Nr. 301.- 1915.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Donnerstag, 30. Dezember.

Ein Gatte.

Nach dem Französischen des Lucien Rolmer.

Mit dreiunddreißig Jahren war sie alt. Die Mutterschaft, die Tränen, die Eifersucht, die Entbehrungen hatten ihr Gesicht und ihren Störper zerstört. Es waren ihr nur noch die blauen Augen und die weißen Zähne geblieben. Uebrigens dachte Madeleine seit langem nicht mehr an sich. Sie dachte nur noch daran, zu leiden: fie litt unter ihrem Manne; sie litt für ihre Kinder.

Seit mehr als zwei Jahren hatte Beher nicht mehr am Familientisch mit seiner Frau und seinen zwei Töchterchen zu fammen gegessen. Manches Mal verschwand er für eine ganze Woche, und, wenn er wieder zurüdfam, war er schmuzig, feine Taschen waren leer, die Hände teilten Ohrfeigen aus und fein Mund brüllte:

Du bist noch da? Ich dachte, Du wärest längst zum Teufel gegangen!" schrie er sein Weib an." Ah, ich werde Dich eines Tages noch vor die Türe sezen müssen." Sie fühlte, daß er sie haßte, und sie schluchzte leise vor sich hin. Sie gab ihm zu essen, sie brachte ihn zu Bett, sie sorgte sich um ihn, sie wachte bei ihm. Aber sobald er die Augen öffnete, schimpfte er sie aufs neue aus. Und wenn der Morgen graute, machte er fich noch ganz wirr von Alkohol aus dem Staube, wie ein Dieb. Mit der Zeit verlor der Hauswirt die Geduld, andere Schulden lamen dazu und eines Tages wurden sie gepfändet.

Aber als sie an diesem Tage ihre alte Wohnung verließ, strahlte fie vor Glück: sie hatte ihren Mann am Arm und ihre beiden Töchterchen Jeanne und Rosette an der Hand. Beyer an ihrer Seite

war wie umgewandelt. 8 stojette a

Ah, ich bin zufrieden!" rief Madeleine plöglich, als fie auf den Boulevard Brune famen. wo die Sonne hernieder schien. Bah! Warum?" fragte Beyer mit tiefer Stimme, die talte Bigarre zwischen den Zähnen.

Madeleine fah mit ihren blauen Augen zu ihrem Manne auf, zwei Tränen perlten über ihre Wangen:

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Weil es Jahre her ist, daß ich nicht mehr mit Dir ausgegangen bin an Deinem Arm; weil auch die Kinder schau sie nur an so zufrieden sind und weil- ich bin noch ganz weg Du mich oben, bevor wir weggingen, gefüßt haft Es schien ihr, daß der Haß ihres Mannes mit der alten Quft, in der sie gelebt hatten, verschwunden sei. Beher lachte und preßte den Arm seiner Frau gegen sich.

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" Halt, Madeleine, schau," murmelte Beher.

und man könnte mit ihm reben."

ihr Gatte weg und ließen Rosette und Jeanne in der Obhut Prof. Hafe feststellen, daß ausgehungerte Läuse das Licht suchen, gesättigte Tremblays. es meiden. Der Geruchssinn der Tiere reicht nicht sehr weit; auf

Madeleine lachte, als sie in die Straßenbahn stiegen: Sie dachte, 5 bis 10 Zentimeter Entfernung nehmen Läuse die Nähe des ste mache ihre Hochzeitsreise. Es war der schönste Teil ihres menschlichen Körpers nicht mit Sicherheit wahr; erst bei 2 Zenti­Lebens. Ach, was waren nun alle Entbehrungen und alle Leiden; meter oder weniger ist eine deutliche Reaktion zu beobachten. Auch ach, was waren jezt die Tage der harten Behandlung! Auf der das Verhalten der Läuse beim Hungern in Wärme und Kälte wurde ganzen Fahrt war ihr Gatte vergnügt und liebenswürdig. studiert. Niedere Temperaturen( unter 0 Grad) verursachen geringes

Gefällt es Dir?"

