liefert eine Patellaart das Material, für die Weißen Plättchen werden verschiedene weihschalige Bivalvcn benutzt. Ter hohe Wert des tapsoka wird durch die roten Plättchen bedingt, deren Her- pellungsmaterial nur eine begrenzte Verbreitung hat. Die ein- zelnen Plättchen werden erst mit einem Steinchen roh behauen und dann durchbohrt. Der sonst in Melanesiien so weit verbreitete Drillbohrer findet dabei keine Verwendung, sondern eine Vor- richtung, in der man wohl zweifellos die Urform des Drillbohrers erblicken darf, nämlich ein etwa 60 Zentimeter langer, sehr feiner und dünner Holzstab von der Dicke einer Kokosblattrippe, am untc- ren Ende etwa 2 Millimeter dick und allmählich in eine nadel- scharfe Spitze auslaufend; am dicken Ende ist mit feinen Bast- fäden ein spitzer Ouarzsplitter befestigt. Beim Bohren setzt man die Spitze des Splitters auf das zu durchbohrende Plättchcn und dreht den Stab quirlend hin und her zwischen den beiden Hand- flächen. Nach der Durchlöcherung werden die Plättchen sauber ab- geschliffen, so daß sie völlig flach und rund erscheinen. Weiter nach Süden findet man andere Geldsorten verbreitet, die darin mit dem tapsoka übereinstimmen, daß sie zum größten Teil aus Muschelplättchen hergestellt sind, jedoch aus anderen Muschelarten, wodurch das verschiedene Aussehen und der ver- schiedene Wert bedingt wird. Die Bezeichnungen der Geldarten find in den Distrikten, innerhalb welcher sie kursieren, größtenteils verschieden. Es gibt nun, wie gesagt, sehr viele Arten solcher Ecldschnüre. Einige bestehen aus kleinen, etwa 2 Millimeter breiten roten Plättchcn, einige aus ebensolchen weißen Plättchen; andere bestehen aus abwechselnd roten und schwarzen aufgereihten Scheibchen, wieder andere aus hellbraunen und rötlichbraunen, aus rosenroten oder aus schwach violetten Plättchen. Alle haben jedoch teils infolge ihrer Form, teils infolge ihrer Farbe, teils auch infolge der Anordnung und Aufreihung der Plättchen einen verschiedenen Wert und eine andere Bezeichnung. Zu den zu- sammengesetzten Geldsorten gehört vor allen das sogenannte birok aus dem Distrikt Laur; es besteht aus langen Muschelschnüren, die, von einem Mittel- oder Zentralstück ausgehend, viele Meter lang nebeneinander hängen und am Ende mit Schweineschwänzen verziert iverden. Sie werden namentlich als Tauschmittel für große Schweine verwendet, die eine so hervorragende Rolle bei allen Festlichkeiten spielen. Aneinandergereihte Geldschnüre werden in vielen Fällen als Leibgürtel verwendet und sind dann gewisser- maßen Prunk- oder Renommierstücke. (Nachdruck verboten.) Clm Kap Fjorn. Bon H o lg c r D r a ch m a n n. Er hieß Hans, trug aber gewöhnlich den Namen„Der Teufels- tcrl". und den trug er unzweifelhaft mit größerem Rechte als seine Kleider, denn die waren von den Trödlern und den Leihhäusern der ganzen Welt zusammengeholt. Er hielt sich daheim bei seinem Vater auf, er aß des Alten Brot und nützte dessen Kleider ab— insoweit sie sich überhaupt noch abnützen ließen. Seine ganze Beschäftigung bestand darin, daß er m»t seinem besten Kameraden spielte, und das war ein Köter mit abgestumpftem Schweif, der„Munter" hieß. „Ter Hund ist klüger als zwei Menschen," sagte er:„der ist so klug, daß er nicht spricht; denn sonst würde er nur mit den Dummheiten herausplatzen, die ich in seiner Gesellschaft gemacht habe, und es ist besser, darüber zu schweigen!" „Ei waö!" sagte der Alte; denn obgleich er über seinen Sohn sich nicht wenig kränkte, so war er andererseits doch auch nicht wenig stolz auf ihn.