Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 148.
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Jus und Recht.
Dienstag, den 4. August.
Roman von Fred B. Hardt.
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Mynherr ter Linden lachte hohnvoll auf. ,, Ein Mißgriff der Staatsanwaltschaft,-fuhr Justizrat Losso fort, der die Unterbrechung durch Mynherr ter Linden überhören wollte. Der Untersuchungsrichter hat mit der Verhaftung nichts zu tun. Er hat sie abgelehnt. Sie ist erst im Beschwerdeweg durch die Oberstaatsanwaltschaft angeordnet worden. Ich kann mich des peinlichen Eindrucks nicht erwehren, daß die Staatsanwaltschaft in diesem Falle mit einer Rigorosität vorgeht, die außerhalb der in Frage stehenden Beschuldigungen liegt. Ich habe heute morgen so manches gehört, auch von Kollegen Dr. Renker die unliebsame Duellgeschichte erfahren, und ich fühle aus allem eine gewisse Animosität gegen Dr. Werner heraus."
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1914
andern Falle, wenn der Kollusionsverdacht vorliegt, kann eine Haftentlassung gegen Raution nicht erfolgen, denn der wieder auf freiem Fuß Befindliche kann nicht so überwacht werden, daß der Verdacht, er werde Zeugen beeinflussen usw., ganz ausgeschlossen bleibt."
Well, I understand perfectly, but..."( sch verstehe sehr wohl, aber...) unterbrach Mynheer ter Linden un geduldig.
daß die Verhaftung wegen Kollusionsverdachtes nur dann vor,, Bitte einen Augenblick noch Geduld. Ich sagte soeben, gesehen ist, wenn der Angeschuldigte irgend etwas schon getan hat, das diesen Verdacht begründet. Nicht nur, wie beint Fluchtverdacht, der Verdacht im allgemeinen vorliegt. Nun hat Rollege Werner, als ihm die erste Mitteilung von Dr. Friedolin gemacht wurde, daß Frau Blinker- Crighton von Getäuschtsein spräche, dieser geschrieben, sein Verwundern ausgesprochen, daß sie nachträglich von Getäuschtsein rede. Und dieser Brief hat zur Verhaftung geführt."
Mynheer ter Linden schüttelte den Kopf. Ich verstehe gar nichts."
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,, Unbedingt, Herr Justizrat," sagte Karl Henkel lebhaft, der sich im Sessel aufrichtete ,, nein, nein, lieber Herr Kommerzienrat, es ist so," wehrte er ab. Mein Freund Pardon, noch einen Augenblick der Durchschlag ist eine impulsive Natur, durchaus impulsiv. Und es kommen, dieses Briefes, der ungefähr acht Wochen zurückliegt, war den scheint so, öfter derartige, wie Sie sagen, Mißgriffe der Sandakten von Kollegen Werner eingeheftet, und die StaatsStaatsanwaltschaft vor, und Dr. Werner ist als Verteidiger anwaltschaft, die die Akten vom Untersuchungsrichter einsehr oft mit der Staatsanwaltschaft zusammengeprallt. Sogefordert hatte, nach dessen Ablehnung der Verhaftung, stützte hat sich eine gewisse Gereiztheit gegen ihn verdichtet, die sich die Beschwerde dagegen und den neuerlichen Antrag auf Verbisher in Kleinlichen Schikanen bemerkbar machte. Frank hat haftung gerade auf diesen Brief, in dem sie den Versuch, die mir öfter davon erzählt. Manchmal hat er sich darüber Beugin, die Mrs. Blinker- Crighton, zu beeinflussen erblickte. geärgert, manchmal herzlich gelacht." Trotzdem inzwischen diese Zeugin den zweiten Brief an die Staatsanwaltschaft geschrieben hatte, in dem sie mit ihren Anschuldigungen deutlicher wurde.
Leider," fiel der Kommerzienrat ein.
Gut, leider, aber wohl nur zu seinem eigenen Leidwesen. Jeder nach seinem Temperament." Karl Henkel sagte das scharf, unwillig.
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" Ich danke Ihnen, Herr Henkel, für diesen Wink, der sich vollständig zu dem fügt, was ich von anderer Seite gehört habe. Ich möchte sagen," der Justizrat wandte sich jetzt direkt zu Kommerzienrat van Bosch, daß eben dieses Temperament unseres Freundes, gestatten Sie mir, daß ich mich auch so nenne ihm zur Ehre gereiche. Er ist noch jung, vor allem jung in seinem Beruf, und die weise Mäßigung, die sich erst durch lange Jahre der Braris ergibt, die konnte er noch nicht haben. Aber ohne Idealismus, ohne frischen Wagemut, fann fein Verteidiger Segensreiches leisten. Und ein temperamentvoller Verteidiger muß mit der Staatsanwaltschaft zusammengeraten, das ist unvermeidlich."
