NnterhaltungMatt des Horwärts Nr. 141. Dientztag. den 25. Julr 1911 87] Pelle der Eroberer. Lehrjahre. Roman von M. Andersen Nexo. Das tvar zu jenen Zeiten, als der berühmte Bild- Hauer aus der Hauptstadt Deutschlands selber kam, um einen großen Löwen in Granit zu hauen, zur Ehre für die Freiheit! Aber er konnte nichts ausrichten mit seinen Butterstechern Gerätschaften der Stein war zu hart für einen, der daran gewöhnt war. dazustehen und am Marmor zu fingerieren. Und wenn es ihm wirklich einmal gelang, ein Stückchen ab- zuschlagen, so war es immer an der verkehrten Stelle. Da meldete sichdie Kraft" und übernahm es, den Löwen nach etwas Ton auszuhauen, den ihm der andere zusammen- klatschte. Alle waren überzeugt, daß er bei dieser Arbeit zusamenbrechen würde. Aber so frech war er in seiner Be- gabung, daß er sie zur vollsten Zufriedenheit ausführte. Er bekam eine gute Summe Geldes dafür, aber das war ihm nicht genug. Er wollte auch die halbe Ehre haben und in den Blättern besprochen werden, ebenso wie der Künstler selbst; und als daraus nichts wurde, warf er das Werkzeug hin und wollte nicht mehr für andere arbeiten.Warum soll ich die Arbeit ausrichten und die andern die Ehre dafür haben?" sagte er und meldete sich bei Versteigerungen von Stein- arbeiten. In seinem unbändigen Hochmut wollte er die zur Seite schieben, die doch geboren waren, an der Spitze der Dinge zu stehen. Aber Hochmut kommt vor dem Fall, die Strafe lag schon da und lauerte auf ihn. Er hatte das niedrigste Gebot auf die Südbrllcke gegeben, und sie konnten nicht um ihn hinwegkommen. Da versuchten sie denn, ihm alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen; lockten die Arbeiter von ihm fort und machten ihm Schwierig- leiten, Material zu bekommen. Der Amtsrichter, der mit dabei war, forderte, daß der Kontrakt gehalten werde; und ;,die Kraft" mußte Tag und Nacht mit den ihm gebliebenen paar Mann arbeiten, um rechtzeitig fertig zu werden. Nun, eine schönere Brücke hatte niemand gesehen. Aber er mußte das Hemd vom Leibe verkaufen, um seine Verpflichtungen zu decken. Er wohnte damals in einem hübschen, kleinen Hause, das ihm gehörte. Es lag draußen an der östlichen Landstraße und hatte einen Turm auf der Mansarde, Jens und Morien hatten ihre erste Kindheit dort verbracht. Ein kleiner Garten mit zierlichen Gängen und einer Grotte, die einer ganzen Klippenpartie glich, lag davor. Jörgensen hatte das Ganze selbst angelegt. Es wurde ihm weggenommen, und sie mußten in das Stadtviertel der armen Leute ziehen, wohin sie ja gehörten und sich dort einmieten. Aber das knickte ihn nicht. Fröhlich war er trotzdem, und noch großmächtiger im Wesen als früher. Es war nicht leicht, ihn zu treffen! Aber dann gab er ein Gebot auf das neue Krahnbedding. Man hätte ihm die Berechtigung verweigern können, da er nicht über Kapital verfügte. Aber nun sollte er getroffen werden! Er bekain Kredit bei der Sparkasse, um gut in Gang zu kommen, und Material mch Arbeiter standen ihm zur Verfügung. Und dann, als er mitten darin war, fing dieselbe Geschichte wieder an, und diesmal sollte er den Hals brechen. Reich und arm, die ganze Stadt war einig in dieser Sache. Nun ver- langte man die alte Sicherheit zurück, die von Gott selbst gestiftete Ordnung mit hoch und niedrig, vornehm und gering sollte aufrechterhalten bleiben.Die Kraft" war von aller- geringster Herkunft, er sollte ruhig wieder dahin zurückkehren, wozu er geboren war. Er zerbrach! Der rechtmäßige Bauherr übernahm ein gutes Stück Arbeit für nichts, und Steinhauer Jörgensen stand mit ein Paar gespaltenen Holzschuhen und Schulden, die dr niemals würde einlösen können, da. Alle Welt freute sich zu sehen, wie er wieder in das Dasein des Tagelöhners zurückkehrte. Aber er tat es nicht ruhig. Er legte sich aufs Trinken. Von Zeit zu Zeit fuhr er auf und raste wie ein Teufel. Los wurden sie ihn nicht; er lagerte sich über alle Ge- müter wie ein böses Knurren, selbst wenn er ruhig seine Arbeit verrichtete, mußten sie sich mit ihm beschäftigen. In diesem Zustand