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Rochefort", in dem der Schatten des großen Pamphletisten dem damaligen Ministerium die derbsten Wahrheiten sagt. Der Verkauf dieser" Poesie" ist, besouders in den Arbeiterviertein, sehr ein träglich.
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ein Staubforn, ins Auge fliegt. Man wehrt sich, weil sich der Körper gegen das Leiden aufbäumt. Man wehrt sich auch noch aus einem anderen Grunde: die zwangsweise Ernährung ist ein abscheuliches Attentat gegen das Recht der Persönlichkeit; fich Den dritten Grad der Camelots bildet der ,, chineur", und dieser einer solchen Behandlung ruhig zu unterwerfen, wäre ein Berwenig schmeichelhafte Titel will besagen, daß sein Inhaber mit wert- brechen. Es ist ein Kampf zunächst gegen acht bis neun Wärtelos gewordenen Dingen haufiert. Es handelt sich hier auch in der rinnen. Am Häufigsten wird man, von dieser Zahl überwältigt, Tat um Ramschartikel, vergilbte stagewaren, altmodisch ge- gewaltsam aufs Bett geworfen, wo sich dann jede Wärterin eines wordenen Tand, und worauf es hauptsächlich ankommt, ist ein auf deiner Glieder bemächtigt. Drei Frauen werfen sich auf deine munterndes„ ,, boniment", wie man die oft sehr wißigen Beine mit ihremt ganzen Gewicht, wie wenn sie sie zerbrechen Reden nennt, mit denen der chineur die Käufer an wollten. Zwei Wärterinnen halten dich an den Schultern fejt. lockt. Uebrigens bedarf es bei der bekanntlich überaus vier weitere haben deine Arme umklammert, und von jeder Seite großen Neugier der Pariser keiner Kunststücke, 11 alsbald fnien dann noch zwei auf dir, so daß du beinahe erstickst. Dann eine Ansammlung von Neugierigen zu bewirken. Der ,, chineur" schlingt man dir ein Tuch um, das die Stirn bedeckt, und der Kopf zeichnet mit Streide eine Karikatur auf das Trottoir, die er dann wird von einer Wärterin gehalten, die dir die Schläfen mit ihren umständlich erklärt und dabei langsam die Nede auf den Artikel Nägeln zerfleischt. In diesem Augenblick erscheint der Arzt und bringt, den er zum Verkauf feilbietet. Da das Pariser Holzstöckel- du siehst seine Hände sich über dir bewegen durch die halbpflaster alle drei Jahre erneuert werden muß, gibt es be- geschlossenen Augen. Er führt zuerst die Röhre mit Vorsicht in die ständig in jedem Quartier abgesperrte Straßen, die von Nasenlöcher ein, dann stößt er sie plötzlich gewaltsam durch die den ambulanten Straßenfängern und Camelots zum Stand- engen Najenivege bis in den Schlund, was schrecklich weh tut, und ort erwählt werden. Die besten Geschäfte macht der Chineur so gebt die Röhre, die fast einen Meter lang ist, bis in den Magen, allerdings auf dent Boulevards, wo er aber beständig in den dann langsam das von der Regierung verordnete Medimit der Polizei in Hader liegt, da Ansammlungen ver fament hinabläuft. Sich zu wehren, ist nun nicht mehr möglich; boten sind. Hier handelt es sich vor allem darum, die Ware ein entjeblicher Husten und ein furchtbarer Erstickungsanfall haben flink an den Mann zu bringen, und die Zuschauer etablieren sich sich deiner bemächtigt und dauern an bis zum Ende der Prozedur. gern als freiwillige Wachposten, die das Naben eines Polizisten mit dit die Sache zu Ende, dann reißt der Arzt die Röhre mit einent dem Ausruf ,, Vlà la frousse!" ankündigen, worauf der Chineur sein fräftigen Rud heraus. Die Wärterinnen lassen dich endlich los, Bündel aufrafft und das Weite sucht, um manchmal erst nach einer und du bleibst schwer almend, zitternd, erschöpft zurück. Ich habe Weile zurückzukehren und das Geld für die unter das Publikum ver- hier die Zwangsernährung durch die Nase beschrieben; die gleiche teilten Artifel einzufassieren. Prozedur durch den Mund ist noch schmerzhafter. Und all das geschiebt, um ein Leben zu retten". Welche Heuchelei. Man tötet uns langsam, indem man uns das Leben rettet"."
