* GchNsrfMs stcknS f« 0ä1f feint« HkaH auf. schwer- fZllla trat er jetzt vor den Svkegelscherben, der über seinem Wasch- tiapf an der Wand hing. Mit Augen, aus denen ein neugieriges Fragen blickte und zugleich, eine abwehrende Angst, spähte er lange angestrengt in das Glas. Es war zu dunkel, der Spiegel zu blind! Mit einem Seufzer und einem Fluch wandte der Toni sich ab. Aber Son jetzt av, wenn er mit den anderen bei der Suppe saß und der Josef war auch da, fuhren seine Blicke wie gejagt von einem zum andern; sie bohrten sich förmlich in die Gesichter der Brüder ein zind blieben dann am Josef hängen. Es war eine Oual. Wenn man nur wüßte, wenn man nur wüßte: wer wer?! Der Toni senkte den Blick, er sah wie in sich selber hinein. Aber dann machte er eine abwehrende Handbewegung und stieß ein »Näl" so heftig, so laut heraus, daß die anderen erstaunt sich nach ihm kehrten. Was hatte der Griesgram? Es war ihm doch keiner gunahegetreten. Der Toni tat ja gerade so. als mute ihm einer Unziemliches zu; so brauchte er doch nicht gleich«in!" zu brüllen! Sie lachten ihn aus. Der Josef lachte am meisten, er hatte an allem seinen Spaß; ein Lachen hatte er wie ein junges Weib, hoch, hell und wohl- tönend. Unwillkürlich preßte der Toni die Augen zu, er hätte sich gern such die Ohren zugehalten. Schweiß trat ihm auf die Stirn: Akkurat so hatte die Anna gelacht, als sie ihn umfaßt hatte mit warmen Armen, dazumal im Dunkeln in aller Heimlichkeit, und er sie. Fest, fest hatten sie sich aneinander gedrückt, sich förmlich ineinander verschlungen. Er hatte sie dazumal wirklich lieb gehabt, so lieb, wie man eben eine hat, die einem für den Hunger Sätti» guna schenkt. Was hatte er in jener Liebesstunde danach gefragt, ob sie morgen einem andern gefällig war?! Damals hatte er nicht daran gedacht; aber jetzt. Was ärgerte es ihn?! Der Toni fuhr auf: Gott sei dank doch, daß sie jedermanns Liebchen gewesen war! Des konnte er nur zufrieden sein. Was ging ihn der Lümmel an?! Laoß Dein dumm-dreckig Laachen," brummte er, ohne den, mit dem crS so unfreundlich meinte, anzusehen, schlorrte aus der Stube so eilends, daß er den einen Lederpantoffel mit dem hölzern- klappernden Hacken verlor, und schlug die Tür hinter sich zu, so stark, daß aus dem alten Gebälk eine Wolke von Wurmmehl auf- stiebte. Mit dem Toni Kar nicht gut mehr auskommen. Sie emp- fanden es alle. Er fühlte es selber und litt darunter, aber er fand nicht aus seinen Gedanken heraus. Wäre der Mensch, der Josef, nur erst fort ins Rheinland hinunter jenseits der Berge, dann würde ihm die Suppe auch wieder schmecken, und er würde einen Spaß so gut verstehen, wie er ihn jetzt nicht mehr verstand. Jetzt wurde er wütend, wenn sie lachend sprachen:Dän Toni hat ewcil net sein gud Schur!" Tonnerwetter, sie sollten ihn zu« frieden lassen, er ließ sie ja auch zufrieden! Immer mehr zog sich der Toni zurück, immer stiller Kurde kr, und doch brausten wieder Stürme durch ihn, genau so heftig wie in jenen Tagen, da er, wenn er die Scholle umbrach und die lauliche Feuchte der jungfräulichen Flur ihm die Sinne erregte, sich selber aufgewühlt fühlte im Innersten. Es war genau so wie damals: Das Verlangen des einsam Gebliebenen und doch anders. Es müßte schön sein, einen Sohn zu haben, einen Sohn, in dem man sich selber wieder jung sah---,!" Beide Hände streckte der Toni abwehrend aus. Er hatte eine förmliche Angst davor, wenn er dachte, daß er einen Jungen haben könnte, ähnlich so sündhaft faul wie der Scheidweiler