Mgrab«n, die Falle hineingelegt und sorgfältig mit einer dünnen Kruste Schnee bedeckt, so daß, wenn der Fuchs auch nicht wirklich auf die schmale Pfanne tritt, ein Teil der zerbrochenen Kruste die Falle zum-Zusammenklappen bringt. Vorn und gerade unter dem Schneefall werden kleine Stückchen Köder so gelegt, daß der Fuchs sich drehen und wenden muh, um jedes Stückchen aufzunehmen und dabei unfehlbar auf die Falle treten muh. Eines eigentümlichen Verfahrens bedienen sich die Eskimos zum Erlegen der Eisbären vom Kotzebuesund. Sie schneiden eine Anzahl ungefähr I Fuh langer Walfischbarten, die sie an beiden Enden scharf zuspitzen, nehmen einen Streifen Seehundsspeck von derselben Länge wie die Barten und ziehen sie durch den Speck hindurch, biegen und binden alsdann beide Enden zusammen, damit es die Form einer Roll« behält und legen es an einen kalten Platz. Dort friert die Rolle hart, und das Garn, das zum Zusammenhalten diente, kann entfernt werden. Zeigt sich nun ein Eisbär in der Nähe, so wird eine Anzahl solcher Köder auf dem Eise verteilt. Der Bär riecht den Speck und verschlingt die Rollen, die im warmen Leibe bald auftauen; das Fischbein kehrt in die natürliche gerade Form zurück und durchsticht die Magenwände des Tieres, das dann in kurzer Zeit zugrunde geht. Das Reisen im Winter geschieht meist mit Hunden und Schlitten. Fast jede Familie besitzt zwei bis drei und auch mehr Hunde. Der Eskimohund, auch Wolfshund genannt, ein genügsames Geschöpf und vorzügliches Zugtier, ist leicht zu erhalten, da ex nur von rohen und getrockneten Fischen lebt. Im Sommer, wo man seiner nicht bedarf, kümmert sich der Besitzer nur wenig um ihn; er lebt von Fischabfällcn und erhascht sich Vögel und dergleichen. Nur gegen den Herbst hin, wo der Lachsfang am ergiebigsten ist, werden die Hunde regelrecht ernährt, damit fie im Winter zur Arbeit kräftig sind. Sobald die Erde mit Schnee bedeckt ist. spannt der Eskimo vier bis sechs oder auch mehr Hunde an den Schlitten und fährt in die Nachbardörfer zu Besuch, da um diese Zeit die Festzeit beginnt und in jedem Dorfe ein großer Vorrat von ge- trocknetcm Fleisch und Fisch zu finden ist. Di« Eskimo Alaskas bespannen ihre Schlitten anders als die Grönländer und die Labrador-Eskimos. Während letztere beide ihre Hunde gewisser- mähen fächerförmig nebeneinander vor den Schlitten spannen, ge- braucht der Alaska -Eskimo einen langen, starken Seehundsricmcn, an dessen Vordcrende der intelligenteste Hund als Leittier gepsannt wird; hinter diesem, mit einem Zwischenraum von etwa 1 Meter, wird hüben und drüben an jeder Seite ein Hund an den Haupt- riemcn befestigt. Für schwere Schlitten braucht man neun bis elf Hunde. Die Schlitten sind schmal gebaut und in allen Teilen mit Lederriemcn gehalten. So besitzen sie eine auherordentliche Elasti- zität. Mit einem solchen Schlittengespann kann man durch den dichtesten Wald hindurchfahren, was bei der Bespannungswcise der Grönländer und der Labrador-Eskimos unmöglich wäre. Bei den Bewohnern des nördlichen Alaska läuft stets ein Mann vor dem Hunde her, um den Weg anzuzeigen. Nach Verlauf von zwei oder mehr Stunden setzt er sich ermattet auf den Schlitten, und ein anderer übernimmt sein Amt. Als Schlittendecke dienen gewöhnlich vier zusammengenähte Renntierfelle, die Haare nach innen gekehrt. Dahinein werden alle zu transportierenden Waren gepackt, und das Ganze wird gut zugeschnürt, da der Schlitten alle Augenblicke ein- mal umkippt. Fährt man in bäum- und waldloser Gegend, so führt man vier bis sechs dünne Birkenstämme mit