Nach der Ankunft hatten sie noch gute zehn Minuten zu gehen, Nahrungsbedürfnis; die Eiproduktion hört auf, die Beweglichkeit bis sie, unter großen Bäumen dahinwandelnd, das Landhäuschen wird gering oder erlischt, Hunger wird bei 0 Grad 3, bei 12 Grad erreichten. Ein Gärtchen mit einigen Rosensträuchen, zwei jungen sogar 9 Tage ausgehalten. Hohe Temperaturen( 25 Grad und Platanen, ein Fahrrad unter dem Dach eines Hühnerstalles, Efeu- darüber) verursachen hohes Nahrungsbedürfnis; die Eiproduktion ist ranken um die Tür des Häuschens. Im Innern war alles möbliert, groß, die Bewegung lebhaft, Hunger wird höchstens ein bis zwei das Notwendige war da: drei Betten, zwei Tische, ein Speiseschrank, Tage ertragen. Nässe und Kälte hält die Laus gut aus, in Nässe eine Kommode, zwei Ruhestühle. und Wärme geht sie zugrunde. Die Nahrungsaufnahme besteht in einem Stechen und Saugen; die Laus kann nur strömend warmes Blut aufnehmen. Was den Läusebefall und die Stichempfindlichkeit betrifft, so verhalten sich die Individuen verschieden. Manche Menschen, die monatelang unter Verlausten gelebt haben, werden überhaupt nicht befallen. Unter den Befallenen bleiben einige dauernd stichempfindlich, andere find von Anfang an stichunempfind­lich; bei einer dritten Gruppe stellt sich allmählich eine Immunität gegen Läufestiche ein. Diefe Gewöhnung an Läufeftiche macht es erklärlich, daß ein großer Teil der Bevölkerung Russisch- Polens ganz gleichgültig gegen die Verlaufung ist.

Ob es ihr gefiel. Madeleine fühlte nicht mehr ihr frühzeitiges Gealtertjein, sie vergaß die letzte Erinnerung an ihre traurige Ver­gangenheit. Sie sprang ihrem Gatten an den Hals, bot ihm ihren heißen Mund und füßte ihn auf die Lippen.

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Gut! Zufrieden also! Ich werde auf das Fahrrad springen, und Tremblay und die Kinder holen." Und er ging weg.

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Sie wartete. Sie wartete. Der Tag ging zur Neige. Abends kam eine Fremde, die Schlüffel in der Hand: Ihr Gatte hat mir soeben telephoniert, Madame", sagte diese Frau; ich bedauere, daß ihm das Häuschen nicht zusagt ich be­bauere es sehr ich be­Sie führte Madeleine hinaus vor die Tür un Jeine be= griff endlich das Drama dieses Tages, begriff endlich, daß fie nie­und Madeleine Be­mals mehr ihren Gatten und ihre Kinder wiedersehen werde. Sie ging unter den großen Bäumen dahin, ziellos, planlos, schluchzend wie eine Strante.

Kleines Feuilleton.

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Fettbäume.

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Ueber Beobachtungen, die mit denen Prof. Hases nicht ganz in Einklang zu stehen scheinen, Einklang zu stehen scheinen, berichtet ein anderer Forscher, Dr. Wiener; er hat folgende Erfahrung gemacht: Ein mobiles Re­Laufe des April und Mai an ein anderes Spital ab, das dieselben serbespital wurde verlegt und gab seine gesamte Winterwäsche im Räume bezog. Die Winterwäsche wurde wohl verpackt und ver­schnürt in ein Magazin gegeben, von wo sie erst mitte November, also nach 6 bis 7 Monaten entnommen wurde. Bei der Ver­teilung der Wäsche in der kalten Jahreszeit zeigte sich, daß in einer Anzahl von Wäschestücken noch lebende Kleiderläuse vorhanden waren, und zwar hielten sie sich. wie gewöhnlich, in den Falten auf. Daß sie etwa von außen hineingekommen waren, war durch die Umstände und durch die Dertlichkeit vollkommen ausgeschlossen. Da­nach muß als erwiesen gelten, daß die Kleiderlaus, auch wenn sie fein menschliches Blut zur Nahrung findet, lebens- und vielleicht auch fortpflanzungsfähig bleiben kann.

