nünftigen Leuten!" antworiete Jens RoS mit Herablassendem Lächeln. Wenn Ihr auch nur etwas von dem wüßtet, was in diesen und anderen Büchern steht, und wenn Ihr eine Ahnung hättet von dem, was in der großen Gemeinschaft da draußen vor sich geht, dann würdet Ihr Grund haben, Euch zu verwundern. Aber Du bist wohl nie weiter fortgewesen, als bis nach Nörresundby, Jens Roll!" Ick will Dich doch nur wissen lassen, mein Freund, daß ich vier Jahre lang V ort»echt auf dem Toruper Hofe war und daß ich anderthalb Jahre als Dragoner in Randers diente. Ich bin, hols der Eatan, keiner von denen, die nicht die Nase hinausgesteckt haben!" Was soll das nun heißen, die Sache gleich so aufzufassen I" bemerkte Sören Knak friedfertig. Nein; aber hierher zu kommen und uns einreden zu wollen, daß sie im Rußland , oder wo zum Henker es immer war, keine Sonne haben...... nein, dazu haben wir uns, Gott sei Dank, zuviel umgesehen in dieser Welt." Ja, aber bester Mann!" erklärte Jürgen.Die Sache ist doch ganz einfach. Während der vier Monate läuft der Nordpol infolge der Stellung der Erde parallel mit der Sonne, und dann haben sie Tag und so umgekehrt!" Ja. das ist nun eine von diesen übertriebenen Redensarten, auf die man besser gar nicht antwortet." Roü spie einen feinen Strahl durch seine starken, weißen Zähne hindurch. Nach einer Weile fragte der Stillc-Peter von seinem Winkel her:Die große Gemeinschaft! Was hat es denn eigentlich mit der auf sich?" Jürgen kraute sich das Haar und ein hastig wechselnder Aus- druck trat in seine Augen, als durchzucke ihn blitzschnell manch strahlende Erinnerung an das, was er da draußen gesehen, gehört und gelesen hatte: Die große Gemeinschaft ist da draußen, wo man die Früchte der Erde so leicht von Land zu Land transportiert, wie ihr hier von einer Tasche in die andere, wo ein Hundertkronenzettel nicht mehr gilt als hier ein Oere, und ein Mensch nicht mehr als eine Ameise, wo die Menschen ein Gemeinsames haben, wo Tausende von Leuten alle dasselbe wollen und sich durch einen Blick verständigen, wo Leben und Bewegung ist, wo das Gestern anders war wie das Heute..... wo es ist wie ein weites, weites Meer mit turmhohen Wogen!-- Aber da, wo die Menschen nur essen und schlafen und sich schinden." fügte er anzüglich hinzu,da ist die große Gemeinschaft nicht, denn das tut der Ochse auch." Jens Rou schob die Brust heraus.Ja. wir gehen nun so unseren Gang und passen auf unsere Futtersäcke, und für Dich wäre es wohl das klügste, mein Freund, wenn Du es ebenfalls tun würdest, denn äh wie steht noch geschrieben, niemand kann zween Herren dienen, so heißt es wohl!" Und Niels Malle fügte hinzu:Ja, wenn nur Korn im Beutel ist!" Ob die Leute, von denen Du da erzählst, wobl von der Luft leben können?" fragte Mads Kirk spöttisch. Nein, aber es ist Schwung in ihrem Gedankengang! Da draußen sauft alles! Ihr hier in den Dünen könntet wohl ein Schwungrad nötig haben, das Euch über den Wien Punkt hinweg- brückte." Jens Roü blickte verwundert auf und rief:.Bist Du immer noch dabei? Entweder bist Du Baptist, Sören, oder, hol's der Satan, Sozialist, glaub ich... Anders, sagst Du gar nicktS?" Anders richtete den Oberkörper auf und sah von seinen Stroh- bändern in die Höhe. Dann sagte er scharf:Ich habe wohl ge- hört, daß eS Leute gibt, die vom Predigen leben, aber w i r gehören nun nicht zu denen!" Es entstand eine Stille, wie oftmals, wenn Anders gesprochen hatte. Der Stille-Peter begann zuerst wieder. Me sahen, daß er etwas auf dem Herzen hatte; denn er versuchte, den Mund in die richtige Lage zu bringen. Endlich stieß er hervor:Wenn nur uns nun ein solches Rad zulegten hem! wohin sollten wir dann damit fahren?" Niels Malle lachte, daß ihm der Bauch wackelte. Alle lachten, Jürgen auch. Sogar Mads Kirk verzog den Mund zu einem Lächeln. Als dann aber Jürgen von neuem zu sprechen begann, bürstete Anders die Strohreste von seinem Zeug, stand kerzengerade auf, als wolle er sich mit seiner ganzen Länge gegen etwas anstemmen und sagte: Nun ist es genug damit!" Seine Stimme schnitt wie ein scharfes Messer mitten in Jürgens Redestrom hinein. Es war, als fege Anders mit diesem einen Satz all die Worte und Gedanken beiseite, die Jürgen zum Besten gegeben hatte, als fege er all diesen Gemeinschaftsunsinn zum Hause hinaus. Danach ließ er sich an dem einen Tischende nieder und sprach von anderen Dingen, als sei Jürgen gar nicht anwesend. Da stand aber Jürgens Frau haftig auf sie war fast so groß wie der Vater und blickte mit funkelnden Augen auf die Männer, bevor sie, hochaufgerichtet, zur Stubentür hinausschritt, die sie mit fester Hand hinter sich schloß. (Fortsetzung folgt.) fidbUs plan für die Gmwrlität Berlin , (Zum Berliner UntversitatSjubiläumi) Zu den Männern, die 1807 aufgefordert wurden, einen Ent« tmirf für die Sckxiffung einer