init beweglichen Köpfen angefertigt, die aus Kastanien geschnitzt find: die Puppen sind als Vertreter der einzelnen Stände karikiert. Gerade von dieser Abteilung, der Plastik, hatte man mehr erwartet. So aber kommen diese wen'gen Arbeiten nicht über die Augenblicks- Wirkung hinweg. ebenfalls darf eine Ausstellung, bei der gerade da? SBesent- ehlt(dos Wesentliche sind die neuen Witzblätter, die gerade in Mache und Auffassung gegen dieses anständige Mittelmaß von Talenten angingen) auf Vollständigkeit kemen Anspruch machen. ES geht ihr gerade das ab, was man von ihr erwartet. Man hat An- regungen reichster Art von dieser Anhäumng deS WitzeS und der Laune erwartet; man hat sich über die Idee gefreut und schon im Geiste den guten Einfluß gebucht, den die lebhaften, französischen Talente auf die deutschen Künstler, die nicht gern zugreifen und wagen, haben werden. Nun ist das alles vergeblich. ES wäre so interesiant gewesen, festzustellen, wo allmählich dieses Grenzgebiet der Kunst übergeht ta wirkliche Kunst, und gerade die Sezession wäre dazu der geeignete Ort gewesen; so daß es möglich gelvesen wäre, dem eigentlich künstlerischen Gehalt der Karikatur auf den Grund zu kommen, wenn man daneben hält, wie oft gerade die sezessionistischen Künstler, auch mit ernsthaften Arbeite», durch Ueberlreibung, durch eine gewisse Härte und Rücksichtslosigkeit der Linien, durch auf- fallende Farbenarrangements das Gebiet der Karikatur streifen; wodurch man sich zu der Erwägung veranlaßt sieht, daß bei un-Z »och eine ganze Anzahl künstlerisch-karikaturistischer Kräfte gefesselt sind und so ihr Können in andere Gebiete der reinen Kunst über- leiten. All diese Beobachtungen wären interessant gewesen. Dazu aber wäre nötig gewesen, daß die Auswahl eine sehr strenge hätte fein müssen. Das ist sie aber nicht gewesen. Im Gegenteil, es sieht so aus, als hätte das gemäßigte Blatt des Inlands die ge- mäßigten Blätter des Auslands eingeladen. Vor der eigentlichen Moderne macht die Ausstellung Halt. Jede soziale State fehlt. Steinten wird vergebens gesucht. ES fehlt das Aggressiv-Politische, daS wirklich Ernste. Dagegen— wie viel könnte mit Fug und Recht heraus, daS sich hier breit macht mit blödem Lachen. Und wenn man dann schließlich bedenkt, daß wir alle Jahre in der_ Großen Berliner Ausstellung in einer graphischen Separat- misstellung des Verbandes deutscher Illustratoren schließlich denn doch mehr von modernen Leichnern zu sehen bekommen als hier in dieier Spezialausstellung,>o stellt man mit Bedauern fest, daß der Titel des Arrangements Hofsnungen geweckt hat, die nicht er- füllt sind. kleines feuilleton. Theater. Pariser Theater. In dem von A n t o i n e geleiteten Pariser Odeon ist Wildenbruchs„Haubenlerche" aufgefiihrt worden. Der einstige Pionier Ibsens in Frankreich hat jetzt be» scheidenere Ambitionen. Vor zwei Jahren hat er, damals noch im eigenen Theater auf dem Boulevard de Strasbourg , der franzö- fischen Nation die erhabenen Gemütswcrte von„Alt-Heidelberg" vermittelt. Jetzt setzt er im zweiten Schauspielhaus die Gipfel- Wanderung auf dem deutschen Parnaß fort. Die Aufnahme des Wildenbruchfchcn Stückes war nicht ungünstig. Der französische Bourgeois ist für Rührseligkcit und moralisches Pathos auf dem Theater von jeher empfänglich. Indes meint Emanucl Arene