Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 13� Sonnabend oen 18. Januar. 1913 izz Gefckickte einer Kombe. Von AndreasStrug. Eine Stunde später stieg Frib zum drittenmal die Treppe Hinunter, aber als er unten ankam, warf ibm der Schreck über ein lautes Poltern an der Tür das Licht aus der Hand. In einem Augenblick war er wieder oben und sah außer sick auf seinem Bruder, das andere Auge streifte die Bombe. „Haussuchung?" „Bielleicht nur ein paar Betrunkene?.. „Jetzt geben sie aufs Ganze... Es ist die Polizei." „Geh, Fritz, öffne und fürchte Dich nicht! Und zünde Gas an, sonst stehlen sie uns alles, die Soldaten." Als Fritz mit zitternden Händen die Riegel zurückschob, trommelte es bereits an allen Scheiben, so daß die ganze Baracke bebte. Kaum, daß die Tür geöffnet wurde, war der ganze Raum vor dem Büfett voller Menschen. Es waren ungefähr zwanzig Kerle. Fritz bemerkte die Brownings bei ihnen und die eisen- beschlagenen Lodzer Knüttel. Er suchte vergebens nach einem bekannten Gesicht. Jedoch erkannte er sofort, daß es keine Banditen waren. „Was ist los? Was ist los?— Holla, Genossen, was macht Ihr für einen LärmI" „Hört, Jerke, mit Euch wollen wir reden? Welcher Jerke seid Ihr? Von den unserigen oder von den SDKi.?" „Ich gehöre zu Euch? Aber wie könnt Ihr bloß ein an- ständiges Lokal in der Nacht so überfallen? Bei Gott, ich werde mich beim Zentralkomitee beschweren.. „Gib Du nur acht, daß man Dich nicht richtet!" „Gesteh nur. was habt Ihr mit unserer Bombe gemacht?" „Was fiir eine Bombe?" „Wo ist sie?" „Verdammtes Diebsnest!" „Wir werden den Boykott über Euch verhängen, dann geht Ihr in die Binsen!" „Für so was gehörte sich eine stille Kugel in den Kopf!" „Oder man läßt den bewußten Knödel durchs Fenster?" Mitten in dem Lärm, aus dem Fritz noch nichts ver- stehen konnte, sah er, wie ein Teil der Genossen sich auf die Treppe nach ohen begab. „Ich weiß von nichts, ich verstehe nichts! Ihr seid ja verrückt? Das eine nur kann ich Euch sagen. Genossen, daß hier um neun Uhr Haussuchung war, und daß sie das ganze Haus durcheinandergeschüttelt haben..." � „Wir wissen von der Haussuchung." s „Was habt Ihr mit der Bombe gemacht?" „Wo ist sie jetzt?" „Gib Antwort. Dieb!" „Der ärgste Lump würde so etwas nicht stehlen!" „Bring ihn nur her. Deinen SDK?" „Wo ist der Bruder?" Indessen kam breitspurig der Bruder herunter, und hinter ihm stürzten die fremden Männer her. Moritz bc- herrschte in einem Augenblick die Situation. Es wurde still. und Moritz setzte auseinander: wenn sich hier auch hundert- fünfzig Bomben befänden, so wisse er von nichts. Denn— so sagte er— man müßte schon rein verrückt sein, es fremden Leuten zu erzählen, die mitten in der Nacht einbrechen. Was anderes wäre es, wenn sich unter ihnen ein Bekannter be- b fände, oder jemand mit einem Dokument von der Partei... Und kämen auch die Herren vom Zentralkomitee selbst, so hätte er doch nichts zu sagen, denn er habe nie von einer Bombe gehört... „Hören Sie. Genosse. Sie haben die Bombe den Leuten von der ausgeliefert? Ihre Sache ist es nun, daß sie bis zum Morgen wieder zur Stelle ist. Machen Sie, was Sie wollen, stellen Sie sich meinetwegen auf den Kopf! Wir bleiben hier— Ihr aber wartet nicht auf Dokumente, denn sonst werden wir Euch ein Siegel aufdrücken..." „Wenn Ihre Partei fiir ibre Kampfgruppe etwa? braucht, so mag sie sich doch ihre eigenen Bomben fabrizieren!" rief einer. „Ihr werdet nicht weit kommen mit gestohlenen Waffen?" „Was seid Ihr für ein Genosse, wenn Ihr Bomben ver« kauft? Das will ein UUS. sein? So ein Taugenichts?" „Er ist nicht schuld? Der Bruder bat sie ausgeliefert." „Aber er ist verantwortlich dafür? Er bat sie genommenk Tic Partei wird ihm die Haut dafür abziehen?" Fritz glaubte zu träumen. Aber Moritz begriff sofort, um was es sich handelte. „Genossen, ich bitte ums Wort!" rief er.