Hrn. Dühring Glück wünschen, daß er dem Schöpfer des Nibe- lungenringes nicht nur in edler Selbstschätzung würdig zur Seite steht sondern auch in seiner Eigenschaft als Komponist der Zukunft. (Fortsetzung folgt.)___ Sozialpolitische Uebersicht. Tie Moral der Reichstagswahlen" ist von einem Organ der sogenannten Fortschrittspartei, derDresdener Presse", glücklich entdeckt worden. Alles auf Erden muß seinen zu- reichenden Grund haben, und daß die Sozialisten soüber- raschcnde" Siege erfochten und die vereinigten Fortschritts- und sonstigen Reaktionäre so schmähliche Niederlagen erlitten haben, daran ist nichts Anderes schuld als die verteufelte Diäten- kvsigkeit. Man glaubt wohl, wir scherzen? Mit Nichten. In Nr. 27 des genannten Blattes(vom 3. Februar) heißt es in einem eigenen Leitartikel, betiteltDie Moral der Reichstaas- Wahlen"/ wörtlich:Das Resultat der Reichstagswahlen hat allgemein überrascht und doch ist dasselbe vollständig erklärlich bei einem Wahlgesetz, welches trotz wiederholter Anträge des Reichstages, in gänzlichem Verkennen der Sachlage, Diäten- losigkeit aufrecht erhält. Es führt dies eine Lauheit der Wähler herbei, welche die Sozialdemokraten mit Geschick für ihren Vortheil ausnutzen, indem nicht gefragt werden kann:Wen" wollen wir wählen, sondern: Wer will und kann, ohne seine Familie zu schädigen, für die Gesammtheit das Opfer bringen und sich wählen lassen. Auf diese Weise verringert sich die Zahl der Candidaten sowie der Wähler mehr und mehr, wie die dies- malige Wahl zur Genüge gezeigt hat, dadurch ist aber der voll- giltige Beweis geliefert, daß die Diätenlosigkeit keineswegs, wie man von Oben annimmt, das Correlat gegen allgemeines di- rektes Wahlrecht ist." So wäre also das Räthsel gelöst und der halsstarrige Bismarcks derin gänzlichem Verkennen" der Wundcrkraft des Schulze'scheu Diätenantrags denselben schon sieben oder acht Mal in den Papierkorb des Bundesraths spedirt hat, wird nun wohl Vernunft annehmen und deni fortschritt- lichen Bettelpatriotismus den Gefallen thun, durch diesen Bettel ein paar lumpige tausend Thaler das Jahr das Vater- land und den Geldbeutel der Herren zu retten. Und der Artikel, in dem diese epochemachende Entdeckung der Welt mit- gethcilt wird, ist, wie die Redaktion in einer Fußnote bemerkt, von einem hervorragenden Mitgliede der deutschen Fortschrittspartei in Sachsen eingesandt". Wir können, und zwar ohne den leisesten Anflug von Ironie, versichern, daß es uns jetzt wenigstens in Bezug auf die Fortschrittspartei in Sachsen vollkommen klar ist, warum sie bei den Wahlen so schlechte Geschäfte gemacht hat.< Diegeistigen Waffen" unserer Gegner. In der Frankfurter Zeitung " vom vorigen Sonnabend lesen wir: Vorgestern entwickelte sich in einem von Frankfurt nach Bocken- heim fahrenden Wagen der Trambahn unter den Passagieren ein lebhaftes Gespräch über die Wahl in Bockenheim . Ein Eisen- bahn-Assistent Schneider, der besonders eifrig war, entblö- dete sich nicht>oie uns von einem zuverlässigen Manne mit- getheilt wird den Candidaten der Sozialdemokraten, Herrn Karl Froh me, in den gemeinsten Ausdrücken zu beschimpfen. Herr K. Frohme befand sich aber ebenfalls in dem Wagen. Er soll sich Herrn Schneider genannt und ihn dann in gemessener, anständiger Weise ersucht haben, solche beleidigende Jnvektiven zu unterlassen. Ob Herr Schneider ihn schon