„Tu brauchst Dich wahrlich nicht zu genieren. Erzähle unS von damals, als Du um Kap Horn segeltest— dreimal!" Und der Alte blinzelte dem Sohne zu, und der Sohn blinzelte zurück, und dann erzählte Hans: „Es begann damit— nein, zuerst muß ich erzählen, daß ich von Hamburg aus in die See ging. Der Alte daheim wollte mich forthadcn, und die anderen, die hänselten mich alle, und da schwur ich, daß sie mich nicht früher wiedersehen sollten, als bis ich drei- mal um Kap Horn gewesen. Wir liefen von Hamburg auS, und die Schute war ein Bark- schiff, und der Alte am Bord— ich meine den Kapitän— war ein ungewöhnlich großer Esel. Ich fand mich zugleich mit der übrigen Besatzung in der Reederei ein und hatte Munter mit mir. „Ist das Ihr Hund?" fragte der Reeder mich auf deutsch . „Io!" antwortete ich auf dänisch ;„zu dienen!" Hierauf war nicht weiter von der Sache die Rede. Als wir aber an Bord gekommen waren, fragte mich der Kapitän:„Ist das Drin Hunl'■" „Das ist er," sag' ich,„und er heißt Munter." „Pack' den Hund und wirf ihn ans Land!" sagt' er. „Rc, das tu' ich nicht!" Nun ging's los. Tie Zeit war knapp, Leute waren schlver zu bekommen; Gesindel und nichtsnutziges Pack zwar loar allerdings noch aufzutreiben, aber eine ordentliche Mannschaft nicht, und— lurzum: Munter blieb an Bord und ich auch. Der Alte war ein Esel, der erste Steuermann ein schlaffes Tau. der zweite Steuermann ein Landsmann von mir und über d'e Kost hatte man sich nicht zu beklagen; um alles andere kümmert« ich mich nicht. Munter hielt sich beständig vor dem Fockmast auf. TaS war sehr klug. Er kam niemals auf die andere Seite des Großmastes, wo der Kapitän sich aufhielt. Als wir auf die hohe See hinauskamen, hieß es, wir seien nach Jamaika bestimmt. „Das ist wohl südlich vom Kap Horn ?" fragte ich den zweiten Steuermann. Er hatte eine Hasenscharte und zeigte seine weißen Eckzähne. „Diesmal nicht. Hans!" meinte er. „Gut!" sag' ichc„dann verlaß' ich die Schute; denn ich muß um Kap Horn ." „Ah, Du bleibst schon noch!" sagt er.„Und dann kommen wir nach Kingston auf Jamaika ." Nun hatte der Alte ein scharfes Auge auf mich. Aber ich ver- richtete meine Arbeit. Munter tat auch das seinige, und es war für den Alten nicht der entfernteste Grund vorhanden, dem Hunde einen Fußtritt zu geben. Er tat es aber gleichwohl in recht ab- scheulicher Weise, und da erwischte ich_cinen Schiffseimer und versetzte ihm damit eins über die rechte Schulter. Da lag er nun der Länge nach auf dem Deck. „Das sollst Tu mir büßen!" rief er. „Ja, komm' nur. und machen wir gleich reine Rechnung!' sag' ich. Aber er hatte wohl kein Kleingeld, und dann ließ er die Jolle ins Wasser setzen und ans Land rudern. „Pass' auf," flüsterte mir der zweite Steuermann zu,„Du kommst i» die„Sparbüchse"!" Tie Jolle legte bald wieder an, und wir bekamen drei Kon« stabler an Bord; ich sollte ans Land, ins Loch. Munter wollte auch mit; aber die drei Kerle beteuerten auf englisch , sie hätten keine Arrestorder für Hunde. So mußte denn das arme Aeest zurückbleiben, so sehr es auch heulte und jammerte; aber der Steuemaun versprach mir, daß er sich desselben annehmen werde, und meinte auch, daß bald alles wieder in Ordnung sein würde, wenn ich mich nicht so störrisch gebärde. „Weshalb hat er deni Tier einen Fußtritt zu versetzen?" sagte ich.