Br. 26.- 1915. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Sota, 31. Januar.

Im Postamt der Kriegsgefangenen. lejerlichten Adreſſen. So find z. B. Dugende von Briefen aus übertragen. Aber auch das ist genug, um die bekannten entich­

Wie viele Gedanken und Hoffnungen deutscher Herzen, die um ihre friegsgefangenen Lieben in Sorge sind, schweifen jest nach dem großen Austauschpostamt in Bern , wo täglich durchschnitt lich 160 000 Postsachen von Kriegsgefangenen einlaufen, um von dort in die feindlichen Länder weiterbefördert zu werden! Das neutrale Bern ist so zum Bindeglied geworden für alle durch die rauhe Hand des Krieges Getrennten, und ein Blick in den riefen­haften Postbetrieb, der sich hier entfaltet, eröffnet zugleich eine Ahnung von unzähligen rührenden und traurigen Schidjalen, die mit diesen Postsendungen verknüpft sind. Der Berichterstatter Ernst Smith, der jüngst die seltene Gelegenheit fand, diese Zentrale zu besuchen, erzählt von der Unmenge schwarzumränderter Kuverts, die hier durch die Hände der Postbeamten gehen.

berfügen, leisten geradezu Wunder in der Entzifferung der unt Von dem Sprengstoffe werden etwa 50 Proz. auf das Geschoß Frankreich nach Sibirien " adreffiert. Die Beamten wissen schon, lichen Zerstörungen anzurichten. Eine Gewehrkugel bekommt allein daß das Schlesien " heißen foll. Das französische Silésie" flingt ihon rund 400 Meterkilogramm mit auf den Weg, die genügen, leicht wie das bekanntere" Sibérie". Im Monat Dezember wurden in der Nähe Eisenplatten von Zentimeterstärke zu durchschlagen. in Bern 2 158 240 Briefe und Postkarten und 68 321 Batete Man versteht unter einem Metertilogramm( mkg) diejenige Arbeits­an französische Kriegsgefangene in Deutschland und 1871 708 leistung, die dazu gehört, um ein Kilogramm einen Meter hoch zu Briefe und Postkarten und 50 868 Pakete an deutsche Kriegs- heben. Bei den Artilleriegeschossen steigert sich diese Leistung ins gefangene in Frankreich befördert. Die Zahl der Sendungen Gigantische. Uniere modernsten größten Schiffsgeschüße von wächst immer mehr. Die durchschnittliche Ziffer von Bostsendungen, 40,5 Zentimeter Kaliber übertragen auf das Geschoß eine Leistung die die Berner Gefangenenpost passieren, belief sich im Januar von über 41 Millionen Meterkilogramm! Wenn ein mit 70 kilo­auf 160 000 Briefe und Karten."

Kleines Feuilleton.

Das Erlebnis des Krieges.

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Es sei nur

Notizen. Theater chronit. Else Lehmann tritt vom März an in

meter Stundengeschwindigkeit dabinbrausender D- Bug plötzlich zum Stehen fommt, z. B. durch einen Zusammenstoß, so malt sich jeder­mann lebhaft aus, was davon übrig bleibt. Aber die ihm inne­wohnende Bucht ist doch nur den dritten Teil so groß, wie die des größten deutschen Schiffsgeichoisies! Würde man einen vollbesetzten Die schweizerische Regierung hat die fostenlose Beranitflung Berliner Automobilomnibus 4000 Meter hoch schleudern, so brauchte von Nachrichten, die Kriegsgefangene an ihre Angehörigen oder man dazu dieselbe Energie, wie sie unser Schiffsgeschoß beim Aus­umgekehrt geben wollen, bereits kurz nach Ausbruch des Krieges übernommen. Es ist nicht allzuviel, was der Krieg bisher an literarischen tritt aus der Geschüßmündung hat. So wird es llar, daß dieses Geschoßz der leberweisung von Geld an die Gefangenen. In Deutschland Broja ſeit dem Lage der Mobilmachung betrieben wird. Schließ zu durchschlagen vermag. Gine besondere Abteilung beschäftigt sich nur mit Dauerierten gezeitigt hat, trog aller Gildichteret, die in Bers und eine vor die Mündung gehaltene Panzerplatte von Meter Dice sowohl wie in Frankreich müssen Bostanweisungen von ganz be- fich fragt man bei Produkten, die, aus dem Tage geboren, in die namentlich hier in Berlin eine weitgehende Ausbildung erfahren Ein anderes interessantes Kapitel ist die Geschoßphotographic, stimmter Größe und Färbung für die Geldsendungen an Ge- die Stimmung des Tages hineinwirken sollen, ja auch nicht jo fangene verwandt werden; sic sind an die Durchgangspost" in Bern zu adressieren, Hier werden sie durch eine Schweizer Post- peinlich nach dem ästhetischen Ausweis. Man sagt sich ein Er- hat. Mit Hilfe des elektrischen Funkens ist man imstande, haar­von anipeisung auf gelbem Papier ersetzt, auf die hin dann in Deutsch von heute auf morgen nicht fünstlerisch bewältigen; läßt es fich beleuchtet sie durch elektrische Funken, die so furze Dauer haben, von heute auf morgen nicht fünstlerisch bewältigen; läßt es sich scharfe Momentbilder von fliegenden Geschossen herzustellen. Man land oder Frankreich die Auszahlung erfolgt. Nicht weniger als 40 weibliche Boſtbeamte sind eifrig damit beschäftigt, die Einzel- menschlich doch nicht mal so schnell verarbeiten. Und auf unit baß während dieser Zeit selbst das schnellfliegende Geschoß ſtilzu­heiten er französischen oder deutschen Anweisungen auf die macherei kommt es ja auch niemals weniger an als heute. Und stehen scheint. Eine solche Aufnahme führte der Vortragende im Ent- örial Schweizer Formulare zu übertragen, und während die Anweisungen doch freut man sich, wenn einem unter den unzähligen Ent- Hörial mit einem Teiching aus, so daß man am Schluſſe des Vortrages häufig unit einer Verspätung von 12-15 Tagen von der ursprüng- Augenblick hinaus schön bleibt. Die reinste Freude aber hatte man stellen; fie ergab sich zu 100 Meter in der Sekunde. gleisungen aus Versfüßen ein Gedicht begegnet, das über den die Aufnahme betrachten konnte. Diefer Versuch ließ die Zuhörer die Geschwindigkeit des Tefchinggeschosses selbst ziemlich genau fest­liche Aufgabestelle nach dem Berner Bureau gelangen, erleiden bisher an den Berichten einiger Kriegsteilnehmer. In Feldpost: erivähnt, daß die Probleme des Luftwviderstandes namentlich bei der fie dort keine Verzögerung, die drei Tage übersteigen würde. Neugierig sah ich einen Haufen deutscher und französischer Schlacht bei Büttich( in der Neuen Rundschau"), unter der Bucht Besprechung der Geschoßbahnen erörtert wurden, daß die Schall­briefen gelangen selbst Unzünftigen, wie dem Schilderer der Anweisungen durch," berichtet Smith. geringe Beträge von 1 M. oder 50 Centimes, aber die durch blassen, und die vielen Literaten so nie und nimmer gelingen. Die Kinematographie besprochen und an der Hand vieler Versuche und congan der Eindrüde Worte von epischer Gestaltungstraft, die nicht ber erscheinungen, die Luftbewegungen und die Geschoßphotographie und schnittliche Summe, die an die Gefangenen gesandt wird, beläuft schönste Darstellung des Krieges aber gab bisher Wilhelm Zidtbilder in der anregendsten und fesselndſten Weiſe demonstriert fich auf 3 M. oder 5 Fr. Vom 1. September bis zum Ende des Mie net in seinem Büchlein: Am Feinde. Der August wurden. Der Bortrag wird hoffentlich recht oft wiederholt werden. Jahres 1914 hat die Berner Durchgangspost 221 687 Postanwei fungen im Werte von 3576 756 Fr. befördert, die an französische Mießner in seinem Büchlein: Am Feinde. Der August feldzug in Ostpreußen. "( Eugen Salzer , Heilbronn .) Gefangene nach Deutschland geschickt wurden, und 61 045 An- Theaters, aber ein durchaus feiner, künstlerischer Geist, wie sein weisungen im Werte von 1115 614 Fr., die an deutsche Gefangene Roman " Der Mann im Spiegel" bezeugt. nach Frankreich gingen. Seit dem 1. Dezember besteht eine ganz Als der Krieg ausbrach, zog Miegner mit ins Feld, und in gleiche Organisation, die die Vermittlung von Geld an die ruſſi ſeinem Büchlein berichtet er, was er dort gesehen. Er hat den den Berband der 3 of 8 bühnen( Theater am Bülowplay) ein. schen Gefangenen in Desterreich- Ungarn und an die österreichisch- Strieg gesehen; das furchtbar Ungeheure. Als Stünstler hat er ihn Im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater gelangt ungarischen Gefangenen in Rußland in die Wege leitet. Da die gesehen und als Mensch hat er ihn erlebt. Er hat das Chaos Freitag Figaros Hochzeit von Mozart zur Aufführung.- Im schweizerische Bostanweisung wieder nach Bern zurückommen muß zur Feststellung der Summe, die an die Gefangenen des be- erlebt, die hereinbrechende Sintflut, und den Geist, der ihm ent- leinen Theater findet am 5. Febr. die Erstaufführung von treffenden Landes ausgezahlt worden ist, jo wird sie zugleich zu fittlicher Straft und stillem, hingebungsvollem Heldentume wird das zur Seit des Wiener Stongreffes ſpielt. gegentritt, den großen Geist der Ordnung, der in Seelen zu Eduard von Bauernfelds Lustspiel Der fategorische Imperativ" statt, einem wertvollen Dokument über das Schicksal der Gefangenen. Sier gibt es kaum das Heldentum des einzelnen. Das ist das Vorträge. Im Institut für Meereskunde Schon oft haben dieje Postanweisungen dazu gedient, um Auskunft undervolle an Mießners Büchlein: die geistige Durchbringung, Stellung bes fpricht Dienstag, den 2. Februar, Prof. A. Merz über: Die Darüber zu geben, ob ein Vermißter noch am Leben ist. Die andere die große Auffassung des Geschehens, die Hand in hand geht öfter, Freitag, den 5. Febr., Dr. H. Behrens über: Küsten Mittelmeeres im Sampf der Abteilung des Austauschpostamts, die die Expedition von Briefen, mit einer Darstellung von fünstlerischer Schönheit. Er gibt als Landesgrenzen, Sonnabend, den 6. Febr., Physiker Bostkarten und fleinen Pateten an die Striegsgefangenen über Bilder, die ergreifen und erschüttern. Der Marsch des schlafe. Baud über: untentelegraphic im Land-, Luft­nimmt, ist nicht weniger interessant. Diese Arbeit wird ebenfalls wandelnden Heeres; die Loslösung vom Feinde; der Zug der Tostenlos von der Schweizer Militärpost geleistet, die von besonders Soldaten und der Flüchtlinge auf den Landstraßen; die Armeen und Seekrieg. Sprachkundigen Sortierern unterstützt wird." von Vich, die in wilder Haft ins Land hineinjagen; die Schilderung Weder die deutschen noch die franzöſiſchen Postbehörden der Schlacht: das alles ist unendlich schön und tief ergreifend zu: fortieren die Korrespondenz der Kriegsgefangenen mit ihren An- gleich. Aber aus Bildern wird das Bild des Krieges. Man erlebt gehörigen. Wenn der Brief von einem Kriegsgefangenen kommt, Episoden; aber in den Episoden erlebt man das Ganze, wie eine fo erhält er nur von der Zenjur einen Stempel mit dem Wort Künstlerpersönlichkeit von geistiger und menschlicher Qualität es Geprüft." Täglich fkommen nun etwa 120 Säde mit unsortierten gesehen hat. Briefen, die in Frankfurt am Main und in Pontalier gesammelt werden, auf dem Durchgangspostamt in Bern an. An dem Tage, wo ich die Post besuchte, waren besonders viele und schwere französische Säde da, die alle das Datum von Neujahr trugen Zu Millionen sawirren jest Gefchofie durch die Luft und jedes und den französischen Kriegsgefangenen in Deutschland Grüße davon tönnte die Quelle reichster naturwissenschaftlicher Belehrung und gute Wünsche übermitteln sollten. All diese Briefe werden fein. Aber die Männer draußen im Felbe baben feine Rube und in Bern sofort fortiert und in Bafete verpackt, die alle Schreiben feine Gelegenheit, sich über diese Dinge die erwünschte Selarbeit zu an ein und dasselbe Gefangenenlager oder Lazarett enthalten, verschaffen und die Daheimgebliebenen haben diese Gelegenheit erst oder die Briefe werden nach Städten geordnet, in denen die Ange recht nicht. Die Vorgänge an einer fliegenden Kugel aber gehören hörigen der Gefangenen laut Adresse wohnen. Die wenigen, die zu den interessantesten aus der ganzen Phyfit, und vollstümliche Er übrig bleiben, haben allen Versuchen der Entzifferung widerstanden örterungen darüber sollte niemand verfäumen, befonders, wenn fie und müssen als unbestellbar zurückbehalten werden. Von den mit so ausgezeichneten Demonstrationen ausgestattet sind, wie fie Schwierigkeiten der Lesung, die häufig vorhanden sind, wußte der Professor Donath am Donnerstag in der Urania " vorführte. Der Direttor Brenh viel zu erzählen. Die Leute haben nicht selten Vortragende erläuterte die Erscheinungen an fliegenden Geschoffen nur mündlich den Ort erfahren, in dem ihre Angehörigen sich als von vielen Gesichtspunkten, denen hier zu folgen ebenfo intereffant Gefangene befinden, und sie schreiben ihn nun, wie sie ihn nach der wie ausgedehnt wäre. Es seien daher nur wenige Bunfte fura er Aussprache verstanden haben. Da gibt es viel zu raten; aber die wähnt, z. B. das, was über die mechanische Arbeitsleistung von Ge­Beamten, die über vorzügliche Sprachkenntnisse und große Uebung schüßen und Geschossen zu sagen ist.

T

26]

Ueberfluß.

Von der fliegenden Kugel.

P. S.

ftern und der Nase passen! Aber, mein Lieber, was fehlt denn der Nase? Sie ist ja ganz blau. Du solltest nicht so zornig werden, Herzenspeterchen, Deine Nase verliert ihre schöne rote Farbe!"

Er sah sie schmerzlich an.

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Dic 2essing Sochschule versendet soeben ihr neues Berzeichnis, das für februar wieder eine Reihe neuer Vortrags­Byklen ankündigt. Das Programm wird fostenfrei versandt durch Die Leitung: Berlin C. 2, Kaiser- Wilhelm- Straße 62. bessonfettionär" entnehmen, find bisher nicht weniger als 75 Privat­75 Privatlazarettzüge! Wie wir einer Mitteilung Lasarettzüge geftiftet worden. Ein Lazarettzug tostet durchschnittlich 80 000-100 000 m. Die meisten Lazarettzüge hat das Rote Kreuz in den verschiedensten Organisationen gestiftet, und zwar nicht weniger als 45 Züge. Es ist auf diese Weise erreicht worden, daß. mie das preußische Kriegsministerium mitteilt, der Bedarf an Lazarett­zügen zur Zeit gedeckt ist, so daß neue Züge vorläufig nicht mehr aufgestellt werden.

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- Die Launen der Geschosse. Unter den vielen Merk­würdigkeiten, die während des Krieges bereits von Geschoßwirkungen berichtet worden sind, verdient die folgende, von der italienische Blätter erzählen, besondere Erwähnung. In Arras fiel während einer Befchießung eine Granate auf ein Privatgrundstück, das an die Provinzialstraße angrenzt, höhlte hier ein tiefes Loch in die Erde um einen großen Baum, hob dann durch die Gewalt ihrer Spreng­wirtung den Baum mit allen Wurzeln aus dem Boden und schleuderte ihn über die Umfassungsmauer, die eine Höhe von etwa 4 Meter hatte. Der ganze Baum wurde so etwas gewaltsam ans bem Garten auf die Landstraße berpflanzt".

der ganzen Stadt sollst Du lächerlich gemacht werden. Denn die Leute werden trotzdem auf Dich mit Fingern zeigen: Scht, da geht der Mann, dessen Frau ihre Zuflucht zu den Hafenarbeitern nehmen muß- Nem, nein, mach Dir nichts aus all den Schlechtigkeiten, die ich sage. Gib mir nur meine Freiheit! Du sollst gar nichts für mich zu bezahlen brauchen. Und wenn Du obendrein sagen kannst, Du hättest mich beim Ehebruch ertappt..."

Einen Augenblid leuchtete sein Gesicht:" Verlangst Du wirklich gar nichts?"

Von Martin Andersen Ncr ö. ,, Natürlich, wenn ein junges Mädchen zum Stelldichein geht und schlecht gelaunt ist, weil ihr Geliebter eine Flasche" Ja, gewiß, es ist efelhaft, es ist widerwärtig!" schrie in der Tasche hat und zwischendurch mal einen Schlud nimmt, fie. Aber Du kannst mich ja freigeben. Warum gibst Du dann ist sie hysterisch. Aber warum hast Du mich denn da- mich nicht frei? Ich hatte mich so ganz an Dich geschmiegt, mals nicht so genannt? Warum sagtest Du im Gegenteil, und ich war jung und hübsch, und doch konnte ich mit einer ich sei Dein guter Geist und solle Dir über solche schlechte Branntweinflasche nicht wetteifern. Aber nun will ich meine Neigung hinweghelfen? Jetzt bin ich hysterisch, das weiß ich Freiheit haben. Ich will, hörst Du! Ich will versuchen ob Aber sie fing den Glanz auf und wurde flammendrot recht gut und das ist Deine Schuld. Damals aber war ich einen Mann treffe, der alles um meinetwillen vergessen vor Zorn: ich es nicht. Doch ich war so verschroben, daß ich daran fann bloß einen Tag, bloß eine Stunde. Lache nicht, denn Doch, ich verlange anderthalb Tausend im Jahr," jagte glaubte, Dein guter Geist sein und Dich retten zu sollen. es ist möglich. Das zwanzigjährige Zusammenleben mit Dir D, wie einfältig war ich doch, daß ich nicht fah, was Dich zu hat mich nicht wählerisch gemacht. Und Du kannst sie mit schadenfrohem Lachen, anderthalb Tausend, Du! Und mir zog. Ich war Dein guter Geist, jawohl, denn ich hatte nicht mit mir leben, Du mußt mich freigeben, hörst Du, hörst bann verlange id), daß Du hin und wieder die Nacht bei mir zwanzigtausend; und die seztest Du in Gedanken in Alkohol Du! Ich bin Dir untreu gewesen!" verbringst mit einer gefüllten Branntweinflasche zwischen um und wurdest so zärtlich- ach, so zärtlich... Erinnerst Du lügst!" rief er und recte sich selbstbewußt auf. Seine uns, wie in unserer Jugend. Selbst wenn wir voneinander­Du Dich an unser Beisammensein im Walde? Da wußte ich Gestalt schien zu wachsen, bürgerliche Rechtschaffenheit leuchtete sehen müssen, wollen wir doch unseren schönsten Erinnerungen noch nicht, was für ein Subjekt Du warst, und war so lieb aus seinen Mienen. nicht untreu werden, nicht wahr, mein liebes Peterchen?" zu Dir. Wir hatten einander all unsere Liebe für diesen Ach, Du bist Deiner Sache so sicher, Thrann! Wie Sie hatte ihn angefaßt und begann, ihn zu liebfosen. Aber er riß sich los und floh mit verzweifeltem Kopf­Abend versprochen, und mir war zumut, wie nie zuvor oder häßlich von Dir, so sicher zu sein! Aber Du darfst es als schütteln aus der Stube. später. Ich zitterte vor Freude und Erwartung; und wenn Scheidungsgrund benußen. Sag, ich sei Dir untreu gewesen ich Angst bekam, jubelte es in mir auf vor Verlangen, Dich und Du könntest nicht mit mir zusammen leben. Zu's, froh zu machen. Und dann kamst Du und warst ganz anders, was!" Sie warf sich vor ihm nieder. als ich Dich mir vorgestellt hatte. Du hattest ja einen trode- Er wich zurück. Warum läufft Du mir nicht einfach nen Hals. Warst so seltsam zerstreut später habe ich ver- fort?" fragte er überlegen. standen, warum. Du fannst auf einen Anlaß, Dich ein wenig Sie ergriff seine Hand, flammerte sich an sie und sah ihn zu entfernen. Endlich fandest Du auch einen Grund: Du an, eindringlich, mit großen Augen: wolltest mich und unsere Liebe, den Staub auf den Schmetter- Nein, denn ich will frei von Dir sein ganz frei, Du! lingsflügeln schonen. Als Du zurüdtamst, sprachst Du so so, daß ich Dich und Deine ganze ckelhafte Rechtschaffenheit schön darüber, und Du rochest von weitem aus dem Halse. vergessen kann. Nicht das geringste will ich mehr mit Dir Aber mich und meine Liebe ließest Du im Stich, daß ich vor zu tun haben, nicht einmal auf dem Papier oder in Ge­Scham in die Erde zu finken drohte. Ach, wie hab ich Dich danken. Ach, tu es, was? Dann bist Du so groß, und ich deswegen seither gehaßt!" will Dir mein ganzes Leben lang dafür danken." Sie füßte seine Hand.

" Ja, und haft geheult darüber, daß Du Deinen schönen Vorsatz nicht durchführtest, und das Bedürfnis gehabt, Dich zu rächen, mich zu töten oder mir Hörner aufzufezen! Riebes Kind, ich kenne die ganze Leier, habe sie hundertmal gehört. Nur schade, daß Du Deinen würdigen Beschluß nicht aus geführt hast."

Sie lachte laut:

Ja, aber noch ist es nicht zu spät. Du liebst ja De­forationen. O, wie würde das Dich kleiden, wie gut würde es zu Deiner ganzen übrigen Würde, zu dem Abstinenzler­

Er entzog sich ihr mit einer Bewegung, als schüttele er etwas Beschwerliches von sich.

Aber sie sprang vor und stand ihm gegenüber, gespannt wie ein Tiger vor dem Sprunge, mit funfelnden Augen und mit Händen, die danach zitterten anzugreifen:

Du willst mich nicht lassen, weil Du dann zusammen brächest, Du Lump! Du kannst die Achtung Deiner Mit bürger nicht entbehren! Aber ich werde den Leuten etwas zu schwaßen und zu lachen geben, fannst mir's glauben. Vor

11.

Als Rast aus dem Tor des Abstinenzlerheims hinaus­trat, schlug er den Kragen über die Ohren und schlenderte verwegen und leise trällernd nach dem Hafen.

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Aber dieses Trällern konnte nicht den Ausdruc tiefer Freude sein, denn irgend etwas war es nun ein weicher Zon in der Melodie oder das flagende Kreischen des Tors, das ihm einen Augenblick wie das Schluchzen eines Kindes erschien- irgend etwas machte seine Stimme dumpf und den Blid ein wenig verschleiert. Und der traurige Silang der Stimme narrte die Gesichtsmuskeln und ließ sie vor ver­baltenen Tränen zittern.

Diese Anfälle von stillem Schluchzen waren nicht selten bei ihm; sie entstanden häufig aus ganz unbedeutenden An­lässen, und er hatte dann stets das innigste Mitleid mit sich selber.

Jekt sah er auch recht gut, wie schwierig seine Lage war. Sein Inneres war ja im Augenblid der Schauplaß eines aufreibenden Stampfes zwischen den beiden Naturen in ihm, der emporstrebenden und der gemeinen zwischen Mensch und Zier, wie er sie oft bezeichnete.

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( Forts. folgt.)