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fwird sie mitspüren.. mitspüren!" wiederholte er feine unheimliche Prophezeiung, bei der ihm selbst zu gruseln schien. Und jetzt gebt acht, was der Herr Lehrer kann!"
Alle Kinder schauderten vor dem Wunder, das sich an ihnen vollziehen sollte; nur noch von der Seite streiften zage Blicke den gefürchteten Mann, dessen Erscheinung in ihrer Länge und Magerkeit etwas Gespenstisches hatte. Die Buben Stierten zu Boden, die Mädchen verdeckten die Augen mit den Schürzen.
Der Lehrer aber ging rasch ans Werk. Mit fabelhafter Geschwindigkeit ließ er die Fuchtel um den Kopf des Delinquenten wirbeln und führte dann eine Anzahl Hiebe, die Pavel für die Einleitung zur eigentlichen Strafe hielt. Statt Diese jedoch folgen zu lassen, sprach der Lehrer plöblich:„ Herrgott, da fällt mir jetzt die Brille herunter.... Heb sie auf.... Für die Strafe bedanken kannst Du Dich nach der Stunde." Babel starrte ihn mit stumpfsinnigem Staunen an; er wartete noch auf die richtigen Wichse- da hörte er, daß er sie Schon habe, und erhielt den Befehl, sich zu setzen: auf den legten Plag in die letzte Bank.
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Der Lehrer zog das Taschentuch, wischte sich den Schweiß Bon der Stirn, nahm umständlich eine Prije und begann den Unterricht.
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stimmte mit der weitverbreiteten Meinung überein, der Schul meister vermöge die Gedanken der Menschen zu erraten.
,, Geh jetzt," fuhr jener fort, und komm morgen wieder und übermorgen auch, und wenn Du acht Tage nacheinander kommst, kriegst Du von mir ein Paar ordentliche Stiefel." ( Fortsegung folgt.)
( Schluß.)
( Nachdrud verboten.
Langsam, schwer und ungeschlacht, als hielte ihn der Boden ge Ta läßt der Karrner allgemach das Pfeifen sein; steht auf. waltsam fest. Endlich steht er auf den Beinen. Bläst sorgsam jedes Stäubchen vom Aermel; jeden Grashalm streicht er umständlich von Joppe und Hose, als ob es bei seinen zerlumpten paar Feßen auf einen Grashalm ankäme. Aber ich meine, er wollte nur Zeit gewinnen. Endlich, endlich schickt er sich zum Gehen an: Schnauzl, fomm!"
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Der Schnauzl zudt auf; sieht befremdet seinen Herrn an. Das Arnost, der so rot war wie ein Krebs, flüsterte seinem ist nicht mehr geredet; das geht ans Leben. Aber der Schnauz Nachbar zu:„ Hast g'schaut?"„ Ein bissel," antwortete der. erhebt sich pflichtschuldigst; studiert ängstlich seines Herrn Miene; Spürst was?"" sch spür's im Buckel."-Mich brennt's schleicht scheu an ihm vorbei und drückt sich an die Mutter. Springt am Ohr." Ein neugieriges fleines Ding von einem Mäd - an ihr hinauf, ledt ihr die Hand, tut ihr schön. Aber die Mutter chen, das zufällig mit einem Auge an einen Riz in der Schürze sagt: Geh' nur, Schnauz!!" geraten war und ihn zum Auslugen benüßt hatte, gestand einigen Gefährtinnen, daß es meine, auf lauter Erbsen zu sigen.
Nach beendigter Lehrstunde wollte Pavel sich mit den... anderen davonmachen; aber der Schulmeister hielt ihn zurück, betrachtete ihn lange mit stechenden Blicken und fragte ihn endlich, ob er sich schäme.
Schiebt ihn von sich und wendet sich, als wollte sie weinen. Der Karrner etwas freundlicher:
Komm', Schnauz!! Wir geh'n ein Haserl suchen... im Wald ein Haserl..
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Ach du mein Gott! Ein Haser!! Der Schnauzt ist nicht von gestern. Das merkt doch jeder Sund, daß es heute nicht seine Richtigkeit hat. Aber er ging. Wird der Schnauzl nicht folgen, wenn der Herr ihn ruft? Demütig, mit eingezogenem Schweiflein Nein? Wieso nein? Hast aller Scham den Kopf ab- trippelt er neben dem Karrner her; scheu, bang an dem finstern Manne hinaufblinzelnd, aber immer hart an seiner Seite. gebissen?"
Babel antwortete leise: Nein!"
Der Bursche verfiel wieder in das hartnäckige Schweigen, das der Lehrer an dem armseligsten und seltensten Besucher feiner Schule konnte. Bisher hatte er ihn laufen lassen, heute jedoch, als er ihn strafen sollte für eine unerwiesene Schuld, Mitleid mit ihm gefühlt. Um diese Regung tat's ihm nun Leid, und er fuhr giftig fort:
Aufgewachsen in Schande, ja wirklich schon aufgewachsen, bald vierzehn Jahre an die Schande gewöhnt, weiß nicht einmal mehr, wie sie tut!"
