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Beilage zum Vorwärts" Berliner Volksblatt.

Nr. 23.

Korrespondenzen und

Parteinachrichten.

Hannover , 24. Januar. Eine gegen 1500 Personen starte Versammlung hiesiger Arbeitsloser erklärte es für dringliche Pflicht der Regierung und der Volksvertretung, dahin zu wirken, daß das Recht auf Arbeit zur Grundlage der Staatsordnung gemacht werde. Von den städtischen Behörden wird insbesondere erwartet, daß sie Fürsorge treffen, die Arbeitslosen zu beschäf­tigen. Die Versammlung verlief ohne Störung.

Bielefeld , 25. Januar. Auch hier hatten die Arbeitslosen vor einigen Tagen eine Versammlung abgehalten, in der be= schlossen wurde, eine Deputation von 5 Arbeitern an den Ober­Bürgermeister zu senden, um von diesem Beschäftigung zu fordern. Der Ober- Bürgermeister hat dem Gesuch Folge gegeben und der Deputation mitgetheilt, daß jeder Arbeitslose gegen einen Tage­lohn von M. 1,50 sich an der Beseitigung der Schneemassen aus den Straßen der Stadt betheiligen könne. Ungefähr 250 Per­fonen haben darauf gestern und vorgestern von jener Arbeits­gelegenheit Gebrauch gemacht.

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Mittwoch, den 28. Januar 1891.

8. Jahrg.

In großer Waffergefahr schwebten gestern mehrere Ge­bäude im benachbarten Weißensee . An der Ecke der Friedrich­Karl- und Langhansstraße daselbst sind durch das Thauwetter die Gebäude in die ernstliche Gefahr der Unterspülung gerathen; die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr von Weißensee reichten nicht aus, um die Gefahr abzuwenden, so daß gestern Abend die gegangen wurde. Diefelbe rückte mit einem Dampfspritzenzug diesseitige Feuerwehr seitens des Amtsvorstehers um Hilfe an­nach dort ab, arbeitete die ganze Nacht hindurch und wird vor aussichtlich erst heute Nachmittag nach Berlin zurückkehren können.

