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heute zu der Ueberzeugung gekommen, daß Witteleuropa immer eine unwiederbringlich zur Beute, und während diese die Alte zerrissen, führende Stellung hatte, und die prähistorischen Skelettfunde na- konnte er entkommen. mentlich der Cro- Magnon- Zeit haben den alten Irrtum endgültig zerstört, als sei der Europäer nicht Eingeborener feines Landes, fons dern ein Einwanderer aus dem fernen Indien .
So besteht denn das schöne dichterische Bild der Edda auch vor dem wissenschaftlichen Bewußtsein von heute zu Recht und damit auch der Weihnachtsgedanke, der nichts anderes als eine Projektion dieser geographisch entwickelungsgeschichtlichen Behauptungen auf den Kreislauf des Jahres ist. Was unsere Vorfahren in der Horizontalen Erstreckung des ihnen bekannten Weltteiles sahen, erlebt jeder von ihnen auch im Ablauf eines Jahres. Die Kälte- und Wärmequelle wurde jedem fühlbar und jeder mexkte, daß in dem Augenblick, da beide miteinander stritten, das neue Leben aufblühte, als entstünden dadurch die Grundstoffe des lebendigen Werdens.
Von selbst wurde dadurch das Sinnen und Grübeln auf den Beginn dieser jährlich wiederkehrenden lebenserzeugenden, schöpferischen Wandlung hingelenkt, und rasch hatte der scharfsinnige Volksgeist herausgefunden, daß noch mitten im Frost und Eis diese Wandlung fich vorbereitete, in einer Woche, die als die lebensheiligende zauberisch- unverständliche und doch so sichtbar wirkende Zeit aus dem ganzen Jahresablauf hervorgehoben wurde als die Woche der Weihnächte.
Was der Urmensch in einfachste Begriffe fleidend, unbestimmt aber doch mit unbeirrbar sicherem Gefühl empfand, ist auch für den Kulturmenschen von heute gültig geblieben. Wenn er nicht ganz entartet und abgeſtumpft ist für die natürlichen Bedingungen feines Seins, wird ihn ein inneres Gefühl immer dazu treiben, die Weihnachtswoche bedeutsam zu empfinden und auch festlich zu begehen. Aus tiefen, im Wesen der Natur begründeten Ursachen hat sie ihm etwas zu sagen, einen der ewigen und alle Menschen gleicherweise berührenden Gedanken, die das Volksempfinden stets mit un gemein feinem Gefühl zu erfassen und auch mit höchster Kunst und Innigfeit in sinnige Formen einzukleiden wußte. Auch in aller Zufunft wird das Volksgemüt stets eine herzbewegende Form dafür finden, so oft auch noch das Symbol des Weihnachtsgedankens wechseln mag.
Vor langer, langer Zeit, als die Wölfe noch mächtig und gefürchtet waren, überfielen sie einmal einen Bauern aus Aefdal, der mit einer Ladung Böttchergefäße umherfuhr. Sie jagten eines Abend hinter ihm her, als er eben über den Soljansee und Rättvik fuhr. Es waren ungefähr dreißig Stück, und der Bauer hatte kein gutes Pferd, so daß er nicht viel Hoffnung hatte, ihnen entwischen zu können.
Die Wölfe überfielen den Mann nicht sogleich, nachdem er aufs Eis hinausgefahren war, sondern erst, als er sich mitten auf dem See befand. Da stürzten sie von einer kleinen Landzunge aus auf ihn zu, gerade als ob sie dort auf der Lauer gelegen und auf ihn gewartet hätten Das Eis war nicht glatt und glänzend, sondern mit einer dünnen Lage von Hartgefrorenem Schnee bedeckt, Menichen und Tiere konnten mit Leichtigkeit darauf geben; und die Wölfe famen mit solcher Geschwindigkeit auf den Bauern zu, daß er nicht mehr Zeit hatte, das Pferd zu wenden; schon war der erste Wolf neben ihm und schnappte nach dem Aermel seines Belzrockes.
Ja, wenn er sie nur ruhig ihren Weg fortsegen ließ, dann was er ficher gerettet. Davon konnte nicht die Rede sein, daß die Finnen Malin den Jfegrimmen entrinnen fönnte. Langjam, auf einen Stod gestügt, tam sie daher, sie war alt und schwach und hatte nichts, wo mit sie sich hätte verteidigen können.