im „Figaro" nicht mit Unrecht, daß die französische Bühne dergleichen zur Zeit der Feuillet mindestens ebenso gut produziert hätte. Er fetzt spöttisch hinzu:„Wenn die Seelen in Deutschland wirklich so rein sind, nun um so schlimmer für uns. denn— gestehen wir es nur demütig ein— wir find nicht auf dieser Höhe." Aehnlich urteilen auch andere Blätter. Gleichwohl werden dem Stücke manche Vorzüge, wie eine gute Milieuzeichnung, von vielen Kritikern zugestanden. Was Antoine zu d«: Aufführung des ab- geblaßten Stimmungsprodukts aus der Aera der monarchisch-sozialen Expcrimentalpolitik bewogen hat, ist rätselhaft, da ihm doch die spezifischen Effekte, wie Uniformen oder Couleurflaus und-flausen, abgehen.— Im Anschluß daran sei berichtet, daß der Wildenbruch- import in Frankreich fortgesetzt wird. Sarah Bernhardt will die „Rabensteinerin" spielen. Aus der Borzeit. Die Zerstörung vorgeschichtlicher Gräber. Im brandcnburgischcn Kreise Becskow-Storkow, unweit der Reichs- Hauptstadt, liegt der S ch crr m ü tz e l s e e, ein sehr beliebter Aus- flugsort der Berliner . An ihm sind viele Hünengräber aufgedeckt worden. Die dort gefundenen Steine sind leider aus Unkenntnis zum Bau der Chaussee nach Pieskow verwendet worden. Jeder Grabhügel lieferte etwa 60— 70 Kubikmeter Steine, die mit sechs Mark für das Kubikmeter bezahlt wurden. Nach Busses Angaben in der Zeitschrift für Ethnologie befanden sich in der Nordwcftecke des Sees bis vor kurzem noch einige Gebäude der Aktiengesell- schaft für Brannkohlengewinnung. Hinter diesen liegt ein größeres Urnenfeld. Die Gefäße, die aus ihm ausgegraben wurden, befinden sich im märkischen Provinzialmuseum. Seitdem die Kohlen- gruben in den Rauenschen Bergen verfallen und. die Gebäude der Aktiengesellschaft verschwunden sind, hat sich eine Villenkolonie am See ausgebreitet. An einer Stelle wurden mehrere vom Feuer geschwärzte Steine, Tonscherben ohne Ornamente und eine bron- zene Fibula ausgegraben. Busse glaubt, daß diese Gegenstände den Fundamenten einer vorgeschichtlichen Hütte oder eines Grabes entstammen, weil sich etwa 4— 5 Meter davon entfernt weitere Gräber fanden. Am Ostrande des Sees liegt der Ort Diensdorf und südlich wieder ein anderes Urnenfeld. Da die Kicsausschachtungcn an der alten Gräberstätte fortgesetzt werden, liegt die Gefahr vor. daß noch mancher, vielleicht geschichtlich recht wertvolle Fund, der Vernichtung anheimfällt. Staatliche Maßnahmen sollten die Stätte vor weiterer Plünderung schützen. Humoristisches. — Anders gemeint. Richter(zum Hausherrn):„Sie haben den Aktuar Maier auf Auflösung des Mietskontraktes ver» klagt, weil sein Waldhornblasen Ihre Ruhe stört. Run behauptet aber der Beklagte, daß er dadurch nur das kläglich falsche Flöten- spielen seines Nachbars übertönen will.— Da wird man Ivohl beide Teile hören müssen?—„Herr Nichter, das halten S' nicht aus!' — Heutzutage!„Sie möchten also m mein Geschäft ein- treten I Können Sie Französisch?"—„Ich habe einen Preis darin gekriegt!"—„Verstehen Sie auch Englisch ?"—„Jawohl I'— „Sind Sie beivandert in Handelsgeographie und höherer Waren- künde?"—„Gewiß, mein Herr!"—„Gut! Sie können sofort eimreten l Leeren Sie also den Papierkorb, kopieren Sie die Briefe und tragen Sie sie zur Post I" — K n n st g l o s s e.