Der starke Sturmwind, welcher am Sonntag Abend über

bitten, sind einfach Fechtbrüder", Leute, die nicht arbeiten wollen, auch sagen, er sei ein Verbrecher! Bei Leibe nicht, er war nur gewerbsmäßige Bettler! Diese in besseren" Kreisen allgemein flott, aber diese verbrecherische D- ame, die den armen Jungen verbreitete Ansicht kann selbst der Berliner Lokal- Anzeiger" nicht verführt hat, sie hat ohne Gnade die ganze Strenge des Gesetzes ohne Weiteres theilen. Wenn wir uns in die Kloaken dieses zu kosten. So will es die bürgerliche Moral. lattes zu vertiefen veranlaßt sehen, so geschieht dies einer darin Unter den Arbeitern der Militärwerkstätten in Spandau entdeckten Abhandlung über" Fechtbrüder" wegen, die in manchen Stücken ihres Gleichen sucht und sowohl das" Bentralblatt ist eine Bewegung im Gange, welche den Zweck hat, die Schlächter­Deutschlands", als auch die Kreise, in welchen die entwickelten meister zur Herabsetzung der Fleischpreise zu nöthigen. Das Ansichten vertreten sind, zur Genüge charakterisirt. So wird Fleisch ist in Spandau erheblich theurer als in Berlin . Man ist unter anderemt dem Berliner Lokal- Anzeiger" aus seinem Leser- entschlossen, sich event. mit Berliner Schlächtermeistern behufs Lieferung von Fleisch in Verbindung zu setzen. freise geschrieben: " Am Sonnabend der vergangenen Woche Klingelt es an der Thür der verwittweten Frau Oberlehrer S. Gin 2 Uhr in ihre in einem Keller der Wiesenstraße belegene, ver­Als die Handelsfrau S. gestern Mittag zwischen 1 und start heruntergekommen und erfroren aussehender Mensch schlossene, aber ohne Aufsicht zurückgelassene Wohnung eintrat, in mittleren Jahren steht draußen und bittet um eine Gabe. Da es gerade Mittagszeit war, und Frau S. an den nach dem Hof führenden Ausgang zu entkommen suchten. begegneten ihr daselbst zwei halbwüchsige Burschen, welche durch diesem Tage schon diverse Nickel an Arme gegeben, so Die G. hatte Geistesgegenwart genug, den einen Eindringling fordert sie den Mann auf, in die Küche zu kommen, und trotz der ausgestoßenen Drohung, er werde sie erstechen, festzu­giebt ihrem Mädchen die Weisung, ihm einen Teller von der Mittagsmahlzeit aufzuthun. Nach einigen Minuten halten, so daß sie von demselben die Kellertreppe mit hinauf­hört sie ein Geflirr wie von zerbrochenem Geschirr und gerissen wurde. Es ist dies der 16 jährige Max Krome, welcher gleich darauf heftig eine Thür zuschlagen. Im selben bereits viermal wegen Diebstahls und zweimal wegen Hehlerei Moment kommt das Mädchen mit erschrockener Miene her- vorbestraft und jetzt wieder verhaftet worden ist. Die gestohlenen ein und erzählt, der unverschämte Mensch, der sich mit Sachen, eine goldene Damen- Remontoiruhr, Trauring und Ohr Fermersleben. Sonnabend, den 24., fand hier im Saale dem Essen auf die Treppenstufe gesetzt, habe plöglich die ring hatte der Mitschuldige des Krome an sich genommen, welcher des Herrn Lausch eine öffentliche Volksversammlung statt mit der Tagesordnung: Die große Noth der Arbeitslosen und wie ist Küchenthür aufgerissen, den Teller mit dem Effen auf die mit der Beute entkommen ist. Erde geworfen und wüthend geschrien:" So'n Fr. dieselbe zu lindern." Mehrere Redner sprachen über die Ursachen äße er nich; faure Kaldaunen mit Flaumenmuß wär' nich der gegenwärtigen Nothlage und betonten, daß angesichts der sein Leibjericht! un' n Froschen for Schnaps wär' ihm ville großen Anzahl Arbeitsloser, die theilweise schon seit zehn Wochen lieber jewesen," und damit sei er eiligst die Treppe hin­ohne jeden Verdienst seien, eine durchgreifende Unterstützung Pflicht untergelaufen." eines jeden Menschenfreundes sei. Aus der Mitte der Ver­Das ganze Machwerk trägt den Stempel böswilliger Er­sammlung wurde dann der Vorschlag zur Bildung einer Kom­mission gemacht, die freiwillige Beiträge entgegen nehmen und