gebrauchen könnte. Nm höher hinauf zu steigen, hat man das Mittel, durch Auswerfen von Ballast das Luflschiff zu erleichtern, aber man kann später den Ballastvorrat nicht mehr vermehren, wenn man eS wünschen möchte, um ein wenig tiefer zu fahren. Gerade solche Schwierigkeiten waren eS im wesentlichen, die den Grafen Zeppelin bei seiner jüngsten Dauerfahrt störten. Ist aber am Ballon eine Luftpumpe angebracht, so kann man jederzeit nach Belieben Luft von austen in den Ballon eintreten lassen und später nach Be- darf durch Auspumpen wieder entfernen, so dast die Steuerfähigkeit dadurch ungemein vermehrt werden könnte. Die jetzt gebräuchlichen mit Gas gefüllten, bald hierin, bald dorthin transportabel» und nach Bedarf entleerbaren BallonetS sind nur ein ganz schwaches, Vergleichsweise wenig nutzbares Surrogat. Wenn man trotz aller dieser Vorzüge nicht schon früher die lustgefüllten Ballons mit der Luftpumpe entleerte, so lag dieS daran, dast man kein für solche Zwecke geeignetes Material besah, das die Ballonhülle hätte bilden können. Denn hier kann man nur eine starre, ganz oder doch beinahe unbiegsame Substanz verwenden. Wollte man Gummi- oder Seidenbüllen oder solche aus ähnlichen unstarren Stoffen benutzen, so würde der äustere Luftdruck sie so tveit zusammendrücken, dast das im Ballon eingesperrte Lustquantum auf ein geringes Volumen gebracht wäre, indem es dann ebenso dicht wäre wie die äustere Lust. Die Wirkung wäre, dast der Walloninhalt gerade so schwer wäre wie ein gleiches Volumen äuherer Lust, der Ballon wäre zu schwer, um steigen zu können, es wäre ebenso, wie wenn gar keine Lust ausgepumpt wäre. Francisco Lanas Plan wurde durch diese Schwierigkeit vereitelt. Er hatte, um starre Ballonwände zu erreichen, keine andere Substanz als Holz, und dies erwies sich, was man sich auch von vornherein sagen kann, als so schwer, dast auch bei weitgehender Luftauspumpung das Ganze viel zu schwer war, um zu steigen. Jetzt besitzt man aber im Aluminium einen Stoff, der diese Schwierigkeit beheben kann. Man hat schon Berechnungen an- gestellt, aus denen hervorgeht, dast, wenn man die Ballonwand so dick herstellt, dast sie dem äusteren Luftdruck widerstehen kann, also keine schädliche Zusammenpressung des Ballons zu befürchten ist, die Belastung dadurch doch nur so gering zu sein braucht, dast ein Ballon von den'Gröbenabmessungen, die denen der jetzt vorhandenen lenk- baren Luftballons etwa entsprechen, imstande wäre, so viel Menschen, Apparate und Vorräte in die Lust zu heben,«vie eS für die praktische Verwendung der lenkbaren Luftschiffe notwendig ist. Und da ein solcher Luftballon, ein wirklicher Lustballon, nicht GaSballon, nicht feuergefährlich ist, da er viel lenksamer ist, alS der GaSballon, und dabei sogar billiger, dürste man in ihm das Luftschiff der Zukunft erblicken, vielleicht einer so nahen Zukunft, daß Graf Zeppelin selbst noch, der in seiner Genialität alle Hilfsinittel benutzt, sich seiner bedient. Dr. H. 0. Kleines f einlleton* Kulturhistorisches. Badeleben im alten Rom . Das Baden war eine der wichtigsten Volksbelustigungen und Volksbeschäftigungen in der «römischen Kaiserzeit und von den Alten zu einem so durchdachten Luxus ausgebildet worden, wie es unsere Gegenwart nicht von fern tvieder erreicht hat. Wohl sahen einzelne Sittenprediger in dieser jallgemeinen Verbreitung der Sauberkeit ein Zeichen des Verfalls. „Wie reich an Tugend war doch die schlichte alte Zeit," ruft Seneca aus,»als man sich nur wusch und selbst ein Scipio nur einmal die Woche ein Vollbad nahm!" Aber das