Josef war. Es lastete ein langer trübseliger Winter über dem Eifeldorf. Verschlafen standen die kleinen Häuschen, so eingeschneit, daß es ihnen kaum zu lohnen schien, die Lider zu öffnen. Manchen Tag blieben Türen und Fensterläden fest zu, man schützte sich gegen den pfeifenden Sturm so gut es anging. Und verschlafen ging es auch auf den Höfen zu; kein Pferd wurde angespannt, kein Vieh aus- getrieben, alles blieb in den warmdunftenden Ställen. Am Brunnenrohr hingen vereiste Tränen, und wenn die Kinder vom Mücklener. der am weitesten ablag, morgens zur Schule mußten, feuchtete ein Knecht mit der Laterne vor ihnen her und schaufelte ihnen einen schmalen Pfad bis zum Dorfe. Alles weiß, alles dick beslockt, alles wie in ein wattiertes Futteral, das jeden Laut zurückhält, gesteckt. Und doch rührte sich unter dem lastenden Schnee allerlei: Die Lust zu lieben, zu tanzen, zu trinken. Fastnacht wurde gefeiert. Da spielte der iLcheidweiler Josef einen Haupttreffer aus. Er kam verkleidet als Frauenzimmer. Das stand ihm. Die Mädchen waren wie toll nach ihm, selbst die Weiber rannten hinter ihm her; die Männer schmunzelten, aber den Toni packte ein Entsetzen schier. Er, der sonst kaum je ins Wirtshaus ging, hatte sich heute ein- mal bereden lassen, er konnte doch nicht immer allein daheim bleiben und spintisieren. Die Brüder hatten ihn mitgeschleppt. Aber als er nun den Josef sich im Tanz drehen sah, immer mitten unter der schaukelnden Hängelampe herum, sich einem anderen Burschen anschmiegen sah wie ein verliebtes Frauenzimmer, er- schüttelte ihn eine Aehnlichkcit. Er konnte-en Blick nicht ab- «venden. Die Augen sprangen ihm fast aus den Höhle», er sog «icht mehr an seiner Pfeife sie ging au» er glotzte nur. Der Josef drehte sich Kke dir Kreisel, seinett ausgeflopfsek? Busen preßte er immer fester gegen den Tänzer an. Die guq schauer wanden sich förmlich vor Lachen, sie klatschten in die Händen Jetzt sprang der Josef hoch, daß alle Röcke schwuppten, die weiß-, bestrumpften Waden sich zeigten, das rote Strumpfband. Abeg bis ans Knie wars noch lange nicht weit genug, frech hob das ver< kleidete Frauenzimmer die Röcke noch höher ein Jubel« gekreisch da! Der Toni stieß die bor ihm Stehenden unsanft beiseik?, schwapp! hatte der Josef eine weg, daß ihms Gesicht brannten Schämste dech net?l" (Fortsetzung folgt.I l�atunvLlftnfcKaktUcbe Bücbcrfcbau. Unter den Neuerscheinungen des naturwissenschaftlichen Däche?« Marktes ragt vor allen Dingen eine hervor: die Neubearbeitung von BrehmsTierleben", die jetzt in vierter Auflage zu erscheinen» beginnt.(Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig .) Dis Redaktion des Gesamtwerkes hat der bekannte Zoologe Professor Dr. Otto Zur Straßen, Direktor des Senkenbergschen Instituts in Frankfurt a. M., übernommen. Ihm zur Seite stehen zahlreiche bekannte Fachgelehrte, ich nenne nur den Direktor unseres Berline» Zoologischen Gartens, Professor L. Heck, ferner H e y m o n Hempelmann, Werner, den leider zu früh verstorbeneiH M a r s h a l l, u. v. a. Gegenüber der letzten Auflage, die in zehtt Bänden erschien, ist insofern eine Erweiterung vorgenommen, alS die Kriechtiere und Lurche jetzt zwei und die Vögel und Säugetiers je vier Bände umfassen werden, so daß das ganze Werk aus drei« zehn stattlichen Bänden bestehen wird. Bisher liegt der von Marshall, Hempelmann und Zur Straßen besorgte erste Band der AbteilungVögel" vor. Was einem sofort bei Durchsicht auffällt, ist die zum größten Teil neue Jllustrierung, Vor