Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 230.
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Mittwoch den 27. November.
( Nachdruck verboten.)
Dem Karl kehrte der Mut zurück. Von Hopfmannsfeld hatte er noch eine Stunde nach Hause.
Er haftete weiter. An Wäldern und Deden, an schlafenden Dörfern vorbei. Gegen Mitternacht passierte er die Grenze der heimischen Gemarkung.
Auf einmal verlangsamte er seine Schritte. Eine Zaghaftigkeit fiel ihn an. Tausende Gedanken stürmten auf ihn ein. Wie sollte er künftig als Beamter der Kasse bestehen? Er hatte die Beleihung der Hypothek begünstigt. Jawohl. Doch war's in gutem Glauben geschehen. Aber hatte er nicht tausend Mark von dem Bisping genommen? Allerdings, für seinen Aufsichtsdienst. Hätte er geahnt, aus welchen Händen das Geld kam, er hätte es weit von sich gewiesen. Nein, sein Gewissen war rein. Mochten sie ihn unbedacht, ja leichtsinnig schelten, seine Ehre konnten sie ihm nicht nehmen. Und Ehre ging über Geld und Gut.
1912
Die Hiobspost wirkte auf die Bauern wie ein elektrischer Schlag. Die Augen starr auf den Rechner gerichtet, saßen sie wie versteinert da. Erst allmählich wich die Betäubung von ihnen.
,,' s Unglück noch emal," schrie der Jöckelsheinrich.„ Wo sein dann die Statuten? Der Fall muß doch dadrin vorge sehn sein?"
Fertig is es!" jammerte der Vogelsheinrich.„ Ei dis liebes Gottche! Fufzigtausend Mark! Sätt ich sie doch wenigstens emal beisammen gesehn! Et müssen wir sie berappen!"
Mit einer Behendigkeit, deren er sonst nicht fähig war, sprang der alte Fink von der Ruhmauer auf und rief: Sagt ich's dann net? Aus dem Westfälischen kann nir Gutes fommen. Demwegen mag's gehn, wie's will. Ich tu mich net verkreuzigen. Ich tret einfach aus."
,, Das wär so was," trumpfte ihn einer vom Vorstand ab, wir sollen uns vor den Mistkarren spannen, und Du willst Dich drücken. Haha! Stoppelfalb, daß Du seist! Hier heißt's: mitgegangen, mitgehangen."
Die in der Generalversammlung für das Gesuch des Bauunternehmers nicht zu haben gewesen waren, fielen nun über die Mehrheit her, die ihm zur Annahme verholfen hatte. Es gab einen Heiden ektakel.
Nur mit vieler Mühe gelang es dem Margolfspeter, sich Gehör zu verschaffen.
Der Nachtwächter hörnte zwölf, da der Krämersfarl über die Schwelle seines Häuschens schritt. Leise, daß er die Pörtegritt nicht störte, ging er durch den Laden in das Kaffenzimmer und zündete die Lampe an. Dann schrieb er, dem Nate des Hausbesizers in Lauterbach folgend, an seinen alten Seid Ihr denn ganz vom Verstand," donnerte er ,,, daß Chef, den Herrn Beter Schulte in Dortmund , und bat ihn, Ihr Euch hier messert und mit Dreck beschmeißt? Wer uns Sachkundige zu befragen, ob bei der Zwangsversteigerung die Supp' eingebrockt hat, soll sie auch ausessen." des Hauses Baroper Straße drei für die zweite Hypothek etwas zu erhoffen sei.
Seine Hand zitterte, so hinfällig war er, so todesmatt. Doch setzte er die Feder nicht eher ab, bis er den Brief beendet hatte. Den warf er in den Kasten, der vor dem Hause hing und in aller Frühe ausgeleert wurde. Nun erst suchte er seine Kammer auf und gönnte sich ein paar Stunden Ruhe.
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Drei Tage später traf die Antwort von Dortmund ein. Die Industrie im Kohlenrevier, schrieb der Herr Peter Schulte, habe ein paar fette Jahre gehabt. Danach sei ein Rückschlag gekommen. Der mache sich in allen Geschäftszweigen fühlbar. Die Bautätigkeit stocke, und zwangsversteigerungen seien gang und gäbe. Der Eigentümer des Hauses Baroper Straße drei stecke bis an den Hals in Schulden. Ein Prozeß, den er wegen des Ausbaus der Straße gegen die Stadt angestrengt, sei durch alle Instanzen verloren worden. Die Baroper Straße führe nämlich ins freie Feld. Von wohlunterrichteten Leuten erfahre man, bei der bevorstehenden Zwangsversteigerung werde im besten Falle die erste Hypothek gedeckt, die zweite scheide jedenfalls aus. Daher lohne es sich nicht, ein Gebot abzugeben und an den mißlichen Handel noch Kosten zu wagen.
