Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 213.

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Der Sumpf.

Freitag, den 2. November.

( Nachdrud verboten.)

1906

in dem Zwielicht einem Gespenst-braun wie die Gebäude, braun wie alles in ihnen und 100 Yards im Umkreis. Die Türen der Gebäude mußten offen bleiben, und wenn der Wind blies, verloren Durham u. Co. eine Menge Dünger,

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Jurgis arbeitete in Hemdärmeln und bei einer Hibe Roman von Upton Sinclair . Autorisierte Uebersetzung. von über 100 Grad( Fahrenheit); die Phosphate drangen ihm Die Düngerfabriken lagen von den übrigen Werken weit in jede Pore, und in 5 Minuten brannte sein Kopf, in entfernt. Wenige Besucher sahen sie, und die wenigen wollten 15 Minuten war er fast betäubt. Das Blut braufte in seinem Dante nachahmen, der die Hölle gesehen haben sollte. Nach Hirn wie eine Dampfmaschine, ein heftiger Schmerz bohrte in diesen Fabriken wurde aller Schmutz geschafft, der verfaulte seinem Schädel, kaum war er fähig, seine Hände zu regieren. Abfall aller Art. Dort wurden die Knochen getrocknet, und Doch er erinnerte sich der Schrecken vergangener Monate und in erstidenden Kellern, wohin nie ein Schimmer des Tages- fämpfte mit wütender Energie weiter. Eine halbe Stunde lichtes drang, beugten sich Männer, Frauen und Kinder über später erbrach er sich als ob sein Inneres in Stücke gerissen wirbelnde Maschinen, welche Knochen in allen Größen zer- wurde. Der Aufseher hatte ihm gejagt, ein Mann könne sich malmten. Sie atmeten den giftigen Staub in ihre Lungen an die Düngermühle gewöhnen, wenn er seine Kraft zu­und atmeten sich so zu Tode. Sie verwandelten dort das fammennähme. Jeßt aber sah Jurgis ein, daß auch sein. Blut in Albumin und faulriechende Dinge in noch fauler Wagen dabei ein Wort mitzusprechen hatte. Am Ende des riechende um. Auf den Korridoren und in den Höhlen, wo Schreckenstages vermochte er sich faum aufrecht zu halten. diese scheußliche Arbeit getan wurde, fonnte man sich, wie in Auf dem Heimwege mußte er sich oft zusammenraffen und den großen Höhlen von Kentucky , verirren. Das elektrische irgendwo festhalten. Die meisten der Männer gingen nach der Licht schien nur wie von weither durch Staub und Dampf, Arbeit in eine Trinkhallesie gossen Dünger und Klapper­wie rote und blaue, grüne und purpurne Sterne, je nach den schlangengift in einen Becher. Jurgis aber fühlte sich zu Farben des Gemisches, von dem der Staub und Dampf empor- elend, um zu trinken, er dachte nur daran, zu dem Stadtbahn­stieg. Für die Gerüche in diesen unheimlichen Gerippen- wagen zu kommen. Er hatte Sinn für Humor und später, häusern mag es in der litauischen Sprache Worte geben, in als er länger in Düngerwerfen gewesen war, fand er Spaß einer anderen nicht. Wer hier eintritt, muß vorher allen daran, in einen Wagen zu steigen und abzuwarten, was dann seinen Mut sammeln wie zu einem Sprung in eisiges Wasser. geschah. Am ersten Tage aber war er zu elend, um zu be­Er nimmt sein Taschentuch vor die Nase und huftet und merken, wie die Leute im Wagen schnüffelten und spien, ihre würgt. Und wenn er trotzdem bleibt, hört er ein Brausen Taschentücher an die Nase drückten und ihn mit wütenden um seinen Kopf und die Adern an seinen Schläfen flopfen, Blicken durchbohrten. Er merkte nur, daß ein Mann vor bis endlich der überwältigende Geruch des Ammoniats ihn ihm plöblich aufstand, und dann zwei Minuten später die fast erstickt, und er, um sein Leben zu retten, hinausstürzen beiden Männer an seinen Seiten ihre Bläße verließen, in muß. Ueber dieser Hölle wird der Abfall getrocknet, die kürzester Zeit war der vorher ganz bejezte Wagen fast leer. Masse von braunem, zähem, klebrigem Stoff, der Abfall alles Die Bassagiere, welche auf der Plattform feinen Raum fanden, Abfalls. Ist er genügend trocken, dann wird er zu einem waren ausgestiegen. feinen Pulver zerrieben und mit einer geheimnisvollen braunen Erde vermischt. Dann ist er fertig zum Gebrauch und wird in Säcke gepackt und als eine von den hundert Sorten Phosphorpräparaten in die Welt geschickt.