Es war also ausgemacht, wenn er ihr nicht half, dann kam davon, er und das Pferd.
Aber, wenn er ihr half und sie auf den Schlitten nahm, war er durchaus nicht sicher, daß sie gerettet wurde, ja, wenn er dies tat, war es fast sicher, daß er eingeholt wurde, und dann fielen den Raubtieren vielleicht drei Leben zur Beute. Er hatte Frau und Kind daheim, die niemand anders zur Stüße hatten als ihn.
Die Finnen- Malin dagegen war eine einsame Person. Sie war nur ein altes böses Bettelweib. Auf der ganzen Welt würde niemand um sie trauern.
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Er konnte wahrlich schnell denken, wenn er wollte. All dies stand fast in demselben Augenblick, wo er die Finnen- Malin erblickte, flar vor ihm. Und damit war es noch nicht genug, er mußte zugleich daran denken, wie es ihm wohl nachher selbst gehen würde: Db er Gewissensbisse bekäme, weil er dem Weib nicht geholfen hatte, ob die Leute erführen, daß er ihr begegnet war und sie im Stiche ließ. In seiner Brust entspann sich ein großer Streit, und er sagte sich schließlich: Es wäre mir lieber, ich wäre ihr gar nicht be gegnet.
In diesem Augenblick stießen die Wölfe ein lautes Geheul aus. Das Pferd schreckte zusammen, fuhr wild davon und jagte an dem Bettelweib vorüber. Sie hatte das Wolfsgeheul auch gehört, und als der Bauer an ihr vorüberfauste, las er in ihrem Gesicht, daß sie wußte, was ihr bevorstand. Sie stand da, den Mund zu einem Schrei geöffnet und die Arme um Hilfe ausgestreckt, aber sie hatte weder geschrien noch einen Versuch gemacht, sich auf den Schlitten zu werfen. Sie war wie versteinert von irgendeiner Erscheinung. vorüberfuhr", dachte der Bauer. Es ist gut, daß es jetzt getan is", Ich habe wohl wie ein böser Geist ausgesehen, als ich an ihr dachte er, während das Pferd weiterjagte, und er versuchte, sich jetzt, wo er seines Lebens sicher sein konnte, zufrieden zu fühlen. Aber in demselben Augenblick begann es in seiner Brust zu arbeiten und zu brennen. Er hatte noch nie etwas Böses getan, und nun hatte er in einem einzigen Augenblick sein Leben verdorben. Um sich zu beruhigen, fing er an, mit dem Pferde zu sprechen.
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Wir Du, Rappe, es gab ja keinen anderen Ausweg," sagte er. wollen uns das Spiel nicht verderben, indem wir die Reue auf tommen lassen." Aber plöglich hielt er das Pferd mit einem ge waltigen Rud an. Ja, was ich gesagt habe, ist gang richtig," sagte er in einem ganz anderen Ton, wir wollen uns das Spiel nicht verderben. Was würde das für ein Leben geben, wenn wir uns jeden Tag schämen müßten!"
Nur mit großer Mühe gelang es ihm, das Pferd zu wenden; aber schließlich brachte er es doch zustande, und er hatte die Finnen Malin bald wieder erreicht.
„ Steige schnell auf meinen Schlitten!" befahl er ihr, und er fagte es so hart, als sei er wütend. Und das war er auch. Auf sich selbst war er böse, weil er das Weib nicht ihrem Schicksal über lassen konnte. Als sie wieder auf der Flucht waren, dachte er:„ Der liebe Gott mußte es jetzt von Rechts wegen so einrichten, daß mich die Wölfe in Ruhe ließen. Jetzt flammerte sich das Weib an seinen Arm und wimmerte. Du tätest besser, daheim zu bleiben, Du alte here, anstatt Dich immer herumzutreiben. Nun werden wir beide Deinetwegen umkommen, der Rappe und ich."
