Anterhaltungsblatt des Worwärls Nr. 142. Donnerstag den 25. Juli. 1912 ttiachdrutt vuvoltn.) 181 Oer Mittiber. Von Ludwig Thoma '. „Woaßt. mi Hamm da a ganz a schlecht's Mensch für a Kuahdirn, und mit dera Hot sie da Vata ei'lass'n." „Dös glaab i do itl Vielleicht moanscht as grad(meinst es nur)?" „Bat i's do selm g'hört Hab, wia'r a aus ihra Kamma vußa is; und er hat's aa gar it g'laugn't." „De Mannsbilda! Na! Na! Je älta daß s' wer'n, desto dümma wer'n s'I" Die Schneiderbäuerin hatte die Hände zusammengefaltet und schüttelte den Kopf. „Wer Hütt' dös vom Schormoar glaabt, und hat so guat g'haust mit deina Muatta!" „Ja, und an dem Tag, wo ma s' ei'grab'n Hamm, hat a scho o'gfangt mit dem Schlamp'n." „Geah, Madl, i ko's völlig it glaab'n!" „Wia'r i vom Leich'ntrunk hoam kemma bi, is sie bei eohm in da Stub'n herin g'hockt und is aufg'sprunga, und ganz vahofft(verwirrt) is s' g'wen." „Am Begräbnistag?" „Ja. Basel!" „Dös seil is a bissei viel g'sagt; da möcht mi scho ganz vazag'n." Die Schnciderbäuerin kam nicht aus ihrer erschrockenen Verwunderung heraus. „Jessas, Morand(Maria und) Joseph! Wos mi all's daleb'n muaß! Ja, wos sagt nacha da Lenz?" „Der derf it viel sag'n. Oamal Hot a's probiert, und na Hot eahm da Vata glei an Strohsack vor d' Tür hi'g'schmiss'n." „Sein' eig'na Kind?" „Was glaabst denn, daß er mi allssammetc hoaßt? Grad va Viech hi und her: und bal i's Mäu it halt, sagt a, muaß i auf da Stell aus'n Haus, wia da schlechtest Deanstbot, und koa Grüaßgood und Pfüadgood mehr, und grad d' Thür'n schmeißt a zua, und koa Freundlichkeit siecht mi de ganz Woch it." „Da bedauert's mi scho all zwoa recht." „Mi san aa zu'n bedauern. Daß so was fürkemma kunnt, Hütt ja koa Mensch it glaabt." „I amal g'wiß it. Jetz sag ma no grad amal, Urschula, Wo geht denn dös außi?" „Dös kon i dir it sag'si, da bin i ma it g'scheidt gnua. Auf Liachtmeß, hat a g'sagt, muaß der Schlamp'n weg. aba i glaab gar nix mehr, weil a mir erscht geschting(gestern) Wieda an Krach g'macht hat z'weg'n dera." „O mei, o mei! Is a ganz in ihra G'walt?" „Da hascht recksi! Woaßt, bal anial a paar Täg a Nuah waar, na spinnt sie Wieda was z'samm und hebt'n auf: und glei ans Fenschta vo seina Schlaskamma stellt sie dös Luada hi und red't vo draußd eina." „Aba woaßt, Madl, da muaßt du scho koa Schneid gar it Hamm : dös lasset i mir it g'fall'n: und de nächst Pfann nahm i her und schlaget ihr an Kopf ausanand." „I ho s' scho umanandlass'n(verprügelt), de Loas (Schwein)!" sagte Ursula, und ihre Augen blitzten.„Geschting hon i s' it schlecht herg'schlag'n." „Und da Lenz�.Warum haut s' der it glei ganz außi, bal da Alt amal it dahoam is?" „Der traut eahm it, Basel . Da Vata muaß eahm ganz grob kemma sei, weil er so dasig(kleinlaut) is." „No, vielleicht is g'scheita, er schaugt no a Weng zua: aba bal s' aus Liachtmeß it aus'n Haus kimmt, na soll er amal fescht o'packa." „Ja, nacha kenn i aa nix mehr." „Urschula. bal i's recht iiberdenk, na is g'scheidta, du hebscht di jetzt ganz staad und heirethst, so g'schwind, als geht, an Kaschpa, und na bischt du in dein Haus und ko'st zua- fchaug'n." „Bal no dös g'wiß waar! „Laß mi macha, i red' an Vata guat zua..." „Aba koan Schnaufa derfst d' it thoa(darfst nichts da» von merken lassen), daß da'r i was g'sagt Hab!" „Waar's it g'scheita, i redat frischweg mit eahm und saget eahm pfeigrad(offen heraus), was mi si denkt üba so was?" „Na, Basel , da kunnt's g'feit(fehlgehen) sei. Da Vata waar im