folge schneller Feuchtigkeitsverdichtung ein Regenfall eintreten. Die Luft enthält hinterher aber immer weniger Feuchtigkeit, die Wolkenbildung läf;t nacki, wir haben trockene Luft und heiteren Himmel, und so ist denn für die Nächte die Bedingung gegeben, daß starke Abkühlungen des Bodens die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinken lassen. Natürlich bleiben die gekälteten Luft- schichten über dem Boden liegen, und die Folge ist, daß bier die Pflanzen zugrunde gehen. Die Abkühlung ist um so größer, je leichter die Atmosphäre die ausstrahlende Bodenwärme weiter- .führt. Stehen Wolken am Himmel, so verringert sich die Ab- kühlung. Die Gefahr wird stets weniger auftreten, je mehr der Nachmittags- und Abendhimmel eine graue Farbe zeigt. Auch Nebel in einiger Entfernung vom Boden kann als schützend gelten, über er tritt nur auf, wenn ein reichlicher Regen das Erdreich durchfeuchtet und die Sonne durch Verdunstung des Negenwassers llie unteren Luftschichten wasserhaltig gemacht hat. Die durch Ab- kühlung des Bodens geschaffenen Fröste heißen S t r a h l f r ö st e. Gegen sie kann man sich zum Teil noch schützen. Im Gegensatz zu ihnen stehen die K ä l t e f r ö st e, die aber im Mai außer- ordentlich selten sind. Gegen sie ist man so gut wie machtlos. Die Stärke der Maifröste ist außerordentlich verschieden. Es kann vorkommen, daß verhältnismäßig dicht beieinander liegende Gelände ganz ungleich getroffen werden. Vor allen Dingen kann mau beobachten, daß niedrig gelegene Orte stärker befallen lverden als höher liegende. Die Erklärung ist nicht schwierig. In den Talkesseln sammelt sich größere Bodenfeuchtigkeit an, es entsteht ein reicherer Pflanzenwuchs als an den Hängen, und der geht natür- lich unter der Einwirkung des FroftcS leichter zugrunde. Auch die Struktur des Bodens hat aus die Wirkung der Frühjahrsfräste Einfluß. Je mehr der Boden Wasser aufspeichern kann, um so mehr bleibt Wärme darin gebunden, denn Wasser besitzt eine außerordentliche Aufnahmefähigkeit dafür. Andererseits ist natür- lich aber auch der größere Wassergehalt im Pflanzengewebe, wie bereits gesagt, eine gewisse Erhöhung der Gefahr. Auf sandigen und lehmigen Böden sind die Verhältnisse am günstigsten, und zwar um so mehr, je unkrautfreicr die Umgebung ist. Frisch ge- hackte Böden haben die Pflanzen besonders leicht erfrieren lassen. Auch ausgestreuter Naturdünger hat nachteiligen Einfluß bewirkt. Es komnit nun alles darauf an, daß die Wirkungen der Fröste abgeschwächt werden. Das betreibt man in den Wein- und Obst- anlagen durch Abbrennung von Rauchfeuern, zu denen Tannen- und Fichtenreiser, Sägemehl, Gerberlohe usw. verwendet werden. Die Feuer werden in der zweiten Nachthälfte angezündet und bis nach Sonnenaufgang forterhalten. Je dicker der Rauch ist und die Flur überzieht, um so mehr wird die Gefahr der Abkühlung des Erdbodens abgewendet und damit die Frostgefahr verringert. Der Rauch verursacht einen aufsteigenden Luftstrom, der eine Mischung der kalten mit der warmen Luft herbeigeführt und die Lagerung der kältesten Luft direkt über den Rebstöcken und Obst- bäumen ausschließt. In den blumengärtnerischen und den feineren Gemüse-Kulturcn ist jedoch dieses Mittel nicht immer anwendbar. Hier muß man durch Dcckmaterial die Pflanzen schützen. Am allerwichtigsten ist es für den Pflanzenzucht Treibenden, daß er da? Eintreten von Nachtfrösten rechtzeitig erkennt. Wir haben bereits auf die Farbe des Himmels aufmerksam gemacht. Es gibt noch ein anderes Mittel: das sogenannte Pspchrometer. Den Apparat kann sich jeder selbst herstellen, und