„Neue Perspektiven!" krähte der Hahn, als er seinen Misthaufen einmal von der anderen Seite bestiegen hatte. („Meggendorfer-Blätter ".) Notizen. --»Ein« Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums wurde in Berlin eröffnet. � Das Unternehmen scheint wissenschaftlich gänzlich zwecklos zu fein. Was an der „Wiffcnschast des Judentunis" wissenschaftlich ist, wurde längst in Angriff genommen und gerade von nichtjüdischer Seite hoch ent« wickelt. Man braucht nur an die Bibcllritik zu denken. — Künstliche Diamanten herzustellen ist einem französi- schen Chemiler Aristide Charette auf eine neue Methode gelungen. In der Pariser Akademie der Wiffenschaften wurde darüber Mit- tcilnng gemacht. Da der Diamant nichts weiter ist als kristalli- sierter Kohlenstoff, war cS theoretisch längst möglich, künstliche Diamanten herzustellen. Nur haperte eS in der Praxis. Der kürzlich verstorbene berühmte Chemiker Moissan hatte zuletzt im elektrischen Ofen unter riesigem Druck Kohlenstoff zur Kristallisation gebracht. Aber die Diainanten waren winzig klein. Charette schlägt andere Wege ein. Er bringt Schwefelwasserstoff und Eisen in ein lustleeres Gefäß und fiihrt einen elektrischen Strom ein. ES bilden sich dann an der Wand kleine Diamanten. Die Besitzer der gleißenden Steine brauchen indes vorläufig wegen dieses Hoch- Verrates gegen ihr darin aufgehäuftes Kapital nicht bange zu sein. Auch diese neueste Methode dürfte nur Splitterchen zustande bringen. — EdisonS neue Erfindung. Wiederum wird eine voraussichtlich epochemaihende Erfindung EdisonS bekannt. In New Dork hat der Meister, der uns schon an so viele Wunder gewöhnt hat, in einer Sitzung der elettro-chemischen Gesellschaft angekündigt, daß es ihm nach jahrelangen Versuchen jetzt gelungen sei, einen Akkumulator für elektrische Energie zu konstruieren. der eine beinahe unbegrenzte Kapazität befitzt und trotzdem so geringes Gewicht hat, daß die motorische Kraft nunmehr, ohne eine enorme Last toten Gewichtes mitzuführen, transportiert werden kann. Die Lösung dieses Problems wird, sagte Edison, das gesamte Verkehrswesen revolutionieren. Der Akknmulatqr ist so bedeutend billiger als die jetzt üblichen motorischen Maschinen, daß in Zukunft der elektrische Motorwagen oder das elektrische Motorschiff in all- gemeinen Gebrauch kommen müffe. DaS Pferd wird verschloinden, ebenso die schweren Lokomotiven und Schiffsmaschinen. — DaS Alter des Menschengeschlechts ist durch Funde bei Lütttch in Belgien um eine ganze geologische Epoche hinausgeschoben worden. In geologischen Schichten, in denen menschlickie Skelette noch nicht nachgewiesen wurden, haben sich Spuren seiner Tätigkeit gefunden. Eolithen, Kieselknollen aus dem Tertiär, geben die älteste Kunde vom Menschen. Es ist nun ge« lungen, im oberen Oligocän bei Boncelles in der Nähe von Lüttich solche behauenen Und bearbeiteten Sic.'Ne nachzuiveiscn. Bisher konnte man sie nur bis ins obere Miocän zurlladerfolgen. Durch diese Funde wird, wie G. Schweinfurth in der„Voss. Ztg." bemerkt, das Alter des Menschengeschlechts mn unmeßbare Zeiträume hinaus- gerückt. verantwortl. Redakteur: Hans Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei mVerlagsanstaltPaul Singer LcCo..x?erlin SW.
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24 (23.10.1907) 206
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