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Justizrat Losso hatte diese Worte mit Wärme gesagt. Kann denn Dr. Werner nicht wenigstens gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt werden," fragte Kommerzienrat van Bosch. Seine schöne Braris geht inzwischen zugrunde. Und wenn er nicht genügend flüssige Gelder zur Verfügung hat, so könnten wir jede Summe für ihn hinterlegen. Jede Summe,"- wiederholte der Kommerzienrat van Bosch. Er hatte das Bedürfnis, zu zeigen, daß er an freundschaftlichen Gefühlen für Frank Werner nicht zurückstehen wollte. Beider nicht. Die Verhaftung ist wegen Kollusionsberdacht erfolgt. Ich weiß nicht, ob die Herren mich ganz Ich weiß nicht, ob die Herren mich ganz verstehen?" ,, Bitte, Mister Losso" unterbrach Mynheer ter Linden, und es waren die ersten Worte, die er sagte, wollen Sie diesen Punkt so eingehend wie möglich erklären, denn ich verstehe von Juristerei nicht viel," setzte er grimmig hinzu. Ich will aber klar sehen, ganz klar, Mr. Losso."
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Das ist ja wahnsinnig," plaßte Karl Henkel heraus, heller Wahnsinn!"
,, It is shameless, shameless!"( Es ist unverschämt) rief Mynheer ter Linden, er war ganz rot im Gesicht gewor den, sein weißer Backenbart zitterte. Das ist infam!"
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Ich muß gestehen,"- lenkte Kommerzienrat van Bosch ein, der das heftige Wesen seines Vetters fürchtete, aber selbst sehr ernst geworden war das verstehe ich nicht. Ich bitte Sie, iemand beschuldigt mich einer abscheulichen Handlung, ich erfahre davon, seze den Menschen zur Rede, meinetwegen auch schriftlich, und rufe ihm ein wichtiges Gespräch in die Erinnerung, das seine Behauptung widerlegt. Ich tue also etwas, was ich mir schuldig bin, denn sonst würde ich den erhobenen Vorwurf auf mir sißen lassen. Und das benutt man dann gegen mich und spricht von Zeugenbeeinflussung -nein, das verstehe ich durchaus nicht.. Seine Stimme war betrübt und unwillig. Aber ist denn dagegen gar nichts zu machen?" ,, Gibt es dagegen keine Beschwerde," fragte Karl Henkel. ,, Doch, die Beschwerde an die erste Kammer. Das hat natürlich Dr. Werner sofort getan. Die Beschwerde ist aber leider abgelehnt worden und die Verhaftung wird unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Die Kammer hat es sich sehr bequem gemacht. Ohne Berücksichtigung des konfreten Falles entschieden, daß der Brief, den Kollege Werner geschrieben hat, an sich geeignet sei, den Verdacht zu begrinden, daß er Zeugen zu seinen Gunsten beeinflussen wolle. und mit dieser, ich muß wohl sagen- kläglich formalistischen Begründung die Beschwerde abgewiesen."
Es war, als ob das Wort formalistisch" der zündende Funke wäre, um den Ingrimm ter Lindens zum Ausbruch zu bringen.
" Ich werde mich bemühen, auch einem Laien, wie Sie sich wohl selbst bezeichnen wollen, die Sache klar zu legen," entgegnete Justizrat Losso mit einem feinen Lächeln um die" Formalistisch! Ja, da haben Sie das richtige Work Mundwinkel. Die Strafprozeßordnung schreibt eine Ver- gesagt, Mr. Losso! Formalistisch und spißfindig! Ganz gleich, haftung vor, wenn ohne diese die Durchführung des Straf- ob darüber ein Mensch zugrunde geht. Von commensens verfahrens unmöglich gemacht oder erschwert würde. Das ist( gesundem Menschenverstand) keine Spur! Und das nennen der allgemeine Grundgedanke. Die Verhaftung ist zulässig, Sie Kultur!" Er rief diese Worte heftig Karl Henkel ,, Das ist Ihre wenn der Verdacht vorliegt, daß der Angeschuldigte flüchtig und dem Kommerzienrat van Bosch zu.- wird, der sogenannte Fluchtverdacht oder wenn er neudeutsche Kultur, die Sie so laut hinaustrompeten. Das irgend etwas unternommen hat, aus dem man seine Absicht, ist Ihr gepriesenes Greater Germany( größere Deutschland ). Beugen zu seinen Gunsten zu beeinflussen oder Beweismittel Was nüßen Ihnen Ihre Kanonen, Ihre Großbanken, wenn dem Gericht zu entziehen, annehmen kann der sogenannte solche Dinge geschehen können. Wo bleibt da die persönliche Kollusionsverdacht. In ersteren Falle kann der Verhaftete Sicherheit des Einzelnen! Wo der Respekt vor der Unantast gegen Raution wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Im barkeit des Staatsbürgers, die die Grundlage einer wahr<