Bäderwesen hatte doch den großen Vorteil, die Volksgesundheit in allen Schichten zu erhalten, zumal nicht nur der Körper, sondern auch Seele und Geist in diesen großartigen Thermenanlagen gestärkt und erquickt wurden. Das betont Professor Theodor Birt in einer lebendigen Schilderung der altrömischen Bäder, die er seinen Skizzen„Zur Kulturgeschichte Roms"(Quelle und Meher, Leipzig ) einordnet. Der vornehme Mann hatte seine Privatthermen, die einen märchenhaften Prunk buntschimmernder Marmorinkrustationen und silberner Wasser- lköhren entfalten mochten und nur Freunden zur Mitbenutzung geöffnet wurden. An der Küste baute man die Fundamente solcher Thermen ins kühle Meer hinaus. Doch die große Masse der Be- dölkerung versammelte sich in den öffentlichen Bädern, dem be- liebtesten Rendevouz der Bürgerschaft, wo man sich trefflich unter- hielt. Das Baden war die schönste Art des Faulenzens, ein Schlemmen in Sauberkeit, bei dem man den prächtigsten Hunger und Durst für die Hauptmahlzeit, die gleich nach dem Bade statt- fand, bekam. Bevor man zu den eigentlichen Thermen gelangte, befand man sich in einer Budenstadt, wo allerlei feilgeboten wurde, >und aus dem unbedeckten Thermenhof, der aber von der Straße aus nicht gesehen werden konnte, schallte Lärmen, Lachen und fröh- liches Geschrei herüber. Auf diesem zwei Drittel der ganzen riesigen Anlage bedeckenden Platz tummelten sich die schon AuS- gekleideten im lustigen Spiel. Die Frauen hatten von den Männern gesonderte Räume und taten es ihnen in allem so ziemlich gleich. iuf dem Platz nun werden Kugeln geschoben, wird Rapier ge- fochten und besonders eifrig Ball gespielt, denn das Ballspiel war «ine Hauptpassion auch der ältesten würdigsten Herrn, die im lverantwortl. Redakteur: HanS Weber, Berlin.— Druck u. Verlag: Springball wie st» Federball und Fußball noch ihren Mann stellten. Ein Gong ertönt: man muß sich beeilen, um noch in die Bäder hereinzukommen; sonst findet man keinen Platz mehr. Die Sammelbüchse geht herum und man zahlt seinen Eintritt, in Rom nur zwei Pfennige, in Provinzstädten aber mehr, die Männer vier, die Frauen gar acht Pfennige. Korpulente Damen sollten das Drei. fache zahlen, erklärt Martial; sie nehmen zuviel Platz weg. Durch kleine Warteräume mit Bänken, in denen man beim Aufseher auch seine Wertsachen ablegen kann, gelangt man in einen Auskleide- räum und von dort ins„Tepidarium", wo man sich zunächst in lauer Luft durchwärmen läßt, um dann ins heiße Wannenbad zu steigen. Dies heiße Bad war der höchste der Genüsse und galt als sehr gekund. Danach ließ man sich mit lauwarmem Waffer be- sprudeln und säubern, wobei auch der Schwamm seine Arbeit tat. Das kalte Bad, ein schöner, großer heller Raum, bildete den vor- schriftsmäßigen Abschluß; in Sommerzeiten wurde es hauptsächlich besucht; man konnte auch in einem großen Bassin im Thermenhof schwimmen. Nach vollendetem Bade folgten sorgfältige Abreibungen, Massage und Oelung der Haut. Wer etwas Besonderes tun wollte, ging auch noch in das Schwitzbad, eine Rotunde mit halbkugel- förmigem Dach, das oben offen war und durch eine verschiebbare Metallscheibe frische Luft zuführen konnte. Die Heizung erfolgte durch hohle Fußböden und hohle Wände, durch die heiße Wasser- dämpfe geleitet wurden. Diese Heißluftheizung war von dem Römer C. Sergius Orata, einem Zeitgenossen CiceroS, er- funden worden. Die Leitung geschah auch in Tonröhren. Um aber nicht nur dem Körper, sondern auch dem Geist Erholung zu ge- währen, brachte man in den Thermen Kolossalfenster an mit riesigen Glasscheiben, durch die