zwar wie folgt: Die Ouecksilbcrkugel eines guten(nach Celsius eingeteilten) Thermometers wird mit Gaze oder dünner Leinwand umwickelt. Die Hülle muß an allen Seiten gleichdick um die Kugel liegen. Dann lverden etwas oberhalb der Kugel 12— 16 Baumwollfaden um die Glasröhre für das Quecksilber gebunden, und zwar so, daß sie gleichmäßig verteilt über die Ouecksilbcrkugel herabhängen. Die Hülle und die Fäden sollen aus sauberem Stoff bestehen: sie müssen auch vor Schmutz bewahrt bleiben. Dieses Thermometer wird an einem Ort, den weder die Sonne noch Reflexe treffen, aufgehängt. Wo ein solcher Platz nicht vorhanden ist, kann man das Thermo- meter in einen innen weißgestrichenen Kasten hängen, zu dem die Luft Zutritt hat. Nun wird ein Gefäß mit reinem Wasser so unter dem Thermometer aufgestellt, daß die Fäden hineinhängen. Diese ziehen Wasser auf und halten die Ouecksilberkugel beständig feucht. Vergleicht man das Psychrometer mit einem gewöhnlichen Celsius-Thermometer, so wird man finden, daß der Unterschied im Quecksilberstand um so größer wird, je trockener die Luft ist. Betrachtet man aber des Nachmittags gegen drei Uhr das feuchte Thermometer, so braucht man nur vier Grad abzuziehen, um die niedrigste Temperatur der nächsten Nacht zu ermitteln. Es gehen alljährlich große Vermögen durch Maifröste zugrunde. Je mehr es dem Einzelnen und den Interessenten insgesamt ge- lingt, die Gefahr abzuwenden, um so größer ist der Vorteil, den die Gesamtheit dadurch hat. kleines Feuilleton. Technisch-Physikalisches . Ein optischer Zauberpalast. Der französische Architekt Eugene Henard , der für die Pariser Weltausstellung des Jahres 1900 einen eigenartigen..Jllusions-Palast" konstruierte, hat nunmehr im Lerantw. Redakt.: Carl Wermuth, Berlin -Rixdorf.— Druck u. Verlag: Musö Grebin in Paris ein ähnliches Werk in größerem Stil aus« geführt, das er den„Palast der Täuschungen� nennt. Der Gesamt- eindruck ist der eines von 64 060 Lampen erhellten Raumes. Das Prinzip, das der Anlage zugrunde liegt, ist eine eigentümliche Anordnung von Spiegelwänden, die einen inneren sechseckigen Raum umschließen. Die Ecken werden von Pfeilern gebildet. Von der Mitte dieses Raumes aus sieht man ihn infolge der Spiegelwirkung von sechs anderen gleich großen Räumen umgeben, die ihrerseits von einem Zwölferring umwallt sind, um den sich wieder achtzehn Gelasse schließen usw. bis zur— theo- retischen— Unendlichkeit. In dem inneren Gemache brennen 2öv0 farbige Glühlampen, von denen 1300 mit einem Schlage aufleuchten. Der Lichteffekt, der dadurch in den innersten drei Ringen hervor- gerufen wird, entspricht 3«mal 1800 oder 64 800 Lichtern. Die Pfeiler in den Ecken sind um ihre Achse drehbar angeordnet und be- sitzen dreierlei Fassaden, die durch entsprechende Drehung nach einander nach vorn gerichtet werden kann. In dieser Weise ist es möglich, abwechselnd Pfeiler im indischen oder arabischen Stile oder Bäume erscheinen und durch die Spiegelwirkung in vertausendfachter Menge wirken zu lassen, so daß der Eindruck eines indischen Riescntempcls mit dem eines arabischen WunderbaneS, ähnlich der Moschee von Cordova oder einem phantastischen Walde, abwechselt. Die Drehung der Pfeiler geschieht durch einen äußerst fein kon- strnierten Mechanismus, da zur richtigen Spiegelwirkimg ein genaues Anschließen der drehbaren Eckstücke an die Wandspiegel erforderlich ist. In dieser Weise werden mit überaus einfachen Mitteln außer« ordentliche dekorative Wirkungen erzielt und beispielsweise der ganze „Riesenwald" durch sechs Baumstämme mit je sechs Aesten