(1öS)' mit Sem frischen Ausblick über die Veranda. Das große Figurenbild von S k a r b i n a, dasProf. Bergmann" bei der Operation zeigt, ist wohl genau in der Charakteristik, es niangelt aber in der malerischen Bewältigung; das ganze bleibt Illustration. Das große Bild.Aktstudie" von Franz Paczka(W3) in Saal 6c ist um der schönen, malerischen Behandlung der roten und grünen Farben im Teppich und im Sofa zu beachten. In Saal 66 fällt das BildIm Sonnenschein"(271) von K l o h ß auf. eine kraft- volle Naturstimmung. Prächtig flimmert dieFischerhütte"(273) von Kolbe mit dem eigenen Glanz der Farben, den die Küste, die Nähe der See an Sommertagen zeigt. InSommerwind"(277) gibt K l o h ß eine feine märkische Stimmung. Von hier nach Saal 7. Die.Kleinkinderschule" von Kall - morgen(286) erinnert entfernt an Liebermann, es ist ein bißchen pedantisch gemalt, zeigt aber im ganzen gute Beobachtung und Liebe. Hamacher stellt inWindiger Morgen"(291) eine seiner charakteristischen, in grünen, grauen und blauen Farben silbrig, dekorativ gemalten Sccstücke hin, die die bewegte Wucht des Wassers vorzüglich zeigen. Eine feine Landschaft gibt T h i e m (369) in seinemRegentag". Da ist alles bis ins Einzelnste belebt und doch behält der Künstler das Ganze im Auge. Malerisch ist das graue Aufleuchten des Sees zwischen den Bäumen, malerisch die grauen Massen der kleinen Häuser; die Wolken haben ein eigenes Leben; hinten verblauen die Berge. In dem Bilde steckt viel Arbeit und Selbstzucht. Fein wirkt dasDamenporträt in Schwarz"(315) von Pfuhle; aus dem dunklen Hintergrunde hebt sich matt das Gesicht heraus. Von hier nach Saal 20, dem Rundgang, der sich an Saal 11 anschließt. Saal 20 27 bringt die Fortsetzung der Berliner Kunst. Es scheint, als habe man in diese Seitenkabinette das Schlimmste des Schlimmen gehängt. Immerhin ist eine schnelle Wanderung lehrreich. Man sieht, auf welchem Niveau die Aus- stellung früher stand. Böse Porträts, oberflächliche Landschaften, Klischee-Stillleben nach dem Dutzend-Schema. Man glaubt, in einem jener Kunstläden zu sein, wo Oeldrucke verkauft werden. In Saal 20 ist 1111 bemerkenswert, eine Landschaft in Gelb und Grau. In Saal 22 halte man sich an 1133Reifendes Korn" von Paczka, das dekorativen Schwung hat. Das heiße gelbe Feld wogt, es ist mit breitem Pinsel hingestrichen; dagegen steht gut die frische grüne Wiese. In Saal 23 achte man auf 1174. O'L h n ch hat aus dem Blumenmarkt in Brügge eine schöne, tonige Stimmung herausgeholt; nichts leuchtet hier hell heraus; alles ist in weiches Braun getaucht. Saal 24 zeigt eine kleine, kind- liche Zeichnung von R. S i e ck(1177); sie sieht aus wie ein Blatt aus einem Kinderbuch' violette und aclbe Blumen auf grüner Wiese. kleines Feuilleton. Victor Hugo über das soziale Elend. Ein Brief von Victor Hugo wird in der letzten Nummer desCentury Magazine" ver- ösfentlicht. Er trägt das DatumHautcville House, Oktober 18, 1862" und ist an den italienischen Grafen Victor A. Pcpe gerichtet, als Beantwortung einer Anfrage über das Endziel, das der fran- zösische Dichter bei der Abfassung seines sozialen Romans Xes Miserables"(Die Elenden) im Auge gehabt habe. Von italienischer Seite war behauptet worden, die in dem Werke geschilderten Zu- stände möchten auf Frankreich zutreffen, nicht aber auf Italien . Victor Hugo dagegen betont, daß sein Werk sich gleichmäßig an alle Nationen wende:Die sozialen Probleme überschreiten die Grenzen, die Leiden der menschlichen Rasse gelvaltige Leiden, die den Globus bedecken machen nicht Halt vor den roten oder blauen Linien, die im AtlaS eingezeichnet stehen. Wo