war, zeigte der giftige Bericht in der nächsten Nummer des Correspondent ". Es kowmt häufig vor, daß Arbeitslose einen kleinen Dieb stahl begehen, nur um Quartier und Nahrung im Gefängniß zu erhalten. Dadurch entstehen den Countys eine Menge Kosten und man wird deshalb die Agitation in verschiedenen Staaten, als Lohn für kleine Diebstähle die Prügelstrafe wiedereinzu­führen, begreiflich finden. Die kleinen Diebe, die aus oben angegebenem Grunde stehlen, haut man aus, die großen läßt man laufen alles zur Ersparung von Kosten. O glorreiche, o herrliche Republik! Als hauptsächlich gegen die Arbeitslosen gerichtet, muß man auch das der Legislatur von Süd-Carolina vorgelegte Gesetz, Nothzucht und Einbruch mit dem Tode zu bestrafen, ansehen. Trotz der entgegenstehenden colossalen Schwierigkeiten macht dieSozialdemokratische Arbeiterpartei der Vereinigten Staaken" gute Fortschritte. In vielen Städten werden jetzt von den Ge- NossenLehr- und Wehrvereine" organisirt, um die Arbeiter im Exerziren und in der Handhabung der Waffen zu unterrichten. Die Organe der Kapitaliften find wüthend darüber. DerVorwärts" in Newark , dieNeue Zeit" in Louis- ville i. Kg., u. s. w. sind eingegangen. Von derNeuen Zeit", in deren Verwaltung fich volksfeindliche Elemente ein- geschlichen hatten, hatten sich die Louisviller Genossen schon lange vor dem Zusammenbruche zurückgezogen. Nach meiner Ansicht sind leider noch mehrere tägliche Parteiorgane in großer Gefahr. In der Regel ist bei der Gründung dieser in riefen- hastem Formate erscheinenden Zeitungen nicht mit der gehörigen Vorficht verfahren worden. Der Jahrestag der Commune ist von fast allen Sektionen festlich begangen worden und find mitunter großartige Erfolge erzielt worden. Schließlich bemerke ich noch, daß die Zeitungen jeden Tag über mehrere Hinrichtungen zu berichten Gelegenheit haben, u. A. sind vorgestern auch wieder dreiMolly Maguires" in Pcnnsylvaniengehängt" worden. Die Begnadigungsbehörde hat die Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthaus­strafe abgelehnt. Natürlich! Waren es dochgeistig ganz tief stehende Arbeiter", die, um sich von der beispiellosen Bedrückung zu befreien, in ihrer Beschränktheit kein anderes Mttel fanden, als fich an den Peinigern zu vergreifen. Das muß gerächt werden. Abgesehen aber von der schon vorhandenen ungeheuren Ueberfüllung der Gefängnisse würde es ja dem Staate Kosten verursachen, wenn man die Kerle lebenslänglich gefangen hielte, viel besser und billiger ist's für die Herren Bourgeois, man hängt sie auf? Emil Klässig. Sozialpolitische Uebersicht. Auflösung des Reichstags. Obgleich Fürst Bismarck an einem seiner Bierabende erklärt hat, daß es ihm nicht ein- falle, den Reichstag jetzt aufzulösen, mehren sich doch die Stim- men, welche die Vermuthung aussprechen, daß der jetzige Reichs- tag im nächsten Herbste das Zeitliche segnen werde. Auch die sonst sehr vorsichtigeWeserzeitung" giebt diesem Gedanken in Folgendem Ausdruck: Hat Bismarck die freihändlerischen Elemente aus der Re- gierung ziemlich gewaltsam entfernt, so wird er nicht bei dem vorherzusehenden Widerstande deS Reichstages die Hand sinken lassen. Will er schutzzöllnerisch regieren, will er die bekannten finanziellen Pferdekuren durchführen, will er mit einem Mini- sterium regieren, das wenig oder keine Fühlung zur national- liberalen Partei hat, so bedarf