Mr. 107.- 1916.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Sonntag, 7. Mai.

Toten zu begraben, die in diesem großen Heldenkampf gefallen Mann, dessen Aehnlichkeit mit Byron ganz auffallend war. Er trug Die Toten vom Naroz- See. find. Da liegen fie in einer Reihe. Nicht das große grauen- feinerlei Waffen und hielt nur in den weißen, gepflegten Fingern Der Berliner Korrespondent des Nieuwe Rotterdamsche Courant" hafte Bild von Hekatomben auf den weiten Feldern. Es durchzuttert seiner rechten Hand einen Band Sophokles . Er sprach mit gedämpfter, mich etwas. Dies scheinen nicht die Toten eines Schlachtfeldes zu fultivierter Stimme: Wenn sie kommen und unsere Waffen schickt seinem Blatte von einem Besuch der Front Hindenburgs, die sein, sie sehen vielmehr aus wie Menschen, die bei ihrer Arbeit ver- fordern", sagte er ein wenig gelangweilt, als ob er müde wäre, die wütenden Angriffe der Russen auszustehen hatte, einen längeren unglückt sind. Dasselbe Zittern habe ich einmal gefühlt, als ich bei immer über dasselbe zu sprechen, so werden wir sie niederschießen. Bericht, dem wir das Folgende entnehmen: Es gibt Schrecknisse, die uns durch ihr Ausmaß nicht mehr er- Bochum die Opfer eines großen Bergwerksunglücks liegen sah. Das Was Ihre zweite Frage betrifft, so tut es mir leid, zugeben zu Unglück hatte die Weltesten getroffen. Männer liegen da, so wie müssen, daß bei unserer Organisation ein Fehler unterlaufen ist. schüttern fönnen. Das war mein erster Eindruck, als ich dem Toten- unser Schuhmacher, unser Milchbauer, der Lehrer meines Sohnes, Dadurch ist es den Soldaten gelungen, uns mit der Beſetzung des felde bei Intoka gegenüberstand. Als ob eine große dichte Herde Schafe sich wiederkänend nieder- friedliche verständige Menschen, die wahrlich vor zwei Jahren nicht Postgebäudes zuvorzukommen. Sie haben sich dort versammelt und daran gedacht haben, daß sie noch einmal Kriegsmann werden sollen. erfreuen sich der beruhigenden Gesellschaft eines Maschinengewehrs. gelassen hätte auf ihrer Weide, so sah das Feld vor uns aus. So dicht besät mit gelbbraunen Flecken, so still und friedlich unter der Ich stehe dabei wie bei einem schweren Unglück auf der Straße. Ich Im übrigen glaube ich nicht, daß wir uns in Cork vorläufig in sicht­sehe die fast ergrauten Bärte und Gesichter von Arbeitern mit ge- barer Weise erheben werden. Als die Nachrichten aus Dublin ein­flaren Frühlingsluft. schlossenen Augen. Keinem der Toten sieht man an, daß die Ver- trafen, zogen wir uns alle in unsere mit Waffen versehenen Baracken nichtung im wilden Kampfe oder ängstlichem Erwarten gefommen zurück, luden unsere Gewehre, reinigten unsere Bajonette und sammelten ist. Nichts ist steif in den geschlossenen Zügen. Sie haben den Ernst Proviant, um für alles bereit zu sein. Und auch jetzt und in der täglichen Lebensforge. Wie viele Hunderte von Männern wie Zukunft sind wir stets für alles bereit. Um Mitternacht tamen der dieſe liegen da wohl noch zwischen den gelben Flecken auf dem offenen Bischof von Cork und der Bürgermeister zu uns und baten, vor­gelassen zu werden. Wir lehnten zuerst ab, fie zu empfangen, delde hinter uns?... Jedem Toten hatte man die Briefe, die er bei sich hatte, auf schließlich aber ließen wir sie herein. Sie flehten uns an, unsere die Brust gelegt. Da liegt eine Feldpostkarte, dicht beschrieben von Waffen niederzulegen. Aber wir verweigerten dies ganz entschieden. einer Frauenhand. Darunter ein paar große unbeholfene Buch- Wir erklärten, daß wir keinerlei Schicksal fürchteten und uns jede ftaben. Das war wirklich so, lieber Leser; ich erfinne es nicht. Ich Entschließung bewahren wollten." mag teine Sentimentalitäten erfinnen. Die mitleidslofe Wirklichkeit fennt eben solche Unterscheidungen nicht. Das ist das Unwider rufliche des Krieges. Es ist schwerer als das der verwüsteten Städte und Dörfer, die ich beinahe gefühllos betrachtet habe.

