Malen der Nesteier, sondern lediglich um eine Uevcrcinstiininnng mit typischen Exemplaren der betreffenden Vogelart, namentlich wenn diese starl variierende Eier legt. JedcS KuckmkSweibchen eines Reviers hat die Gewohnheit an« genommen, feine Eier in die Nrf/ejc cmcr bestimmten Vogelart zu legen. ES find nun allerdings von tÄu.. KuckuckZcicrn. die z. B. m Rotschwanznestern gefunden wurden, 8S Prozent den Eiern des Nest- Vogels angcpastt und in einigen Gegenden, so z. B. in der Dcfiauer Heide, weicht kein einziges von dem TypuS der Ncsteier ab. Im großen und ganzen aber ist eine derartige Dctailanpassung eine Seltenheit, und rn Wirklichkeit sinkt der Prozentsatz der wirklichen Aehnlichkcit auf noch nicht 4 Prozent herab. Wo bleibt da die schönklingende und viel bewunderte Theorie, nach der die Knekuckö- eier eine so täuschende Aehnlichkeit mit den Nesteiern haben sollen, daß der Nestvogel dadurch veranlaßt werde, das KuckuckSei für das seinige zu halten I Bei der Mannigfaltigkeit der Färbung und Zeichnung der Eier deS Kuckucks ist es nicht möglich, eine so zutreffende Beschreibung zu geben, daß danach eine sichere Unterscheidung von anderen, ähn- lichen Eiern ermöglicht würde. Es genüge darum die Angabe, daß es neben einfach blaugrauen und ebeniolchen mit spärlicher, fein rötlich-lehmgclbcr Punktierung oder init größeren dunkelen Fleckeil Eier von weißlicher, gelblicher, grünlicher, bräunlicher, rötlicher, roter, grauer, violettgrauer usw. Grundfarbe gibt, die mit Punkten, Strichen, Zügen, Schnörkeln, scharfbegrenzten oder verwaschenen Flecken von schwarzer, violetter, rot- und graubrauner, graugrüner und rötlicher bis rostroter Farbe verziert sind. Die Zeichnungen treten in dreifacher Ruancierung auf. Als besonders charakteristisches Kennzeichen besitzen die Kuckuckseier kleine, scharf begrenzte, leicht abwaschbare Flecke von schwarzer Farbe, die nur in den seltensten Fällen fehlen. Im Gegensatz zu der großen Verschiedenheit in Färbung und Zeichnung ist die Form der Kuckuckseier ziemlich konstant. Hin- sichtlich ihrer Größe stehen sie zwischen den Eiern des rotrückigen Würgers und denen der Haubenlerche. Im Durchschnitt haben die Eier jener Würgerart Durchmesser von 22,10: 1S,40 Millimeter, die der Haubenlerche solche von 22,70: 16,80 Millimeter und die des Kuckucks solche von 22,41: 16,62 Millimeter. Als fernere Kennzeichen des Kuckuck-ZeieS gelten das hohe Gewicht und die feste Schale. Wollte man, um die Legezeit des Kuckucks festzustellen, einfach die Daten, die über das Auffinden der Eier notiert wurden, zu« sammenstellen, so würde man zu einem gänzlich unbrauchbaren Resultat kommen. Ein fleißiger Beobachter fand am 28. April das erste Kuckucksei und am 6. August das letzte(eines und desselben Weibchens). Zwischen beiden Daten liegt ein Zeitraum von gerade 100 Tagen. Soll aber der Zweck einer parasitischen Brutpflege erreicht werden, so muß sich das Kuckucksweibchen notwendigerweise dem Brutgeschäft derjenigen Vögel anpassen, die es zu Pflegern seiner Nachkommenschaft auserkoren hat; deshalb wird auch seine Legezeit die Dauer von 36—45 Tagen nicht überschreiten. Im allgemeinen ist sogar nur ein zwanzigtägiger Zeitraum beobachtet worden. Allerdings ist die Legezeit des Kuckucks örtlich sehr verschieden, sowohl in bezug auf die Dauer als auch auf das Eintreffen des Vogels. Aus der Tatsache, daß gleiche Weibchen gleiche Eier legen, ist erwiesen, daß die Weibchen stets ein und das- selbe, oft engbegrenzte Revier zur Unterbringung der Eier benutzen. ?'