immer auch ein Mensch unwissend ist und verzweiflungsvoll, wo immer auch ein Weib sich für's Brot verkauft, wo immer auch ein Kind Not leidet aus Mangel an einem Buch, das es belehrte, oder an einem Herzen, das es wärmte, dort klopft das Buch von den Miserables an die Pforte und sagt:Leffnet! Ich bin hier für Euch!" Auf der noch so verdunkelten Bühne der Zivilisation, auf der wir leben, ist der Name des Armseligen: Mensch; er leidet in jedem Klima, er seufzt in jeder Sprache." Freilich ist die Sonne Italiens herrlich, aber die Schönheit des italienischen Himmels befreit den Menschen nicht von seinen Leiden.Wie wir, so habt auch Ihr Vorurteile, Aberglauben, Tyrannei, Fanatismus und blinde Ge- setze, die törichte Bräuche züchten. Ihr laßt nichts gelten von der Gegenwart oder Zukunft, wenn dem nicht die Würze der Ver- gangenhcit anhaftet; und unter Euch habt Ihr einen Barbaren, den Mönch, und einen Wilden, den Lazzarone. Die soziale Frage ist für Euch die gleiche wie für uns. Euer Volk stirbt etwas weniger an Hunger, und etwas mehr an Fieber; Eure Hygiene ist nicht'viel besser als die unsere...Habt Ihr nicht, gleich uns, ein kolossales KriegSbudget und einen verhältnismäßig lächerlichen Etat für das Bildungswesen? Habt nicht auch Ihr den passiven Gehorsam, aus dem so leicht ein brutales Soldatentum gemacht werden kann? Habt Ihr nicht einen Militarismus, der der Tis- ziplin so weit unterworfen ist, daß er auf Garibaldi Feuer gibt was dasselbe ist, als feuere man auf die lebende Ehre Italiens ? Lassen Sie uns die soziale Organisation untersuchen; lassen Sie uns sie nehmen, wie sie ist und ihre offenkundige Ungerechtigkeit aufdecken. Zeiget mir Eure Fraueli und Euer Kind. Wir messen den Grad der Zivilisation nach dem Schutze, der diesen zwei schwachen Geschöpfen zuteil wird. Ist die Prostitution in Neapes weniger beklagenswert als in Paris ? Habt Ihr nicht, gleich uns, zwei Verdammungen: die religiöse, die der Priester ausspricht, nud die soziale, die der Richter dekretiert? O großes Volk Italiens , Du gleichest dem großen Volk Frankreichs ! Ach, meine Brüder, Ihr seid gleich uns miserables"..... Dieses Buch von den miserables ist ebenso ein Spiegel unserer Verhältnisse, als der Euren. Es gibt Leute und Stände, die dagegen protestieren, und ich verstehe wohl, warum. Spiegel sagen die Wahrheit und sind daher verhaßt, aber darum hören sie nicht auf, nützlich zu sein. Was mich anbetrifft, so habe ich für alle geschrieben; mit tiefer Liebe für mein Vaterland, aber ohne mich dabei mit Frankreich eingehender zu beschäftigen als mit jedem anderen Volk. Nach und nach, je mehr ich im Leben fortschreite, werde ich einfacher und mehr und mehr zum Patrioten der Menschheit. Das ist, nebenbei gesagt, der Zug der Zeit, das Entwickelungsgesetz der französischer» Revolution, und um der fortwährenden Ausbreitung der Zivili- sation zu entsprechen, müßten die Bücher aufhören, ausschließlich französische, italienische, deutsche, spanische, englische zu sein, um europäische zu werden und mehr noch, menschliche..." Und Hugo schließt:Seitdem die Geschichte zuerst aufzeichnete und die Philo- sophie zuerst dachte, ist die Armut die Kleidung der menschlichen Rasse: möchte der Äugenblick kommen, da endlich diese Lumpen ab- gestreift werden, wo an den Gliedern des Menschenvolkes die ab- scheulichen Lappen ersetzt werden durch den großen Purpurmante) der Morgenröte!"