Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 8.

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Donnerstag, den 12. Januar.

Nachbruc verboten.)

Pelle der Eroberer.

Roman von Martin Andersen Nerö. Feßt fam Frau Kongsgaard heraus und auch der Herr; ein Mädchen lief vorauf nach dem Wagen mit einem kleinen Tritt und half ihrer Herrin hinauf; der Gutsbefizer blieb oben auf der Treppe stehen bis sie Platz genommen hatte. Sie war schlecht zu Fuß. Aber was für ein Paar Augen ihr heute im Kopf saßen! Belle beeilte sich, nach der anderen Seite hinüberzusehen, als sie das Gesicht dem Hofe zuwandte. Die Leute munfelten davon, sie könne einen Menschen nur durch ihren Blick ins Unglück bringen, wenn sie es wollte.-Jetzt ließ Gustav den Hund los, der tanzte vor den Pferden her und kläffte als sie vom Hof herunterfuhren.

So schien die Sonne doch nicht an einem Alltag. Es blendete, wenn die weißen Tauben in vereinten Scharen über den Hof flogen und ihre Haken so regelmäßig schlugen, als drehe sich ein großes weißes Lafen im Sonnenschein herum; der Schimmer von ihren Flügeln huschte blitzschnell über den Dunghaufen und veranlaßte die Schweine, mit einem fragen­den Grunzen den Kopf zu erheben. Drüben in den Kammern faßen die Knechte und spielten Sechsundsechzig" oder be­schlugen ihre Holzschuhe, Gustav fing an auf seiner Hand­harmonika zu spielen: Als Noah aus der Arche fam, als Noah aus der Arche kam-"

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Belle schlenderte vorsichtig auf den oberen Hofplak nach der großen Hundehütte hinüber, die man nach dem Winde drehen konnte; er sette sich auf den Rand des Daches und fuhr Karuffel, indem er jedesmal, wenn er an dem Stafet borüberkam, mit den Füßen abstieß. Auf einmal fam ihm der Gedanke, daß er selbst aller Hund sei und sich am liebsten berkriechen müsse. Er ließ sich hinabfallen und froch in die Hundehütte und legte sich rund in das Stroh hin, den Kopf auf den Vorderpfoten. Da lag er eine Weile und starrte auf das Staket hinaus und ließ die Zunge, nach Luft schnappend, aus dem Munde hängen. Da hatte er plöblich einen Einfall, der ihn überkam wie ein Niesen und ihn alle Vorsicht vergessen machte. Im nächsten Augenblid war er im bollen Gange, von dem Treppengeländer des Haupthauses herunterzurutschen.

1911

Vorwärts!" rief eine befehlende Stimme, und sinnlos vor Schrecken und Verwirrung sprang Pelle auf den Hof hinaus. Da draußen standen die Mägde, fie lachten und flatschten bei seinem Anblick, er wandte sich und wollte wieder in den Torweg hineinfliehen. Aber die Peitsche traf ihn und er mußte wieder hinaus in das Tageslicht, er hüpfte wie ein Känguruh und rief neuen Jubel hervor. Da draußen ſtand er still, stellte sich aufrecht hin und weinte hilflos, während rohe Bemerkungen auf ihn herabhagelten, namentlich von seiten der Mägde. Er kehrte sich nicht mehr an die Peitsche, sondern troch nur zusammen, um sich zu ver­bergen, bis er als krampfhaft schluchzender Klumpen auf dem Steinpflaster niedersant.

Die starffnochige Karna fam aus dem Keller gestürzt und drängte sich scheltend vor. Sie war dunkelrot vor Zorn, auf ihrem sommersprossigen Hals und den dicken Armen saßen braune Klatsche von den Kuhschwänzen vom letzten Melfen her, sie glidhen plumpen Tätowierungen. Sie schleuderte ihren Pantoffel dem langen Eleven gerade ins Gesicht, hüllte Belle in ihre Schürze aus Sackleinen und trug ihn in den Keller hinab.

Als Lasse hörte, was dem Jungen zugestoßen war, nahm er einen Hammer und lief umber, um den Landwirtschafts­eleven totzuschlagen. Der alte Mann blickte so aus den Augen, daß niemand es wagte, sich ihm in den Weg zu stellen. Der Eleve hatte es indessen am geratensten gehalten, zu ver­schwinden; und da Lasse keinen Ablauf für seinen Zorn fand, überfiel ihn ein zitterndes Weinen und Frostschauer. Er wurde ganz frank, so daß die Knechte ihm mit einem gehörigen Schluck Branntwein aufhelfen mußten. Das heilte mit einem Schlag das kalte Fieber, und Lasse kam wieder zu sich und fonnte dem eingeschüchterten, schluchzenden Pelle ermunternd zunicen.