fofort die Absicht merken sollte, welche dem Schreiber der Notiz mission gemacht, die freiwillige Beiträge entgegen nehmen und findung zu ſehr an der Stirn geschrieben, als daß man nicht die in Noth gerathenen Arbeitslosen unterstützen solle. Die Versammlung akzeptirte diesen Vorschlag. zu Grunde gelegen hat, nämlich die armen Opfer der heutigen Gesellschaft, welche verzweifelnd von Haus zu Haus betteln gehen, Danzig , 21. Januar. Gestern tagte der sozialdemokratische zu verunglimpfen, zu beschimpfen und ihnen das Almosen zu ent­Wahlverein für Danzig , Stadt und Land. Auf der Tagesordnung ziehen, das ihnen hin und wieder noch vor den Thüren der Be­stand: 1. Kassenbericht des Kassirers. 2. Aenderung des Statuts. fizenden gereicht werden mag, die nicht gerade dem Vereine Berlin hinwegbrauste, hat zwei Personen besonders übel mit­3. Verschiedenes. Buvörderst forderte der Vorsitzende die Ver- gegen Verarmung und Bettelei" angehören. Und dasselbe Blatt, gespielt; einmal wurde ein in der Steinmetzstraße wohnender Schuhmacher von dem Sturm in die Höhe gehoben und mit fammlung auf, einen anderen Vorsitzenden zu wählen, was auch welches vorne schreibt: geschah. Alsdann erfolgte Raffenbericht und Berathung eines Nichtsdestoweniger aber dürfte das Betteln, namentlich solcher Wucht auf den Fahrdamm geschleudert, daß der Betreffende das Deffentliche- von- Haus- zu- Haus- gehen", für die durch eine tiefe, Ilaffende Kopfwunde davontrug. Ein ähnliches Schick­Statuten Entwurfs und nach längerer Diskussion Zusäße und Annahme desselben. Unter Verschiedenem wurde nach längerer Hunger und Noth dazu Gezwungenen doch im Großen sal traf eine Frau B. in der Adalbertstraße. Die Bedauerns­Debatte das Markensystem zur Entgegennahme und Ganzen eine mehr oder weniger erniedrigende und werthe erlitt eine erhebliche Verletzung am Schlüffelbein. Beide von Bei­beschämende Beschäftigung sein, zu der sich gewiß keiner Fälle kamen in der Sanitätswache der Adalbertstraße zur Be­trägen eingeführt. Alsdann meldete sich Genosse Risop zum Wort und machte der Versammlung bekannt, daß der sozial entblödet sich nicht, hinten Einsendungen in zustimmender Weise leichten Herzens entschließt," handlung. demokratische Bildungsverein für einen der nächsten Tage ein zu veröffentlichen, welche an Zynismus und Frivolität ihres gemüthliches Zusammensein geplant hätte. Wenn auch noch so Gleichen suchen. Wundern kann man sich allerdings nicht darüber, viele Schwierigkeiten betreffs der Lokale von Seiten der Beamten uns in den Weg gelegt würden, so würde doch ein geistiges Band wenn man den Standpunkt des Blattes kennt, der deutlich genug uns stets zusammen halten. Man hätte sogar Erkundigungen aus folgendem Nachsatze zu obigem Vordersage herausleuchtet: eingezogen, wovon er lebe, man scheine sich für sein Fortkommen und die, Dank unserer wohlorganisirten Armen­lebhaft zu interessiren, er selbst interessire sich aber für die Danziger pflege und im Hinblick auf die außerordentlich strengen Parteiverhältnisse auch lebhaft und würde hoffentlich lange noch in Maßregeln unserer Polizei, die jeden beim Betteln Gr. diesen Mauern weilen. Alsdann forderte Genoffe Kube Risop auf, mit­wischten unbarmherzig zur Wache sistirt, glücklicherweise zutheilen, ob er schon beschwerdeführend gegen die Beamten vor­von Jahr zu Jahr in immer geringerem Maße aus gegangen wäre, welche den Wirth oder Wirthin beeinflußt hätten, geübt wird." das Lokal nicht mehr für den Bildungsverein oder andere sozial­demokratische Vereine herzugeben, wonach Konsenserweiterung als Belohnung erfolgen sollte. Hierauf erwiderte Risop, daß er noch den einige Zeugen notiren müsse; als er jedoch zur richtigen Beleuch­tung dieser Sache] schritt, forderte der überwachende Beamte Risop auf, Namen zu nennen, weil hier die Behörde angegriffen sei, widrigenfalls