- Naturwissenschaftliches . Neue Versuche über die Entstehung neuer Arten. Das Dogma von der Konstanz (dem beständigen Gleich- bleiben) aller Pflanzen- und Tierarten, das mit den Ueberlicfe- rungen der Bibel übereinstimmt, ist durch die Entwickelungslehre nicht nur erschüttert, sondern so vollständig beseitigt worden, daß es in der ernsthaften Naturwissenschaft überhaupt keinen Raum mehr hat. Die Grundanschauung der Abstammungslehre, daß alle; heute lebenden Arten in der Pflanzen- und Tierwelt von sehr ein- fachen Formen ausgegangen und durch allmähliche Abänderung im Laufe von Millionen und Abermillioncn von Jahren entstände« sind, ist seit Darwin zu einem festen Bestand unserer wissen- schaftlichen Einsicht geworden. Wenn nun diese Abstammungslehre auch für immer mit dem Namen Darwins verflochten bleiben wird» so ist damit natürlich nicht gesagt, daß die Einzelheiten der Er- klärungen, welche Darwin bei der Erforschung der Ursachen der Ab« änderungen gab, in allen Punkten zutreffend gewesen sein müssen» ja, es wäre sogar höchst wunderbar, wenn dies der Fall sein sollte. Als Hauptfaktoren, die bei der Abänderung von Arten mit- wirken, glaubte Darwin die Anpassung an veränderte Lebens- bedingungen und die Vererbung der eigentümlichen Eigenschaften der Eltern zu erkennen. Was sich den Bedingungen, unter denen es leben soll, anzupassen nicht fähig ist, kann auch nicht bestehen bleiben, sondern muß zu Grunde gehen, während diejenigen Jndi, viduen, die sich anzupassen vermögen, weiter bestehen, sich fort- pflanzen und ihre Eigenschaften an ihre Nachkommen vererben» wodurch der hohe Grad von anscheinender Zweckmäßigkeit in den Organen der Lebewesen zustande kommt. Wie die Züchter, welche bestimmte Eigenschaften an irgend einer Art heranzüchten wollen, Exemplare zur Zucht heraussuchen, in denen diese Eigenschaften bereits angedeutet sind, und durch Fortpflanzung dieser Exemplare diese gewünschten Eigenschaften immer deutlicher ausgeprägt her- vorbringen, so verfährt nach Darwin auch die Natur bei der Fort- Pflanzung der an veränderte Verhältnisse angepaßten und deshalb sie ertragenden Exemplare, wobei die Auslese allerdings viel lang- samer und allmählicher vor sich geht, so daß starke Abänderungen der Eigenschaften, die zu einer neuen Art führen, erst in einem sehr langen Zeitraum zustande kommen können. Diesem Prinzip der natürlichen Auslese und Zuchtwahl, zu welchem Darwin gerade durch die von Züchtern erzielten Resultate hingeführt wurde, hat in der Wissenschaft bis vor wenigen Jahren ziemlich allgemeine Geltung gehabt, und auch die Züchter wandten und wenden es in bewußter Weise mit guten Erfolgen an. Gegenüber dieser speziell mit dem Namen Darwins bezeich» neten Selektionsichre(Lehre von der Auslese) ist seit einigen Jahren eine andere Theorie mehr in den Vordergrund getreten, wonach urplötzlich und sprunghaft Veränderungen an den Nachkommen einzelner Arten auftreten können, die so stark sind, daß eine vollkommen neue Art entstanden ist, die sich nunmehr wieder als eine ziemlich konstante Art fortpflanzt. Von dem holländischen Botaniker de V r i e S ist diese Lehre zuerst in umfassender Weise aufgestellt und begründet worden. De Vries meint, daß zu verschiedenen Zeiten Perioden solcher plötzlichen Mutationen(Veränderungen) aufgetreten sind, so daß zu der Entstehung der vielen Arten, die wir heute kennen, nicht so ungeheure Zeiträume nötig waren, wie nach der Lehre von der natürlichen Auslese und Zuchtwahl angenommen werden mußte. Zu den Beobachtungen und Versuchen, welche diese Lehre stütze», ist vor kurzem ein interessanter Beitrag veröffentlicht worden. Der Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt in Swalöf in Südschwcden, Herr N i l s s o n, bemühte sich um die Hcranzüchtung eines besonders guten Roggens. Auch hierbei ver,