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Notizen.

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In der Zeit der Sehnsucht nach der Butterkarte wird ein Hin­weis auf die Fettbildung im Winter, die in bestimmten Bäumen vor fich geht, allgemeines Interesse finden. In den Mitteilungen der D. 2. G. macht Prof. Dr. Neger- Tharandt hierüber Angaben. Ein Teil der Bäume unserer einheimischen Gehölzflora hat die Eigen­Schweig wenigstens. Sei nicht so gewöhnlich", sagte er. tümlichkeit, mit Eintritt der Frostperiode die gesamte Stärke, die sich Ein Aufruf an die Eltern. Eine Reihe angesehener Sie trocknete ihre furchtsamen Tränen. Sie dachte ohne Stummer im Holz und in der Ninde befindet, in fettes Del zu ver- Gelehrter und Schriftsteller an die armseligen Möbel, die man ihnen weggenommen hatte, an in Stärke, und diese erst ist es, die sich dann bei der Ent- Prof. Wilhelm Förster- Berlin, Prof. H. Lammasch- Wien , Prof. wandeln. Im folgenden Frühjahr erfolgt dann Rückbildung Barth- Leipzig , Wilh. Börner- Leipzig , Prof. Leo Burgerstein - Wien , Dr. H. Baege- Berlin , Prof. Paul die kahlen Wände der alten Wohnung, aus welcher man sie ge­trieben, an das Unterkommen, das sie für die kommende Nacht noch wickelung der Maitriebe in Buder umsetzt, um mit dem Saftstrom B. Natorp- Marburg, Dr. Rud. Benzig- Berlin , Dr. H. Wehberg­fuchen mußten. Die Sonne schien, ihr Gatte lebte auf in der nach den Sproẞipizen zu wandern und die neuen Triebe ausbilden Berlin , Dr. Br. Wille- Berlin, H. Wolgast- Hamburg , Dr. G. Wyneten­Wärme, und Jeanne und Stosette hüpften blond und fröhlich wie zu helfen. Man bezeichnet alle Bäume, für welche diese Um- Blickersdorf Sonnenstrahlen vor ihnen her. fegungen zutreffen, als Fettbäume. Es find hauptsächlich die weich- und Erzieher auf die schweren seelischen Gefahren aufmerksam macht, erlassen einen beachtenswerten Aufruf, der die Eltern holzigen Arten, wie Kiefer, Birke, Linde; während bei den sogen. die ihren Kindern in dieser Kriegszeit drohen: Wer heute", heißt An der Kreuzung der Straße war ein Restaurant, beschattet von Winter in den lebenden Bellen uuverändert erhalten bleibt, z. B. bei züglichen Aussprüche und Briefe verfolgt, die von Eltern und Lehrern Stärkebäumen die meisten Hartholzarten die Stärke auch im es darin u. a., die Kinder beobachtet und ihre auf den Krieg be­einem Belt und geschmückt mit Kübelbäumchen. Laß uns hier frühstücken. Tremblay will uns hier erwarten, Buche, Eiche, Esche Ahorn, Ulme, Erle( eine Mittelstellung nehmen veröffentlicht werden, muß für das geistige und sittliche Wohl der die Fichte, Lärche und einige andere ein). Es verdient hervorgehoben fünftigen Generationen ernste Besorgnisse hegen. Haß, Rache Er drängte sie in die Wirtschaft, die Kinder folgten, und alle zu werden, daß sich also in den Fettbäumen ein Vorgang abspielt vier befanden sich bald in einem schwülen Gaftzimmer, wo Tremblay immer als ein unerreichbares Kunststück erscheint. So einwandfrei Ausdehnung gewonnen, daß es an der Zeit ist, das Schweigen hier­durst, Verachtung und Schadenfreude gegenüber den