-

182

großer Jungen; fie haben sich vorsichtig hierher geschlichen, um zu hören und zu sehen. Sie reißen die Augen auf und Lachen über Klein- Lasse. Er schlägt gewaltig mit den Armen um fich, haut auf den Tisch und flucht: Hier sind K- räfte l" Der fleine, schwächliche Mensch wiederholt diese Worte und fchlägt zu seinem und der Jungen Bergnügen mit der Hand auf den Tisch.

Wieder hört man Niels Rön fagen: P- Balle!" Die beiden sind also noch nicht miteinander in Verbindung ge­treten.

Der große Paul bringt zuweilen, wenn er betrunken ist, so eigentümliche Worte hervor, die niemand verstehen kann. Strusgemak!" sagt er zu Jakobus. Strusgemak!" sagt er in einem Ton, der etwas Kränkendes hat.

Jakobus hebt den Arm. Du möchtest wohl ein paar fremde Fäuste, in Deinem Gesicht haben!" droht er.

Doch der große Baul fenft seinen ausgestreckten Arm, wie man die Scheide eines Taschenmessers zusammenklappt und fagt: Beuch gen Süden in das heilige Land, so da heißt Dithmarschen , Du Schafskopf!"

Und dann lachen sie alle beide.

Der rote. Jens aber wirft sich auf alle, die ihm nahe kommen. Namentlich Tammes, der Vorknecht, wird mit Schimpfworten überhäuft. Du bist ein Doppelzüngiger, ein Speichellecker! Ein Speichellecker gegenüber dem Verwalter!" Tammes fißt geduldig da und läßt alles über sich ergehen. Und dann bist Du ein Pantoffelheld! Das find Amaliens Sosen, die Du anhast! Du bist ein Pantoffelheld, Tammes!"

( Forts. folgt.)

Aus dem Ende der Eiszeit.

Von W. G. Neander.

Die dem Acheul folgende Moustierperiode ist vielleicht die Längste und schwierigste, aber auch wichtigste Periode für die Fort­entwicklung der Menschheit gewesen. Es ist die Periode gewaltiger Erd- und Seebeben gewesen, in deren Mitte Europa unter Eis und Schnee begraben lag. Wie diese Eiszeit zu erklären ist, deren Spuren die Natur in den Erdschichten deuilich zurückgelassen hat und die genau nachgeprüft werden können an jetzt noch in der Eis­periode befindlichen Ländern, wie Grönland und anderen Ländern ber talten Zonen, ist nicht leicht anzugeben. Das Land hat sich wohl im Laufe sehr langer Zeiträume an der einen Stelle allmäh­lich stark gehoben, und an anderer Stelle ist es gesunken Erdbeben Haben hohe Gebirge emporgeschoben, deren Gipfel so hoch ragten, daß ewiger Schnee und Eis sie bedeckten. Sie fandten gewaltige, falte Wassermassen zu Tale, bis auch von den Gletschern herab Eismassen sich lösten und mit Gestein und Geröll bei immer größe rem Anwachsen durch die eigene Schwere die Berghänge hinab­glitten und das Land bedeckten oder ins Meer trieben. Auch dort brachten sie Kälte und Frost an die Küste. Das gesunkene Flach land hatte dem gierigen Meere den Zutritt geöffnet, und dieses brachte ebenfalls Frost und Eis aus den im Norden entstandenen hohen Gebirgen, so daß, wie jest z. B. der warme Golfstrom für Europa ein mildes, gleichmäßigeres Klima schafft, damals die kal­ten Meeresströmungen des Nordens Europa allmählich in Jahr­taufenden der Eiszeit entgegenführten, bis wieder durch das Wachsen und Heben des Landes, durch Erniedrigung der Gebirge bei Erd­beben und durch andere Naturkatastrophen der Erdrinde, nach länge­rem Schwanken zwischen Eisperiode und mildem Klima mit ver­änderlichen Jahreszeiten den Sieg davon trägt. In den mensch lichen Werkzeugen ist nur ein geringer Fortschritt der Kultur in dieser langen Periode zu verzeichnen; nur die Form wird in den Steinwerkzeugen dieser Periode etwas geschickter für den Gebrauch; das Beil oder der Hammer erhält vielfach ein Loch oder eine Ocfe für den Schaft.