Nachdem der Krämersfarl nun Gewißheit erlangt hatte, daß die Kasse das Geld einbüßen werde, beauftragte er die Pörtegritt, die Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrats zusammenzurufen. Jedem solle sie sagen, daß er, der Strämersfarl, eine wichtige Mitteilung zu machen habe.
Er hatte den Krämersforl auf dem Korn und durch bohrte ihn mit seinen Blicken.
Du stellst Dich, als fönnt'st Du kein Wässerchen trüben und seist dem Teufel auf der Kiez' gehüpft. Hättst Du das bös Jahr! Du hast uns den Bisping hergebracht. Seist sein Reibmann gewest. Hast für die Hypothek gepredigt wie fürs Evangelium. Alleweil deck ich Dir das Töpfche auf. Jeden Morgen seist Du auf dem Brach herumgefrabbeli. Du hast doch die Gäns net für den Knöttel gehüt'?"
,, Nein," stammelte der Karl.
,, Heraus mit der Farb'. Was hast Du gefriegt?" " Tausend Mark."
,, Tausig Mark! Feuer und Wacht! Um ein' Spizbub fangen, mußt der Shipbub von Lauterbach kommen. Erbgrind, Du seist bestochen!"
zu
Alle hatten sich von ihren Pläßen erhoben und schrien durcheinander.
Erd', tu dich auf und verschling mich!" He hat sein Pfiff über uns gehabt!" Das hat he sich all so zurechtgeschmissen." ,, Das is einer, der sich beischmieren fann." Und nimmt's von den Lebendigen."
,, He tat so, als trüg er für uns den Weizen und für sich feine Spreu."
,, Und was he bet', sein Lügen."
Unter der Wucht der schweren Beschuldigungen knickte der Krämerskarl wie ein Rohr zusammen. Aber nur einen Augenblick war's, daß er seiner Schwäche nachgab, dann ermannte er sich und stieß mit heiserer Stimme heraus:" Ihr Es dauerte eine gute Stunde, bis die Versammlung Leut', ich geb zu, ich bin zu gutgläubig gewesen und unvervollzählig war. Der Vogelsheinrich beklagte sich bitter, daß sonnen. Aber ich hab nir Unrechts getan. Auf Ehr und Geer mitten in dringlicher Arbeit aufgehalten werde. Der wissen! Wann ich nicht die Wahrheit sprech, soll mein Name Peter Margolf sagte zum Jöckelsheinrich: Was is dann an den Galgen!" passiert? Der Karl steht ja da, als hätten ihm die Hinkel das Brot gefressen."
Betrüger!" schleuderte ihm der Margolfspeter entNoch ein Wort und ist hau Dir aufs Maul, daß die
rote Brüh' nachkommt!"
Ich weiß von gar nig," erwiderte der Direktor. Wir gegen. werden's ja gleich hören."
"
Betrüger!" brüllte der ganze Chor.
Da faßte den Karl eine sinnlose Wut. Das spize Gesicht zur Grimasse verzerrt, mit funkelnden Augen die Stube durchmusternd, ergriff er einen der Klöppel, die unter dem Ofen lagen und ging auf den Peter Margilf los.
Scheinbar gefaßt, aber weiß wie die Wand trat der Krämerskarl vor die Männer hin und verkündete ihnen, was sich ereignet hatte. Anfangs sprach er seiner Gewohnheit gemäß fließend, den Oberkörper ein wenig vorgeneigt, dann, von der Aufregung überwältigt, in kurzen, abgehackten Sägen und schloß mit dem Bekenntnis, er sei von einem abgefeimten Schurken überlistet worden. Daß er von Bisping Die Pörtegritt, die angstvoll vor der Türe gelauscht hatte, gewissermaßen angestellt war und zum voraus eine ansehn- stürzte herein. liche Vergütung erhalten hatte, behielt er für sich.
Blöblich entsank das Holz seinen Händen, er wankte und schlug mit einem Aufschrei zu Boden.
hr Unfläter," heulte sie ,,, bringt ihn um. Ich leg die