„Es hat, bei Gott, ein viel besseres Herz als er, der alte Esel, und dreimal soviel Verstand!" ..Schweig' nun still!" sagte der Steuermann. Und dann ruderten wir ans Land. Geraden Wegs kam ich in die„Sparbüchse". Das war ein großer Raum mit Holzbänken und einem Fußboden aus Steinplatten, der mit Unrat bedeckt war; und darin befand sich die schlimmste Gesellschaft von schmutzigen Spaniern, Engländern und Fraueilzimmcri,, in der ich je gewesen bin— und ich bin schon in mancher gewesen. Sie konnten alle schlecht englisch sprechen, und dag konnte ich auch. Einer fragte mich, was ich gestohlen, und eines der Frauen- zimmer fragte, wie viele ich erschlagen hätte. Ich aber warf einige Stück von der Bank hinunter und legte mich selbst darauf, und da wir weder Nasses noch Trockenes in den Leib bekamen, so war es nicht gerade am lustigsten. So verging die Nacht. Den nächsten Tag kam ich vor meine Richter, und dort war auch der Kapitän und der Konsul und eine Menge Menschen, die alle aussahen, als ob sie mich auf der Stelle Aufknüpfen wollten. Der Richter las etwas aus einem großen Protokoll vor, wovon ich nicht ein Wort vcrstaild. und dann fragte er mich, ob ich drei Pfund bezahlen wolle? „Dazu habe ich verflucht wenig Lust." sag' ich. Ob ich dann ins Gefängnis wolle. „Nein, ich will lieber an Bord und nachsehen, waS ein Hund dort macht, der mir gehört und Munter heißt." Darüber lachten sie alle; da wurde ich verdrießlich� und sagte zum Nichter, der Kapitän sei ein Esel, und er habe meinem Hund, der ein unschuldiges Tier ist, einen Fußtritt gegeben, und ich hätte auch gar nicht nach Jamaika gehen wollen, sondern im Gegen- teil um Kap Horn , und es liege an niicr gewissen Stelle eine Maulschelle und die erwarte sie alle mitsammen, sowie ich nur dazu kommen könne. Nun wurde der Alte feuerrot; die anderen aber verstanden wohl nicht viel davon, und dann legte sich der Konsul dazwischen, und es wurde mit den drei Pfunden in Ordnung gebracht und reguliert— und zwei Schilling sollte ich außerdem bezahlen. Ja, wartet nur. dachte ich. Dann ging ich mit dein Alten hinab zum Hafen. Ich erbot mich, das große Protokoll zu tragen, welche? er unter dem Arme hatte, aber er sah mich scheel an und sagte, daß ich es leicht i»S Wasser fallen lassen könnte, und das wäre doch schade, denn es sei ein besonderes Buch, und sowie ich wieder Ge- schichten mache, würde es ins Buch eingetragen, und dann müßte ich ans Land und bekäme Eisenmanschetten! Ich wartete, bis wir zu einer Stelle kamen, wo niemand un? hören tonnte, und dann murmelte ich zwischen den Zähnen, während ich dicht neben ihm hergiilg:„Du plattdeutscher Pavian— ja, glotze mich nur an, aber ich werde Dich durchbläucn und zu Lobs» kows zerquetschen, wenn Du mir je meinem Hunde zu nahe kommst und einem armen Seemann drei Pfund von der Heuer abziehst.'
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25 (26.2.1908) 40
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