222
SNGO
Lohn war im Hinblick auf das Trinkgeld, das besonders die Die Fischereibetriebslinder" sind die Unglücklichsten der UnHerren spenden sollten, auch nicht gut miserabel getroffen glücklichen. Ungebeten erscheinen fie auf Gottes Welt, aber ebenso hatte, sagte zu. Sie schrieb, es sei ihr bei der Schinderei chnell verlassen sie diese auch als Opfer des Scharlachs, der leider nicht möglich, noch einmal vorher zu kommen, um ihre die Kinder in der feuchten, ungesunden Niederung in Menge Diphtheritis oder irgendeiner anderen Infektionskrankheit, welche geliebte Freundin in die Arme zu schließen; doch würde sie fich am Hochzeitstag schon ganz früh einfinden, um selber der Holden Braut den Kranz aufs Haupt zu setzen".
--
dahinrafft.
Selten bleibt folch ein Fischereibetriebskind" am Leben... Mitta war folch eine Seltenheit.
Hauptäschlich, um dem Jammer der Mutter wegen der Awdotja gab ihr Kind für zwei Rubel monatlich in Pflege, mangelnden Hochzeitsgäste ein Ende zu machen, hatte Artur während sie selbst als Amme in ein reiches, anständiges Haus noch Herrn Bartuschewski eingeladen, den Vizewirt" des eintrat, wo fie ein anständiges Gehalt erhielt. Aber bald passierte neuen Hauses in der Bahnstraße, der parterre im Hof wohnte der schwarzhaarigen Awdotja auch hier ein Unglüd: die gnädige Frau glaubte zu bemerken, daß Awdotja den gnädigen Herrn in und Beleuchtungs- und Wafferleitungsangelegenheiten, Bersuchung zu führen suchte, und jagte die Amme fort, wobei fie Treppen- und Trottoirreinigung unter sich hatte. In der alles zerbrochene Geschirr und den Preis eines Kopfputes, den sie Frau entdeckte man noch dazu eine gute alte Bekannte die ihr geichentt hatte, vom Gehalt abzog. junge, bleichsüchtige Marie von Rentiers. Jung schien die jest zwar nicht mehr, aber bleichsüchtig war sie noch immer. Blutleer und schwach stand sie unter den Bieren drei Stiefkinder und ein eigenes-, die sie umtobten; das fünfte Kind war auch nicht mehr fern. Mit großer Freudigkeit nahm das Ehepaar die Einladung an; Herr Bartuschewski litt an chronischem gutem Appetit, und Marie hatte, wie früher, immer noch ertra Gelüste.
Aus Erkenntlichkeit für die Einladung borgte Herr Bartuschewski ein paar Holzböcke aus dem Keller, die die Tapezierer vergessen hatten; mit darüber gelegten Brettern und einem weißen Tuch gedeckt, verlängerten sie den Eßtisch. Und Marie, die in ihren Mußestunden Papierblumen zum Berkauf fertigte, spendierte davon einige zur Tafelausschmückung.
Es war seit seiner Verlobung das erstemal, daß Artur lächelte, als er am Vorabend seiner Hochzeit die blizblank hergerichtete Stube musterte. Mit einem tiefen Atemzug trat er ans Fenster des hochgelegenen Zimmers und schaute hinab auf das Häusermeer mit den funkelnden Lichtsternchen, und dann weit entlang den breiten Schienenstrang der Potsdamer Bahn.
,, Da sehn wer de Bahn fahren," sagte er zu Mine, die auf den Knien lag und noch einmal mit dem Scheuertuch die Wandleiste entlang wischte. Da können wer uns einbilden, wer reisen mit, wie de Kapitalisten."
Sie verstand ihn nicht. Wenn wer nur immer fatt haben," sagte sie und sah sich befriedigt um.