-

zeigen fich bewaldete Stellen, die aus einen, verkrüppelten Fichten­und Birkenarten bestehen. An solchen geschützten Stellen wächst auch eine hohe, zähe Seide, die fast die Höhe der niedrigen, verein gelten Bäume erreicht. Scharfe Winde und Stürme brausen über das Land. Kurze Sommer wechseln mit langen, troftlosen Winter­geiten, die große Kälte bringen.

Zwei felsige Ausläufer unseres Berges umfassen ein Tal. Der Berg hat seine Gletscher nach der anderen Seite, weil sich an den fenfrechten Felswänden über dem Plateau der Höhle keine Schnee­und Eismaffen für längere Zeit nach der Talseite festsetzen können, und die Schmelzwässer des Sommers durch das Rinnsal an der Seite des Tales abgeführt werden; hier liegt eine menschliche An­Seite des Tales geschützt durch niederen Buschwald. Die Nieder Siedlung. Sie liegt mitten in einem Heidestüd, nach der offenen laffung besteht aus zwei langen schmalen Höhlen, die aus Steinen mit darübergelegten Torf- und Erdschichten erbaut sind. Mit Moos und Heidekraut sind die gewölbten Dächer abgedeckt und alle Deff­nungen verstopft. Zwischen den beiden langen Höhlen liegen mehrere fleinere Höhlen, ebenso erbaut wie diefe. Die Querseiten sind durch Wände aus Stein, Torf und Lehm geschlossen. Der Eingang zu den Höhlen geschieht an einer Stelle der Längsseite; die Ceffnung ist durch große und schwere Felle bedeckt, die von oben und außen die Oeffnung schließen, und die, mit großen Steinen auf dem Dache im Innern ist gegen den Außenboden erhöht und hart getreten. beschwert, an dem oberen Ende festgehalten werden. Der Fußboden Die Enden nach jeder Seite find mit Moos und Heidekraut als große Lager hergerichtet. Die höblenartigen Einzelhütten sind ebenso eingerichtet.

