge von diesem Hotel erzählt— drt' erstklassiges Haus mit allem Komfort ausgestattet. Nurr schließlich darüber kann man sich ja auch nicht beklagen. In den Bergen verzichtet man ebenso auf mancherlei, woran mani sonst gewöhnt ist. Aber was man uns zugemutet hat!— Alsc» von Bozen aus hatten wir depeschiert!— Mit Rückantwort' natürlich— ob passende Räumlichkeiten frei wären, zweij Schlafzimmer und ein Salon? Wir bekommen die Nachricht. alles wäre bereit.— Also wir langen hier an. Welche Nach- richt empfängt uns??-- Die Räume sind nicht frei ge? worden. Die Gäste sind krankheitshalber geblieben. Das! ganze Hotel besetzt. Nur noch ein kleines Zimmer zu haben. Und nun denken Sie— denken Sie!!"— und dabei nahm ihr Gesicht einen so wahren Ausdruck des Entsetzens an, daß die beiden unwillkürlich etwas Furchtbares erwarteten „denken Sie,— seit drei Nächten muß ich mit meinem Mann in einem Zimmer schlafen." Diese Worte wirkten so komisch, daß Wolf der geliebten Frau einfach ins Gesicht lachte und naiv sagte: „Aber das schadet doch nichts!" „O, wenn man verheiratet ist, ist es geradezu fürchterlich! Mein Mann leidet noch mehr darunter als ich. Er ist durch und durch Aesthet. Alte Rasse, müssen Sie wissen. Und so verwöhnt! So verwöhnt!" „Was ist denn sein Papa?" fragte Wolf. '„Schifssreeder in Hamburg . Horrend reich, natürlich.—> Aber das ist nicht das einzige Unglück. Denken Sie nur, wie wir hier ankommen, stellt sich heraus, daß der Esel von Kutscher meine sämtlichen Schirme verloren hat. Nicht einen einzigen Sonnenschirm besitze ich. Natürlich muß ich auf alle Spaziergänge verzichten." „Ja, potztausend, warum denn?" „Soll ich mich etwa von der Sonne schwarz brennen lassen? Meine Haut ist ja so zart. Sehn Sie nur an, wie meine Hände schon gebräunt sind." (Fortsetzung folgt.) (Nachdruck verboten.) Oer Jubilar. Von Stefan Großmann. Das Kontor des Buchhalters war heute mit Blumen geschmückt. Wo sonst eine dicke Lage Löschpapier auf dem Schreibtisch lag, da war heute eine blühweise Serviette ausgebreitet, in deren Mitte eine großmächtige Torte stand, auf der— zwischen einem süßen Kranz von eingemachten Früchten— mit weißem Zucker die Worte aufgetragen waren: Unserem lieben Buchhalter Leopold Kaden zur Feier seines 40. Amtsjahres> Auf dem Tisch, wo gestern das Kopierbuch gelgen, stand heute ein großer Korb, voll mit roten und grünen Papierschnitzeln, aus denen sechs hohe Flaschenköpfe hervorlugtcn. Die Tür war mit Tannenreisig geschmückt. Auch über die Geschäftsbücher, die auf den Stehpulten lagerten, waren weiße Tücher gebreitet; hier wurden die Geschenke aufgestellt: Zigarrenkisten, eine Schachtel mit einer verheißungsvollen Lederbrieftasche, ein Stock mit schwerem Silber« griff, und. weiß der Teufel, was noch. HerrKaden saß einigermaßen ermüdet in seinem breiten Schreib» tischsesfel. Nun, er war gerade kein Freund der feierlichen An- sprachen. Es kam ihm ziemlich kurios vor, daß da plötzlich das gesamte Personal, Kontoristen, Magazinleute, Diener, alles in allem vierundneunzig Personen, mit dem Chef an der Spitze, um ihn herumstanden, ihn angafften und in ihn hineinredeten....Was stehen Sie denn da herum?" hätte er den jungen Angestellten am liebsten wie sonst zugerufen:.jetzt ist Geschäftszeit!" Oder:.Hier ist kein Salon zum Plaudern!" Uebrigens hat das auch an Werk- tagen die jungen Leute am Weiterplaudcrn nicht gehindert, sie wußten, daß alle diese Mahnungen nur zur Einlullung des eigenen Gewissens gesprochen wurden. Am Ende stand der alte Buchhalter gewöhnlich bei ihnen und tratschte mit.... Der Chef selbst stand an der Spitze der vierundneunzig Leute vor ihm. Und er mußte als der einzige sitzen, er mußte als der einzige stillhalten, die anderen durften von Zeit zu Zeit.Bravo!" oder.Hoch!" rufen, er mußte wortlos in dem breiten Schreibtisch- sessel sitzen bleiben und warten, bis die Reden abgelaufen waren. Der Schweiß rann ihm hinunter, als der Chef immer wieder von seiner unermüdlichen Arbeitskraft, seiner absoluten Verläßlichkeit. von diesem Muster redlicher Pflichterfüllung sprach.„Dieser Mann." rief der Chef mit Pathos,„hat ein Leben redlicher, harter Arbeit hinter sich! Was er besitzt, seine Stellung... seinen guten Namen... seine allgemeine Beliebtheit... er hat es seiner Arbeit, nur seiner Arbeit zu verdanken!" Ganz verlegen saß der alte Buch«
Ausgabe
22 (27.6.1905) 122
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten