Nr. 48.- 1915.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Freitag, 26. februar.

Der Krieg in der Luft."

Auch die Taheimgebliebenen freuen sich, wenn ihnen die Zeitung eine hübsche Uebersichtskarte der Kriegsgebiete gibt. Dabei wird aber sehr häufig das Interesse in der Frage gipfeln: Wic weit ist es von diesem Orte zu jenem? Wieviel Kilometer haben unsere Braven noch zurückzulegen, bis sie da oder dort sind?

zeichnen. So lesen wir etwa: Maßstab 1: 200 000, und das heißt also, daß jede Strecke der Karte in Wirklichkeit 200 000mal so groß ist. Das Millimeter würde daher hier eine Entfernung von 200 Metern darstellen, und 5 Millimeter wären gerade 1 Kilometer. Allerdings werden dem Beschauer einer Karte derartige Rechnungen gewöhnlich nicht zugemutet. Es pflegt vielmehr meist der Maß­stab noch direkter angegeben zu sein. Er stellt sich in unserem alle etwa als eine 25 Millimeter lange Linie dar, die von 5 zu 5 Millimetern unterteilt ist und die Bezeichnungen 0, 1, 2, 8, 4, 5 Kilometer trägt.

die Niederschläge und Explofionen. Es donnert und blitt unter ihm von allen Seiten, und nicht genug damit: die Franzosen richten ihre Abwehrkanonen gegen ihn, um seine Flugmaschine zu zerstören und ihn zu töten. Ein Schrapnell nach dem andern krepiert in seiner Truppen, Batterien und Kolonnen suchen die Deckung, die das Nähe. Er ist in ungeheurer Spannung, das gestand er gern zu. Gelände bietet, nicht nur, um Bomben und Pfeilen zu entgehen, Noch war er nicht verivundet worden, aber die Flügel seines Aero- Diese Kilometerfrage, wenn wir sie so nennen dürfen, die im fondern auch und vor alleni, um ihre Stellungen und Bewegungen plans zeigten mehrere Schrapnellöcher, die mit kleinen Pflastern aus- Feld natürlich noch viel bedeutsamer ist, läßt sich jedoch nicht geheimzuhalten. Der Flieger hat verschiedene Methoden, den Seinen gebessert waren. Er hört die Maschinengewehre und die Gewehre immer leicht beantworten, und es ist recht interessant, zu prüfen, Mitteilungen zugehen zu lassen. Er gibt vermutlich teils direkte Sig- fnattern und weiß, daß sie auf ihn gerichtet sind, und daß er mit wie man denn Entfernungen auf der Karte überhaupt mißt. Alle nale, z. B. mit Flaggen oder elektrischen Lampen, deren Licht man dem Fernrohr von allen Seiten beobachtet wird. Wenn er dies civige unsere Karten müssen, auch wenn ein noch so großes Blatt zur mit dem Fernrohr von der Erde aus deutlich sehen kann. Wenn ein Donnern hört und weiß, daß er jeden Augenblick getroffen werden Verfügung steht, natürlich im sogenannten verjüngten Maßstabe Flieger Kolonnen oder Truppen am Rande eines kleinen Wäldchens und fallen kann, muß er sich zusammennehmen, um nicht seine Kalt- gezeichnet werden. Dieser ist im allgemeinen bei den Karten an liegen sicht oder sie dort vermutet, zeichnet er am Himmelsgewölbe blütigkeit zu verlieren, denn in einer solchen Situation geben auch gegeben, und es ist dies auch als durchaus wünschenswert zu be durch seinen Flug die Umrisse des fraglichen Gebietes ab, und so- die stärksten Nerven nach. fort werden Granaten dorthin geschleudert. Eine der wichtigsten Er tut seine Pflicht, er darf nicht nachgeben. Die Nerven­Aufgaben der Flieger ist es also, das Artilleriefeuer zu lenken. Wenn spannung fann er nicht überwinden, denn er ist ein Mensch. Aber eine französische Batterie sich die Aufgabe gestellt hat, eine deutsche er kehrt nicht um, bevor er seinen Auftrag ausgeführt und erfahren Batterie zu beschießen und womöglich zu zerstören, deren ungefähre hat, was er wissen will. Seine Aufmerksamkeit ist aufs höchste an­Lage dem Flieger bekannt ist, so steigt dieser in der Nähe des Ziels gespannt, er sieht und hört alles, nichts entgeht ihm. Er bemerkt auch auf und lenkt das französische Feuer. Wenn die Granaten zu kurz schon auf weite Entfernung den französischen Aeroplan, der auf ihn niedergehen, beschreibt der Flieger einen Kreis mit fleinen Durch lossteuert. Aber er ändert seinen Kurs nicht. Sie kommen sich messern. Dann wird der Abstand verlängert. Wird dieser zu groß, immer näher. Keiner denkt daran, auszuweichen. Ein Zuschauer so daß die Granate hinter das Biel fällt, dann beschreibt der Flieger muß sich sagen, sie gehen einer unvermeidlichen Katastrophe ent­einen Kreis mit großem Durchmesser. Fallen die Granaten lints gegen, sie gehen ins Berderben. Aber so weit sehen sie ihren Flug vom Ziel, dann macht er eine Schwenkung nach rechts, fallen fie rechts doch nicht fort, denn bei einem Zusammenstoß stürzen fie beide her vom Ziel, dann macht er eine Schwenkung nach lints. Auf diese unter und finden den Tod, und das betrachtet man auf beiden Seiten Weise stellt er das Feuer immer näher auf das Ziel ein und erreicht als unnütz und unpraktisch. Der eine weicht daher rechtzeitig aus. das allein durch seine Bewegungen in der Luft. Es versteht sich von Der Franzose ist oft mit einem Maschinengewehr bewaffnet, das für felbst, daß alle diese Kunstgriffe ebenso geschickt von den Deutschen seinen deutschen Kollegen bestimmt ist. Daher geht der Deutsche mit pariert werden. Merkt eine Batterie, daß ein feindlicher Flieger fie Silfe eines hastigen Griffs im rechten Augenblick entweder unter oder beobachtet und das Feuer näher tomint, dann hört sie mit Schießen über seinen Gegner hinweg. Kommt er unter ihn, so wird das auf und verändert in der Nacht ihren Standort. Maschinengewehr, das nicht nach unten schießen kann, unschädlich. Später fuhr ich mit Rittmeister von Behr auf den deutschen Steht er über seinem Gegner, dann erhält er einen Schuh durch den Flugplatz bei X., wo ſechs Gotha - Tauben mit Mercedes - Motoren in leichtgepanzerten Boden des Aeroplans. Die Hauptsache ist, daß er großen gelben Zelten standen. Der einen Taube hatten Schrapnell- nicht in derselben Ebene wie der andere bleibt. Aber es kann fein, fugeln einen Flügel durchbohrt, und der Schwanz war mit kleinen daß auch der Franzose aufsteigt, und daß cin Wettstreit entsteht, sich Lappen geflict; solche Plaster" werden fast als Medaillen für Tapfer- in der Höhe zu überbieten. Oft umtreifen sie sich lange wie ein paar feit im Felde angesehen. Je mehr Narben der Aeroplan hat, desto spielende Eintagsfliegen, nähern sich einander, trennen sich, verfolgen mehr gefahren war der Flieger ausgefekt, desto mehr hat er über und schießen, weichen aber immer einent Zusammenstoß aus. E3 dem Feuer der Feinde aufs Spiel gesezt. Ich weiß nicht, welches ist eine unbeschreibliche Spannung, und unterdes donnern unten die Gefühl am unangenehmsten ist: einen fremden Flieger gerade über Stanonen und belauern die Soldaten sich in ihren Schüßengräben. fich zu haben oder zu wissen, daß eine Ballonabwehrkanone gerade Wenn alles normal geht, fann der Flieger drei Stunden in der unter einem steht und zielt! Luft bleiben. Hat er seine Aufgabe ausgeführt, so fliegt er nach der deutschen Seite zurüd, hält den Motor an und gleitet in vier Minuten, die jedoch unendlich lang erscheinen, herab. Er geht im Gleitflug her­unter und fann imter geivissen Verhältnissen landen, ohne wieder den Motor in Gang zu sehen. Mit einem Gefühl des Behagens jetzt er die Füße wieder auf das feste Land. Wirkliche Ruhe hat er jedoch felten, denn gerade die Fliegerstationen werden von feindlichen Bombenwerfern gern aufgesucht.

"

Während wir auf dem Flugplatz waren, stiegen zwei Tauben auf. Es ist unendlich schön, ihre weichen, leichten Bewegungen zu sehen. Ehe man weiß, wie es geschieht, verlassen die feinen Räder den Erdboden, die Taube steigt langsam über das Feld empor und gleitet über die Baumivipfel dahin. Dann erhebt sie sich in Spiralen immer mehr über die Erde, und die zwei gewaltigen Eijernen Kreuze unter ihren Flügeln werden immer fleiner. Sie macht es wie die Brieftaube, die erst bis zu einer gewissen Höhe ansteigt, um einen Die französischen Flieger steigen oft ohne Beobachter auf, um orientierenden Ueberblick über das Land zu gewinnen, und dann in mehr Bomben mitnehmen zu können. Ist der Apparat mit zwei Per­gerader Linic auf ihr Ziel losschießt. Denn als unsere erste Gotha - fonen belastet, so können nur drei Bomben mitgenommen werden, Taube genügend hoch gestiegen war, ging fie aus der letzten Spirale sonst sechs oder mehr. Eine Bombe wiegt 10 Kilogramm und ist direkt nach Süden auf die französischen Stellungen zu und weit über einen halben Meter hoch. Die Treffsicherheit richtet sich nach der diese hin. Dort nuß der Beobachter, der mit Karte, Notizbuch und lebung. Die meisten Bomben richten keinen Schaden an. Am oftesten Fernrohr vorn siht, seine Beobachtungen machen und dann mit seinen werden Pferde getroffen. Als ich in Bapaume war, flog ein Flieger Berichten zurückommen, wenn er nicht während der Fahrt herunter- über ein Biwal in der Nähe. Fünf Mann hielten es für ratiam, geschossen wird. Ueber der feindlichen Stellung geht man in eine unter einem schier belasteten Bagageivagen Schuh zu suchen. Aber Höhe von 2000 oder 2500 Metern, um einigermaßen vor dem Feuer der Wagen wurde getroffen, und von den Leuten fanden sich nur von unten sicher zu sein. Aber schon 600 Meter hoch bekommen der noch Fezen vor, als Hilfe anlangte. Flieger und sein Kamerad ein Gefühl von Ruhe, das dann mit jeden weiteren hundert Metern zunimmt. Nach einer Weile stieg die zweite Taube auf und folgte der Spur der ersten.

Ein deutscher Flieger in Bapaume hat mir später mancherlei von seinen Erfahrungen erzählt. Er braucht gewöhnlich dreiviertel Stunden, unt in eine Höhe von 2000 Meterit zu gelangen, und erst wenn er so hoch gefomnten ist, fliegt er über die französischen Linien. Die Aussicht ist brillant. Er hat die Landschaft, in der der Kampf ausgefochten wird, direkt unter sich. Bei klarent, schönem Wetter sieht er alles, die marschierenden Truppen, die Munitionsfolonnen und die Trainwagen, auch wenn sie mit Laub gedeckt sind. Er sieht die Ar­tillerieſtellungen, wenn sie auch noch so gut in Hecken und Büschen versteckt sind; ja er sicht auch einzelne Reiter und Wanderer auf den Landstraßen, Aber noch anderes sieht er auf seiner luftigen Fahrt: das Feuer und die Rauchwolken aus den deutschen und französischen Kanonen, *) Aus: Hedin, Ein Bolt in Waffen. ( Brockhaus, Leipzig . Preis 1 M.)

48]

Ueberfluß.

Bon Martin Andersen Negö . Berstreut las er die Inschriften auf den Gräbern. Ich gehe heim, um mit meinen Lieben zusammen zu sein," stand auf einem Grabmal; auf einen anderen: Hier ruht ein ge­funder, braver Knabe." Er lächelte in Gedanken und er­innerte sich anderer drolliger Grabinschriften, von denen er gelesen hatte, und gleichzeitig fiel ihm ein, daß er den Kirchhof verlassen müsse, wenn er nicht durch und durch) naß werden wollte; der Nebel troff von den Zweigen und fiel in großen Tropfen auf ihn herab. Aber er blieb trotzdem fizen und ver­fudyte, eine wißige Grabschrift für sich selbst zu verfassen: " Er hatte eine ewig- mißvergnügte Weltanschauung infolge elender Verdauung.

"

-

Wie weit ist es?

Nun wird sich auch der Zaie unschwer in solch einen Maßstab hineinzufinden vermögen. Man könnte daher annehmen, daß die Frage nach Entfernungen allenthalben mittels eines Birkels schnell und sicher beantwortet werden könnte. Und doch bieten sich hier besondere Schwierigkeiten!

Wir wissen, daß die Erde eine Kugel ist, während unsere Karten ihre Gebiete stets als ebene Gebilde darstellen. Hierin liegt etwas Fehlerhaftes, was aber nicht zu vermeiden ist. Stellte unser Planet nämlich einen Kegel oder einen Zylinder dar, so würden sich die Mäntel sehr wohl zu einer Ebene auseinander­falten lassen, und man könnte das Runde als Ebenes abbilden, ohne den räumlichen Gestaltungen irgendwelche Gewalt anzutun. Dagegen ist es mathematisch unmöglich, eine Kugelfläche auf eine Ebene zu bringen, und wenn die Geographen die verschiedensten Projektionen" ersonnen haben, um das Kartennes doch auf die Blätter unseres Atlasses zu zwingen, so bedeuten sie im Grunde doch nur mehr oder weniger geschidt ersonnene Auswege. In­folgedessen wird auf einer Starte chiva das Verhältnis zwischen Zeichnung und Wirklichkeit am einen Rande nicht mit dem über­einstimmen, welches am anderen herrscht. Damit wird aber der angegebene Maßstab unsicher; er kann nur den Rang einer Durch­schnittsgröße beanspruchen.

Ueberall also, wo große Gebiete abgebildet sind, wie etipa ganze Weltteile mit den für sie notwendigen Projektionen, werden Entfernungsmessungen vielfach ungenau bleiben, wenn auch der Zeichner einen bestimmten Maßstab angegeben und damit be­hauptet hat, daß man nach einem solchen die Entfernungen be. messen dürfte. Und wenn bei Karten in der bekannten Mercator­projektion für den Gürtel zwischen 0 und 20, 20 und 40, 40 und 60, 60 und 80 Grad Breite ein besonderer Maßstab angegeben ist, so bedeutet dies wohl ein gewisses Eingehen auf die Seltsam feiten solcher Karten; aber es wird dadurch doch nur der gröbsten Widersinnigkeit vorgebeugt.

tischblättern und dergleichen geschicht, nur fleine Ausschnitte der Stellen wir dagegen, wie dies auf Generalstabskarten, Meß­Erdoberfläche dar, so lassen sich diese immerhin so zeichnen, daß sie die Verantwortung für den angegebenen Maßstab fast vollständig zu tragen vermögen. Darum fommen hier diese Bedenken praktisch weniger in Betracht.

Aber auch auf einer Spezialfarte muß man meffen lernen! Greifen wir nämlich die Entfernung zweier Punkte mit dem Zirkel direft ab, so ermitteln wir damit nur die Luftlinie zwischen ihnen. Nun mag diese von Bedeutung sein, wenn es gilt, die Bahn eines Geschosses zu bestimmen, die Reichweite der Funken­Häufiger wohl als soust wird in Kriegszeiten die Starte zur telegraphic zu prüfen, den Weg einer Brieftaube zu messen, oder and genommen. Das geschieht im Felde wie bei denen, die in die Zonen für gewisse Postbereiche festzulegen. Wenn es fich der Heimat geblieben sind. Gute Karten sind ja für den Soldaten jedoch z. B. um einen zivischen zwei Orten zurückzulegenden Weg ganz unentbehrlich. Man bedenke doch beispielsweise, daß unter handelt, so wird derselbe zumeist durchaus nicht in gerader Linie Umständen aus gedeckten Stellungen nach unsichtbaren Zielen ge- gemessen werden dürfen. Da gilt es denn, mit einem Zirkel solchen schossen werden muß. Da kann nur die Karte die nötigen Weisun- Pfaden sorgfältig in fleinen Schritten zu folgen. Oder es tritt gen geben, wie das Geschütz zu richten ist. Oder die Truppe im Meßrädchen ein gefälliges Instrument in Dienst, mit welchem marschiert in Feindesland, wo niemand Weg und Steg fennt. Die Strecke abgerollt wird, worauf ihre Länge aus den Rad=" Auch dann wird nur die Karte helfen. Und man wird mit Recht umläufen bestimmt wird. So will auch das Entfernungsmessen behaupten können, daß eine Armee, die das Bild eines Landes in gelernt sein! guten Starten mit sich führt, dasselbe schon zum Teil in der Tasche hat".

arrangiert, weil er Angst vor einem Standal hat; aber er weiß recht gut, daß ich nie mehr zurückkomme. Und ich hab gedacht, Sie sollten die Wahrheit erfahren und nicht mit einer Züge abgespeist werden wie die anderen, weil Sie mir Ver­ständnis entgegengebracht haben."

-

Das ist schön von Ihnen," sagte Bauder und machte Miene zu gehen. Ich will Sie auf Ihrem Morgenspazier­gang nicht stören." Leben Sie wohl! Wir sehen uns wie Sie vorhin sagten wohl kaum noch." Er reichte ihr die Hand.

"

Sie hielt sie krampfhaft fest und sah ihn bittend an. Sie sollten nicht so hart sein! Ich meine, Sie könnten mir recht gut einen Augenblick opfern, wenn ich zwei Stunden gesessen und auf Sie gewartet habe, so daß ich ganz durch­näßt und verfroren bin. Aber es zieht Sie vielleicht etwas fort?" fügte sie mit boshaftem Lächeln hinzu.

genug, dies und jenes zu nehmen, wie es fommt. Aber das ist gar nicht nötig, denn es wartet meiner Glück genug."

Mit ironischem Lächeln neigte er den Kopf. " Ihrer nicht," erwiderte sie hastig. Und Sie sind zit schwach zu verstehen, was ich meine. Ich bin auch bloß hier­her gekommen, weil Sie mir leid taten und ich dachte, Sic sollten wissen, wie die Dinge lägen. Ich will es nicht auf mich laden, trenlos zu sein, aber im übrigen ist es mir gleich­gültig, wie Sie es auffassen."

Rarl begann müde zu werden. Sie haben mir das Vor­faufsrecht zugedacht? Bielen Dank, aber ich bin wie Sie felbft angedeutet haben bereits gut versorgt," erwiderte er boshaft. Sie blickte in die Ferne:

-

dh hätte Sie pflegen und gut zu Ihnen sein fönnen, weil ich ein Herz für alles Leidende habe. Aber Sie sind ein Er nahm die Hand mit einem Ruck zurück und runzelte Unglücklicher, der sein eigenes Wohl nicht kennt. Der Ewig? Na ja, die Worte Klangen ganz nett. Aber die Stirn. Nun soll's genug sein," sagte er und begann zu Schwache weiß nichts vom Glück, und warum sollte ich mich stammten sie von ihm selber? Sie muteten ihn so bekannt an. gehen. wohl zweimal für einen Unglücklichen opfern? Nun habe ich Fußtritte auf den Ries ließen ihn zusammenfahren und Sie leate ihre Hand auf seinen Arur. Ach, warten Sie mein Bestes zwanzig Jahre lang bewahrt, und jetzt will ich aufschreien: Frau Sörensen kam auf ihn zu, sie mußte an der doch, warten Sie doch!" bat sie mit einer Stimme, die vor das Recht haben, einen Mann ganz glücklich zu machen. Da unteren Ecke des Kirchhofs, wo gleichfalls ein Törchen war, Schluchzen zitterte. Sie wissen gar nicht, was ich getan habe. draußen gibt es Männer, aufrechte, starke Männer, die ein hereingekommen fein. Ihre Augen blickten stechend, und sie sch habe ihm erlaubt, mich der Unzucht zu beschuldigen, und reifes Weib, das sich seiner selbst bewußt ist, der siebzehn­hatte rote Flecken im Gesicht. ihm gedroht, sie wirklich auszuüben, wenn er mich nicht los- jährigen Gans vorziehen."

-

Haben Sie Angst vor mir?" fragte sie bitter. läßt. Und ich habe auf jedes Anrecht auf Unterstüßung durch Mit unbegreiflichem Stolze sah sie ihn an und reichte ihm ,, Nein ich warum?" fragte er verwirrt. ihn schriftlich verzichtet, so daß ich jezt ganz allein und hilflos die Spize ihrer Finger: Adieu! Und bilden Sie sich nicht. " Ich dachte bloß, Sie wichen mir aus, aber das haben in der Welt dastehe, aber das haben in der Welt dastehe, bloß um von ihm fortzukommen. Hat zu viel ein, weil eine Frau Mitleid mit Ihnen gehabt hat. Sie nicht nötig. Ich wollte nurun, wo ich fortreise und denn das alles gar keinen Wert? Können Sie einem Men­Sie vielleicht nie mehr zu sehen bekomine--" schen, der so viel getan hat, und den Sie nie mehr zu sehen befommen, nicht eine Minute Ihres Lebens opfern?"

Reisen Sie fort?" fragte Karl erstaunt. Bon Ihrem Manne fort? Im Ernst?"

Ja, heat abend. Und da ich Sie traf, meinte ich, ich wollte Ihnen adieu sagen. Dessen brauchen Sie sich wenig. stens nicht zu schämen wie der Blumen."

Gegen seinen Willen erwachte sein Mitgefühl. Wohin reisen Sie?" fragte er zögernd.

" Ich weiß es noch nicht, aber es ist auch gleichgültig. Ich fann mich überall aufhalten, nur hier nicht."

" Ich habe mich der Blumen nicht geschämt. Aber mir Haben Sie gar feine Maßnahmen getroffen oder etwas scheint, wenn man Ihre und meine Stellung in Betracht für die Zukunft in Aussicht genommen? Es ist doch recht sieht, namentlich in eine, übrigens alle Verhältnisse, so..." verinessen, sich so ins Ungewisse zu stürzen für Sie als Er wußte nicht, was er dieser Frau antworten sollte.

Ich weiß recht gut, daß es häßlich von mir war, und daß das mit den Briefen und den Blumen mißverstanden werden konnte," sagte sie niedergeschlagen. Von meiner Seite war es bloß gemeint als na, jezt werden Sie mich ja ganz los, darüber freuen Sie sich gewiß?"

" Ganz los ich Sie? Ich verstehe nicht." Doch. Sie verstehen mich sehr gut: ich will mich von meinem Manne scheiden lassen. Alle anderen glauben, ich ginge bloß in ein Sanatorium für Nervenkranke; so hat er es

---­

Frau und in Ihrem Alter. Sie können frank werden, müssen hungern, Not jeder Art leiden, ohne jemand zur Seite zu haben." Seine Stimme wurde warm vor Bewegung. So reisen Sie mit mir!" flüsterte sie plötzlich und griff nach ihm. Er zuckte zurück, dann zwang er sich zu einem Lachen. Zum Glück sind Sie zu Scherzen aufgelegt," sagte er. Und warum sollte ich das nicht sein, jetzt, wo alles in so hellem Lichte vor mir liegt? Weil ich Weib hin, darf ich wohl auch versuchen, etwas zu erleben? Und ich bin jung

Einigen Menschen ist es gegeben, sich so reich zu fühlen, daß sie ihren Ueberfluß mit anderen teilen müffen." Sie lächelte groß und nachfichtig und ging aufrecht den Weg entlang.

Er schlug die entgegengesezte Richtung ein. Als er ein paar Schritte gegangen war, hörte er laufende Fußtritte, und bevor er sich umdrehte, batte sie sich an ihn geflammert.

" 1

Gehen Sie doch nicht so von mir! Wie können Sie das tun! Wie können Sie das tun!" schrie sie, und Zuckungen von Schmerz entstellten ihr Gesicht. Sie sehen ja, wie ich Sie liebe, und nun wenden Sie mir so grausam den Rücken. Es geschicht ja alles um Ihretwillen, und wenn Sie wollen, werde ich Ihnen mein ganzes Leben opfern und Sie hegen und pflegen. Ich werde Ihnen keine Fessel auferlegen; Sie sollen tun und lassen können, was Sie wollen, wenn ich nur bei Ihnen sein und mich die Ihre nennen darf. Das andere war gar nicht wahr ich bin zu alt, ich mache inir nichts daraus; wenn ich nur um Sie sein darf, und wenn Sie nur mit mir reden, mich verstehen und Vertrauen zu mir haben wollen. Ich brauche einen guten, guten Freund, um glücklich zu sein nichts anderes." ( Forts. folgt)

-

-