NnterhaltungsMatt des vorwärts Nr. 34. Sonnabend, den 16. Februar. 1907 (Nachdruck verboten.! 84 JVIadamc d'Ora. Roman von Johannes V. Jensen. «sowohl Lee als auch Evanston waren ganz atemlos. Lee hatte sich bei diesem ersten Gang mit Ruhm bedeckt, aber slle waren sich klar darüber, welcher Gefahr er ausgesetzt ge- Wesen wäre, wenn Evanstons gewaltige Stöße ihn getroffen hätten. Die Zuschauer waren in großer Erregung, es schien "in spannender Kampf zu werden. Evanstons Partei er- munterte ihn mit Zurufen:Das geben Sie ihm das nächste Mal". Und Lees treue Anhänger beschworen ihn:Nur mnner drauf los. Mann! Halten Sie ihn sich vom Leibe ab!" Lees Sekundant trocknete ihn sorgfältig ab und flüsterte: Fassen Sie ihn so niedrig wie Sie können. Der Magen ist vine schwache Seite". Evanstons Sekundant flüsterte:Lassen <Sie ihn drauf los schlagen. Sie können es aushalten! Hauen Sie ihn dann an den Kopf!" Der zweite Gang. Sie rannten sich sofort in die Arme und rangen, Evanston drängte Lee bis an den Strich. Als sie einander losließen, mußte Lee springen und lebhaft von �iner Seite nach der anderen weichen, um Evanstons blindem Angriff zu entgehen, er ging drauf los wie ein wilder Stier. (Hurra für Tang!) Schließlich wurde Lee bis in die äußerste Ecke des Kreidevierecks gedrängt, und Mason hielt sich schon («reit zu klingeln, aber Lee antwortete Evanston mit einem steifen Faustschlag ins Auge, als er kam: er selber erhielt *nen schweren Stoß unterhalb der Rippen, der ihn er- schüttelte.Reine Schlingelstreiche!" heulte die Partei des Kindes. Jetzt blutete Evanston , seine eine Braue war auf- geschlagen. Lee hämmerte seine Rechte in Evanstons Rippen hinein. Lee stieß ihm mit der Rechten in die Herzgrube. Lee schwenkte seine Rechte und traf die Schläfe, es klang, als werde Brennholz klein gemacht. Sie standen und hielten sich ge- packt, als die Glocke ertönte. Dieser Gang hatte sich unbedingt zu Lees Gunsten ge- staltet, und die Odds gingen ein wenig herunter. Aber Evanston hatte seine Chance noch nicht gehabt. Er war auf dem einen Auge durch das Blut geblendet, und er schäumte, konnte seine Wut nicht beherrschen. Der Sekundant wusch stm ab und flüsterte ihm viele beruhigende Worte zu. Es war allen klar, daß Evanston am meisten keuchte, er hatte sich überanstrengt, ohne genug dafür zu bekommen, hatte zu viel Kraft in Stöße gelegt, die er nicht zur Ausführung brachte. Und doch waren die Kundigen keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß er Leekalt machen werde", wenn ihm nur die Gelegenheit dazu geboten würde. Im dritten Gang blieb Evanston ruhiger und Lee war mehrmals in Gefahr. Evanston wurde zweimal von Mason «ewarnt. well er versuchte, niedrig zu stoßen, in die Magen- gegend. Lee reizte Evanston durch einen schmerzenden Schlag stls Gesicht nach dem anderen, und als die Glocke erscholl, war Evanston wieder in Schainn und Blut gebadet und bebte vor Wut. Es war sonderbar, die beiden Gegner zu beobachten und zu sehen, wie der Unterschied in ihrem Körperbau dem Unterschied in ihrem Charakter entsprach. Evanston war voll sterisch ererbter Stärke, die er nicht zu zügeln vermochte, und "r platzte fast vor Bosheit vor einer mächtigen Mißgunst, die stjn krank machte, weil er sie nicht auf der Stelle befriedigen Kmnte. Lee war im Besitz eines Körpers, den er selber durch zweckmäßigen Training abgehärtet hatte, und es lag auch nicht »ne Spur von Unwillen gegen den Gegner in feinem Blick, während er kämpfte. Trotzdem versäumte er nie den ge- rmgsten Bortefl, er wünschte seinen Mann zu fällen. Im vierten Gang kam Evanstons Gelegenheit. Er fing an zu stürmen, und als Lee wich, verfolgte er ihn wie ein wilder Ochse unter einem Regen von Schlägen und Stößen. Einer dieser blind drauf los gehauenen Schläge traf Lee wie ein Hammer auf den Kiefer und er stürzte in seiner ganzen Länge hin.(Hurrarufe für Tang? Ausrufe des Kummers und der Besorgnis von der Partei des Kindes!) Es sah aus, als wenn sich Evanston über den Gefallenen stürzen wollte, um ihn in Stücke zu zerreißen, aber Mason war da und klopfte ihn auf seine nackte Schulter: Gehen Sie in Ihre Ecke zurück, wie!" Ueber Lee stehend, fing Mason, die Uhr ur der Han? an zu zählen. Bei drei bewegte Lee die Augen, bei fünf richtete er sich! in eine kniende Stellung auf. Aber er blieb auf allen Vieren liegen, um die Ruhe mitzunehmen, die ihm noch vergönnt war. Bei neun stand er mit einem Sprung auf den Beinen. Evanston stürmte auf ihn los. Evanston hämmerte ihm mit der Linken in die Brust hinein. Evanston schlug ihm mit der rechten und linken Faust in die Rippen. Lee schwang seine Rechte mit aller Gewalt von unten in die Höhe und traf Evanswn unter das Kinn.(Hoch das Kind?) Evanston schwankte hintenüber mit ohnmächtigen Augen, stand aber. Mason klingelte. Während der minutenlangen Pause erklärte Evanston plötzlich,daß er nicht mehr wolle. Jetzt könne es genug sein. Er wolle gehen." Nein, mein Herr," sagte Mason mit sanfter Stimme. Das wollen Sie ganz und gar nicht. Sie wollen wahrhaftig hier bleiben, wenn aus keinem anderen Grunde, so doch um unserer Wetten willen. Sie sind ein starker Mann, Herr Evanston : ich kann mir nicht denken, daß Sie ehrlos sind. So! Haut jetzt drauf los!" Er puffte den zähneknirschenden Mann in den Kreis hinein, wo er von Lee mit einem klatschenden Faustschlag in den Mund empfangen wurde.(Hoch! Dreimal hurra für das Kind!) Evanston senkt die Stirn und geht stoßend vor, hämmert mit beiden Armen drauf los. Lee pariert mit seinen Ellenbogen. Lee schwingt die Rechte von unten auf- wärts und haut Evanston ins Gesicht, so daß ihm das Blut aus Nase und Mund spritzt. Evanston packt Lee und will beißen.(Ausrufe des Entsetzens, der Schmach, des Hohnes von feiten der Zuschauer l) Lee stürmt los und trifft Evanston mit der linken Faust in die Herzgrube. Evanston trifft Lee in die Seiten. Evanston heult vor Wut, schlägt um sich. Lee gerbt ihm das Gesicht. Tie Glocke erschallt. Die Hitze im Laboratorium war jetzt bis zum Wahn» sinnigwerden gestiegen, denn nirgends war ein Luftzutritt möglich. Der Schweiß troff an den gespannten und krank- hast verzehrten Gesichtern nieder, die Zurufe hatten einen ge- brochenen Ton, mehr als einem war wirr zu Sinne. Man öffnete die Tür, aber das nützte nicht viel: es war außerdem nötig, sie gleich wieder zu schließen, aus Furcht vor dep Polizei. Warum machen Sie ihm nicht den Garaus?" flüsterte Lees Sekundant eifrig und verständnislos während der Pause.Er schützt sich gar nicht mehr. Schlagen Sie ihn doch nieder!" Wenn er es lernt, ehrlich zu kärch�fen, so werde ich ihn töten!" sagte Lee, dessen Blut jetzt ins Sieden gekommen war.Vorläufig will ich ihn abstrafen." Und als der sechste Gang anfing, fuhr Lee angreifend auf Evanston ein wie ein Tiger. Evanstons Kopf war eine blutige Masse, aber Lee bearbeitete ihn, kreideweiß im Gesicht vor Energie. Evanston versuchte noch einmal Sturm zu laufen, da er aber seine Arme fortwährend nur halb aus den Gelenken hämmerte, und selber einen betäubenden Faust- schlag nach dem anderen erhielt, brach er mit einem Schrei, aus dem die Todesangst sprach, aus dem Kreise und warf sich kopfüber zwischen die Zuschauer, wo er schlug und stieß und um sich biß wie ein Wahnsinniger, bis man ihn anhielt und ihn auf den Fußboden niederdrückte. Dann stellte man ihn wieder auf die Beine und führte ihn in den Kreis zurück. Tie Wetten sollten entschieden werden. Als Evanston Lee erblickte, verlor er vor Haß und Wut den Verstand und stürzte heulend auf ihn los Er sah entsetzlich aus, die blutigen Augen standen ihm aus dem Gesicht, man sah die Zunge und die Zähne, die Muskeln an seinem Körper zogen sich krampfhaft zusammen. Lee schlug ihn zwischen die Augen. Lee sprang wie ein Tänzer um den wahnsinnigen Riesen herum. Lees Augen waren unverwandt auf diese sich windenden Fangarme gerichtet, die das Leben aus ihn herausquetschen würden, wenn sie seiner habhaft wurden, auf diese behaarte Brust, die wie ein Balg keuchte vor wahnsinnigem Verlangen, ihn an sich zu pressen und zu