feindlichen Umwandlung von Kohlehydraten in Fett der dem Chemiker noch Nationen und eigener nationaler Hochmut haben eine so erschreckende saß, eine Zeitung las und rauchte. Wer war Tremblay? Madeleine wußte es nicht. Was sie wußte, die Tatsache feststeht, daß ein Teil unserer Bäume im Winter ein über zu brechen und sich ernstlich an alle zu wenden, welche die war, daß er, wie Beyer, bei Kinematographentheatern und Schau- mächtiges Stapital von Fett in ihrem Innern bergen, so schwierig schwere Verantwortung der Erziehung tragen.... Aus den Kindern stellungen seinen Verdienst suchte. Es war das konventionelle Theater- ist es freilich, durchführbare Vorschläge zur Hebung dieser Schäße von heute werden die Staatsbürger Deutschlands und Desterreich­lächeln, mit dem die beiden Männer sich begrüßten und die Hände zu machen. Ungarns von morgen, die über die Geschide, das Glück und die Würde ihres Vaterlandes zu entscheiden haben. Wie sollen sich dann die kulturellen Beziehungen zu anderen Staaten gestalten, wenn wir Der Krieg hat dem kleinen Lebewesen Laus eine ungewöhnliche der Jugend den Völkern diefer Staaten gegenüber einen Haß ein­Bedeutung verliehen; er hat auch die Wissenschaft angeregt, fich impfen, der die Namen von Kulturnationen ersten Ranges als neuerdings mit diesem wenig beliebten Insett zu beschäftigen und ärgsten Schimpf ansehen läßt.... Alle Erzieher mögen dessen ein­Beobachtungen, wie sie etwa der Jenaer Prof. Safe in einem öst- gedent sein, daß ihre human- seelsorglichen Aufgaben gegenwärtig lichen Gefangenenlager und unter der Bevölkerung Russisch - Polens schwieriger und verantwortungsvoller sind denn je! über Lebensbedingungen und Lebensgewohnheiten der Kleiderlaus Moderner Munitionsgebrauch an einem machte, geben ganz interessante Ergänzungen zu dem, was der Vor- Tage. Als im Juni die Franzosen verzweifelte Anstrengungen wärts" fürzlich nach Brehms Tierleben" mitteilte. Um festzustellen, machten, bei Arras durchzubrechen, berichteben sie gelegentlich selbst wieviel Läuse überhaupt einen Menschen befallen fönnen, las Prof. über den Verbrauch von 300 000 Artilleriegeschossen an einem Tage. Haje einem einzigen Russen 3800 lebendige Läuse aller Größen ab. Man hat nun berechnet, daß diese Geschoßmenge, selbst bei der An­Ueber feine weiteren Feststellungen berichtet der Prometheus" nahme eines hauptsächlichen Gebrauchs fleinerer Kaliber, ein Ge­folgendes: Die Entwicklungsdauer der Eier hängt von der Tempe- ticht von 4,5 Millionen Kilogramm ausmacht, das zu befördern ratur ab; bei 37 Grad Celsius schlüpfen die Eier frühestens nach 15 Eisenbahnzüge von je 100 Achsen nötig sind. Vergleichsweise fünf Tagen aus, niedere Grade verzögern die Entwicklung. Durch sei angefügt, daß im Kriege von 1870/71 während der ganzen Be Temperaturen unter 10 Grad wird die Eiablage des lebereifen Weibchens Lagerung von Straßburg nur 199 141 Schuß auf deutscher Seite zeitweilig unterdrückt. Hinsichtlich der Sinneswahrnehmungen konnte abgefeuert wurden. Augenlicht wieder erlangt hat, weil es dem lieben Gott be­hagt, ihn als Zeugen gegen Sie aufzurufen."