>ch war es»töglich, aus diesem Faktum aus die Stärke des Ge« leges zu schließen. Ganz entschieden ist die Behauptung zurückzu- weisen, daß der Kuckuck 4—6 Eier in Zwischenräumen von acht Tagen lege. Oruithologen, die sich speziell mit der Erforschung des Brutgeschäftes unseres Bogels beschäftigten, konnten 14, 15, 16 und 17 Eier eines Kuckucksweibchens nachweisen. Wenn nian sich nun vergegenwärtigt, daß es nur durch Glückszufall möglich ist, sämtliche Eier eines Weibchens aufzufinden, da sie ja durch Raubzeug und Nestvögel vernichtet sein können, ehe der Oologe(Eierforscher) sie entdeckt, ferner, daß das Kuckucksweibchen unmöglich sämtliche Eier vorteilhaft nuterbringen kann, so muß eine noch höhere Zahl als die oben konstatierte(17) als Maximalgrenze angenommen werden. Man kann füglich behaupten, daß der Kuckuck 17—22 Eier produziert. Und vielleicht wird gerade durch diese hohe Eierzahl und die Gefräßigkeit der sich daraus entwickelnden Jungen der Brutparasitismus deS Kuckucks bedingt. Weiterhin ist dann noch festgestellt, daß die Ablage der Eier beim Kuckuck einen Tag um den anderen erfolgt. Der junge Kuckuck ist anfänglich nicht größer als die anderen Nestjungen er wächst aber rasch und hat diese bald an Größe über« holt. Wenn die Kuckucköwirte durch die Aehnlichkeit der Eier viel« leicht über das Fremde in ihrem Neste zuerst hinweggetäuscht wurden, so spüren sie jetzt— wo der junge Kuckuck auf Kosten ihrer Kinder vorzüglich gedeiht— den Eindringling um so mehr. Nun kommt aber die Gutmütigkeit oder der Instinkt des Bemutterns zur Geltung und die Pflegeeltern machen übergroße An- strengungen, den unersättlichen Fresser zu befriedigen. War die Kuckucksmutter in der Wahl der Kinderwiege weniger wählerisch und praktizierte sie das zuvörderst auf den Erdboden gelegte Ei mit ihrem Schnabel in das Nest eines Höhlenbrüters, so geht der junge Kuckuck schließlich zugrunde, obwohl die Pflegeeltern, sich der Gefahr aussetzend, vor Hunger und Kälte umzukommen, ihn bis spät in den Herbst hinein füttern. ES ist auch beobachtet worden, daß der junge Kuckuck seine Stiefgeschwister aus dem Neste wirft, sobald sie ihm unbequem werben, und er soll hierin geradezu ein» gewifis Virtuosität besitzen. Es ist mir unbekannt, ob über das Futter des erwachsenen jungen Kuckucks im ersten Jahre Beobachtungen gemacht worden sind; doch es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie zuvörderst noch die Kost weiter genießen, die ihnen die Adoptiveltern reichten. C. Schenkling. kleines feuilleton. Physikalische Chemie. Da? Radium. Der hervorragende englische Physiker Prof. I. I. Thomson in Cambridge hat in einem Vortrage über die Eigenschaften der Materie in außerordentlich fesielnder Weise die Natur der radioaktiven Stoffe geschildert. Diese haben nach Thomson die alten Ansichten vom Aulbau des Stoffes durch Atome und Moleküle, die von der Physik und der Chenne bisher als die Ein» Helten des Weltalls betrachtet Ivurden, auf eine vollkommen neue Grundlage gebracht. Das Radium ist von all den Stoffen. so viel ihrer bisher bekannt geworden sind, der mächtigste, und seine Atome haben eine Energie, die alles übersteigt, was die Männer der Wissenschaft früher aus ihren Forschungen geschlossen und geahnt haben. Das Radium entwickelt in seinem Zerfall eine Million mal mehr Energie, als bei der Vereinigung eines gleichen Gewicht? von Sauerstoff und Wasserstoff erzeugt wird. Das Radium schleudert Helium-Atome auS mit einer Geschwindigkeit von rund 30 000 Kilometer in der Sekunde! Profeffor Thomson sagte wörtlich, daß ein Schiff, das dem Feuer von Dread- uougths ausgesetzt ist, gleichsam nur ein Kinderspiel durchmacht