Nur immer ruhig, Junge," sagte er tröstend, nur ruhig, Du! Noch niemals ist ein Mensch seiner Strafe ent­gangen, und Lasse will dem langen Halbsatan den Schädel spalten, so daß ihm das Gehirn aus der Schnauze' raus­fprigt, verlaß Dich drauf!"

Bei der Aussicht auf diese kräftige Bestrafung seines Pei. nigers flärte fich Belles Geficht auf, und er troch auf den Heu­boden hinauf, um Heu für das Mittagessen der Kühe hinunter­zuwerfen. Lasse, der nicht so gern hinauffriechen mochte, ging in den Futtergängen umher und verteilte das Heu. Während Er hatte schon siebzehn mal gerutscht und war ganz davon er jo ging, arbeitete es in ihm, Belle hörte ihn fortwährend in Anspruch genommen, es bis auf fünfzig mal zu bringen, laut vor sich hinreden. Als sie fertig waren, ging als er ein scharfes Pfeifen drüben von dem großen Wagentor Lasse nach der grünen Kiste und holte ein schwarzes feidenes Her vernahm. Dort stand der Landwirtschaftseleve und winkte Tuch heraus, das Mutter Bengtas Staatstuch gewesen war; ihm zu. Pelle schlenderte wie ein begossener Pudel dahin, er er sah so feierlich aus, als er Belle heranrief: bereute bitter seine Gedankenlosigkeit. Nun sollte er wohl ,, Belle, lauf damit zu Karna hinüber und bitte sie, daß wieder Transtiefel schmieren, vielleicht für sie alle zusammen. fie es nicht verschmäht! Denn so arm sind wir auch nicht, Der Eleve zog ihn in das Tor hinein und schob es zu. daß wir die Güte mit leerer Händen gehen lassen. Aber Du Es ward dunkel. Der Junge, der aus dem grellen Tageslicht mußt es keinem Menschen sehen lassen, damit sie nicht neidisch fam, fonnte im Anfang nichts unterscheiden, und das was er werden. Mutter Bengta wird es sicher nicht übelnehmen allmählich unterschied, nahm unheimliche Umrisse an in seiner in ihrem Grab; fie hätt' es selbst vorgeschlagen- wenn sie eingeschüchterten Phantasie. Stimmen lachten und brummten sprechen könnt'. Aber nu hat sie ja Erde im Mund, die undeutlich vor seinen Ohren, und einige Hunde, die ihm Aermste!" Lasse seufzte tief. schrecklich groß erschienen, tummelten um ihn herum. Ein un­heimliches Entfeten beschlich ihn, begleitet von verrückten, Sand, ehe er es Belle gab, der damit weglief. Aber er war Er stand noch eine Weile da und wog das Tuch in der springenden Vorstellungen von Räubern und Mord, und er fing an, laut vor Angst zu schreien. Eine mächtige, grobe gar nicht so ficher in bezug auf Bengta, wie seine Worte Hand legte sich ihm über das ganze Geficht, und in der Stille, flangen, der alte Mann wollte gern ihre Andenken sich selbst Hand legte sich ihm über das ganze Geficht, und in der Stille, und dem Jungen gegenüber beschönigen. Es ließ sich wohl die auf seinen erstickten Schrei folgte, hörte er draußen im nicht leugnen, daß sie sich in einem Falle wie diesem widersetzt Hof eine Stimme den Mädchen zurufen, sie sollten kommen haben würde, eifersüchtig, wie sie mar; und am Ende kam sie and etwas Ergößliches sehen. noch auf den Einfall, wegen dieser Geschichte zu spuken. Aber Herz hatte sie doch gehabt, für ihn wie auch für den Jungen, und gewöhnlich saß es auch, wo es fizzen sollte das mußt man ihr lassen. Dann mußte Gott so milde richten wie er fonnte.

Er war zu sehr vom Schrecken gelähmt, um zu fassen, was mit ihm geschah, und wunderte sich nur schwach darüber, was da draußen im Sonnenschein wohl so Ergögliches sein fönne. Ob er wohl jemals die Sonne wiedersehen würde?

Als Antwort auf seinen Gedanken wurde der Torweg auf einmal aufgerissen. Das Licht strömte herein, er kannte die Gesichter um sich her und stand da selbst mit nadtem Leibe mitten im Sonnenlicht, die Hosen auf die Fersen herabgezogen, das Hemd unter der Weste in die Höhe geschoben. Neben ihm stand der Eleve mit einer Fahrpeitsche und schlug nach seinem nackten Leibe.

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Am Nachmittag war es still auf dem Hofe. Die Leute waren fast alle aus, wo sie nun auch sein mochten wohl nach dem Krug oder bei den Steinhauern auf dem Werk, Auch die Herrschaft war aus, gleich nach Tische ließ der Guts befizer anspannen und nach der Stadt fahren, und eine halbe