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In wilder Haft beugte er sich vor und hieb mit dem Peitschenstock auf das Pferd ein, so daß es mit aller Macht davonjagte und einer so verzweifelten Stimmung, daß es ihm geradezu Vergnügen Das Weib erwiderte kein Wort, aber der Bauer war jest in die Wölfe weit hinter sich ließ. Darauf nahm der Bauer sein Fellmachte, sie zu quälen.„ Der Nappe ist heute schon sechs Stunden eifen heraus, worin er seinen Mundvorrat hatte, und warf es gelaufen, und alt ist er auch, da wirst Du begreifen, daß er bald aufs Eis. Während die Wölfe den Sack durchwühlten und die leere Butter- müde sein wird. Und die Last ist nicht leichter geworden, seit Du dose und die abgenagte Hammelfeule herauszerrten, fonnte der Bauer dazu gekommen bist." ein wenig aufatmen. Er hatte eine recht große Ladung Daubengefäße auf seinem Wagen, und das natürlichste wäre gewesen, daß er jetzt eiligst die Stride, mit denen die Kübel, Bottiche und Wannen feitgeschnürt waren, durchgeschnitten und die Gefäße aufs Eis ge= worfen hätte. Wenn er dann davongejagt wäre, als sei der Leibhaftige hinter ihm her, so hätte er doch noch eine Möglichfeit gehabt, sein Leben zu retten. Aber der Mann war vor Schrecken ganz verwirrt. Ein so einfacher Ausweg wie dieser fiel ihm gar nicht ein, er blieb im Gegenteil ruhig vorne auf seiner Ladung fizen. Man darf aber nicht meinen, daß er überhaupt feinen Gedanken gehabt hätte, im Gegenteil, es drängten sich so viele Gedanken in seinem Gehirn, daß er feinen festhalten konnte.
Während er so wie gelähmt dasaß, sah er, daß sich zwischen den Tannenbüschen, die auf dem Eis aufgepflanzt waren, um den Weg zu bezeichnen, etwas bewegte. Und als er fab, was es war, wuchs der Schrecken, der ihn schon vorher erfaßt hatte, ins Ungehenre.
Aber nicht Wölfe waren es, die ihm da entgegentamen, sondern eine alte, arme Frau. Sie hieß die Finnen- Malin und war eine rechte Landstreicherin. Sie hinkte ein wenig und hatte auch einen fleinen Höder; er konnte sie schon aus der Ferne erfennen. Die Frau ging gerade auf die Wölfe zu. Offenbar verdeckte sie der Schlitten vor ihr, und der Bauer wußte sogleich, wenn er an ihr vorüberfuhr, ohne sie zu warnen, danu fiel sie den wilden Tieren
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meinte er zu hören, wie die Tazzen der Wölfe hinter ihm aufDer Schlittenfufen inirichte auf dem Eis, aber trotzdem verschlugen, und er fühlte, daß die Raubtiere ihn eingeholt hatten. " Jest ist es aus mit uns," sagte er. Daß ich Dich zu retten versucht habe, ist weder Dir noch mir gut bekommen, FinnenMalin." Erst jetzt sprach das Weib ein paar Worte. Vorher hatte fte nur gefchwiegen, wie jemand, der an Scheltworte gewöhnt ist.
" Ich kann nicht verstehen, warum Du Deine Gefäße nicht ab. ladest und die Last erleichterft," sagte sie. Du kannst ja morgen früh wiederkommen und sie zusammenlesen."
Was es nun auch sein mochte, ob es daher fam, daß das Weib so flug sprach und die Hoffnung hatte, daß er morgen wieder hierherkommen könnte, oder ob es von etwas anderem herkam, aber gerade da getvann der Bauer etwas von seiner Ruhe wieder.
Wirf sie doch ab," sagte das Weib. Du fannst Dir denken, daß sie Dir niemand sliehlt. Du wirst sie alle wiederbekommen." Der Bauer entgegnete nichts, unbeweglich und unverwandt betrachtete er feine Bottiche. Mitten drin stand ein großer schwerer Braubottich. Auf ihn waren seine Augen gerichtet, als fönne er sich nicht entschließen, diesen abzuladen. Aber in Wirklichkeit waren feine Gedanken von etwas anderem in Anspruch genommen. Pferd und Mann, denen nichts fehlt, sollten doch eigentlich nicht geopfert
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