Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 95.
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Sultana.
Sonnabend, den 18. Mai.
Nachdrud berboten.)
Ein arabisches Frauenschicksal von Emil Rasmussen. Sultana sah sich der Mutter gerade zu einem Zeitpunkt beraubt, wo sie das Verlangen hatte, fie Tag und Nacht um sich zu haben und all ihre Not an ihrem Herzen auszuweinen. Nachdem sie Abdallah gesehen hatte, war es wohl nicht mehr die Ehe an sich, die ihr Angst und Abscheu einflößte, aber desto mehr der Gedanke, so weit, weit fortzureisen, den Launen und Gnaden dieses einen fremden Mannes preisgegeben, fortzureisen von dem Elternhause, das sie nun vor der Trennung mit all seinen unsichtbaren Fäden zu binden schien und das ärgfte von allem von einer Mutter, die selbst ins Unglück gestoßen war.
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Sie fühlte diese Trennung fast als ein Lebewohl für das ganze Leben: als feien fie von nun an für einander tot und fellten einander nie wiedersehen.
Es schnitt wie Messer in Djeridas Mutterherz beim Anblick dieses grenzenlosen Schmerzes, dem gegenüber ihr eigener Stummer zu nichts wurde. Sie bemühte sich, alles in rofigen Farben zu malen und sprach Lüge und Wahrheit in buntem Gemisch, bloß um zu trösten.
Glaube mir, alles andere ist besser für Dich, als bei Deinem Vater daheimzubleiben, der in jeder Beziehung dem Ruin entgegengeht. Nur wird Dich besuchen, wenn Du willst. Und ich ziehe heim zu meinem Stamm, nach Beni- 31d, von wo aus ein Stamel mich in zwei Tagen zu Dir trägt. Uebrigens habe ich es nicht verlernt, ein Pferd zu reiten. In einem Tage bin ich bei Dir. Alle loben Abdallah seiner Güte wegen. Troß seiner Jugend wird er schon jetzt als mächtiger Marabu geehrt, der Dir Zutritt zu dem höchsten Paradiese sichern wird, obwohl Du nur ein Weib bist. Du bleibst seine einzige Ehefrau und wirst in seinem Hause leben wie eine Königin; denn er ist sehr reich. Ueberdies übertrifft er an Körperbau und Schönheit alle Männer, denen ich begegnet habe. Aber das weißt Du ja schon selbst. Nur erzählte mir, er habe ihn zu dem Feste eingeladen, damit Du ihn sehen könntest."
Ich habe ihn gesehen und könnte sicherlich keinen stattlicheren Mann bekommen. Auch seine Augen sind mild, und er wird nicht böse gegen mich sein, so Allah es will. Könnte ich bloß in Deiner Nähe bleiben, würde ich nicht weinen. Und wenn ich dabei wüßte, daß Du selbst glücklich bist, o Mutter!" So sprachen sie lange hin und her, wiederholten dieselben Dinge wieder und wieder mit denselben Worten.
Nur ein Name ward nicht genannt. Ueber Marcel schwieg Sultana, wie sie es vom ersten Tage an getan. Denn dieser Punkt war empfindlich wie eine Brandwunde, der keine fremde Sand sich nähern darf. Genug, daß ihr eigener Gedanke fich nicht bannen ließ, sondern wie ein Henker Tag und Nacht in der Wunde grub.
Später sprachen sie von Hamza und Zleira. Da wurde Djerida zu einem ganz anderen Menschen. Sie schien einen Augenblick alles über dem Triumph zu vergessen, den sie in ihrer wohlberechneten Rache genoß.
Sie wußte, daß Hamza feine neue Gattin, nachdem der unheimliche Gestant trop aller Beschwörungen Amors eher zuals abgenommen, schon verstoßen und nach Dar sofna b'hosna gesandt hatte, um die Scheidung durchzuführen, da nach einer Beratung mit Amor kein anderer Ausweg blieb, fein eigenes Leben zu retten.
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ziehen oder seinen Angaben Gehör schenken. Und die Aerzte werden sagen, daß ihr nichts fehlt. Nur meint, daß Vater dann die Summe nicht zurückfordern kann, daß er aber sicherlich, von den Aussagen des Kadi und der Aerzte umgestimmt, Amor die Türe weisen und Bleira zurüdnehmen, ja vielleicht rächen wird. Amor, der einen Grabfrevel begangen und einen den ganzen Zusammenhang entdecken und sich an Euch allen Leichnam seiner Arme beraubt hat, wird der Uzara übergeben, und wir alle werden bestraft werden." Djerida war sprachlos.