er die Versammlung auflösen würde. Risop nannte den Kommissarius Art, und Wizki bestätigte, gehört zu haben, daß die Konsenserweiterung auch schon stattgefunden haben sollte. Nachdem Genosse Jochem flargelegt, daß ein überwachen­der Beamter nicht den Sprecher, sondern den Vorsitzenden behufs Klarlegung einer Sache zu interpelliren hätte, forderte Witzki den Vorsitzenden Labuschewsti auf, den überwachenden Beamten zu unterweisen, daß für die Zukunft diese unrichtige Handlungsweise unterbliebe; als er jedoch zur Ausführung schritt, bemerkte der Beamte, er laffe sich nichts gefallen, man möchte event. Beschwerde führen, groß wäre, sonst würde er die Versammlung auflösen. Kube bemerkte, wir" B. 2.-A." kennt seine Pappenheimer, er weiß, daß seine Leser Polizeibericht. Am 25. Abends gerieth der Rangirarbeiter würden unnachsichtlich jeder Zeit Beschwerde führen über Hand- solche Ungeheuerlichkeiten für baare Münze nehmen, find es Gläser auf dem Güter- Bahnhofe der Stettiner Eisenbahn zwischen lungsweisen ähnlich der in der Schidliger Versammlung, wo der doch Leutchen, die die Sozialdemokraten für Räuber und Mörder die Buffer zweier Wagen und erlitt eine Quetschung der Brust, Beamte nach Schluß der Debatte die Versammelten aus dem halten und dieselben nur aus den sogenannten Witzblättern her so daß er nach dem Augusta- Hospital gebracht werden mußte. Saale getrieben hätte. Alle, ob es Pfaffen, Pfaffenföhne seien kennen, die ihren Wig darin ſuchen, Sozialdemokraten als die ärgften als am 26. d. M. Mittags ein Mann vor dem Neubau Rosen­oder andere Bürger, alle sind gleich zu behandeln, was damals Buschklepper darzustellen. Und die Sozialdemokratie zu diskreditiren, straße 5-6 vorüberging, fiel ihm vom Dache ein Hammer auf nicht geschehen ist. Wizki theilte mit, daß er über jene Ange- die übrigens ganz in dem Geiste verfaßt sind, wie er die mittags wurde ein Drehorgelspieler vor dem Haufe Wilsnacker­das ist doch nur der hinterlistige Zweck obiger Einsendungen, den Kopf, so daß er eine bedeutende Verlegung erlitt. legenheit schon Beschwerde eingereicht hätte. Ueber die heutige Majorität der Stadtverwaltung beseelt. Als höchsies Produkt straße 40 mit Verlegungen am Kopf und im Gesicht, welche er Angelegenheit wird wieder Beschwerde geführt. Nachdem noch höheren Blödsinns und der B. 2.-A." ist hierin uner- angeblich bei einer Schlägerei erlitten, aufgefunden und nach dem mehrere Personen dem Verein beigetreten, wurde die Versamm­schöpflich möge noch folgende Mittheilung Platz finden: Krankenhause Moabit gebracht. Am 26. d. M. Vormittags lung geschlossen. Von falsch angebrachtem Stolz eines Bettelstudenten" und am 27. d. M. Morgens fand je ein kleiner Brand statt. weiß der Portier eines Hauses in der Königgrägerstraße zu berichten. Derselbe war gerade mit Schneeabkragen vor der Thür des Hauses beschäftigt, als ein junger Mensch in ärm lichster Kleidung, mit blaugefrorenem Gesicht und Händen an ihm vorüber ins Haus wollte. Auf Be­fragen gab er zu, betteln zu wollen, und als der Portier Die vierte Aufführung der Freien Volksbühne im Ostend ihn nun aufforderte, ihm lieber beim Haus- und Theater für die erste Abtheilung fand am Sonntag, den 25. ds., Hofreinigen ein wenig zu helfen und sich dadurch Nachmittags von 1/23/27 Uhr statt. Gegeben wurde diesmal ein gutes Trinkgeld zu verdienen, bekam er zu nicht ein modernes Realisten- Stück von Hauptmann oder Jbsen, seinem nicht geringen Erstaunen die im Tone tief belei- sondern Schiller's, Rabale und Liebe". Auf Schiller, als Digten Ehrgefühls gegebene Antwort zu hören:" Was fällt den volksthümlichften aller Dramatiker, wurde der Vorstand der Ihnen ein, Herr? Ich habe zwei Jahre studirt und Sie wollen mich zum Straßenreiniger degradiren? Nie!" und damit war der Bettelstudent" stolz erhobenen Hauptes von dannen geschritten."