hervor- gebracht, die durch die Spiegelwirkung die Täuschung zu erzeugen vermögen. Geographisches. Die Eoloradowüste im südlichen Kalifornien ist eines der berühmtesten und auch der berüchtigsten Gebiete der Erde. Namentlich sind unzählige Schilderungen vom„Tal des Todes" gegeben worden, das seinen Namen daher erhalten hat, daß dort angeblich nicht die gringste Spur von Leben z» finden ist. Schon dadurch ist diese Gegend für die Wissenschaft von besonderem Interesse, daß sie den einzigen Bezirk von Amerika darstellt, der unter dem Meeresspiegel gelegen ist. In den letzten Jahren sind nun merkwürdige Veränderungen mit dieser Wüste vor sich gegangen, teils durch einen Eingriff der Natur, teils durch die Bemühungen des Menschen. Der Trieb des Amerikaners nach gewerblichem Nutzen hat sogar aus dieser Gegend etwas zu inachen versucht und verstanden. Trotzdem dort fast gar kein Regen fällt, und außer der Trockenheit auch eine sengende Hitze herrscht, hat der Mensch es fertig gebracht, dort große Gärten anzulegen. Da der Himmel don obenher dem Pflanzcnleben in jener Gegend das nötige Naß versagt, ist das Wasser durch artesische Brunnen zutage gefördert worden, und im neuen Teil der früheren Wüste sind jetzt schon einige Tausend Hektar fruchtbaren Bodens mit Melonen, Gerste und Alfagras bestanden, kleinere Flächen außer- dem mit Orangen, Trauben, süßen Kartoffeln und Zuckerrüben bepflanzt. Auch Dattelpalmen haben sich dort entwickelt und zu- nächst in einem Versuchsgartcn, der den bezeichnenden Namen Mekka erhalten hat, treffliche Früchte geliefert, wie sie sonst nur in Arabien und Nordafrika geerntet werden. All diese Arbeiten drohte der Coloradofluß zunichte zu machen, der vor einigen Jahren gewaltsam in das Tiefland der Wüste einbrach und dort einen großen See bildete. Dies Naturereignis wurde sogar der Gegen- stand einer besonderen Adresse, die Präsident Roosevelt an den Kongreß der Vereinigten Staaten richtete. Die dadurch ein- geleiteten Maßregeln haben dann zum Erfolg geführt, und die Wüste wird sich nun weiter zu einem Fruchtlande entwickeln können. Medizinisches. Die Epilepsie oder Fallsucht, deren Ursachen bis jetzt noch nicht entdeckt lverden konnten, war schon im grauen Altertum bekannt. Die Griechen schrieben sie bösartigen dämonischen Ein- flüssen zu. Andere Völker versuchten den bösen Geist auszutreiben, indem sie in den Schädel der Epileptiker ein Loch bohrten. Das er- klärt auch, weshalb man unter den Gebeinen mancher Völker der vorgeschichtlichen Zeit so viele angebohrte Schädel gefunden hat. Merlwürdig ist aber, daß man auch in unseren Tagen bei gewissen Abarten von Epilepsie die Schädelbohrung vornimmt; natürlich glaubt jetzt kein Mensch, daß inan durch Trepanation die bösen Geister verjagen kann. Bor kurzem hat ein bekannter Londoner Arzt für die Ursachen der Fallsucht eine neue Erklärung gegeben: die Epilepsie soll, wie er behauptet, auf eine plötzlich eingetretene Blut- leere im Gehirn zurückzuführen sein. Wenn diese Theorie richtig ist, so schreibt das„British Medical Journal ", dann wäre die Behand- lung der schrecklichen Krankheit nur noch eine.Kleinigkeit: man müßte systematisch die Blutzirkulation im Gehirn des Patienten stimulieren und dem Kranken eine Lebensweise vorschreiben, die geeignet wäre, jede Ursache der Blutleere in dem heikelsten Organ des menschlichen Körper? zu beseitigen. Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsaiistalt Paul Singer SrTo..Berlin ZW.
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26 (6.5.1909) 87
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