gegen den Zustand eine? AtomS, das sich einer Batterie von solchen Radiumteilchen gegenüber befindet. Wenn man sich vorstellt, eine Stadt stehe unter dem Bombardement von Geschaffen, die so groß sind wie Häuser und sich mit einer tausendfach größeren Geschwindigkeit bewegen, als bisher irgendein Geschoß jemals aus einer Kanone abgefeuert wurde, so würde man einigermaßen eine Idee von dem Zustande eines Gases erhalten, das unter dem Bombardement einer benachbarten Radiummenge steht---- Natnrlvissenschaftliches. D i e Trockenfäule der Kartoffeln. Die Kar- toffelknollen sind einer ganzen Reihe von Krankheiten ausgesetzt» von denen viele unter dem einfachen Namen der Kartoffelfäule oder Knollenfäule zusammengefaßt werden, ohne daß damit etwas Besonderes gesagt wäre. Die wissenschaftliche Landwirtschaft unterscheidet unter diesem Begriff mehrere Krankheiten, die ganz verschiedene Ursachen haben können, denn eS sind fast alle denkbaren Arten von Schmarotzern bei dem Zustandekommen be» teiligt. nämlich sowohl Würmer als Pilze und Bakterien. Die beiden hauptsächlichsten Arten der Kartoffelfäule sind die Naß- fäule und die Trockenfäule, und diesen hat sich die Forschung am meisten gewidmet. Ueber die Trockenfäule hat Sibyl L o n g m a n in der Linnäischen Gesellschaft zu London einen wichtigen Vortrag gehalten, der die Feststellung einiger neuen Tatsachen bringt. Der Erreger der Trockenfäule ist als ein Pilz mit dem Namen kuganun» solani seit langer Zeit bekannt. Dagegen hat die Annahme, daß dieser Erkrankung die Naßfäule stets vorangeht, keine Berechtigung. Es ist nämlich jetzt gelungen, durch Impfung mit Sporen oder Wucherfäden des genannten Pilzes auch ganz gesunde Knollen anzustecken. Noch wichtiger ist der Nachweis, daß auch die Schöß- linge von Kartoffelpflanzen durch denselben Pilz angegriffen und abgetötet werden können. Ueberhaupt besitzt dieser Schmarotzer wahrscheinlich eine sehr große Verbreitung im Ackerboden, von dem aus er durch die Wurzel in die Kartoffelpflanze eindringt. Außerdem greift er aber auch in den Kartoffelkellern während der Lagerung von Knolle zu Knolle über, und die Seuche ist um so hartnäckiger, als erkrankte Knollen bei der AuSsaat wiederum kranke Pflanzen erzeugen. Die Behandlung mit Hitze ist leider aussichtslos, da die Kartoffel dabei selbst früher zugrunde geht als der Pilz. Es bleibt infolgedessen kaum etwas anderes übrig, als die erkrankten Knollen möglichst sorgfältig auszulesen und sämtlich zu vernichten. Sprachwiffenschaftliches. „Auf die Dörfer gehen' ist heute nur noch beim Kartenspiel, besonder« beim Skat, gebräuchlich und wird angewandt, wenn ein Spieler, anstatt sein Spiel mit Trumpf zu beginnen, seine „Däuser" ausspielt, um eS durch diese, durch seine„Handkarte', zu gewinnen. Der Ausdruck geht auf die jüdischen Händler zurück, die bereits im Mittelalter, weil sie dem Wettbewerb der gröveren Ge- schäfte der Stadt nicht gewachsen waren, auf die Dörfer(rotwelsch „die Medine") gingen, um dort ihre Waren abzusetzen.„Er geht auf die Dörfer" heißt demnach ursprünglich: er verläßt den für ihn eigentlich gebotenen Betriebskreis, aus Besorgnis, darin infolge einer Schwäche den gewünschten Erfolg nicht erlangen zu können, und begibt sich auf ein anderes, abliegendes Gebiet, um möglicher- weise auf diesem zu erreichen, was ihm auf dem zunächst gebotenen versagt erscheint. kerantw. Rcdakt.: Enrl Mermuth, Bcrlin-Rixdorf.—Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSaujtaltPaul Singer LcCo.. Berlin SW.
Ausgabe
26 (11.5.1909) 90
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