Biel war nicht in der Stube: ein Bett, ein Korb für das Kind, ein Tisch, vier Stühle, ein Kleiderschrank, ein Spiegel -- alles auf Abzahlung. Neben dem Eisenöschen, das zugleich als Kochherd diente, hing ein Rüchenrahmen; den hatte Bater Reschke gestiftet. Jedes Töpfchen, jeder Kochlöffel war mit himmelblauem Bändchen gebunden.
8]
( Fortsetzung folgt.)
Єin Paria.
( Nachdruck verboten.)
Bon Eugen Tschirikow.
III.
Traurig war Mittas Leben bisher gewesen. Einen Vater befaß er nicht, er hat nur einen Erzeuger" gehabt. Mitta hat ihn nie gefehen und wird ihn nie sehen, da selbst seine Mutter Awdotja diesen„ Erzeuger" nicht mit Bestimmtheit hätte nennen fönnen.
Das Soldatenweib Awdotja, deren Mann irgendwo in Taschkend oder Samarkand verschollen sein sollte, war eines Tages aus dem Dorf an die Flußmündung übergesiedelt und in der Räucherei irgend eines der dort ansässigen Fischkönige als Arbeiterin eingetreten. Sie war ein stattliches Weib, rotwangig, schwarzhaarig, und„ Erzeuger" gab es in der Räucherei genug: der Direktor, seine halberwachsenen Söhne, junge Leute von 18 bis 20 Jahren, Kommis, der Inspektor, ber Aufseher, die Wächter, die„ Kapitäne" der Dampfer und Boote, Gäste aus der Stadt alles sehr lustige Herrschaften, die das Leben nur von seiner angenehmen Seite zu genießen liebten. Kein Wunder, daß das Soldatenweib Awdotja nicht mit Sicherheit sagen konnte, wer der Urheber von Mittas Existenz sei! Mitta war eben, wie man sich ausdrückte, vom FischereiBetriebe".
nommen.
$
-
Biele Erzeuger" hatte es nach der schwarzhaarigen Awdotja gelüftet; einer von ihnen hatte sie als eine Art Köchin zu sich geAber als Awdotja Gewicht" bekam, gab ihr der Erzeuger" eiren Zehner und befahl ihr, sich schleunigst zum Teufel zu scheren. Es war Winter. Weiter als bis zur nächsten Stadt durfte sie fich außerdem in ihrem Zustande nicht wagen. Sie padte also ihre Babseligkeiten in einen Sad, fuhr in die Stadt und gebar hier das Fischereibetriebskind" Mitka.
·
Awdotja tehrte nach der Niederung zurüd und trat wieder in die Räucherei ein; freilich, das Leben hier behagte ihr jezt nicht mehr. Solch eine Arbeiterin hat weder Tag noch Nacht Ruhe: ununter brochen fist fie in groben Bauernhofen im Schuppen und nimmt Fische aus.... Behend gleitet das scharfe, breite Messer den Fisch entlang, noch behender gleiten die fünf Finger in den Fisch hinein wird nicht kleiner.... Auf den Brettern, die vom Flugufer bis in und reißen die Eingeweide heraus, aber der Berg Fische neben ihr den Schuppen gelegt find, rollen ununterbrochen in langen Reihen die mit Fischen gefüllten Karren hin und her. Im Schuppen an gekommen, werden fie umgefippt, entleeren ihren Inhalt auf die Erde, wo fchon ein ganzer Berg silbern schimmernder Fische fich häuft, und laufen wieder ans Ufer, um gefüllt zurüdzukehren... Der Weg ist mit zwei Brettern belegt: auf dem einen rollen die Karren zum Schuppen, auf dem anderen zurück. Die Kinder legen den Arbeiterinnen die Fische auf die Bank. Man schneidet, man schneidet und es wird nicht weniger. Der gekrümmte Rücken schmerzt derart, daß es schwer fällt, ihn gerade zu biegen. Das Kreuz schmerzt und zieht; vor den Augen wogt es wie Nebel; die Hände sind mit Samittivunden bedeckt, und der Fischleim und die Schuppen brennen und ägen die Wunden...