Universität in Berlin auszuarbeiten, gehörte auch Fichte. Er entwarf darauf dendeduzierten Plan einer zu Berlin zu errichtenden höheren Lehranstalt". Sein Entwurf wich von allem ab, was man bisher unter Uni« versität verstand. Er im rde auch ohne jede Diskussion von vorn» herein aus dem Material der Vorarbeiten ausgeschieden. Er wollt« eine Schule der Kunst des wißensckaftlichen Verstandesgebrauchs schaffen, in einem strengen, einheitlichen Aufbau. Der neue Mensch sollte in dieser Schule gebildet werden, und deshalb der Schüler völlig von dem bürgerlichen Leben getrennt werden; schon in der vorbereitenden Gelehrtenschule. Aus dem tiefsinnigen und kühnen Entwurf seien die folgenden Ideen wiedergegeben: Der Sohn eines Bürgers, welcher ein bürgerliches Gewerbe treibt, besucht vielleicht auch des Tages mehrere Stunden eine gute Bürgerschule, worin mancherlei gelehrt wird, das die gelehrte Schule gleichfalls verträgt. Dennoch ist die Schule nicht der Sitz seines wahren, eigentlichen Lebens...; die Schule ist Nebensache und bloßes Mittel für den besseren Fortgang des bürgerlichen Ge- werbes, als der eigentliche Zweck. Dem Gelehrten aber muh die Wissenschaft nicht Mittel für irgendeinen Zweck, sondern sie muß ihm selbst Zweck werden... (Das höchste Uebel ist die) Verfließung des studierenden Teiles des gemeinen Wesens mit der allgemeinen Masse des gewerb- treibenden oder dumpfgenietzenden Bürgertums; indem, ganz davon abgesehen, daß bei einem solchen nur als Nebensache getriebenen Studieren wenig oder nichts gelernt wird, auf diese Weise die ganze Welt verbürgern, und«ine über die Wirklichkeit hinausliegende Ansicht der Wirklichkeit, bei welcher allein die Menschheit Heilung sinden kann gegen jedes ihrer Uebel, auso-tilat werden würde in dem Men> cke n qeschl eckt e. » Daß das Detail der kleinen Sorgfä.tcglenen um die täglichen Bedürfnisse des Lebens zum Studieven nicht paßt; daß Nahrungs - sorgen den Geist niederdrücken; Nebenarbeiten ums Brot die Tätig» ieit zerstreuen, und die Wissenschast als einen Broterwerb hin- stellen; Zurücksetzung vor Begüterten dürftigkeitshalber, oder die Demut, der man stch unterzieht, um jener Zurücksetzung aus- zuweichen, den Charakter herabwürdigen: dieses alles ist... ziemlich allgemein zugestanden. Aber man kann... auch noch eine tiefere Ansicht nehmen. Es wird nämlich... bald sehr klar die Notwendigkeit sich zeigen, daß im Staate, und besonders bei den höheren Dienern desselben, recht fest einwurzele die Denkart, nach welcher man nicht der Gesellschaft dienen will, um leben zu können, sondern leben mag, allein um der Gesellschaft dienen zu können... Mächtig wird dieser Veredelung und dieser Unabhängigkeit... vorgearbeitet werden,»venu die künftigen Gelehrten... von früher Jugend an gewöhnt werden, die Bedürfnisse des Lebens nickt als Beweggrund irgendeiner Tätigkeit... anzusehen.(Fichte verlangt daher Sicherung vor jeder Sorge um das Aeußere, ver- mittels eines gewährleisteten Unterhalts sowohl für ditz Zeit des Studierens wie für die Zukunft.) An eine besondere Uebung oder Prüfung in der Kunst des akademischen Vortrages hat... niemand gedacht, gleich als ob es sich von selbst verstände, daß man, was man nur wisse, auch werde sagen können; zum schlagenden Beweise, daß man... mit der Universität durchaus nicht mehr beabsichtigt, als dem gedruckten Buchwesen noch ein zweites redendes Buchwesen an die Seite zu setzen. Ein anderer Mann(Pestalozzi ) hat in unserem Zeitalter die ... Wurzel derselben Pädagogik gesundem Jener Gipfel(der Universität) macht möglich die höchste und letzte Sckule aller wissen- schaftlichen Kunst; diese Wurzel macht möglich die erste und all- gemeine Schule des Volkes... Der mittlere Stamm der Pädagogik ist die niedere Gelehrtenschule. Aber der Gipfel ruht fast nur auf dem Stamme, und dieser zieht seinen Lebenssaft nur aus der Wurzel; alle insgesamt haben nur an-, in- und durcheinander Leben und versicherte Dauer. Ebenso oerhält es sich auch mit der höheren und der niederen Gelehrtenschulc und mit der Volks» schule... Da aber, wo wir zusammenkommen werden, wird der armen, jetzt in ihrer ganzen Hilflosigkeit dastehenden Menschheit Hilfe und Rettung bereit sein; denn diese Rettung hängt lediglich davon ab, daß die Menschenbildung im großen und ganzen aus den Händen des blinden Ohngefähr unter das leuchtende Auge einer besonnenen Kunst komm«. » In allen menschlichen Verhältnissen... ist das alte und hergebrachte das Dunkle; eine Region, die mit dem tlarcn Begriffe zu durchdringen, und mit besonnener Kunst zu bearbeiten, man Verzicht leistet, und auö welcher herab man den Segen Gottes ohne sein eigenes Zutun erwartet. Setzt man in diesem Glaubenssystem zcnem göttlichen Segen etwa noch eine menschliche Direktion und Oberaufsicht an die Seite, fo ist das«me bloße Inkonsequenz. Das