Aussicht auf ein weites Panorama gespendet wurde. Ueberhaupt war der Thermenbau für den Fort- schritt der Architektur von hoher Bedeutung; die Form der christ- lichen Basilika hat sich an den Stil der Baderäume angelehnt; die kolossalsten Bauten wurden in den Caracalla- und Diokletians- thermen ausgeführt; bisweilen wurden die Spielhöfe mit Riesen- gewölben überspannt, so daß sie in heißen Sommertagen die beste Kühlung boten. Ueberall erfreuten den Badenden Werke der bildenden Kunst, bilderreiche Mosaiken auf den Fußböden, Mosaiken auch in den farbenstrahlenden Apsiden der Höhe. Statuen von Marmor und Erz waren hier aufgestellt, so daß sich das Bad zu einem idealen Museum wandelte. Den„Schaber" des Lysipp stellte Agrippa in seinen Bädern auf; der farnesische Stier und der farnesische Herkules stammen aus den Diokletiansthermen. So sehr liebte das Volk diese Bildwerke, daß ein Aufruhr entstand, als TiberiuS den„Schaber" in seinen Palast brachte; die Statue mußte wieder an ihren alten Platz gebracht werden. Das regste Leben und Treiben entfaltete sich in diesen Bädern. Die Vor- nehmsten mischten sich unter die Niedrigsten. Auch Tiere brachte man mit ins Bad, hauptsächlich Hunde, aber auch andere exotische Lieblinge aller Art, bis zum Rhinozeros. Reiche Ernte hielten die Bäderdiebe, denen im römischen Strafrecht ein besonderer Ab- schnitt gewidmet ist. Medizinisches. DaS Raupenfieber. Ob das Jahr 1909 als ein Raupen- jähr zu betrachten ist oder nicht, darüber scheinen die Meinungen geteilt zu sein. Soweit sich bisher eine Ucbersicht gewinnen läßt, treten die Raupen in einzelnen Gebieten massenhaft auf, in anderen nahe benachbarten dagegen ungewöhnlich spärlich. Wie dem aber auch sei, es vergeht kein Jahr, wo nicht hier und da ein Fall von sogenanntem Raupenfieber vorkommt, einer Art von Haut- erkrankung, die von den Haaren gewisser Raupen verursacht wird. Weitaus am häufigsten wird als Urheber dieses höchst unangenehmen Uebels die Raupe des Goldafters und des ihm sehr ähnlichen Gartenbirnenspinners und„Schwans" unter Anklage gestellt. Diese Arten gehören beide zu der Familie der Lipariden, ebenso wie auch der aus anderen Gründen berüchtigte Schwammspinner. Es läßt sich ohne weitere? sagen, daß fast alle stark behaarten Raupen zu jener Erkrankung Anlaß geben können, zum Beispiel auch der sogenannte„braune Bär"(�rctis caja). Einerseits ist aber die Empfänglichkeit der einzelnen Menschen für die Ein- Wirkung der Raupenhaare glücklicherweise,— oder für die Benach- teiligten unglücklicherweise— sehr verschieden, und außerdem be- sitzen auch die Raupenhaare der einzelnen Arten noch eine ver- schieden starke Wirkung. Am meisten gefürchtet ist der nicht allzu weit verbreitete Prozessionsspinner, der durch einen plötzlichen Ueberfall auf Nadelholzwälder zeitweise manches Ostseebad aufs schwerste geschädigt hat, indem die Kurgäste aus Furcht vor dem Raupenfieber ausblieben. Uebrigens gibt es auch Spinnen, deren Haare eine ähnliche Wirkung ausüben. Am meisten fft aber doch, wie schon bemerkt wurde, die unendlich häufige Raupe des Gold- afters zu fürchten. Ein Finger, in dessen Svitze sich Haare dieser Raupe festgesetzt haben, sieht im stark vergrößerten makroskopischen Bilde höchst merkwürdig aus, und man kann sich danach ohne- weiteres denken, daß diese BeHaftung mit den Raupenhaaren nicht harmlos ausgehen kann. Vorwärts Buchdruckerei u.Vcrl«g»anstaIt Paul Singer L-Co..Berlin SW.
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26 (24.6.1909) 120
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