sich, die bei Nacht als Zeltstangen dienen. Will man das Lager aufschlagen, so werden die Hunde an Holzstäben, die man in die Erde oder den Schnee einrammt, befestigt, damit sie nicht über Nacht die Schlitten- riemen auffressen. Darauf werden alle Waren vom Schlitten ab- geladen, und die Stangen mit dem starken Ende in den Schnee ge- trieben, die dünnen Enden aber in Halbkugelform zusammen- gebunden. Darüber wirft man die Rennticrdecke. Mit Renntierfell belegt man auch den Boden des Zeltes. Um das Zelt warm, d. h. luftdicht zu machen, bewirft man es auhen dicht mit Schnee. Lagert man im Wald, so werden Bäume gefällt, und hoch zwischen den Bäumen Schlitten wie Gepäck geborgen. Die Schneeschuhe der Eskimos gleichen denen der Indianer und bestehen aus zwei dünnen Holzreifen, denen man eine länglich- runde Form gibt; die Zwischenräume werden mit Lederriemcn zu- geflochten. Schneeschuhe aus einem Stück Holz, wie sie in Nord- curopa und Nordasien gebräuchlich sind, kennen die Eingeborenen Amerikas nicht. Die Eskimo schützen ihre Augen gegen die schäd- liche Reflexion des Schnees durch eine Holzbrille, die den oberen Teil des Gesichts bedeckt und dem Auge nur durch einen haarfeinen Schlitz das Durchblicken gestattet. Bei Jagden im Sommer im Kajak bedient man sich eines Holzhntes, der reich mit Knochen- schnitzercien verziert ist und das Auge gegen die Sonnenstrahlen schützt. Bei starkem Frost im Winter reibt man sich, ehe man auf die Reise geht, das Gesicht mit Fett ein, und bei Tage verschlieht man die Nasenlöcher mit Renntierhaar, was allerdings für den Europäer kein angenehmes Gefühl ist. Das Gefrieren des Gesichts bemerkt man durch einen stechenden Schmerz. Die gefrorenen Gliedmaßen werden weih; das einzige und beste Mittel ist, die Teile mit Schnee einzureiben. kleines feuUleton. Tbeatcr. D' A n n u n z i o S neuestes Drama:Das Schiff ", dessen erste Aufführung am lt. Januar im Teatro Argentino ii» Rom stattfand, hat mit einem rauschenden Triumph geendet, Trotzdem bestätigt das neueste Werk die völlige Unfähigkeit der DÄnnunzioschcn Kunst zur dramatischen Produktion. Was das Publikum bejubelt hat, das war nicht das Werk des Dichters, das war«ine mit allen Raffinements, mit dem verschwenderischsten Luxus hergestellte Phantasmagorie, zu der Malerei, Musik und Tanz fast ebensoviel beisteuern, wie die herrliche Lyrik der Sprache. Von dramatischer Entwickelung fehlt jede Spur. Die Psychologie der Personen entbehrt jeder menschlichen Wahrscheinlichkeit: D'Annunzio hat Triebmenschen alten Schlages schildern wollen, aber er hat das ganze Triebleben derartig in Geicheit und Sinn» lichkeit getaucht, datz das ganze mehr an ein Lusthaus in einer verfallenden Kultur gemahnt als an die Kriege eines neuen Ge- schlechts, daö auszieht, um die Welt zu erobern. D'Annunzio will die Gründung Venedigs , der Meeres« beherrscherin, verherrlichen. Die von den Barbarenhorden ver» triebenen Flüchtlinge italienischer Städte sammeln sich in der Lagune die Handlung spielt um die Mitte des sechsten Jahr» Hunderts, um dort eine Heimstätte zu bauen. Während sie auf ein Zeichen vom Himmel warten, das die Stätte der neuen Stadt bezeichne, �ertönt eine überirdische Stimme:Euer Vaterland ist auf dem Schiffe." Aber unter den Flüchtlingen herrscht Zwiespalt und Kampf. Die Partei der Faledrer, die eben unterlegen ist, sieht in dem Zeichen von oben einen Kunstgriff der gegnerischen Fak- tion. Die Faledrer sollen den byzantinischen Einsluh darstellen gegenüber dem schlichten, kraftvollen Geschlecht der Gratiker, das die