vorher gekannt, wissen wir nicht; aber er hielt nicht nur nicht mit seinen Schim- pfereien ein, sondern er schlug sogar wüthend auf Herrn Frohme los. Die anderen Passagiere, die höchst entrüstet über das ganze Benehmen des Beamten waren, intervenirten und der wüthende Mensch mußte kurz vor Bockenheim den Wagen verlassen. Er lief nun voraus und hinter der Warte fiel er nochmals Herrn Frohme mit dem Regenschirme an. Hier soll er aber den Kürzern gezogen und einen tüchtigen Schlag erhalten haben. Unter den Passagieren befanden sich mehrere anständige Herren, von denen man vermuthet, daß sie entschiedene politische Gegner des Herrn Frohme sind; aber über das Benehmen des Herrn Schneider sollen sie doch so empört gewesen sein, daß sie sofort Herrn Frohme sich als Zeugen anboten und einige sogar in seiner Wohnung ihn aufsuchten, um ihr Be- dauern über den schmählichen Borfall ihm auszudrücken." Nun, solcherschmählichen Vorfälle" hat der diesmälige Wahl- kämpf sehr viele zu Tage gefördert. Und das ist nicht zum Verwundern. Bei der haarsträubenden Unwissenheit und der ebenso haarsträubenden Roheit sehr vieler unserer Gegner bleibt diesen, in Ermangelung von Vernunftgründen, nichts übrig als der Laskerknüppel, der freilich, wie das im vorliegenden Fall geschehen zu sein scheint, umgedreht werden kann. Die beste der Welten. Aus Darmstadt bringen verschiedene fortschrittliche Blätter, u. A. die BerlinerVolks- zeitung"(ä- ä. 4. Februar) folgendes soziale Nachtstück: Eine kürzlich hier(in Darmstadt ) durch den Bürgermeister Herrn Ohly veranlaßte Revision betreffs der Verpflegung der Bäckerlehrlinge und-Gesellen hat ein so trauriges Re- sultat ergeben, daß es der größten Sorgfalt und Strenge der Polizeiverwaltnngen auch an andern Orten bedürfen wird, um der Verwilderung der jüngeren Generation vorzubeugen. Her- vorgerufen wurde diese Revision durch folgende Umstände: Beim Unterricht der Bäckerlehrlinge in der hiesigen obligatorischen Fortbildungsschule ergab sich nämlich wiederholt, daß die Knaben in der Schule nicht nur schliefen, sondern sogar auf die Bänke fielen und in Schlaf versanken, wenn man mit ihnen sprach. Bei näherem Befragen der Lehrlinge wegen dieser merkwürdigen(!) Erscheinung stellte sich heraus, daß von 9 die Schule besuchenden Lehrlingen ein einziger eine täg- liche Schlafzeit(innerhalb 24 Stunden) von 6, ein Zweiter eine solche von 5, die Uebrigen nur eine solche von 2 3Va Stunden haben. Die Lagerstätte ist in der Regel ein mit Stroh gefüllter Sack, der in der Backstube auf die Erde, in die Backmulde oder auf die Wirkbank gelegt wird. Hieraus erklärte sich nicht allein die befremdende Müdigkeit der Lehrlinge und physische Unfähigkeit, dem Unterricht zu folgen, sondern auch der Umstand, daß öfter Bäckerlehrlinge am hellen Tage, den Korb mit Backwaaren neben sich stehend, auf Treppen und Fluren in der Stadt in tiefen Schlaf versunken ge- funden wurden. Diese haarsträubenden Enthüllungen veranlaßten nun den Bürgermeister Ohly, die Polizeiverwaltung zu ersuchen, an einem Tage und zu einer bestimmten Stunde, wo die Bäckerlehrlinge und-Gesellen zu schlafen pflegen, sämmt- liche Bäckereien der Stadt, hinsichtlich der Schlafstellen zu unter- suchen. Das Ergebniß der Revision war gar sehr traurig. Bei 33(von im Ganzen 45) Bäckermeistern fand man weder für die Gesellen noch für die Lehrlinge Betten. Die Leute schliefen auf mit Stroh oder Streu gefüllten Säcken, welche bei 30 Meistern in der Backstube auf der Erde oder auf die Backgeräthschaften wie Mulden, Trögen, Wirkbanken aufge- legt waren; beim 31. lagen die Strohsäcke in einer besonderen Schlafstube, beim 32., welcher 1 Lehrling und 3 Gehilfen be- schäftigt, fand man ebenfalls eine besondere Schlafstube mit einer zweischläfrigen Bettstelle, in welcher 2 Mann auf einem Strohsack, die übrigen 2 auf den Backtrögen in der Backstube schlafend lagen. Aehnliche Zustände fanden sich fast durchgehend. Nur 7 Bäckermeister hatten entsprechende Schlafstuben und Betten. Die infolge dessen erlassenen Anordnungen der Polizeiverwal- tung stießen auf energischen Widerspruch, ein Beweis, wie wenig man auf die Heranziehung der Lehrlinge zu ordentlichen Menschen giebt. Aehnliche Zustände dürften sich auch ander- wärts finden und wäre eine bezügliche Revision besonders in den großen Plätzen wohl in der Ordnung." Aehnliche Zustände finden sich überall, und nicht blos in Deutschland . Vor etwa 10 Jahren berichtete Marx über die Lage der Londonsr Bäcker ganz Aehnliches, nur vollständiger. Der Bericht der fortschrittlichen Blätter ist sehr unvollständig: er enthält nichts über die Morbilitäts- und Mortalitäts-(Krank- heits- und Stcrblichkeits-) Verhältnisse im Bäckergewcrk, die notorisch geradezu haarsträubend sind. Die Herren Fortschrittler lieben es eben nicht, den Dingen auf den Grund zu zehn. Thäten sie dies, dann würden sie finden, daß gleichartige(wenn auch nicht immer so grell zu Tage tretende) Zustände in sehr vielen Gewerken bestehen, und daß in allen Fällen das Heu- tige Arbeitssystem mit seiner Ausbeutung des arbeitenden Volks durch die Kapitalisten der Quell ist, dem diese Gräuel entspringen. Und hätten die Herren Fortschrittler das gefunden, dann mußten sie ja Sozialdemokraten werden, oder Sozialdemagogen, wie die BerlinerVolkszeitung", das Organ des berüchtigten Har- monie-Duncker's, sich auszudrücken beliebt, und mit der Aus- beuterei wäre es zu Ende. Statt dessen lupft man dann und wann einmal ein Eckchcn des Schleiers, hütet sich aber wohl, ihn ganz abzuziehen, schimpft tapfer los auf die Sozialdemo- kraten und betreibt ruhig das Ausbeutergeschäft weiter, über dessen nothwendige Wirkungen man von Zeit zu Zeit philan- thropische Krokodilsthränen vergießt die sich ja auch, da es zum Handwerk gehört, in Geld umsetzen lassen. Das ist fort- schrittlich. Bei dieser Gelegenheit unseren Gesinnungsgenossen die er- freuliche Mittheilung, daß unser Berliner Parteiorgan: die Berliner Freie Presse" den Abonnentenstand der Berliner Volkszeitung" überholt hat. Das Organ der Sozialdcmo- kratie in Berlin mehr Abonnenten als das Organ der Fort- schrittspartei: das spricht Bände und verkündet der Partei der politischen Heuchelei ihre Zukunft. Arbeiterelend. DieEssener Zeitung" schreibt:Unsere heimische Kohlenindustrie liegt sehr danieder. Neuerdings begin- nen die Zechen mit Arbeiterentlassung und Einschränkung der Förderung. Auf ZecheTremonia" ist etwa 100 Mann, auf Ver. Dorstfeld" 80, auf dem Dortmunder Kohlenbergwerk Luise Tiefbau" durch die Betriebseinstellung der ZecheWittwc u. Barop" etwa 300 und auf dem Essener BergwerkKönig Wilhelm" etwa 200 Mann gekündigt worden. Weitere Herab- setzung der Löhne soll auf vielen anderen Zechen in den nächsten