Mutzend, tnli funkelntzen Augm siurmke er sn ble Hütte. Winska stand allein im Ilur und errötete vor Freude, als Pavel ihr die Federn hinretHte. Bei seinen hastig hervor- «zestoßenen Worten:..Veisteck siel versteck Dichl" erschrak sie jedoch sehr und fragte:„Was gibt's mit ihnen? Ich mag sie «leich nicht, weun's was. mit ihnen gibt.". Er drana ihr das gestohlene auf. schob sie in die Stube und trat selbst zum Eingang der Hütte zurück, wo er sich an den Türpfosten lehnte, die Arme kreuzte und trotzigen Mutes die Häscher erwartete. �. Ter Anführer derselben war so aufgeregt, daß er nur abgebrochen seine Befehle erteilen konnte:„Packt ihnl packt den Hundt Ins Schloß mit ihinl" rief er seinen Begleitern zu, zweien preßhaften und friedfertigen Menschen, die sich einander ansahen und dann ihn und dann wieder einander— Packen? war das ihr Sache? Sie hielten sich für verdienstvolle Eärwergehilfen, weil sie zum Rechen griffen und mit ihm auf den Wegen herumscharrten, sobald sie die Schloßfrau er- blickten. Den Rest des Tages lagen sie im Grase, tranken Schnaps und rauchten zuweilen: meistens jedoch schliefen sie. Dem Pavel wäre es nur ein Spiel und zugleich ein wahres Genügen gewesen, die Guardia anzurennen und zu Boden zu schlagen: aber um Mnskas willen und ihrer Angst vor einem Skandal verzichtete er auf diese Ergötzlichkeit und ließ sich ruhig beim Kragen nehmen, was die beiden Alten zaghaft und ohne innere Ueberzeugung taten. Indessen wuchs ihnen der Kamm bei der Widerstandsloflgkeit, mit der Pavel sich in sein Schicksal ergab, und ein großer Stolz erwachte in ihnen, als sie den wilden Buben, dem sie sonst von weitem auswichen, als Gefangenen durch das Dorf führten. Der Gärtner, der Zeter und Mordio bildete die Nachhut, und die Straßenjugend lief mit.„Was hat er getan?" fragten die Leute. Er soll etwas erwürgt haben . Was? weiß vorläufig niemand: aber das weiß man: Der kommt ins Zuchthaus wie die Mutter, der stirbt am Galgen wie der Vater; Fäuste erhoben sich drohend. Steine flogen und fehlten, aber Worte, schlimmer als Steine, trafen ihr Ziel. Pavel blickte keck umher, und das Bewußtsein un- auslöschlichen Hasses gegen seine Nebcnmenschcn labte und stählte sein Herz. Gelassen trat er in den Schloßhof und wurde sogleich ins Haus und in ein ebenerdiges Zimmer mit vergitterten Fenstern gebracht, dessen Tür man hinter ihm absperrte, Fortsetzung folgt. (Nachdruck ver?oten.I Dcv 6emdndc-Hltc* Von M. Konopnicka . Hier Kundert sich der Herr Rat, daß es so gut Bott stalten geht, und läßt wieder eine Pause eintreten. Es tut ihm förmlich leid, daß eine so kleine Anzahl von Hörern ihm lauscht. Eine -solche Rede, auf einer großen Versammlung vorgebracht, könnte ihm einen Namen machen. Er blickt von oben herab in die Runde und schließt folgendermaßen: „Ja so, meine Herren! Die Gemeinde nimmt sich ihrer rni, indem sie die kluge Berechnung mit den Wallungen des Herzens versöhnt, spricht sie: dieser Greis, dieser Dürftige, jener Krüppel können nicht mehr von der Arbeit ihrer Hände leben, ja, sie können vielleicht überhaupt nicht mehr arbeiten. Sie haben ckeine Familie, die sie ernähren könnte, oder sie haben eine, aber die ist arm, und der Ertrag ihrer Arbeit reicht kaum aus, um jfie selber vor Hunger zu schützen. Sollen wir etwa zulassen, daß sie als