Um diese Höhlenbauten zieht sich ein breiter und ziemlich tiefer Graben, der nach der Außenseite steil abfällt und mit Wasser gefüllt ist. Der Aushub ist nach innen geworfen, so daß fich um die Ansiedlung eine Art Erdmauer bildet. Der Zugang über den Graben und die Mauer ist nach dem Talinnern, nach dem Berge zu gelegen. Es ist ein fester Erdsteg, der von der Grabenaußen­tante sehr schräg ansteigt und steil nach der Oberkante der Erd­mauer führt. Hier ist eine fleine Plattform und mehrere große Steine liegen hier, so daß der Eingang, wenn diese vorgewälzt werden, gesperrt werden kann. Sie können, falls ein Feind durch den Zugang eindringen will, die schiefe Ebene herabgerollt werden, so daß der Eindringling zermalmt werden kann. Der Abgang von der Maueroberkante nach dem Innern des Plates ist sehr steil. Er führt auf den Plaz zwischen den beiden langen Höhlen und unmittelbar auf die Oeffnung einer fleineren Höhle in der Witte, hinter der noch eine Anzahl ebensolcher liegt. Auf der Männer. Gegen die früheren Menschen, die wir in dieser Gegend Plattform des Einganges neben den großen Steinen standen drei kennen gelernt haben, waren sie im Aeußeren und in der Haltung ein rötliches Braun. Die wulstigen Lippen, die breiten offenen wenig verschieden, nur war die Farbe der Haut viel hellfarbiger, Nüstern, die zurückfallende niedrige Stirn, die Wulst über den tiefen Augenhöhlen, das schwere Gebiß ohne vortretendes Kinn, der sehr kurze Hals, die gebogenen Arme und Beine, die rot­braune Behaarung, die noch dichter geworden war, die starken vortretenden Muskelstränge waren geblieben. Neu war der stets aufrechte, schwere und watschelnde Gang auf platten Sohlen und die tiefen furzen Kehllaute, die sie ausstießen. Ueber den Rücken hatte jeder ein Fell hängen, das über den Schultern hing und mit Bast um den Leib geschnürt war. In diesem Bastgürtel stedte ein Beil oder Hammer mit längerem Stiel. Das Beil oder der Hammer waren aus Feuerstein gesprengt und hatten die ver­fchiedensten, noch plumpen Formen. Der Holzschaft war in ein Loch am dicken Ende des Feuersteinkeiles eingelassen und war fest mit Bast und Tiersehnen verschnürt. An den großen Steinen lehnten furze Spieße mit Spiken aus Feuersteinen oder scharfen Knochen, ebenfalls am eingesetzten Ende mit Bast und Sehnen gebunden. Neben den großen Steinen lagen noch aufgestapelte Haufen von wurfgerechten kleineren Steinen. Der größere von den drei Männern hatte einen Fellgürtel, der von der Haut der Läufe eines Renntiers gefertigt war, denn die beiden Hufe dienten dem Gürtel als Schluß. Die drei blidten nach dem Strande, einer tief ins Land gehenden Meeresbucht, voc der eine Schar Kinder suchten Muscheln, Seetiere und Fische, die die abfließende Flut und Frauen emsig hin und her lief und fleißig sammelte. Sie zurückließ. In den Strand, den die Flut umspülte, waren Quer­gräben und Teiche gegraben, um darin Seetiere nach Ablauf der Flut fangen zu können. Die Beute war sehr reich auch an Fischen. Die größeren wurden über die Schultern genommen; das kleinere Getier und die Muscheln wurden entweder sofort verzehrt oder auf Felle geworf, die sadartig zusammengefaltet wurden; die daran Schwerbepadt zog die Schar nach ihrem Höhlendorfe. Die drei befindlichen Häute der Läufe dienten zum Schließen des Sades. Männer beobachteten die Herankommenden und unterhielten sich in wenigen Lauten, die nur Bokale ohne Konsonanten hatten. Durch die Betonung schienen sie aber den Bokalen verschiedene Bedeutung e- zu geben.

Wohl aber werden durch das durch die Kälte bedingte Herstellen bon Schutzbauten und das engere Zusammenwohnen die Laute zu Sprachbezeichnungen geworden und das Zusammengehörigkeits­gefühl gewachsen sein. Wahrscheinlich fällt auch schon in das Ende Bieser Periode mit dem Auftreten des Renntieres die erste Bekleidung, wenn auch pfrimen- oder nadelartige Instrumente, die auf ein Bearbeiten von Stoffen für die Bekleidung hinweisen, erst zwei Schichten später gefunden werden.

Um unseren Berg in den Alpen sieht es unfreundlich aus. Eismassen und Schnee liegen um den Gipfel; das Rinnsal, das ben Weg bis zum Fuße des Pfades nach der Höhle bildet, führt eisfaltes Wasser und Eisblöcke zu Tal und ist den größten Teil des Jahres fest zugefroren. Nur schroffe Felsen ragen empor, Ge­ftrüpp und Bäume sind verschwunden. Das Meer ist noch mehr in bas Land getreten und hat tiefe Buchten gebildet. Große Steppen, mit Moos bedeckt, ziehen sich vom Fuße der Gebirge bis an die Meerestüste hin, die bei Ebbe weite, tahle User zeigt, da nur an wenigen Stellen die Küste feljig ist und Fjorde tief hinein in das Gebirgsland führen. Nur an geschüßten Stellen in Vertiefungen bes hügeligen Landes im Osten oder in geschützten Gebirgsschluchten

fleinen, mittleren Hütte, und eine große, ältere Frau erhob sich Ein lauter, scharfer Ruf, der wie Ai " flang, tönte aus der aus dem Eingange der Höhle. Gilfertig sprang der Mann mit dem Fellgürtel herab und ging zu der Frau. Auch aus der auf der linken Seite von ihr befindlichen Höhle, der Männerhöhle, fanten Männer und stellten sich um die Frau. Sie sprach einige Laute, und einige der Männer stellten niedrige Holzgerüste aus