Tagen durch Anschlag erfolgen." Herrliche Aussichten das und namentlich, wenn man bedenkt, daß schon seit langer, langer Zeit die Löhne so niedrig geschraubt waren, daß es den armen Ar- beitern nicht gelingen konnte, einen Pfennig für die Roth zu hinterlegen. Bedenkt man ferner, daßdieArbeitslofigkeitjetzteineall- gemeine ist, daß es selbst dem fleißigsten und geschicktesten Ar- beiter nicht möglich ist, sonstwo ein Unterkommen zu finden und die Seinen vor Roth und Entbehrung zu schützen; bedenkt man dies Alles, dann geht wohl Manchem ein Licht auf über das eigentlichste Wesen der heutigen Gesellschaft, über dieHerr- lichkeit" im heiligen deutschen Reich und über diegöttliche Weltordnung"? Aber weshalb denn auch über solcheunange- nehme" Erinnerungen nachdenken? Die brotlos gemachten Ar- beiter werden, vom Hunger getrieben, betteln oder Schlim­meres treiben müssen, und dann wirdunsere umsichtige und energische Polizei" derartigeLandstreicher" schonunschädlich machen". Was liegt auch an dem gemeinen Volk? Mag es verelenden und verhungern; was liegt daran, so lange die gute Gesellschaft" noch Alles in Hülle und Fülle hat? Mag der arbeitslose Proletarier sich auf den Gang in's Gefängniß vorbereiten, der schwelgende Bourgeois rüstet sich zu den Orgien des Karnevals! Die Früchte des Kulturkampfs. Bei Besprechung eines in Würzburg erschienenen Werkes über diekatholische Presse in Europa zu Neujahr 1377" bemerkt die sonst gut kulturkämpferischeAugsburger Allgemeine Zeiwng ":Ueber die klerikale Presse Preußens spricht sich das Werk natürlich im höchsten Grade befriedigt und erfreüt aus, und es hat in der That alle Veranlassung dazu, denn nirgend hat die kleri- kale Publizistik solchen Aufschwung genommen, als da, wo sich der eigentliche Heerd deS Kulturkampfes be­findet." Sollte Fürst Bismarck wirklich der einzige Mensch sein, der dies nicht sieht? Oder hätten am Ende doch Diejenigen recht, die ihn für einen heimlichen Katholiken halten?ER ist nicht mit Gold aufzuwiegen!" bemerkte vor anderthalb Jahren einer der Führer des Centrums, vergnügt sich die Hände reibend. Und wahrhaftig, der Mann hatte Recht. Und was gäbe er, und was gäben seine Genossen darum, wenn Fürst Bismarck nicht durch Hof- und sonsttge Einflüsse zur Einstellung seiner Reklamepolitik für die Katholiken genbthigt worden wäre. Kulturkampf. Aus St. Wendel (Rheinprovinz ) wird unterm 2. Februar gemeldet:Herr Landrath Rumschöttel er- läßt folgende Bekanntmachung: Am verflossenen Samstag sind gegen die in Marpingen stationirten Gensdarmen, während sie in Ausübung ihres Dienstes begriffen gewesen, von den dort versammelten Pilgern w. grobe Exzesse verübt worden. Nicht allein, daß die Gensdarmen verhöhnt und beschimpft worden, so ist auch mit Steinen nach ihnen geworfen und sind sogar Schüsse gegen sie abgefeuert worden. In Folge dessen habe ich die Gensdarmen unter Hinweisung aus Z 28 ihrer Dienstinstruk- tion vom 30. Dezember 1820 angewiesen, erforderlichen Falls von der Waffe energischen Gebrauch zu machen. Hier- nach möge sich Jeder, den es angeht, richten, damit er sich nicht selbstverschuldeter Gefahr aussetze."