Lokales:

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Fechtbrüder. Es ist zwar amtlich" in Abrede gestellt worden, daß in Berlin ein außergewöhnlicher" Nothstand herrsche, der außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich mache, doch hat nicht in Abrede gestellt werden können, daß ein Nothstand herrsche, ein ganz gewöhnlicher" Nothstand, wie er in dem schönen Berlin

immer zu finden ist.

Ob nun gewöhnlich" oder außer

Polizei und Armendirektion bas genügt! Und weiter lesen wir als Jllustration zu dem Kapitel von Leuten, die nicht arbeiten wollen:

Ein frecher Schwindler, der als Kataster- Assistent Winter auftritt und angiebt, im Auftrage des hiesigen Kataſter- Amtes verschiedene, in den Grund- und Gebäudesteuer- Mutterrollen entdeckte Ungenauigkeiten berichtigen zu wollen, sucht gegenwärtig unsere Vororte heim. An Ort und Stelle angelangt, besichtigt der Gauner mit der größten Frechheit die in Rede stehenden Gebäude resp. nimmt Einsicht in die vorhandenen Baupläne; hierauf fordert der Herr Assistent" 13 Mart an Gebühren und beglaubigt dies durch ein amtliches Protokoll und eine gefälschte Quittung, durch welche sich seine Opfer zur Zahlung bewogen fühlen. Erst eine Anfrage an das Kataster Amt klärte den Schwindel auf. Seitens der Gendarmerie wird jetzt auf den Gauner gefahndet.

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" Von einem andern Fall erzählt Herr Restaurateur W. in der B.straße, wonach ein stark und robust, aber voll- Der Bahn ist in einer Tiefe von 20 Metern ausgegraben worden. Ein Mammuth- Stoßzahn wurde in Rigdorf aufgefunden.

ständig zerlumpt aussehender Mann, der ihn um eine Gabe

gebeten und dem er den Vorschlag gemacht habe, ihm Die in das Märkische Museum gelangten drei Stücke desselben beim Flaschenspülen zu helfen, womit er sich eine Mart haben ein Gewicht von 40 Pfund und sind zusammengelegt und mehr verdienen tönne, ihm höchst paßig erwidert 1,35 Meter lang bei 34 bis 40 Bentimeter Umfang. habe: Flaschenspülen? nee Herr, von des Jeschäft ver­steh ich nischt; und denn for n'e Mart fufzig n' Zag?! Nee, da jeh' ick lieberst betteln, da steh' ick mir bedeitend besser" worauf der freche Patron sich schleunigst ver­flüchtigt" habe." Wenn die Sache nicht zu ernst und die Infamie nicht zu man könnte fast darüber lachen! Aber der

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An die Arbeiter Berlins . Hierdurch machen wir be fannt, daß das Etablissement Beuthstraße 20( früher May's Fest fäle) jetzt in die Hände des Herrn Norbert übergegangen ist und derselbe sich verpflichtet hat, seine Säle zu allen Versammlungen Infinger. unentgeltlich herzugeben. Die Lokalkommission. Heindorf, Werner,

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Freie Volksbühne.

Nach­

Freien Voltsbühne ja von berufenen und unberufenen Berathern von vorn herein hingewiesen. Und wenn auch das anfängliche Baudern des Vorstandes, solchen Rathschlägen zu folgen, ficher seine gewichtigen Gründe hatte, so behielten doch die guten Rath­geber Recht.

Selten wohl hat man in einem Theater so starke Wirkungen gesehen, als an diesem Sonntag Nachmittage. Hat schon irgend ein Rezensent nach der ersten Vorstellung der Freien Volks­bühne"( Ibsen's Stüßen der Gesellschaft") einmal gesagt: noch nie hätte er erlebt, daß in den Beifall flatschenden Händen des Publikums so seine ganze Seele läge: so muß hier dasselbe be ſtätigt, ja noch stärker gesagt werden: es war diesmal eine noch viel vollere Seele, die in dem Beifalltlatschen lag.