„Eine formale Frage, Genossen von der polnischen Partei? Wie ich sehe. haben wieder irgendwelche Dunkelmänner Klatsch und Ver- wirrung gestiftet. Wieder haben die Feinde des Proletariats die Partei der ISDK. verleumdet? Es ist kein wahres Wort an der ganzen Geschichte. Niemand von uns bat etwas an?- geliefert. Niemand dachte auch nur daran. Genossen? die Bombe ist da und wird Euch ordnungsgemäß ausgefolgt werden. Aber, was heißt Ordnung. Genossen? Ordnung heißt, es komme derselbe Genosse her. der sie gebracht bat. oder es komme einer mit einem Dokument von der Partei. Wir kennen Euch nicht. Ihr werdet da, nehmt es mir nicht übel, die Sache zu zwanzig, wie Ihr seid, mitnehmen, und morgen kommen andere zwanzig, oder hundertzwanzig von der Partei, und beschimpfen uckobedrohen uns� daß wir einen so wichtigen Gegenstand ganz unbekannten Leuten ausgefolgt haben.. „Ist es wahr, daß sie sich hier befindet?" „Es ist wahr. Einer von Euch kann mitkommen, und ich zeige sie ihm." Sie gingen zu zweit hinauf. Inzwischen begann Fritz den verlangten Kornbranntwcin einzuschenken. „Aber nur gegen bar, Genossen?" bemerkte er. „Wir sind nicht hergekommen, um hier Kommune ein- zuführen." „Hat man niemand bei Euch verhaftet?" „Nein, wir haben sie rechtzeitig gewarnt. Niemand ist geblieben." „Haben sie tüchtig gesucht?" „Gehörig!" „Und wo babt Ihr die Bombe versteckt?" „Bei mir habe ick sie die ganze Zeit gehabt? Ja! Sie haben mich gehauen, aber ick muckste nicht. Seht, wie sie mir das Gesicht zugerichtet haben!" „Ein Glück, daß sie nicht erplodiert ist!" „Das sind neue Bomben mit amerikanischem Verschluß. Die sind sickcr!" „Jede ist sicher, solange sie nicht herunterfällt." „Es gibt sogar solche, die so sicher sind. Tu kannst sie aufs Pflaster schleudern wie einen Stein, und sie rührt sich nicht. Das sind schon die allersicherstenl" „Eine solche habe ich voriges-Jahr bei der März- demonstration zweimal mit aller.Kraft geschlendert. Aber sie gab nur Gestank von sich, sonst nichts." „Jetzt sind andere Zeiten!— Ganz andere Arbeit!" „Sicher heißt eine Bombe, wenn sie beim Werfen explodiert. Solche wickelt man in Watte." Einige von den Leuten verhandelten mit Moritz wegen Herausgabe der Bombe, die anderen tranken Schnaps und Bier und unterhielten sich. „Wem ist die da zugedacht?" warf Fritz dazwischen. „Wir wissen's nicht. Wen immer sie trifst, so trifft sie das Zarcntum ins Herz. „Gilt es Karnakow?"— Zu lange läßt die Partei ihn leben! Man wundert sich, daß er noch herumgeht." „Er wird uns nicht entgehen." „Gestern wurden drei gehenkt." „Zwei— der eine war ein Räuber." „Doch auch ein Mensch!" „Man kennt das. Ans Elend..." „Und das Elend? Woher kommt daS?" fragte einer der Anwesenden mit tiefem Baß, ein dicker, großer 5terl mit schwerem Blick. „Natürlich aus Amerika ?— Auch eine Frage!" „So sag's doch, wenn Tu's weißt!" „Ich weiß es. Bon unserer Dummheit." „Das ist wahr, bestätigte der Dicke.— Wir f'md dumm.
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30 (18.1.1913) 13
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