-- Im Anschluß an diesen landräthlichen Ukas ergehen sich natürlicherweise die regierungs- treuen Blätter in langathmigen Jeremiaoen über die Dummheit und Verblendung der bethörten Massen, die noch heute, im 19. Jahrhundert, an Muttergotteserscheinungen und Teufelsspuk glauben. Mit sichtlicher Genugthuung constatiren die ehren- werthen Blätter, daß schon Verwundungen mit dem Ba- sonnet vorgekommen sind. Wie gesagt, dieseliberalen" Blätter sind regierungstreu. Bedenken sie denn auch, daß die von der Regierung im Verein mit der Kirche planmäßig geleitete söge- Bortrefslichkeit dieses Grundgesetzes, und Sie fügten hinzu, daß Jedermann stolz darauf sein müsse, Unterthan eines Monarchen zu sein, der seinem Volk eine solche Verfassung schenkt. Gewiß, wir sind alle darauf stolz, Unterthanen eines solchen Monarchen zu sein; unser Volk ist stolz darauf, und daraus entspringt eben unsere Bereitschast zu jedem Opfer, um die Ehre unseres Vater- landes zu retten; das ist eben die Bedingung unseres Stolzes. Keiner von uns will Unterthan des Staates sein, wenn er nicht dessen Ehre und Unabhängigkeit vertheidigt oder nicht verthei- digen kann. Großwessier: Ja wohl, ein Staat, der allen seinen Un­terthanen Freiheit und Unabhängigkeit gewährt, muß selbst frei mnd unabhängig sein. Ruschdi Pascha: Dieses Grundgesetz ist allerdings erst neulich verkündet worden; aber Se. Majestät hat schon in dem Thronbesteigungs-Hat die Verleihung der Freiheit versprochen. Damals gab es noch keine Conferenz, so wenig wie die jetzige schwierige Lage, d. h. die Verfassung wurde aus freiem Willen Sr. Majestät verliehen. Der Vertreter des griechischen Patriarchen: Ich bin der Meinung Sava Paschas; ich nehme dessen Rede im Namen meiner Glaubensgenossen an. Der Vertreter der Protestanten: Alle Unterthanen haben ihren Antheil an der Verfassung; wir alle sind dessen versichert; es ist kein Streit zwischen Mohamedanern und Nicht- Mohamedanern; wir sind alle Osmanli; Niemand hat sich in unsere Angelegenheit zu mengen. Wie Se. Hoheit der Groß- wesfir bemerkte, ist die Sache sehr ernst, überstürzen wir nicht die Sache; die Ehre des Staates und der Nation autasten, das heißt unser Leben antasten; aber es giebt noch Mittel, die Sachen auf andere Weise zu erledigen; überlassen wir es den Ministcrn, damit sie unsere Ehre retten.(Von verschiedenen Seiten: Jene Zeiten sind vorüber.)(Man lacht.) Halet Pascha(Handelsminister): Ich will unsere Ehre vertheidigcn,� aber ich stimme nicht für Blutvergießen. Wenn es möglich ist, über diese beiden Fragen noch auf eine andere Weise zum Abschluß zu kommen, so dürfte es noch besser sein. (Von allen Seiten Lärm und heftiges Schreien-Das geht nicht, das geht nicht.") Ter Vertreter des armenischen Patriarchen: Es ist nothwendig, daß die Armenier ihre Meinung noch abgesondert abgeben. Der Patriarch ist krank und hat mich zu seinem Stell- Vertreter ernannt. Er sagte: So oft das osmanrsche Reich einen Mann verlangte, waren wir immer dabei, wir haben uns nie abgesondert; wir sind mit dabei; wir sind in jeder Beziehung einig; wir gehorchen dem Staate; wir sind einig mit unfern andern Mitbürgern; sind wir einig, so wahren wir unsere Ehre. (Allgemeines Bravo.) Großwessier: Der Beschluß ist bekannt, das heißt der von der Conferenz gemachte Vorschlag einer Commission, möge sie zusammengesetzt sein wie sie wolle, ist verworfen.