neue Stadt zur Eroberung der Meere führen will. Die unter- legene Faktion der Faledrer hat ihren Tribunen Orso und dessen vier Söhne von den Gratikern blenden sehen und hat Basiliola, die Tochter des Tribunen, nach Byzanz gesandt, um Hülfe zu erflehen. Das junge, in allen Verführungskünsten erfahrene Weib von königlicher Schönheit kehrt mit Rache im Herzen an die Lagune zurück. Sie unterjocht die Sinne Marcos, des Tribunen vom Geschlecht der Gratiker, das ihre Familie vernichtet hat und führt an seiner Seite eine Schreckensherrschaft unter den Flüchtlingen. Hierbei kommen Blutszenen von stark sadistischem Beigeschmack auf die Szene. Um ihr Rachewerk zu vollenden, entflammt Basiliola auch den Bruder Marcos, den Bischof Sergis, und ver« »vandelt die christlichen LiebeLmählcr der Gemeinde in Orgien sinn» licher Raserei. Fast nackt tanzt sie vor der Menge, als Marco dazutritt. Von dem Weibe angestiftet, fordern sich die Brüder zum Zweikampf, in dem der Bischof fällt. Marco läht Basiliola binden, um sie dem Henker zu überantworten und der Akt schließt mit der Kunde, dah der älteste Sohp Orsos mit 3(KK) Eziroleu gelandet ist, um sein Geschlecht zu rächen. Im letzten Akt ist das Schiff zu sehen, das das Vaterland des neuen Volkes sein soll. Es steht gerüstet da, bereit, in das Meer zu gleiten, und Marco Gratico wird sein Führer sein und im Meer sein Grab suchen, um Buhe zu tun für den Brudermord. Basiliola, die gefesselt auf den Henker wartet, versucht den Tribunen zum Mitleid zu bewegen: sie will die letzte Reise mit ihm teilen. Schön läht Marco ihr die Fesseln abnehmen, um sie an den Bug des SchisfeN zu nageln, das die Welt erobern soll, als die schöne Buhlerin sich über die Flamme des Altars beugt und sich so selbst den Tod gibt. Und unter dem Hosianna der Menge gleitet das Schiff inS Meer. Der Dichter hat die Tragödie einer großen Zeit schildern wollen, ist aber wieder in den eisernen Bann geraten, der seine Phantasie einengt: in den der Erotik. So gleiten zwei ganz ver» schiedene Handlungen nebeneinander her, ohne sich je zu berühren. Was hat das Schiff, das ein junges, tatenfrohes Volk zu groher Zukunft trägt, mit dem Tribun zu tun, der für Geilheit und Brudermord Buhe tun will? Wo bleibt der Sieg über Byzanz und seine Korruption, wenn der Tribun ein willenloses Werkzeug der Verführerin wird und nur als markloser Büßer sich ihrem Bann entwindet? Jeder Glaubwürdigkeit entbehrt auch die lüsterne, ewig im brünstigen Taumel befindliche Menge. So hat sich D'Annunzio auch diesmal einem Ziel zugewendet, das ihm unerreichbar ist. Das Heroische, Grohe, Gesunde, die fruchtbare Tat ist seinem Wesen so völlig fremd, daß er nicht einmal gewahr wird, wie wenig die Bordellatmosphäre dazu paßt, in die er die Empfindungswelt seiner Personen einhüllt. D'Annunzio ist ein typischer Dekadent, alles an ihm atmet die Ungesundheit steriler Genußsucht: wo sollte er wohl die Mittel hernehmen, um das Drama eines jungen� Volkes zu schreiben, das die Schwelle baut zu seiner großen Geschichte? Er kann nur ein Schauspiel bieten, das die Sinne packt und bezaubert, mit herrlichen Formen, Farben und Tönen, einen Rausch der Sinne, von dem man heimkehrt mit müden Gliedern und leerem Herzen. Und dabei lebt D'Annunzio in dem Wahn, in erhabenster' Sym- bolik ein Drama zu geben, das er bescheiden neben die griechische Schicksalstragödie stellt und in dem er der Mitwelt neue Wege weisen will. Eines solchen Weglveiscrs, der die von tausend müden Füßen ausgetretenen Wege zeigt, kann unsere Zeit kvahr» hastig cntraten. L>. L.