Der postijateur steht in der Hierarchie der Camelots an erster Stelle. Er besitzt einen behördlichen Erlaubnisschein, daß er fein Podium an irgendeiner Straßenede aufschlagen darf, oder er mietet auch für den Tag irgendeine leerstehende Boutite. Was er verfauft, find in tollstem Stunterbunt Waren, die von Zwangs versteigerungen stammen, die saisiewarrants" der Zollbehörde und dergleichen mehr. Ein Ausrufer ist an der Tür postiert, der die Neugierigen in den Laden lodt, und der Verkauf beginnt. Unnötig ist zu sagen, daß es hier, besonders in den Arbeitervierteln, sehr lustig zugeht, daß man da den Pariser Bolfshumor in seiner ursprünglichen Art sozusagen an der Quelle studieren kann, und daß sich der..postijateur täglich feine 50 bis 100 Franks verdienen kann. Er ist natür lich auch der Mieter der Kleinen Holzbaraden, die zu Weihnachten and Dstern etwa zehn Tage lang auf allen Boulevards aneinander gereiht sind und deren Zahl von der Präfeftur auf 3200 festgesetzt ist. Am Neujahrstag ist übrigens jedem Camelot gestattet, sich längs der Quais, Brückengeländer, in den Häuserwinkeln usw. zu etablieren, und wenn man noch dazu etliche hundert Schießbuden, ebenso viel Zuckerwarenverkäufer und fünfzig Photographen rechnet, so kann man sich leicht eine Vorstellung machen, welch' reiche Abwechselung da die ohnehin belebten Straßen bieten.
Geschichtliches.
Dr. Georg Schuster veröffentlichten Werkes über die Geschichte des Der Kämmerer Rig. Als Fortsetzung des von Archivrat preußischen Hofes, tritt jetzt eine Darstellung des Hofes der Könige Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. aus der Feder von Dr. Erich Bleich ans Licht, in der neben den literarischen Quellen auch die Archive reichlich benutzt worden sind. Intimes aus dem Leben des preußischen Hofes daraus. Besonders Man erfährt allerlei über die merkwürdige Rolle, die der Kämmerer Rig unter Friedrich Wilhelm II. spielte, erfährt man manches Neue. fönig batte ihm bekanntlich seine Mätresse Enfe, die spätere Gräfin Der dicke LasterLichtenau, antrauen lassen, um sie um so ungestörter bei sich behalten zu können. In dem ersten Etat des neuen Königs, der sogleich die Gehälter sehr erhöhte, figuriert der geheime Kämmerer" Rig bereits mit 1000 Talern Gehalt.
Stammerdiener geworden; bei der Thronbesteigung Friedrich Nih war aus einem Gärtnerburschen( oder Kutscher?) zum Einige Worte sollen auch dem Epielzeugverkäufer gewidmet Schatulle auf. Wilhelms rückte er zum Tresorier, zum Verwalter der königlichen werden, der vor den Caféterrassen mit dem jeweiligen aktuellen Gelder an, und wie das fönigliche Vertrauen ihn bei der VerAls solcher wies er im Auftrage des Königs „ eri" aufwartet. Vor einigen Jahren noch famen all diese oft wendung der Geldmittel zu Nate zog, so gewann er überhaupt den ingeniösen Neuigkeiten aus Deutschland ; aber dieser Import war größten Emfluß auf den König. Eine stattliche Reihe von Briefen dem früheren Polizeipräfeften Lépine ein Dorn im Auge und er rief und fürzeren Schreiben aus Riz' Feder ordnet die Verhältnisse beim den fog.