stand und that ma's Heirathguat kürz'n." „Dös is scho weit kemma, bal mi so was fercht'n muaß: aba du hoscht xecht: es is aa z'weg'n an Kaschpa bessa, bal's koan Streit it gibt." „Jessas, bal er's dafragt: moanst d', er stand z'ruck?" „Z'weg'n dem it. Was kümmert eahm dös, was da'r Alt in sein Haus thuat: aba bal's heunt an Krach gab, kunnt er leicht moan, daß na mit'n Geld it all's in Ordnung waar." „Laß da no grad nix mirka, Basel ! Schaug, i ho dir's sag'n müass'n, weil's mi gar so viel druckt Hot: aba jetzt derfst d' ma dös it o'thoa, daß d' an Vata in d' Hitz'n bringscht!" „Dös derf dir da g'ringst Kumma sei, i bring de Heireth it ausanand. Was hoscht'n?" Ursula war ausgesprungen und schaute auf den Hof hinaus. „Schaug außi!" sagte sie aufgeregt.„Do is sie jetzt: sie fahrt an Mischt außa!" Die Schneiderbäuerin schaute lange und forschend das starke Weibsbild an, welches mit aufgeschlagenen Röcken auf dem Dunghaufen stand. „Dös is f?" fragte sie mit gedehntem Ton.„Wos a no grad an dera find't? De that jetzt mir gar it g'fall'n, a so a grob's G'stell, wia de Hot!" „Gel, sagst d' as aa?" „De Hot ja do scho nix fein's gar it! Ja, de Manns- bilda! Da muaß ma si scho' frag'n, wo de oft d' Aug'n Hamm !" Vor der Essenszeit ging die Schneiderbäuerin mit der Ursula in den Stall, um Kühe und Hennen zu mustern. Und das hätte sie zu keiner Zeit unterlassen: denn was eine gute Hauserin ist, hält fleißig Umschau in anderer Leute Wirtschaft, weil es dabei was zum Lernen und noch mehr zum Kritisieren gibt. Aber hier und heute hätte es die Schneiderin schon gar nicht übers Herz gebracht, von der Gewohnheit abzulassen, weil sie das Weibsbild, die Magd, in der Nähe sehen wollte. In zwei langen Reihen stand das liebe Vieh und schaute gedankenlos auf die Eintretenden, indes es an seinem Futter kaute. Es waren Sfiihe wie andere auch, einfarbig oder ge° sleckt, mit stark oder schwach gebogenen Hörnern: und alle hatten an den Seiten ziemlich viel Schmutz. Die eine und andere streckte wohlig den Buckel auf, hob den Schweif und ließ ihr Wasser rinnen, von einer andern platschte es anders zu Boden, und die Ketten klirrten und wetzten sich an den Barren. Der unkundige Betrachter wäre vermutlich vorne an den hübschen Tieren vorbeigewandelt und hätte ihre Köpfe gestreichelt und jeder Kuh in die treuherzigen Augen geschaut. Was aber die Schneiderbäuerin war, die ging hinten herum und übersann sich lange bei jedem Stück. „Mi kemman s' so maga für," sagte sie zur Ursula,„so ci'g'fall'n san s' auf da Seit'n. Es muaß mit'n Fuatta it all's richti sei." „Dös sag i ja scho lang, daß s' lüaderli g'halt'n san, antwortete die Haustochter sehr laut.. So laut, daß es Zcnzi, die etwas entfernt davon stand und mit der Mistgabel die Streu auseinander teilte, hören mußte. Sie schnupfte jedoch nur verächtlich aus und stocherte emsig auf einem Fleck herum. Kopfschüttelnd schritt die Schneiderin weiter. „Drecki san f. Auf dös sollst wohl schaug'n, Urschula. daß dös it übahand nimmt: guat putz'n is halbat(halb) g'fuattert.",.,. „Ja, da schaug, bal mi sellanc(solche) Deanstbot n Hot! De wo grad was anderst's an Sinn Hamm als wia d' Arbet!" Die Zcnzi steckte den Kops tiefer zwischen die Schultern. Eine Antwort wäre ihr schon eingefallen, und schnell auch noch: aber dann war der Streit fertig, und sie war mutter»
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29 (25.7.1912) 142
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