Alle diese Flecken waren Tote, junge russische Männer. Ich schneide eine Ecke ab mit meinen Augen; da liegen zehn, da vierzig, dort achtzig. Mein Auge geht zählend und abmessend weiter. An dieser Stelle liegen bereits über fünfhundert Leichen und immer weiter und weiter streckt sich die Fläche des Todes aus. Wo man nicht mehr gut mit dem bloßen Auge unterscheiden kann, dünken die Flecken auf dem Lande dunkler..

In Reihen liegen sie, in losen Reihen. Wir kommen an den äußersten Rand der Hindenburg- Stellung und können nun schon besser unterscheiden. Viele liegen auf dem Rücken, die Arme aus­gebreitet, die Schuhspizen emporragend, andere ungezwungen seit lich. Sie scheinen zu liegen so wie sie niedergefallen sind, ohne Todeskampf, plöglich vernichtet. Andere aber, die wir nun auf wenige Meter vor uns vor der Stellung beinahe im Bereiche des Stacheldrahtes liegen sehen, sind vornüber gefallen und haben die gekrümmten Finger in die Erde gebohrt...

So liegt das Feld bereits zwei Wochen überdeckt, Soldaten­tod! Wie oft haben wir sie so liegen sehen, am Miadziol- See, in den Karpathen, in Frankreich ...

Warum soll ich mehr erzählen? Etwas habe ich nun von mir angewälzt. Hier war der Schrecken nicht mehr so groß und allge­mein, daß er wie ein starker elektrischer Strom mich umfing. Hier sah ich das Unglück individuell, eine Reihe Tragödien mit jedem einzelnen Toten. Hier faßte mich schneidend der Begriff des Leides,

über den man nicht bis zu Ende denken mag.

Als ich Cork wieder verließ", so schließt der Berichterstatter der Daily Mail"," lag die Stadt äußerlich ruhig da, aber hinter den geschlossenen Fensterläden lauert der Aufstand. Es war nichts Be­sonderes zu beobachten, aber in ihrer verschlossenen dunklen Festung warten die Sin- Feiner, die zum Kampf bereiten Waffen in der Hand."

Maxim Gorkis Pläne.

Durch die Presse geht folgende Notiz: Ein russischer Gelehrter, der sich gegenwärtig in römischen Schön ist hier das Leben an diesem sonnigen Tage. Eine Die Soldaten schließen diese Gefühle von sich aus. Sie lernen Archiven und Bibliotheken geschichtlichen Forschungen widmet, er­Schanze aus Flechtwert mit Erde angefüllt scheidet die Lebenden es immer mehr. Früher schrieb ich bereits einmal, daß man einer hielt dieser Tage, wie die Stampa" mitteilt, einen Brief von von den Toten. Nach ihren Leiden in Kälte, Wasser und Entbeh- Truppe nach einigen Tagen niemals ansehen kann, ob sie schwere Maxim Gorki , deffen Gesundheitszustand sich nach der Rück­rungen und nach der Vernichtung um sie hin geht nun das Gefühl des Lebens wie ein warmer Strom der Behaglichkeit durch alle diese Verluste erlitten hat. Nun weiß ich selbst aus Erfahrung, daß man kehr in die Heimat von neuem verschlechtert hat. Corti erhofft Männer. Man sieht es ihnen an. Ein bejahrter Krieger fizt gebückt es einer Truppe friedlich arbeitender Soldaten in nichts mehr an- Heilung von einem zweiten Auftenhalt in Italien und möchte in einer Ecke der Schanze und erfrischt seinen nackten Oberförper in zumerken braucht, daß eine Granate eine Stunde zuvor einen aus wieder nach Capri gehen. Er habe diese längst gefaßten Pläne bis­her nicht zur Ausführung bringen können, weil ihn die schrift­der warmen Frühlingssonne. Frühlingsglanz liegt auf seinem Ge- ihrer Mitte gerissen hat. Langsam, sehr langsam werde ich als Kriegskorrespondent dochliche und mündliche Propaganda für den Krieg zu sehr beschäftigt habe. In Capri gedente er für eine große ruſſiſche Zeitung Artikel über den italienischen Strieg zu schreiben.( Man erfährt hier zum erstenmal, daß Gorki für den Krieg Propaganda macht; bisher war immer berichtet worden, daß er ein Gegner des Krieges sei.)"

gezweifelt.