-
Awdotja läßt einen Augenblick das Meffer finden, um den Rücken gerade zu biegen und einmal tief Luft zu holen, aber im nämlichen Augenblick ist schon der böse Aufseher da.
" He Du!... Was hälft Du da Maulaffen feil?" " Ich... Wassil Petrowitsch... nur ein bißchen ausruhen... Der Rüden ist wie gelähmt..."
„ Nachts tannst ausruhen. Prinzessin... Komm abends
"
Sie
au mir.. Der Aufseher zwinkert mit den Augen und zieht den Mund schief. Rundherum beginnt man zu lachen und zu grinsen... Und Awdotja fühlt sich beschämt, gefränft, verlegt möchte den Aufseher am liebsten durchprügeln, doch sie darf nicht.... möchte den Aufseher am liebsten durchprügeln, doch sie darf nicht.... Wenn das Einfalzen" anfängt, dann wird es noch schlimmer. Man steht im falten, halbfinsteren Steller, in den von oben die Fische hinabgeworfen werden.... Die Fische müssen nach einer bestimmten Ordnung in die Tonne gelegt werden, einer dicht an den anderen, so daß ein„ Stern" entsteht.... Tausendmal muß man sich bücken und wieder in die Höhe richten. Wenn man einen " Stern" gelegt hat, kommt von oben ein Hagel Salz. Unter den Füßen bildet sich Lake. Sie durchdringt die ledernen Schuhe, die Füße beginnen zu jucken, so daß man sich die ganze Haut abfragen möchte.... Wenn man zum Unglück noch Löcher in den Kleidern hat, dann gibt es überhaupt kein Mittel mehr: es judt, es juckt, so daß man glaubt, den Verstand zu verlieren!... Oben prickelt das Salz auf Geficht und Hals, unten juct es an den Füßen, der Rücken ist ganz abgestorben und die Finger find vor Kälte steif und schmerzen. Und so vom frühen Morgen bis in die späte Nacht: in der„ Saison" läßt man den Arbeiterinnen taum Zeit, Mittag zu essen und den Rücken geradezubiegen. Wenn man auch wirklich wie ein Stück Vich arbeitet, mehr als drei Rubel wenn viel, ein Fünfer mehr bleibt niemals. Und dann muß man noch allen zu Willen sein, dem Verwalter, dem Inspektor, dent Aufseher, furz, jedem Schafskopf- und warum? Nur weil Gott einen in seinem Zorn mit einer hübschen Frage hat zur Welt kommen lassen!
-
Kein Wunder, daß man bald jede Lust zu solcher Arbeit verliert!
-
Schlechter fann es nicht werden, dachte auch Awdotja, als sie diesen Beruf gegen einen anderen vertauschte, im Gegenteil hier gibt es keine Ruhe, weder Tag noch Nacht, Arbeit die Menge, Verdienst groschenweise, während man dort doch wenigstens frei ist... Na und ein paar Kopelen verdient man auch. Und was die „ Sünde" betrifft, die ist hier ja viel größer: dort kann man doch nach eigenem Belieben... aber hier.
Bald konnte fich Awdotja einen hübschen Mantel, Schuhe, Sonnenschirm und ein weißseidenes Kopftuch kaufen.
-
Um ihren Mitta timmerte fie fich fast gar nicht, obwohl sie der Alten, welcher sie ihn übergeben hatte, regelmäßig jeden Monat zwei Rubel Rostgeld gab und sogar aus freien Stücken noch einen Nubel zulegte. Natürlich, jezt war Mitka überflüssig er war ihr sogar nur im Wege. Aber eines Tages überfiel Avdotja eine ganz unmotivierte Schwermut. Sie nahm eine Troschte und fuhr Mitka besuchen. Sie weinte und heulte, nahm den Knaben mit sich in ihre Wohnung und schwur, sich nie mehr von ihm zu trennen.