herabgekommene, ekelerregende Bettler umherstreichen? Niemals!" Er schüttelt energisch das Haupk und' sagt mit erhobener Stimme: .Amtsdiener, führe den Kandidaten herein!" Der Amtsdiener durchmißt mit breiten Schritten den Saal und verschwindet hinter einer Tür, die zu einem kleinen Kämmer- lein führt. Dieses Kämmerlein dient zuweilen auch als vorüber- gehender Arrest. Unter den Versammelten wird halblautes Flüstern vernehmbar, während der Rat mit erhobener Hand stehen bleibt, um nicht aus der rednerischen Pose zu kommen. Eine kleine Weile vergeht. Plötzlich zeigt sich an der Seitentür zuerst ein Kopf, der auf einem ausgetrockneten, dünnen Halse hin und her wankt, dann nach vorn gekrümmte Knie, dann Füße, die in trümmerhaftem Schuhwerk stecken, dann zitternde und steifgewordene Hände, die sich an der Türklinke zu beiden Seiten klammern, um den Beinen über die Schwelle zu helfen, endlich ein bogenförmig gekrümmter Rücken. Es ist dies Kunz Wunderli, der alte Lastträger, den alle tomen. Das Geflüster im Saale wird lauter. '.DaS ist 8er Kandidat?.,. Du barmherziger Gotk. MZ ist das für ein Kandidat? Wer wird diesen Leichnam zu sich nehmen wollen? Was für einen Nutzen kann man von dem haben? WaS für eine Aushilfe? Na, na! Interessant, wieviel die Gemeind» zu zahlen gedenkt, dajj einer diesen Moder zu sich nimmt. D<l ist ja lauter Haut und Knochen. Nichts als Haut und Knochen." Die Unzufriedenheit steigt. Manche langen nach den Mützen und entfernen sich von dem Geländer. Aber der Herr Rat achtet des. Geflüsters nicht, und kaum haß sich Kunz Wunderli an der Tür gezeigt, als er feine Rede fort« setzt und so schließt: „Ja so, meine Herren! Unsere schönen Gesetze haben aus unserm Lande die Bettelei vertilgt und dafür die Barmherzigkeit eingeführt. Es gibt keine Verlassenen mehr! Es gibt keine Un-> glücklichen mehrl Die Gemeinde ist ihnen eine Mutter, eine Er« nährerin. Da ist ein GreiS, unfähig zu arbeiten. Wer von Ihnen, meine Herren, will ihn zu sich nehmen? Mehr als einen Nutzen kann man noch von ihm haben. Die Gemeinde verlangt nicht, daß ihre Mitglieder das umsonst tun. Die Gemeinde ist bereit, gemäß ihren Gesetzen,.zur Erhaltung dieses Greises beizutragen. Kandidat«' treten Sie näher. Meine Herren, bitte, sehen Sie sich den Kandi« baten an!" Er neigte das Haupt, zog da» seidene Taschentuch und trocknete sich die Stirn. Er schwitzte sehr, denn im Saale wurde es heiß« Inzwischen hat Kunz Wunderli, von hinten leicht durch de» Amtsdiener gepusst. sich durch die Tür gedrängt und steht nu» an der Schwelle. Jetzt fällt das volle Tageslicht durch das auß die weite Wiese geöffnete Fenster auf seine geknickte uiii herab-- gekommene Gestalt. So steht er eine Weile, indem er den alte» Filzhut in der Hand zerknüllt, und seine mageren Knie zitier» immer mehr. Er ist bewegt. Plötzlich richtet er sich auf, erhebt de» Kopf und blickt lächelnd auf die Umgebung. Er lächelt unternehmend, fast munter. Kunz Wunderli weiß nicht, wer sein Herr sein wirb« Er lächelt daher allen zu und zwinkert lustig mit den Augen. Dies« Augen sind kalt, starr und vergrämt. Aber der alte Kunz bemühts sich, ihnen einen schalkhaften, fast leichtfertigen Ausdruck zu geben, Wenn das eine Auge ermattet und in seiner dunklen Höhle starr, reglos stehen bleibt, so zwinkert er mit