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ficht. Mit seinen Fingerspitzen sucht er eifrig in seinem wollenen ein wenig einsehen lernen, was der Krieg ist. Einst habe ich daran Hemde, das er zwischen den Händen hält. Er vertilgt Ungeziefer. Andere um ihn sind mit sichtbarer Lust an ihrer Arbeit, sie schlagen Pfähle ein für neue Deckungen. Ich blicke über die Schanze. Drei Meter vor mir liegt ein starkgebauter Sibirier, das wachsbleiche, gruselig graue Gesicht halb in der Erde. Der vorderste von allen, ein Held.

Ein junger Deutscher sieht, wohin ich blicke und errät meine Gedanken. Er ist, sich reckend, aufgestanden. Der Krieg ist mehr als ein Trauerspiel," sagte er trocken. Dann wendet er sich ab. Wir kommen an ein halbfertiges Grab. Daneben liegen die Toten in einer Reihe. Die Gesichter sind bedeckt; lediglich das bartlose Gesicht eines russischen Bauernjungen starrt uns an. Der Kugelstrahl eines Maschinengewehres ist über seine Stirne gestrichen, drei kleine Löchlein nebeneinander... Lote, Tote, Tote. Eine Wut der Vernichtung ist wie ein Gewitterhagel über das Land gekommen. Nun wandern wir in fröhlicher Lenzsonne über das offene Feld. Da hinten liegen die Kein Schuß russischen Wachtposten auf wenigen Metern Abstand. soll heute fallen. Aber von der Raserei ist ein Totenfeld übrig geblieben, das vor zwei Jahren die ganze Menschheit erschüttert hätte. Nun sitzt ein braver Hausvater, ein Mann mit einem gütigen fultivierten Lächeln und einer freundlichen Stimme in der Sonne und untersucht, durchrieselt von Frühlingsbehagen, sein wollenes Hemb

An der Stelle, wo der Kampf um die genommenen und wieder zurückgenommenen Stellungen gewütet hat, ist bereits alles auf geräumt. Des Mittags an einer anderen Stelle auf einem der Punkte des Haupt- Sturmangriffes.

Kleines Feuilleton.

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Die Mitteilung der Stampa" ist, soweit sie von einer Pro­Ein Besuch bei den Sin- Feinern in Cork. paganda Gorkis für den Strieg" spricht, ein aufgelegter Es dürfte dem russischen Gewährsmann der Während man in offiziellen englischen Kreisen eifrig bemüht ist,| Schwindel. falls ein solcher überhaupt existiert- schwer fallen, die dem revolutionären Geheimbund der Ein- Feiner angehörenden Stampa" Fren, denen der Hauptanteil an den Aufständen in Irland zuge- auch nur eine Zeile von Gorkis Publikationen während der Kriegs­schrieben wird, als eine regellose Horde von charakterlosen Em- zeit aufzuweisen, in der für den Krieg Propaganda gemacht würde. pörern und Plünderern hinzustellen, bietet ein in der Daily Mail" Dasselbe gilt von den Neden und Referaten, die Gorki anläßlich veröffentlichter Bericht aus Cork ein ganz anderes Bild von den verschiedener Veranstaltungen gehalten hat. Der Verbreiter der Leuten, die sich gegen den Druck ihrer englischen Beherrscher auf- Notiz aus der Stampa" hätte deshalb besser getan, sie kritisch zu untersuchen, anstatt boreilig falsche Schlüsse daran zu knüpfen.( z) bäumen. " Ich habe in Cork ", so schreibt der nach Irland entsandte Be­Notizen. richterstatter Harold Ashton des Londoner Blattes, in Cork in­mitten der Sin- Feiner einen höchst lehrreichen Nachmittag zuge­bracht. Da ich wußte, wo das Beratungslokal der Sin- Feiner lag, begab ich mich ohne Umschweife dorthin. Bon außen war nichts Ungewöhnliches zu bemerken, nur fiel mir auf, daß von dem Guck­loch an der Tür die Deckplatte entfernt worden und daß das Loch erweitert worden war. Da es mir gelungen war, von dem die Bforte öffnenden Geheimwort der Sin- Feiner Kenntnis zu erlangen, flüsterte ich die Parole durch das Loch in der Tür. Sofort sprang diese auf, ich trat ein und sab mich im nächsten Augenblick einem jungen Mann gegenüber, der ein Bajonett gegen mich zückte. Hinter diesem Wachtposten erblickte ich mehr als ein Dugend ähnlich ge­kleideter und in gleicher Weise bewaffneter junger Leute. Sie tamen alle nach vorn und wollten wissen, auf welche Weise ich mir zu ihnen Eingang verschafft hatte. Ich erwiderte, daß ich Vertreter der Daily Mail" wäre und nur zwei einfache Fragen an sie zu stellen hätte. Ich wollte wissen, ob es wahr sei, daß die Polizei ihnen be­fohlen habe, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Waffen abzu liefern und ob sie entschlossen seien, in Cort ebenso vorzugehen wie ihre Brüder in Dublin .

