Unterhaltungsblatt des Vorwärts
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Nr. 45.
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Gyldholm.
Donnerstag, den 5. März.
Eine Landarbeitergeschichte von J. Stjoldborg. Dann erscheint Pers Vater. Er ist groß und dunkel, wie SI Per selber, aber sein Haar ist grau. Er ist steif und ecig, als wäre er aus Holz, und seine knöcherne Gestalt steckt in einem Rock aus blauem, selbstgefärbtem Wollzeug, der an den Nähten weiß schimmert und an dem vom langen Tragen das Rauhe, Wollige des Stoffes ganz abgeschabt ist, so daß die Fäden des Gewebes durchschimmern.
Er ist Häusler drüben auf Löwenborg. Eigentlich hätte er Pate des Kindes sein sollen, doch fonnte er feine Stiefel leihen, die ihm paßten, sagt er; denn seine Füße sind groß, und er hat so große, frumme und gebogene Zehen.
Seufzend stellt er seinen Stock in die Ecke. Der Alte brennt vor Verlangen, die Tür zur Küche zu öffnen, in der es focht und brät.
Sophie empfängt ihn mit einem herzlichen Blick ihrer freundlichen blauen Augen, und er reicht ihr die Hand. Guten Tag, mein Kind!"
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Dann wendet er sich den Düten und Flaschen zu. Das läßt sich gut an!" sagt er und nicht kindlich, vergnügt darüber, folchen Ueberfluß bei seinen Kindern anzutreffen. Und er lächelt, als sei es lange her, daß er so viel Eß- und Trinkbares beieinander sah.
Und nachdem er seinen steifen Körper auf einem Siz am Tische untergebracht und man ihm Speck und Senf und eine ganze Flasche Branntwein vorgesetzt hat, sagt er: Ja, dies hier das sieht wahrhaftig gut aus."
Nun greif' zu, Vater", sagt Per, denn die Meinung ist, daß Du einen recht vergnügten Tag haben sollst!"
Ich danke, mein Junge! Ja, der Verwalter sagte mir übrigens auch, morgen solle es auf eine Viertelstunde nicht ankommen. Es käme nicht so sehr darauf an, sagt er, als ich darum bat, fortgehen zu dürfen... er ist wirklich ganz manier lich, unserer einer muß ja doch kommandieren wie ist Eurer denn?"
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Unserer. Das ist ein rechter Schreihals! Prost, Vater!" Ber schenkt fleißig ein, und auf des Vaters Gesicht zeigen fich dunkelrote Flecke, die sich nach und nach über den ganzen Nasenrücken ausbreiten.
" Das ist richtig- ich soll auch von Mutter grüßen. Sie fängt übrigens jetzt an alt zu werden, und es wird immer schlimmer mit ihrem Bein; Gott mag wissen, was es ist, aber derlei Dreck gibt es ja genug. Und dabei will sie doch noch immer mithumpeln, das alte Wrack, so verschlissen sie auch ist. Es ist wahrhaftig schlimm genug für unsereinen, und dabei ist man doch' ne Mannsperson. Nein, was ich noch sagen wollte, ich hatte ja Strän Löts Stiefel an, aber ich konnte, hol mich der Teufel, nicht drin gehen."
Weißt Du was?" Per denkt nach. Ob die vom roten Jens Dir nicht passen könnten?"
,, Glaubst Du, daß ich die leihen könnte?"
Wenn er nur welche hat!"
Ja. Das Opfergeld, das hab ich!" Der Alte greift in die Westentasche, um sich zu vergewissern, daß das Geld noch dort, in Papier eingewickelt, liegt.
Es zeigt sich, daß des roten Jens Stiefel nicht ganz un möglich sind, namentlich nach einer Behandlung mit Fett und Kienruß.
Und als Maren danach in aller Stille Pauls besten Rock für ihn herbeiholt, sieht der alte Holt wirklich recht gut aus. Er steht und betrachtet sich selbst von oben bis unten: Nun könnt' ich), meiner Seel, reisen, wohin es auch sein sollte meint ihr nicht auch?"
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Ja, gewiß könntest Du das, Du alter Wichtigtuer", sagt Maren gutmütig- raub und lächelt, aber sorgt Ihr Mannsleute nun dafür, daß Tische und Stühle geholt werden; wir müssen doch was zum Sißen haben und Sophie und ich haben genug mit unserm Kram zu fun!"