dem andern, als wenn er sagen wollte: „Ich bin noch kräftig, ach, und wie kräftig! Ich werde mei» Brot nicht umsonst essen, werde arbeiten, bin jeglicher Arbeit ge« wachsen. Werde Wasser bringen, und Holz spalten, und Kartoffel» schälen, und die Stube fegen.,» Hab' noch viel Kraft in mir, sehr viel Kraft.... ol" Und während er so seine Augen anstrengt, zitiert sein Kopf immer stärker, die Augen werden stier und füllen sich mit große» Tränen, die Hände suchen eine Stütze. Nur die schmalen, ein- gefallenen Lippen lächeln, sogar während zwei schwere, kalte Träne» langsam über die gefurchten, zerknitterten Backen hinablaufen. Der eine und der andere unter dem Publikum fängt an, ih» näher zu betrachten. In der Tat, der Alte sieht noch ganz gut aus. Heute morgen hat er sich eben rasiert, der Amtsdiener ha» ihm das Messer dazu geliehen. Es liegt im Interesse der Gemeinde, daß solch ein Kandidat so gut und rüstig als möglich aussehe« Sonst könnte sich ein Liebhaber überhaupt nicht finden. Deshalb! lieh der Amtsdiener ihm nicht nur sein Rasiermesser, sonder» auch noch einen alten Oberrock und blaucS Halstuch; beides wirkf er nach der Feilbietung zurücknehmen. Der alte Kunz weiß daS zu schätzen. Er weiß, welche Beweggründe die Gemeinde leiteten, als ihm diese kleine Gefälligkeit erwiesen wurde, und ist vor allen Dingen bemüht, diese schönen Einzelheiten seiner Toilette zur Geltung zu bringen. Aber die Bermel des Oberrocks sind etwas zu lang, der Oberrock im ganzen zu weit, hängt mehr aus ihm, als er ihn bekleidet, und das grellblaue baumwollene Halstuch! sticht seltsam ab von dem ausgetrockneten, von tausend Falten durch- zogenen Halse, den Kunz ausstreckt und bald zurückzieht, da er nicht weiß, in welcher Lage daS Tuch sich besser repräsentiert. Er befindet sich eigentlich in einer schwierigen Lage. Er soll Mitleid erregen, und doch nicht allzu herabgckomme» aussehen. Er weiß, daß er hier dasteht im Charakter eines arbcits-» unsädigen Greises, aber er weiß auch, daß jeder der Anwesende» auf seine Hände sieht, ob sie zur Arbeit greifen möchten. Dia Gemeinde ist barmherzig mit ihm. das ist wahr, aber allzu viel wird sie doch nicht bezahlen wollen. DaS weiß er, daS weiß er nur zu gut. Man kann ja nicht viel verlangen... Verwirr» und gerührt blickt er den Leuten in die Augen und sucht zu er-- gründen, was ein jeder denkt; dem AmtSdiener wirft er von der Seite kurze Blicke zu. wie um ihn zu versichern, daß weder das Rasiermesser noch der Rock noch das Tuch vergeblich sein werden« Die Anwesenden betrachten den Alten und plaudern mit lauter Stimme. Keiner von ihnen hat ein Interesse, allzu große Eile zu bekunden. Sie möchten so bis Mittag stehen, an daS Gitter gelehnt, plaudern und eine Tabaksprise nehmend, aber der Herr Rat liebt keine zeitraubenden Sitzungen. „Run meine Herren!" ruft er laut,„haben Sie den Kandi, daten betrachtet?" „Was hat man da zu betrachten?" antwortet nach kurzemi Schweigen der Kesselschmied Kißling.„Wir sehen ich» ja�jedc» Tag. Der Alte atmet kaum, wird nichts von der Stelle rühren. keine Last heben... Was denkt Ihr, Schwager?" wendet er sich an Faustin-Tröndi,„der hat wohl seine achtzig, oder mehr?"
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28 (13.4.1911) 73
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