Eine offene Fläche vor den Stellungen und darauf dasselbe Schauspiel. Gelbe Flecken, wie von einer dichten großen Herde wiederfänender Schafe über dem weiten Felde. Wir springen über Laufgräben, die zu Schlammgräben geworden sind, der Morast reicht uns fast bis an die Kniee. Dies sind die Stellungen, die zehn Tage lang unter sawerstem Feuer verteidigt wurden. Jetzt ist auch hier der Friede wiedergelehrt. Selbst der russische Scharfschüße, der da drüben im Walde, ungefähr 200 Meter entfernt, stets die Sie stellen außerordentliche Fragen," wurde mir erwidert, in deutschen Stellungen nach Opfern abzuspäben gewohnt war, einem Ton, als ob Sie über das Wetter sprechen." Man führte mich ist nun verschwunden. Die Deutschen sind damit beschäftigt, die weiter in den Raum zu dem Leiter der Versammlung, einem älteren

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Bon Edmund Hoefer .

Doch vom Feldzug will ich euch nicht erzählen, sondern nur

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Vorträge. Ueber Kut el Amara und Mesopo= ta mien" spricht Dr. F. S. Archenhold mit Lichtbildern und Filmen am Mittwoch, den 10. Mai d. J., abends 8 Uhr, in der leber Nord- und Südpolarfahrten" hilharmonie. spricht Prof. Baschin in der Humboldt- Akademie, Freie Hochschule, Dorotheenstr. 12, am Sonnabend, den 13. Mai, bei freiem Eintritt. Der ostjüdische Abend, den der Schutzverband Deutscher Schriftsteller am letzten Sonnabend zum Besten seiner Hilfstassen veranstaltete, hatte einen außerordentlichen Erfolg. eigenartigen Darbietungen werden daher am Dienstag, den 9. Mai, abends 81%, Uhr, im Festsaal des Abgeordnetenhauses nochmals vor fich gehen. Karten bei Bote u. Bock, Wertheim , im Bureau des Schußverbandes, Wilmersdorf , Kaiserallee 173a, sowie an der Abendkasse.

Die

Sommerzeit und Kohle. Betrachtet man die Frage der Sommerzeit vom Standpunkt der Ersparnisse, dann ergibt sich ( nach Licht und Lampe") schägungsweise eine Ersparnis von 1500 bis 2000 Brennstunden, was nicht gerade viel ist. Wichtiger erscheint die Ersparnis an Kohle. Die Kohle bedeutet heute nicht nur Energie und Licht, sondern auch Fett, Eiweiß, Stickstoff, landwirtschaftliche Pro­dutte, Sprengstoffe und tausenderlei mehr. Jedes Kilogramm Kohle bedeutet Dinge, die wir notwendig gebrauchen.