drückten.

Ein Schatten zog vorüber. Madeleine hatte Furcht. Aber es war nur ein Schatten. Beyer setzte sich an die Seite seiner Frau, und ihre Miene war wieder heiter.

Nun, meine Liebe," sagte er, ihre Hand berührend, hier ist die Speisekarte. Wähle Dir selbst aus." Aber das Papier zitterte in ihren Händen. Sie wußte nicht, was sie wählen sollte. Beyer nahm die Auswahl der Speisen vor und er machte feine Sache gut. Eine Kellnerin deckte den Tisch und die Schmauserei begann. Und, während sie aßen, wobei er nicht vergaß, Madeileine immer wieder das Glas zu füllen, entwickelte Beher mit weicher und flüffiger Stimme seine Zukunftspläne. Tremblay unterstützte ihn. Tremblay tannte zu L'Hay ein fleines Landhäuschen, ein niedliches Stückchen Erde , das für ein Butterbrot zu haben war. Beher begeisterte sich dafür. Er ließ seinen Schnurr­bart durch die Finger gleiten: man wird das Häuschen mieten, glücklich sein darin aber zuerst sei es notwendig, es anzusehen. Nachdem das Frühstück beendigt war, gingen Madeleine und

Die Schicksalsmaus.

Eine Erzählung von Tieren und Menschen. 41] Von Harald Tandrup.

" Frohe Weihnachten!" erwiderte Christensen. Sie sind schon beim Essen?"

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Bei einem höchst bescheidenen, wie Sie sehen," gab Blom­berg seufzend zur Antwort. Gänsebraten und dergleichen ist nichts für arme Leute. Wir dürfen froh sein, wenn ein bißchen Sülze auf unserm Tisch steht."

Neues von der Kleiderlaus.

Gegen mich?" fragte Blomberg, indem er mit einem feiner fetten Finger auf seine geblümte Weste deutete. Sie sind verloren!" sagte Lars Larsen feierlich-boll­ständig verloren!"

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schwachtöpfige Philosoph da herein mischt," sagte Blom­berg gereizt. ,, Sie könnten froh sein, wenn Sie den zehnten Teil so flug wären wie Christensen," bemerkte Lars Larsen. Er hat Ihren Diebstahl entdeckt und Sie mögen sich winden, so viel Sie wollen, Sie entschlüpfen uns nicht. Ich bin nur ein Pedersen nahm seine Brille ab und zeigte seine licht- einfacher Bauer, Blombergchen, und Sie sind ein geriebener scheuen Augen, die in der künstlichen Dämmerung hinter den Großstadtfuchs; aber Sie ſizen in der Falle, und wenn wir schwarzen Gläsern blinzelnd und farblos geworden waren. Bauern erst den Braten erwischt haben, dann halten wir ihn Sie sind ein Dieb, Blomberg", begann er. gegnete Ihnen, als Sie an jenem Morgen, wo das Geld " Ich be- auch feft." Blomberg wurde es ungemütlich, doch er wollte sich trotz­gestohlen wurde, aus Larsens Wohnung famen. Sie hielten dem noch nicht ergeben. ich sah Sie Ich kann un- mög- lich etwas gestehen," sagte er den Beutel in der Hand, das Geld flirrte störrisch. gerade so deutlich, wie ich Sie jetzt sehe." Blomberg erbleichte und trat hinter einen Stuhl, als wolle einem fräftigen Schlag auf seine breite Brust. Hier ist der Das brauchen Sie auch nicht," erwiderte Pedersen mit er sich verschanzen. Beuge! Sie können nicht um mich herumkommen. Ich be­" Das freut mich ungeheuer," erwiderte Blomberg miß schwöre es, daß ich Sie auf der Treppe gesehen habe." trauisch), denn er begriff nicht, wo das hinaus follte. Endlich fühlte der Schneider, daß er in der Falle dachte, Herr Per'jen fäme vielleicht wegen seines Rockes." Er Nein, es ist bitterster Ernst," antwortete Christensen. fonnte ihm alles zutrauen; es gab viele dunkle Punkte saß. Seine Vergangenheit war sehr mannigfaltig; man wäre bestimmt bis zum Weihnachtsabend fertig geworden, wenn mir nicht die Polizei diesen Andersen fortgeschleppt" Sie sind entlarbt und tun am besten daran, alles zu ge- in seinem Leben, die vielleicht bei dieser Gelegenheit ans Licht er nahm ihn von Andersens stehen. Wenn das Geld zurückbezahlt wird, ordnen wir die tamen. Selbst wenn er den Diebstahl leugnete, würde man

,, Und ein Schnaps," warf Larsen ein. Auch das," sagte Blomberg. Schnaps ist immer etwas Schönes. Aber was führt die Herren eigentlich in mein ärmliches Heim?"

Weihnachten", antwortete Christensen ernst.

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hätte. Der Rock ist hier" Tisch wenn Sie sehen könnten, Herr Per'sen, würden Sie sich wundern, wie fein er aussieht."