„ concours Lépine" ins Leben, eine Art von Jahresausstellung Theater und bei der Oper, sofern es dem König darauf einzuwirken der Pariser Heimarbeiter auf diesem Gebiet, die sich in einem Syndikat beliebt. Nik trifft ebenso gut die Vorbereitungen für ein Diner, vereinigt hatten und deren Kataloge jedesmal beinahe ein halbes wie er Bücher bestellt, die der Monarch zu lesen wünscht. Der König Tausend der verschiedensten Jurartikel aufwiesen. Natürlich haben macht ihn zum Vertrauten in Dingen der sozialen Fürsorge, in betreff die Camelots auch ihren König", wie dies mun einmal im republi- deren man dahin wirken müsse, daß es in Berlin nicht teurer werde, fanischen Frankreich nicht anders ist. Auf Napoleon Hayard , der und Rig darf auf tal. Befehl vier Haufen Holz fordern, ohne an nach einem abenteuerlichen Leben in der Rue du Croissant ein Ber- zuzeigen für wen. Vicle, die beim Könige am besten durch Für Tagsgeschäft für aktuelle Chansons begründet hatte, das ihn zum Sprache auf indireftem Wege etwas zu erreichen hoffen, wenden sich reichen Mann machte, folgte Buisson, der noch beute lebt und als an feinen Geheimen Kämmerer.... Ein Sefondeleutnant int postijateur" auf den Jahrmärkten nie anders als in Frad und Regiment Stronpring hofft, Rig werde nicht zulassen, daß der Fähnrich Bylinder operiert". Er ist als Possenreißer und Improvisator un von Klyg des Regiments Herzog von Braunschweig ihnen, nämlich übertroffen und seine Rednergabe, fein„ bagout" ist von solcher ihm und den sechs anderen Sefondeleutnants, vorgesetzt werde. Komik, daß er sehr oft als Attraktion zu den Soireen engagiert Bettfober, Professor an der Akademie, wird. will eine von ihm gefertigte Büste des Königs übersenden und rechnet auf Unterstützung; er sei bier Jahre ohne Eriverb. Bierstedt, ein ehemaliger föniglicher Diener, bittet, dahin zu wirken, daß ihm seine Pension, die er seit sechs Monaten nicht bekommen, ausgezahlt werde; er unterzeichnet sich dreist genug als ergebenster Freund und Diener". Selbst ein Bischoffwerder, der doch gewiß das Ohr feines Königs besaß, wendet sich in schmeichelhaften Wendungen an seinen teuren oder gar sehr teuren Freund Rig, wenn es gilt, einmal materielle Vorteile 31 erringen, etwa die fönigliche Unterstügung bei dem Ankauf eines Gutes zu erlangen; ja, auch die Gattin Die zwangsweise Ernährung wird ivenigstens zweimal täg des mächtigen Generaladjutanten ergreift dann die Feder, um Nizz' lich im Holloway- Gefängnis ausgeübt. Ich selbst habe diese ent- Hilfe zu erlangen. Und wie Bischofswerder auch um kleineres sebliche Qual erduldet und ich bitte die, die an die Macht des bittet, z. B. um ein Opernbillett für seine Frau, so bittet die Fran Gebetes glauben, jeden Tag um 10 und um 5 Uhr zu beten, für ihren Mann um Verlängerung des Urlaubs und ist gewiß, daß daß die gefangenen Frauen bald von diesem Uebel erlöst werden, Rig, wenn er ihr willfahren wolle, ihren Wunsch auch werde und daß unser Volk dereinst Verzeihung erhalte jür das große erfüllen können. Endlich trägt man tein Bedenken, von dem Manne, Verbrechen, das es begeht, indem es dieses varbarische und ent- den man so vielfältig anging, auch ansehnliche Geschenke entgegen febliche Strafgericht an Frauen vollzieht. Einige Leute behaupten, zunehmen. baß die Opfer der Zwangsernährung weniger leiden würden, Der Kämmerer Riß, der seinen Namen für die fgl. Buhlerei wenn sie sich weniger wehrten. Das ist ungefähr so, wie wenu hergab, war so eine entscheidende Größe im preußischen Staatseinem geraten wird, nicht mit der Wimper zu zuen, wenn einem wefen. Berantw. Nedakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.
Kleines Feuilleton.
Die Qualen der Zwangsernährung. Die durch ihr Attentat gegen die Venus des Velasquez bekannt gewordene Suffragette Mary Richardson ist auch als Schriftstellerin aufgetreten. Sie schildert in der Zeitschrift„ Die Suffragette" die Qualen der Zwangsernährung, die sie früher bereits selbst erduldet hat.
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