nach der Trommel und dann Beck hinter mir, die Leiter hinab. Da hatten wir die Geschichte! Der Morgen graute Erzählungen eines alten Tambours. von uns. ,, Genug, ihr werdet begreifen, daß während dieser ganzen eben und das Dorf brannte lichterloh. In die Straßen Zeit kein Mensch an den Bart des Peter Beck dachte; wir stürmten gerade die Franzosen herein, unser Bataillon war Der Tambour schwieg, stand auf und ging hinaus, ohne hatten alle Besseres zu tun. Ich selbst, glaub' ich, hatte es bereits zurückgedrängt, unsere Jäger saßen hinten in einem sich weiter zu entschuldigen. Das ist überhaupt seine Art gleichfalls so gut wie vergessen, bis es mir nach jener ersten Graben, auf dem Felde vor ihnen feindliche Jäger zu Pferd nicht, da er denkt, den anderen müsse recht oder doch erträg- affäre am 5. April zufällig wieder in den Sinn kam. Der und zu Fuß­ Das zeigte ein Blick und zugleich, daß wir abge­lich sein, was er tut. Wenigftens fümmert es ihn sicher Beter hatte dabei einen leichten Streifschuß an der Brust nicht viel, was sie von ihm denken, weil nach so viel Jahren erhalten, und der Arzt, der ihn abends im Felde bepflasterte schnitten und unsere Tirailleurs bereits zieihundert Schritte denn ins Lazarett ging man damals nicht wegen einer entfernt waren. Inzwischen flapperten die Kugeln um uns, des Dienstes seine Art beim Regiment Regiment bekannt bekannt und solchen Schramme sagte zu ihm: Halt den Bart in die vom nächsten brennenden Gebäude stoben die Funken her­respektiert ist. Und dann sind sie ihm auch Dank schuldig da­für, daß er, ihren Bitten nachgebend, ihnen erzählt, was er Höhe, Bursch, daß ich dazu kommen kann. Da dachte ich wieder über, vor uns lag ein Kamerad, das Blut lief ihm aus an die Geschichte, aber in der Folgezeit, die stürmisch genug einer tödlichen Wunde in der Brust. Die einzig mögliche war, kam sie mir wieder ganz aus dem Sinn. Flucht mußte längs der Stallgebäude eines Bauernhofes

so selten tut.

wieder:

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Aber

,, ie er ihm nur den Bart weggekriegt hat!" sagte der ,, Nun, am 23. August schlugen wir, wie ihr wißt, bei versucht werden, und so machten wir uns auf. Unteroffizier; und weggekriegt hat er ihn sicher."-Aber Großbeeren und folgten in den nächsten Tagen den Franzosen die verdammten Chasseurs sehen uns und einige sprengen auf was waren das für Offiziere!" rief der Freiwillige; das hißig genug gegen Wittenberg zu. Am 26. war das zweite uns zu. Unsere Leute, die uns auch erblicken, schießen zwar, muß damals noch eine wüste Wirtschaft gewesen sein. Gott Bataillon, wobei der Beter und ich, abends in ein kleines Dorf ein Pferd, ein Mann stürzen, der Peter sticht einen zweiten Job! das ist jetzt doch anders." Der Unteroffizier zuckte die gekommen, wo wir am folgenden Tage ruhen sollten, denn wir nieder, ein anderer aber haut ihm über den Kopf, daß der Schultern; aber ehe er etwas erwidern konnte, trat der alte waren todesmüde, von dem Regen und der Hitze wie gekocht, Tschako ihm auf die Nase fährt und er selbst niedertaumelt. Tambour wieder ein, stützte den Arm aufs Fensterbrett und und die Franzosen hatten wir heute kaum in der Fern ge- Ein paar Schritte laufe ich noch, aber andh mich holt ein dampfte große Wolfen vor sich hin. Wenn ihr fertig seid," fehen. " Wenn ihr fertig seid," sehen. Das erste Bataillon lag bei einigen Hütten eine anderer ein, der elende Säbel zerspringt mir in der Faust, ich fagte er, will ich weiter erzählen." Die anderen nickten Viertelstunde links nach vorn, und das dritte hatte noch eine erhalte eine leichte Blessur am Kopf, und bevor wir zu Be­schweigend und ordneten sich wieder um ihn. Der Alte aber Viertelstunde weiter die Vorposten. Wie gesagt also, wir sinnung gekommen, laufen wir an den Fourageleinen neben warf noch einen raschen Blick auf den weiten Platz und die waren marode und hungrig, im Dorfe gab's aber nichts zu unseren neuen Herren her. alten Giebelhäuser, richtete seine Augen zum Freiwilligen, der beißen und zu brechen, und so legten wir uns bald aufs Dhr" So tommen wir zum französischen Regiment, werden mit untergeschlagenen Füßen auf der Pritsche saß, und begann auf dem wenigen Heu und Stroh, das unsere und der Fran- mit einem Hurra empfangen, mit Schnattern umgeben und zosen Fouragiere noch übriggelassen. Und wir lagen forglos, betrachtet. Ich glaube, sie bildeten sich ordentlich' was " Ich sagte also, die Wette sei bald vergessen gewesen. vor uns unser eigenes Regiment, rechts in Elsbruch unsere darauf ein, zwei Preußen gefangen zu haben. Wir blieben Es war damals eine wirbelige Zeit, wo alles durcheinander freiwilligen Jäger und weiterhin die anderen Truppen. Der auch die einzigen für diesmal, denn ein dritter, ein Jäger, trieb. Bald nach jenem Tage erfuhren wir, daß der General Feind war weit nach vorne und hatte die letzten Tage taum war schwer verwundet und starb gleich darauf. Bald brachte York sich mit den Russen vertragen. Dann tamen nach und einmal die Zähne gewiesen. Und wir schliefen, Major und man uns vor einen General, der denn auch hastig mit uns nach unsere Striegsreserven fast heimlich in die Stadt und Offizier, Soldat und Tambour. parlierte; aber wir verstanden nichts von seiner Sprache und zum Regiment; wir zählten bald statt 1000 Mann ihrer über Der Peter und ich waren beisammen. In der hin- er nichts von der unseren, nur daß er immer ganz heftig 2000 und sagen im Dienst bis über die Ohren. Darauf tersten Ecke auf dem Boden eines Schuppens hatten wir fragte: Was das sein? Bülow? Tauenzien? Darauf sagte hieß es wieder, der König sei nach Breslau gereist, da ihn noch ein wenig Heu gefunden, die Schuhe ausgezogen und ich ja und nickte, obgleich die beiden wohl zwei bis drei Der Peter aber schwieg hartnäckig die Franzosen in Potsdam haben gefangen nehmen wollen. uns hineingesteckt. Ich träumte, ich weiß es noch als wäre Meilen entfernt waren. Alsbald folgten die Aufrufe, auch bei uns sammelten sich es gestern gewesen, von einem hißigen Gefecht; rings fnatterte und hatte den Trok und den Grimm in den Augen, denn Freiwillige, allenthalben drängte und wogte es auf und ab. das Gewehrfeuer; Sturmmarsch! rief der Oberst und ich seine Nase war ihm arg zerschunden. Sie zogen ihm zwar Unser drittes Bataillon tam zu uns, der alte Bülow in- schlug meine Trommel- und fuhr plötzlich hoch auf aus zwei bis drei mit der flachen Klinge herüber, daß er sprechen spizierte das Regiment, und endlich marschierten wir am dem Schlaf. Da hörte ich in der Tat Schüsse knallen und sollte; das hätte er jegt aber nicht gegen mich getan, viel 16. März aus und rüdten zum Sammelplatz des Armee einen Höllenlärm, ich höre auch deutlich meinen Namen rufen, weniger gegen den Feind. Endlich ließen sie von uns ab und forps. Der Krieg fing an; am 5. April, mein' ich, tamen dann alles durcheinander rennen. Die anderen, die bei uns zogen fich nach einer Stunde allmählich zurück. Es war nur wir bei Möckern zum erstenmal ins Feuer, schlugen uns brav lagen, waren schon fort, mochten in der Haft uns vergessen eine starte Netognoszierung gewesen. und flopsten die Franzosen , und darauf ging es so weiter. haben. Ich fahre in die Schuhe, rufe den Peter wach, stürzel

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( Forti. folgt.)