Die Farmer in Maine oder Kalifornien oder Teras faufen ihn zu 25 Dollar die Tonne und düngen ihr Land damit; einige Tage nach der Düngung haben die Felder einen Scharfen Geruch, und die Farmer, die Wagen und selbst die Pferde, die ihn gefahren haben, sind von dem Geruch durch drungen. Und die Farmer gebrauchen doch jeder vielleicht nur eine Tonne auf mehrere Aecker und in freier Luft, in Packingtown aber liegen in einem Gebäude Hunderte und Tausende von Tonnen; der Dünger liegt überall in Ein­friedigungen aufgehäuft, bedeckt zolltief den Boden und er­füllt die Luft mit schauerlichen Dunstwolken, die zu augen­beißenden Staubwolfen werden, wenn der Wind weht.

Zu diesem Gebäude kam Jurgis täglich, wie von unsicht baren Händen gezerrt. Der Mai war ausnahmsweise falt, und seine geheimen Gebete wurden erhört; er bekam feine Arbeit. Aber früh im Juni kam plötzlich heiße Zeit, und die Düngermühle brauchte Arbeiter. Der Aufseher des Mahl­zimmers hatte Jurgis kennen gelernt und als brauchbaren Mann erkannt. Als nun Jurgis an einem heißen Tage um 2 Uhr wieder an das Tor kam, rief der Aufseher ihn herein. Zehn Minuten später hatte Jurgis Rock und Oberhemd aus­gezogen, biß die Zähne zusammen und ging ans Werk.

Selbstverständlich machte Jurgis sein Haus bei seinen Eintritt sofort zur reinen Düngermühle. Der Dünger saß einen halben Roll tief in seiner Haut, sein ganzer Körper war damit angefüllt, und es hätte nicht nur wochenlangen Scheuerns, sondern auch der eingehendsten weiteren Kuren bedurft, um es wieder herauszubringen. Er stank so, daß das Essen auf dem Tische Geschmack davon annahm und die ganze Familie zum Brechen brachte. Er selbst konnte drei Tage nichts genießen. Seine Hände konnte er waschen und Messer und Gabel gebrauchen, aber das Gift verstopfte ihm Mund und Kehle. Trozzalledem hielt er tapfer aus.

So verging ein weiterer Sommer, ein Sommer des Ge deihens für das ganze Land. Das ganze Land munter Backhausprodukte, und es gab trop der Packherren Be mühungen, einen Ueberfluß von Arbeitern zu halten, ge­nügend Arbeit für alle Familienglieder. Wieder waren sie imstande, ihre Schulden zu bezahlen und sogar eine kleine Summe zu sparen. Aber sie erkauften diesen Zustand mit schweren, schier unerträglichen Opfern. Schlimm war es, daß die kleinen Knaben Zeitungen verkaufen mußten. Troß allen Bittens und Scheltens fonnten sie es nicht verhindern, daß die Kinder, ohne daß es ihnen zum Bewußtsein kam, das Benehmen und den Ton der Straßenjungen annahmen. Sie fluchten in geläufigem Englisch, suchten die Zigarrenstummeb von der Straße auf und rauchten sie, verbrachten ganze Stunden mit dem Spiel um Pfennige, mit Würfeln und In einer Minute hatte er die Arbeit erlernt. Er stand Karten. Sie fannten alle Häuser der Prostituierten und alle vor einer der Deffnungen der Mahlmaschine, und aus ihr Damen, welche sie beherbergten, und wußten die Tage, wann floß ein dicker brauner Strom, umwölft von einem feinen darin große Feste mit Polizeileutnants und bekannten Poli­sprißenden Staubregen. Mit sechs anderen anderen Arbeitern tifern gegeben wurden. Wenn sie von einem Landkunden" schaufelte Jurgis den Dünger in die Wagen. Er sah seine gefragt wurden, so konnten sie ihm die sogenannten Hinky­Gefährten in dem Staube nicht, er hörte nur, daß sie da waren dinks Zimmer" zeigen, ihm sogar mit Namen die verschiedenen und schaufelten. Sie berührten sich zuweilen. Wenn der Spieler, Wucherer und Zuhälter nennen. Schlimmer noch Wagen gefüllt war, tastete er umher, bis ein anderer kam. die Knaben fingen an, nachts nicht nach Hause zu kommen. In fünf Minuten war er vom Kopf bis zu den Füßen die Was für einen Zweck hätte es meinten sie Zeit, Kraft reine Düngermasse. Man gab ihm eine Maske vors Gesicht, und Fahrgeld zu verschwenden, wenn das Wetter so schön war weil er sonst nicht atmen konnte. Aber die Maske verhinderte und sie wundervoll in einem Zorwege oder einem leeren es nicht, daß seine Lippen und Augenlider mit dem Dünger- Rollwagen schlafen konnten? So lange sie für jeden Tag mehl bedeckt, sene Ohren damit gefüllt wurden. Er glich einen Dollar heimbrachten, war es doch gleichgültig, wann

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