vergeudete er die letzten Habseligkeiten und sie zogen in die Hütte am Löschplatz hinaus, wo sonst niemand wobnen wollte. Er war ein anderer geworden, seit die Bewilligung zu dem großen Hafenprojekt durchgegangen war. Er rührte keinen Branntwein mehr an. Wenn Pelle zu ihnen hinaus- kam, pflegte er am Fenster zu sitzen und sich mit Zeichnungen und Zahlen zu beschäftigen. Die Frau ging umher und weinte still vor sich hin, die Alte schimpfte. Aber Jörgensen wandte ihnen seinen breiten Rücken zu und lag schweigend seinen eigenen Angelegenheiten ob. Er war nicht aus seiner Selbstsicherheit herauszureißen. Die Mutter nahm sie draußen in der Küche in Empfang, wenn sie sie lärmend kommen hörte.Ihr müßt ein bißchen leise gehen, Vater rechnet und rechnet, der Aermste! Er kann keine Ruhe in seinem Kopf finden, seit es Ernst geworden ist mit dem Hafen. Beständig arbeiten die Gedanken in ihm. So muß das sein, sagt er, und so das! Wenn er sich doch unter seinesgleichen beruhigen und die Großen sich um ihre Sachen kümmern lassen wollte!" Er faß am Fenster, mitten in der Sonntagssonne und zählte schwierige Zahlen zusammen; er flüsterte halblaut und ließ den eingerissenen Zeigefinger, dessen äußerstes Glied weg- gesprengt war, an den Zahlen hinablaufen. Dann stieß er gegen den Tisch.Ach, daß man nichts gelernt hat!" stöhnte er. Die Sonne spielte in seinem dunklen Bart: die mühselige Arbeit hatte nicht vermacht, seine Glieder steif zu machen und ihn herunterzubringen. Das Trinken hatte ihm nichts anhaben können, er saß da wie die personifizierte Stärke; die große Stirn und der Hals waren ganz sonnengebräunt. Sieh mal her, Marten!" rief er aus und wandte sich nach ihm um.Guck Dir einmal die Zahlen an!" Marten sah sie an.Was ist denn das, Vater?" Was das ist? Unser Verdienst in der letzten Woche. Du kannst doch sehen, daß die Zahlen groß sind!" Nein, Vater, was ist es?" Marten faßte mit seiner dünnen Hand in den Bart feines Vaters. Die Augender Kraft" wurden mild bei dieser Liebkosung. Das ist ein Aenderungsvorschlag! Sie wollen die Ein- fahrt auf der alten Stelle behalten und das ist verkehrt; wenn der Wind von der See herkommt, kann man ja nicht in den Hafen hinein. Die Einfahrt muß da hinaus und die äußere Mole muß so gebogen sein," er zeigte auf seine Zeichnungen. Jeder Fischer und Seemann wird mir Recht geben, aber die hohen Herren Jngeipeure sind ja so klug!" Willst Du denn wieder ein Gebot einreichen?" Morien sah ihn entsetzt an. Der Vater nickte. Aber Du bist ihnen ja doch nicht gut genug! DaS weißt Du ja, sie lachen ja nur über Dich." Diesmal werde ich der sein, der lacht," erwiderte Jörgensen, ein bißchen finster bei den Erinnerungen an all den Hohn, den er erlitten hatte. Freilich lachen sie über ihn." sagte die Alte von der Ofenccke her und wandte ihren Raubvogelkopf nach ihnen um. Aber dann hat man doch etwas, womit man spielen kann. Vater muß immer den Großen spielen!" Der Sohn antwortete ihr nicht. Du sollst Dich ja auch aufs Zeichnen verstehen, Pelle?" sagte er ruhig.Kannst Du dies hier nicht ein wenig in Ordnung bringen? Das da ist der Wellenbrecher, wenn wir uns das Messer wegdenken, und dies hier das Bassin, mitten durchgeschnitten, verstehst Du? Aber ich kann es nicht dahin kriegen, daß es natürlich aussieht. Die Maße sind ganz richtig! Hier über der Wasserlinie sollen große Kopfsteine sein und unten steht die Bruchsläche." Pelle machte sich an die Arbeit, er war aber zu um- ständlich. Nicht so genau," sagte Jörgensen.N: ein bißchen großzügig!" Ja, ein bißchen großzüglg," sagte die All? So saß er immer, wenn sie kamen. Durch die Frau er­fuhren sie, daß er trotzdem kein Gebot einreichte, sondern zu dem, der SObeit übernahm, mit seinen Plänen gehen unMhm seine Mitarbeitersck>aft anbieten wollte. Sie hatte jetzt völlig den Glauben an seine Pläne verloren und war in beständiger Unruhe.Er ist so sonderbar, immer nur von diesem einen in Anspruch genommen," sagte sie fröstelnd.Trinken tut er nie, er rast auch nicht so gegen alle Welt, so wie er es früher getan hat."