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Nun sprach Pavel:„ Weiß schon," und den Mund des Kindes verzerrte ein alternder Zug verbissener Bitterkeit. Er hatte nicht verstanden, was der Herr Lehrer früher gewollt mit seinen Schlägen, die beinahe nicht weh taten; daß er ihm jetzt den Jammer seines Lebens vorwarf, verstand er wohl.
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Weiß schon," wiederholte er in einem Tone, durch dessen angezwungene Recheit unbewußt ein tiefer Schmerz drang. Der Lehrer betrachtete ihn aufmerksamer war das berkörperte Elend, der Bub! Nicht durch die Schuld der Natur. Sie hatte es gut mit ihm gemeint und ihn kräftig und gesund angelegt; das zeigte die breite Brust, das zeigten die roten Lippen, die starken, gelblich schimmernden Zähne. Aber die wohlwollenden Absichten der Natur waren zuschanden gemacht worden durch harte Arbeit, schlechte Nahrung, durch Verwahrlosung jeder Art. Wie der Junge dastand mit dem wilden braunen Haargestrüpp, das den stets gesenkten Kopf anverhältnismäßig groß erscheinen ließ, mit den eingefallenen Wangen, den vortretenden Badenfnochen, die magere derbe Gestalt von einem mit Löchern besäten Rod aus grünem Sommerstoff umhangen, die Füße mit Feßen umwickelt, bob er einen Anblick, abstoßend und furchtbar traurig zugleich, weil das Bewußtsein seines kläglichen Zustandes ihm nicht ganz verloren gegangen schien. Lange schwieg der Lehrer, und auch Pavel schwieg; aber immer verdrossener ließ er die Unterlippe hängen und begann verstohlen nach der Tür zu schen, wie einer, der eine Gelegenheit zu entwischen wahrzunehmen sucht.
Da sprach der Lehrer endlich:" Sei nicht so dumm. Wenn Du aus der Schule draußen bist, sollst Du denken: wie kann ich hinein und nicht, wenn Du drin bist; wie kann ich hinaus?"
Pavel stuzte; das war nun wieder ganz unerklärlich und
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Hinter dem Erlenbusch neben der Waldsee- Froschlacke" hält der Starrner still; sieht sich schnaufend um. Das Hündchen mit der großen Angst in den Augen bleibt auch stehen. Pflichtschuldigst. Und tut zärtlich wie noch nie. Springt und wedelt an seinem Herrn hinauf; schmiegt und drückt sich an ihn; ledt ihm die Hände; noch einmal... und noch einmal. Wenn es seinen Herrn nur jetzt ein bißchen froher machen könnte. Das Hündchen mit der großen Angst in den Augen macht seine drolligsten Kunststüde vor; sonst hatte fein Herr dazu immer gelacht. Aber heute ist schon einmal alles umsonst. Der Karrner schaut finster wie eine Wetterwolfe. Bis zur Waldseelace" dringt das Gekreische der hungrigen
Raben:
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,, Vater, o! Matetter, o!"
Er greift nach dem Stechmesser.
Boden; springt wieder winselnd auf; will fliehen und bleibt doch Zieht der Schnauzl den Schweif ein; legt sich platt auf den
wieder. Wird der Schnauzt von seinem Herrn geh'n! Nein. Da bleibt er, und soll er daran sterben. Sagt der Karrner tief aufschnaufend: Schnauz!! Es muß sein! Das Schimmlföpfl nagt an ein alten Lederfled!"
hin und wedelt noch. Als wäre ihm nun leichter, da das Blut zu Und sticht das Hündchen mit dem Messer. Fällt das Köterlein fließen beginnt. Der Karrner hält es nicht aus. Läuft ein Stück weit in das Birkenbergerwäldchen und hebt zu fluchen an, daß sich Baum und Sträucher biegen. Wünscht der ganzen Menschenbrut einen einzigen Hals, und der sollte ihm unter sein Stechmesser kommen.
Als er nach einer Weile wieder näher fam, lag der Schnauzt ruhig; den Kopf ein wenig zur Seite geneigt; so lag er da und war tot. Nun ja! Wenn es sein muß!
Als der Vater heimkam, da waren die Kinder froh. Der Vater hat ein" Bajerl" heimgebracht, schön ausgeweidet, ganz weidmännisch. Der Schnauzt habe das Häschen aufgejagt, und der Schnauzt werde bald nachkommen; jage nur noch ein bißchen im Walde herum, so zu seinem Vergnügen.
" Der Schnauzl ein Hasr' funden... der Schnauzl", weint und lacht das Schimmelchen.
Bald brennt vor dem Karren ein lustiges Feuer. Leuchtet wie ein Freudenfeuer in die neblige Herbstnacht des„ Spridrig". Die Kinder tanzen um die Pfanne, in der das„ Häschen" schmort; Haserl hat... da ist leicht gefotten und gebraten. jauchzen und wackeln mit den zaufigen Köpfen. Ja, wenn man ein
Der Vater hoct abseits. Seine Augen fladern
Die Muter hebt von Zeit zu Zeit den Dedel von der Pfanne wendet den Braten um und wischt sich zwischendrein über sie