gewöhnlich", darüber wollen wir nicht lange streiten; erwiesen ist jedenfalls, daß die arbeitende, d. h. die auf Arbeit angewiesene Bevölkerung unter der graffirenden Arbeitslosigkeit in Verbindung mit dem außergewöhnlich strengen Winter auf das schwerste zu leiden hat. Woher dieser Nothstand stammt? Nun, diese Frage Auf solche Weise wird öffentliche Meinung" gemacht, auf ist für die Neunmalweiſen ſehr schnell beantwortet! Nicht die solche Weise sucht man den Beweis dafür zu erbringen, daß die herrschende Gesellschaft ist es, welche durch ihre Interessen- Leute nur nicht arbeiten wollen", nach dem bekannten Spruche: politik den heutigen Nothstand verschuldet, nein, die Arbeiter Sozialdemokraten sind Zeute, die nicht arbeiten wollen", oder selbst find es, welche ihr Glend verschulden! Warum furz und bündig: Fechtbrüder"! wollen sie nicht arbeiten? Arbeit ist genug da, wer arbeiten will, der findet mindestens Arbeit, und wer arbeitet, hat auch zu Unter der Spizmarke ein flotter Bürgerliche Moral. Leben und wer nicht arbeitet, hat auch ein echt zum Leben. Sohn" finden wir in einem freisinnigen Blatte folgende totiz Merkwürdig, daß die Zahl derer, die nicht arbeiten wollen, Der Sohn einer sehr begüterten Familie in Spandau , immer größer wird! Wozu aber auch eigentlich arbeiten, wenn deren Verwandte in Berlin wohnen, hat in Berlin feit Man konnte die direkten Wirkungen auch sicherer be man als Fechtbruder" ein viel behaglicheres Dasein führen einiger Zeit ein Verhältniß mit einer Schauspielerin obachten, während man in den früheren Vorstellungen oft fann? Gleichwie man die 500 000 Arbeitslose, welche die Land­unterhalten, die zu Beginn der Saison an einem Berliner nicht wußte, ob es bloß die Begeisterung für das ganze Unter­straßen bevölkern, mit dem geschmackvollen Namen Bagabunden" Theater engagirt war. Der Verkehr mit dieser galanten nehmen, ob es nur das Ungewohnte im Theater, ob das belegt hat, so ist die moderne Gesellschaft auch nicht in Verlegen­Dame hat in gar nicht langer Zeit ca. 80 000 M. gekostet, Tendenziöse der Dichtungen oder was es sonst gewesen sei, das gewesen, für die Opfer des heutigen Wirthschaftssystems, die sich der flotte Herr Sohn durch falsche Wechsel zu den Beifall hervorrief. Ja zuweilen wußte fich offenbar das die nachgerade gezwungen sind, ihr Brot vor den Thüren der Besserfituirten zu erbetteln, einen nicht minder geschmackvollen verschaffen gewußt hat. Vor wenigen Tagen hatte das Bolt hier fann man ja fast zum ersten Male vom Volke Baar einen Ausflug nach Hamburg gemacht; dort gelang im Theater reden- selbst nicht so recht in seine Lage hineinzu­Namen zu erfinden. Die satten Moralisten nennen sie es dem Vater, feinen Sohn festzunehmen. Er spedirte ihn finden. brüder! Der Name an und für sich ist gewiß schon sehr glücklich sofort nach Amerika , die verlassene Geliebte aber mußte Auch in Kabale und Liebe " wirkten natürlich die stärksten gewählt und macht den Erfindern alle Ehre, doch ist dabei zu beachten, daß der Bezeichnung" Fechtbruder" noch eine ganz ber sich nach Berlin zurückbegeben, um hier einigen wichtigen bezw. die deutlichsten revolutionären Ausbrüche am intensivsten. ftimmte ominöfe Bedeutung Sigungen am Alexanderplatz beizuwohnen." Und das ist ja auch ganz natürlich. Gerade, je naiver das Also der wirklich Schuldige nach Amerika spedirt und seine Publikum, um so tendenziöser wirkt jede Kunst. Das Bettelei gewer ein Mitglied, einer wohnt, indem man unter efabulin, von der durchaus nicht etwa feftſteht, daß sie um den Thatsache, die tros aller after it feet in ons ist eine folge i gerbsmäßig betreibt. r" Bunft versteht, welche die Gefährigen Handel gewußt, ins Gefängniß. Das freijinge Blatt dieſer Selegenheit wieder bezeugt wird. Ihrer mit nicht vorhandenen Notlle diejenigen also, welche in schmugi port der Stritit bazu, iſt alſo damit einverstanden, die Tendenziöfen wirkten hier doch mehr als in den früheren Studen ihrer Mitbürger und Mitmenschothſtandes heute an die Thüren herd ist ja serettet. Wie kann man von dem reichen Söhnchen die Vorgänge auf der Bühne ſelbſt. Und so viel näher uns, be­

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