(Von allen Seiten: Ja Wohl, ja wohl.) Großwessier: Man sagt, die Gesandten werden abreisen, sie haben Modifikationen vorgeschlagen, aber auch diese sind nicht angenommen, das heißt sie sind unbedingt verworfen? (Von allen Seiten: Ja wohl, so ist es.) Großwessier: Wer anderer Meinung ist, möge auf- stehen. Einige Sekunden lang erhob sich Niemand, und es herrschte allgemeines Schweigen. Ibrahim Pascha: Weder hier noch draußen befindet sich irgend ein Unmännlicher, der anderer Meinung wäre.(Be- stätigt von allen Seiten.) Faik Pascha(Della Sudda, Pharmaceut)(sich erhebend): Ich habe mich erhoben, aber nicht weil ich anderer Meinung bin. Wie der Vertreter der Protestanten sagte, ist es eine sehr ernste Frage. Jetzt weifen wir zwei Borschläge zurück. Wenn die Vorschläge der von ihnen verlesenen Denkschrift angenommen werden, so wird kein Blut vergossen.(Von allen Seiten Lärm und Schreien:Das geht nicht.") Großwessier: Wie ich vorhin bemerkte, wollten sich die Delegirten damit zufrieden erklären, was ihnen von den Mi- nistern offiziös mitgethcilt ist, so würden wir allem Anschein nach uns auf etwas einlassen, dessen Resultat noch unbekannt ist; da dürfte es besser sein, einen Krieg zu führen. Erörtern wir auch noch diese Frage. Cheirullah Effendi: Dem Vernehmen nach sind auch die andern Fragen vom Uebel; weisen wir daher zunächst diese beiden Punkte zurück; später werden wir dann die andern Sachen erörtern.(Zeichen allgemeiner Zustimmung.) Subhi Pascha: Die Minister haben beschlossen, der Eon- ferenz die Constitutton offiziell mitzutheilen. Wenn nun die Abänderung einiger Artikel nothwendig erscheint, heißt das nicht ihnen das Recht zur Einmischung geben? Großwessier: Als vor vierzig Jahren der Hattischerif von Gülhane verkündigt wurde, waren die Gesandten zu dieser Feierlichkeit eingeladen; eine Abschrift desselben wurde ihnen amtlich mitgetheilt. Bor zwanzig Jahren wurde der Fcrman, welcher die Ordnung innerer Angelegenheiten betraf, dem Frie- densvertrag, welcher dem Krimkrieg ein Ende machte, einverleibt. Subhl Pascha: Damals geschah es, weil wir nicht sicher waren, ob diese Befehle auch ausgeführt wurden; jetzt aber ist es anders.(Großes Geräusch.) Damad Mahmud Pascha (Direktor des Artillerie- und Festungswesens): Weisen wir zunächst diese beiden Vorschläge zurück. Wenn später die Minister die Modifikationen in Er- wägung ziehen, wird wieder eine Generalversammlung einberufen werden.(Nach allseitiger Best-itigung und Genehmigung löst sich die Versammlung auf.) Kindereien. In Dresden besteht ein in allen Farben schil- lerndes, aber, so weit ss überhaupt eine Tendenz hat und man dieS eine Tendenz nennen kann, partikularistisches, oder richtiger antinatio« nalliberales Blatt, welches, weil leicht und pikant geschrieben, einen be- deutenden Leserkreis hat: dieDresdener Nachrichten". Seit Langem unseren Nationalliberalen ein Dorn im Auge, sind dieDresdener Nachrichten", weil sie die Candidatur des unglücklichen Mayhoff in Dresden nicht eifrig genug unterstüxten, ihnen vollends verhaßt gewor- den. Wie dieser Haß sich äußert, zeigt folgende Notiz derDeutschen Allgemeinen Zeitung": In Dresden hat sich, wie aus einem Inserat desDresdner An- zeigers" hervorgeht, ein provisorisches Comitö zu Gründung eines Anti-Nachrichten-Vereins gegründet. Das Comitv erläßt eine Einladung für den 5. Februar Abends in Renner's Restaurant zu einer Versammlung aller Gesinnungsgenossen." Es will uns fast scheinen, die Herren Nationalliberalen, sind hi� i von einem Schalk genasführt worden, der für dieNachrichten Re­klame macheu will.