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Damit hielt er dem Spielmann im festen Vertrauen auf dessen Blindheit einen schäbigen Rock vor die Augen. ,, Das soll mein Rockt sein?" fragte Pedersen mit müh­sam unterdrückter Erbitterung.

Blomberg ahnte noch nichts.

,, Gewiß, Herr Per'sen, schickt, modern, gentlemanlike, ganz die richtige feine hellblaue Modefarbe-"

Ein alter verschossener Rock ist's, den Sie umgenäht haben!" schrie der Spielmann rasend. Und den wollen Sie mir jetzt aufhängen, weil Sie glauben, ich könne nicht sehen.

"

Ba- as?" stotterte Blomberg erschrocken. Sie können sehen, Herr Per'sen?"

" Jawohl!" antwortete Pedersen. Jedenfalls sehe ich gut genug, um zu durchschauen, was für ein Spigbube Sie sind!" " Da hört doch alles auf!" brummte der Schneider ärger­ Das ist ja beinahe ein Wunder."

lich.

Die Zeiten der Wunder sind noch nicht vorüber", fiel hier Christensen ein; ich vermute, daß diefer Mann sein

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" Ich weiß nicht, was sie meinen," sagte er, einen nach Ich weiß nicht, was sie meinen," sagte er, einen nach dem andern anschauend." Soll das vielleicht ein Weihnachts scherz sein?"

Sache im guten."

b

" Haha," stieß Blomberg unter einem hysterischen, ihn nur allzu deutlich verratenden Gelächter hervor. " Ich soll das Geld hergeben. Wie könnt ihr nur glauben, ich habe es gestohlen?"

" Ich bin Zeugen," rief der Spielmann eifrig. Bergeffen Sie nicht, daß ich Zeugen bin!"

"

Es heißt Zeuge," berichtigte Christensen Leise.

"

"

Sie sollten sich schämen, Blomberg," sagte Lars Larsen. Erst stehlen Sie, und dann lenken Sie auch noch den Ver­dacht auf Andersen. Sie, nur Sie haben den Beutel in seine Truhe getan."

" Ja, Sie sind ein Schurke," fügte Pedersen hinzu. Jett können Sie Ihren alten Rock selbst behalten, mit dem Sie einen armen blinden Mann betrügen wollten.

"

Ein schöner Armer, Sie," entgegnete der Schneider. Es wäre mir interessant zu hören, was die Polizei zu diesem so­genannten Wunder sagt."

" Halt! Da wir gerade bei der Polizei sind: Wollen Sie die Sache mit uns abmachen, oder sollen wir auf die Wache gehen?" fragte Christensen.

ihn auf Pedersens Aussage hin verurteilen. Er kannte das Gerichtsverfahren von früher.

Totenbleich, aber gefaßt blieb er hinter dem Stuhl stehen. Er hatte die eine Hand unter den Rock geschoben und nahm eine Stellung ein, die an Napoleon erinnerte. Und er wich auch nicht um einen Zoll von dieser trügerischen Ruhe ab, nur seine Lippen bebten ein wenig, als er sagte:

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Es scheint, Sie wollen mir die zweihundert Kronen ab­zwicken, Herr Larsen, die Ihr geehrter Schwiegersohn ge­stohlen hat?"

Larsen wollte eine heftige Antwort geben, aber Christensen beruhigte ihn und nahm das Wort:

" Larsen verlangt eine schriftliche Erklärung von Ihnen, daß Sie das Geld genommen und den Beutel mit den Goldstücken in Andersens Truhe gelegt haben. Außerdem müssen Sie sich verpflichten, das Geld zurückzuzahlen."

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Aber wenn ich mich nun weigere?" sagte Blomberg trogig. Sie können mir's glauben, ich kenne das Gesetz auch." Wenn Sie sich weigern, schleppen wir Sie auf die Wache!" rief Pedersen, der jetzt der Eifrigste war. Und er legte schon eine Hand auf Blombergs Schulter. Der Schneider wich scheu ( Forts. folgt.)

Ich begreife nicht, mit welchem Recht sich dieser zurüd.