"
Was gedenkt Nur zu tun?" stammelte sie endlich. bedauern Bleira von Herzen." Nur fürchtet den Ausgang der Sache. Und wir beide
die Eure Mutter verdrängt hat? Ich Unglückliche!" Bleira? Thr, meine Kinder? Ihr haltet es mit ihr,
,, Sie hat ja nichts aus eigenem Willen getan. Und sie tut sie selbst alles, um nicht Vaters Weib zu werden." ist selbst wenigstens ebenso unglücklich wie Du. Uebrigens
Hier wurde das Gespräch von der Hennena unterbrochen, und ihr beim Ankleiden behilflich zu sein. die hereinkam, um Sultanas pechschwarzes Haar aufzustecken
gekleidet in ein Serwal aus wasserblauem Crêpe de Chine, Als sie fertig war und sich neuerdings im Saale zeigte, firschrotem Bolero und Bluse aus dünner Gaze mit eingeebten Blumen, gab es feine Grenzen für die erkünftelte Begeisterung, die einen bittersüßen Beigeschmad von Neid
enthielt.
Nedereien, die die Damen gutgelaunt auf das noch unWeit urwüchsiger und echter waren die althergebrachten erfahrene Kind abfeuerten.
An diesem Spiel durften selbst die Dienerinnen, sowohl Sudaneserinnen wie Beduinenweiber sich beteiligen; ihre Stellung in der Familie ist ja unter dem Halbmond eine viek vertraulichere als in den europäischen Ländern. Mabruka ging an der Spike, und das Geschüß, dessen sie sich bediente, war ganz dazu angetan, die Damen, für welche Liebesmysterien das einzige Thema war, an dem sie wirklich Spaß fanden, bor Lachen fast platen zu machen.
Aber auch dieser Psalm sollte mit einem Hallelujah enden. Die dienenden Frauen hatten jede ihre Derbuka mitgebracht, eine Art Lamburin in Form einer unten breiter werdenden Tonvase, deren Boden durch ein gespanntes Hundefell ersetzt war.
Nun war der Augenblick gekommen, um unter wilden Gesängen, die die glückliche Braut priesen, auf die Derbuka loszutrommeln.
Sie lachten und sprangen und sangen ihre barbarischen Melodien, die die Schwarzen in seltsamen Kehllauten, die Beduinerinnen durch die Nase und den eingeklemmten Gaumen hervorpreßten, während ihre Gebärden sich in demselben Grade von allen Schönheitsbegriffen entfernten, in welchem fie fich der jede Mißdeutung ausschließenden großen Anschaulichkeit näherten.
Offenbar bertrugen sie es nicht recht, Hochzeitslieder zu
fingen.
Oder waren die süßen Leckereien so gewürzt und parfümiert oder die feurige Maisonne zu inspirierend gewesen?
10.
Abdallahs Heimat lag so weit entfernt von Tunis - am entgegengesezten Ende des Reiches, daß man von dem allgemeinen Gebrauche, die Hochzeit im Hause des Bräutigams zu feiern, abweichen mußte.
Dieridas Sieg konnte, schien es, nicht vollkommener sein. Zum zweiten Male in weniger als zwei Wochen wurde Aber weißt Du nicht," wandte Sultana ein, daß Bater denn in Si Hamzas Hause Hochzeit gehalten. Und dennoch die Ehe ungültig erklären lassen und die Kauffumme zurüd- wollte es das blutige Schicksal, daß nach Beendigung dieser verlangen wird, weil man ihn betrogen und ihm ein sterbendes Feste als einziges weibliches Wesen des Hauses die Negerin Mädchen verkauft hat?" Semar zurückbleiben sollte.
,, Das wußte ich nicht. Aber um so beffer. Ich wünsche Nurs wegen nicht, daß er sein Geld verliert."
,, Es wäre besser, wenn die Ehe vollzogen gewesen wäre, ehe er sie verstieß."
Niemals!" zischte sie mit funkelnden Augen. Ich habe geschworen, daß er sie nie besigen soll."
Aber der Kadi wird verlangen, daß die Aerzte sich über ihre Gesundheit äußern. Der Kadi fann nicht Amor zu Nate
Das ganze Haus war in Gebrauch genommen und festlich erleuchtet.
Die eingeladenen Männer versammelten sich im Hofe und in all den unteren Gemächern. In den oberen Räumen wurden die Damen von Lalla Ularda empfangen, da es natür lich nicht anging, daß Djerida als verstoßene Frau anwesend sei, wenn auch die Braut, die das Haus nun verlassen sollte, ihre eigene Tochter war.