allen Dingen die reiche Beigabe von Farbentafeln von den Meisterhand Wilhelm Kuhnerts, die größtenteils auf Grundi eigener Beobachtungen auf zahlreichen Reisen hergestellt sind. Auch die Naturphotographie ist in den Dienst dieses prächtigen Werkes gestellt worden. Gleich dem Vilderschmuck hat auch der Text eine durchgreifende Revision erfahren, ohne daß dabei und das war vielleicht die schwierigste Aufgabe der Charakter des alten Brehm verloren gegangen ist. Vor allen Dingen haben die großen Fortschritte der Tierpsychologie vielfach auf den Text umgestaltend! gewirkt, und viele der anmutigen, aber der wissenschaftlichen Richtig- keit entbehrenden Schilderungen aus dem Leben der Vögel mußten einer nüchternen und strengeren Darstellung weichen. Alfred! Edmund Brehm stand noch ganz im Banne der vulgären Tier« Psychologie, die jede tierische Handlung zu vermenschlichen suchte, ihr unsere eigenen Antriebe und Beweggründe unterschob. Dan? der Arbeiten der amerikanischen Forscher Loeb, JenningS, James, Morgan, der Franzosen Giard, Bahn und anderer« der deutschen Forscher Zur Straßen, Z i e g l e r u. a. hat man endlich einsehen gelernt, daß zwischen menschlichem und tierischem» Handeln ein weiter Abgrund klafft, daß die Tiere zwar nicht, wie zum Beispiel Sethe vermeinte, reineReflexmaschinen" sind, die unabwendbar den auf sie von außen wirkenden Reizen folgen müssen, daß es aber noch viel weniger berechtigt ist, ihnen unsev eigenes Fühlen und Denken zuzuschreiben. Ein weiterer ent« schiedener Vorzug der neuen Bearbeitung ist die diesem Bande bei- gcbenc Einleitung, die die wichtigsten Daten aus der Entwickelungs» geschichte, Stammesgeschichte und vergleichenden Anatomie behandelt Falls die weiteren Bände des Werkes halten, was dieser erste ver- spricht, wird sich die vierte Auflage von BrehmsTierleben" zu seinen nach Hunderttausenden zählenden alten Freunden noch zahl» reiche neue dazu erwerben. Wir werden jedenfalls auf die weitereu Bände noch mehrfach zurückzukommen Gelegenheit haben. Eine Ausstellung möchte ich aber bei dieser Gelegenheit nicht unter- drücken, sie betrifft die Gesamtanlage des Werkes. In dem alteu Brehm fanden sich in dem BandeNiedere Tiere" alle Wirbel- losen Tiere, von den Einzellern bis herauf zu den Krebsen und! Manteltieren mit Ausnahme der Insekten vereinigt. Diese ganz ungerechtfertigte Vernachlässigung der niederen Tiere ist auch bei der vierten Auslage beibehalten worden, während es doch wohl angezeigt gewesen wäre, in einem wirtlichenTierleben" auch dies« wichtigen und interessanten Klaffen in eingehender Weise zu bu handeln. Ter rührige Verlay öon Theodor Thomas in Leipzig ha> uns in letzter Zeit gleichfalls wieder mit einer Anzahl guter und! vor allen Dingen außerordentlich preiswerter Bücher beschenkt. Die jetzt im zweiten Jahrgange stehendeNatur", Zeitschrift der Deut- schen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, herausgegeben von R. H. France, kann als eine der besten populären naturwissen- schaftlichcn Blätter gelten. In gleichmäßiger Weise werden in dem Blatte alle Zweige der organischen und anorganischen Naturwissen. schaften gepflegt. Aus dem reichen Inhalte der letzten Hefte nenne ich nur die Aussätze von France über:»Das Gesetz der funk» tioncllen Anpassung", Prof. Baglion» berichtet über:Die naturwisscnschastlichen Grundlagen der Tonkunst", O. Hoffmann behandelt das Probien» der Marslanälc, ferner finden sich Aufsätze von M. W. Meyer:Pom ewige» Leben", B. Franz:.Dir