Zum Frühstück sind nur diejenigen da, die bei der kirchlichen Handlung zugegen sein sollen. Zuerst natürlich Amalie, die das Kind halten wird. Sie besitzt ja die feinsten Kleider
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und auch Band und Staat, um das Kind herauszupuken. In der Beziehung ist in der ganzen Häuserreihe keine, die es ihr gleichtun könnte. Die zweite Hauptaufgabe, nämlich das Halten des Häubchens, ist Jakobus' Frau zuerteilt. Bolette besigt ja wieder andere Eigenschaften, durch die sie in den Kätnerhäusern eine bevorzugte Stellung einnimmt. Dann ist noch der große Paul da, der fahren soll, Jakobus, Lammes und Pers Bater. Leider zeigt es sich indessen nach beendetem Frühstück, daß der alte Holt kaum noch auf den Beinen stehen kann; er ist ganz fertig. Der kann nicht mehr!" sagt Paul und schaut überlegen den alten Mann an, den die allzu große Freude übermannt hat. Der befestigt feinen Strang am Wagen mehr, der ist fertig!"
Doch Maren antwortet ihm:„ Spiel Dich nur nicht auf! Die Sonne ist noch nicht untergegangen und Du hast schon so viel, wie Du vertragen kannst Du Tölpel!"
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Der alte Holt muß in die hinter der Stube gelegene Kammer geführt werden, wohinein man in Anbetracht des Festtages das Bett gebracht hat.
Es ist Zeit zum Aufbruch. Tammes schleicht leise und vorsichtig umher, als sei er seiner Bewegungen nicht ganz Herr; er zerrt an seiner Kleidung, damit alles stramm sitzt, und reibt seinen Pfeifenkopf am Aermel blank. Jakobus spielt sich auf in einem geliehenen Rock mit langen Schößen und unglaublich großen Seitentaschen. Dabei plappert er unaufhörlich über alles Mögliche und Unmögliche und biegt den Pfeifenschlauch hin und her. Die Weiber zupfen, zerren und verbessern an ihrem Anzug. Bolette wackelt so mit dem Hinterteil, daß das verblichene, grüngrau schillernde schwarze Kleid in all seiner Düftigkeit hin und her pendelt. Sie ordnet ihr trocknes Haar mit den entfärbten, starrenden Spizen, das aussieht, als habe Wind und Wetter es gebleicht. Dann legt sie die wattierte Kapuze an und fragt, wie sie figt. Amalie aber prangt in einem jener billigen Damastkleider und trägt um den Hals einen roten Seidenschlips mit schwarzen Blumen in den gefransten Enden. Ihr Hut hat einen hohen Kopf, ist schwarz und mit roten Astern verziert. Zum Schluß vervollständigt sie ihren Anzug dadurch, daß sie einen kleinen franaösischen Schal um ihre Schultern hängt.
Der große Paul hält vor der Tür mit einem Gutswagen. In jeder seiner beiden knochigen Hände hält er eine Leine und fibt so steif und feierlich da, als seien seine Gedanken weit fort, beschäftigt mit ernsten Dingen.
Die Paten und Laufzeugen steigen ein mit einem Gesichtsausdruck, der deutlich verrät, wie gut sie wissen, daß sie ein Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit von allen Türen und Fenstern her sind.
Amaliens geblimter Schal ist der farbenreiche Mittelpunkt all der Pracht, die die Gyldholmer Kätnerhäuser an diesem großen Tage entfalten.
Paul kehrt sich halb nm: Sind wir nun fertig. Na, denn los in Jesu Namen. Hols der Teufel, nun fahren wir los!"
Und fort fährt der Wagen, dem viele Blicke folgen, als gälte es eine Reise nach Amerika .
Der alte Holt erwacht und schlägt die Augen auf. Im Zimmer stehen zwei im rechten Winkel aneinandergestellte Zische mit weißen Tischtüchern. Er reibt sich die Stirn und blickt von neuem hin. Auf dem Tischtuch stehen Teller und eine Frau tritt herein mit Messern und Gabeln.
Es beginnt dem Alten zu dämmern. Er begreift. Etwas wenigstens. Er faßt in die Westentasche, wo das Opfergeld gelegen hat es ist noch da. Die Stiefel des roten Jens stehen da, und Pauls Rod hängt am Balfen, und es ist so still.
Das Gesicht des Alten nimmt einen bekümmerten Ausdruck an, und er schüttelt den Kopf.
Wie im Aerger schleudert er die Beine über die Bettkante hinaus und sagt:„ Da soll doch gleich der Teufel dreinfahren!"
Es gelingt ihm, die krummen steifen Finger zu falten, und er stüßt die Ellbogen auf die Knie. Als seine Blicke auf die sandgestreute Diele fallen, schüttelt er abermals den Kopf. Und dabei bewegt er eifrig die Füße, so daß die weißen Zehenspiten der blauen Strümpfe auf und ab hüpfen.