er einer anderen Reichstags- Majorität, und auch der Wunsch, den Reichstag nicht aufzulösen, wird stärkeren Wünschen das Feld räumen müssen. Es giebt ferner Gründe, die auf eine baldige Verwirklichung der Auf- lösung hindrängen. Je gefahrvoller die auswärtige Situation ist, desto stärker wird beim deutschen Volke der Wunsch sein, das Steuer des Staates in Bismarck's starker Faust zu sehen; sein angegriffener Gesundheitszustand treibt den Kanzler überdies zur Eile. Die Situation trägt daher trotz wieoerholter De- mentis den Charakter der Spannung." DieWeserzeitung" spielt hier auf die Weigerung der Reichs- tagsmajorität an, Herrn von Bismarck das Tabaksmonopol zuzugestehen. Wir stehen anderen angeregten Differenzen Frcihandeln und Schutzzoll nicht so sehr nahe und können deshalb mit der größten GemüthSruhe der evenwellen Auflösung entgegensehen. Die Sozialdemokratie ist diejenige Partei, welche eben aus jeder Neuwahl agitatorischen Nutzen zieht. Eine traurige Erscheinung tritt in dem kürzlich aus dem preußischen Kriegsministerium hervorgegangenen statistischen Sanitätsbericht für das Rapportjahr vom 1. April 1873 bis Zwei Geschichtsabschnitte. (Schluß.) Das Christenthum also, das unseren Bätern als Ausdruck ihrer Weltanschauung diente, hat aufgehört, für uns dasselbe zu sein, und darin gleicht gerade unsere heutige Periode jener Zeit der heutigen Geschichte unsere heut herrschende Gesellschaft, die es gerade war, die die Nichtigkeit der idealistischen Anschauung ausdcckie, war und ist nicht im Stande, ein neues und besseres Prinzip an Stelle des abgelebten zu setzen. Und so schwebt denn auch sie in der Mitte zwischen Himmel und Erde, zwischen Idealismus, auf den ersten als unerreichbar Verzicht leistend, und zu ohnmächtig, den letzteren zu erfassen und sich ganz zu "ähnlicher' Lage wie jene Römer fich befindend, muß noth- wendig die Gesellschaftsphyfiognomie eine gleiche sein. Da fällt unser Auge zunächst auf die krassen Klassenunterschiede. Eine winzige Anzahl Menschen drängt sich in den Vordergrund, kennt nur sich, lebt nur seinen Vergnügungen und hat kern Herz für die dahinter sich drängende unabsehbare Masse des Volke«, das trotz seiner sklavischen Arbeft nicht mehr erreicht, als sein und seiner Nachkommen elendes Leben zu fristen. Und das kaum. Dasgoldene Kalb" hat abermals Fleisch und Blut angenommen, es hat sich abermals auf den alles beherrschenden Sitz ge- schwangen, es ist abermals das Ideal der Gesellschaft geworden, wonach Alles strebt und um welches im widerlichen Reigen sich Alles dreht... Auf den ersten Blick ist es auffällig, daß ein Prinzip, das in Wahrheit längst überwunden ist, in der Wirklichkeft noch zu herrschen im Stande ist. Dieser Umstand erklärt sich aber theils aus der zweitausendjährigen Gewohnheit; der blmde Glaube wird dem Kinde eingeimpft und macht eS zur Karrikatur. Das Geschöpf nennt fich Christ, hat aber von dem G.-iste des Christen« thutnS.leine Spur an sich. Nicht mehr im Glauben und dem Herzen der Menschheit herrscht das Christenthum, sondern einzig und allein als Mittel zum Zwecke. zum 31. März 1871 über die Ursachen der Dienstuntauglichkeit der im ersten Dienstjahre stehenden Rekruten uns entgegen. Es sind nämlich wieder entlassen worden: wegen Gefichtsschwäche 231, Blindheit 121, hochgradiger Kurzfichtigkeit 135, wegen Kropfes 46, Abnormität des Rückgrats oder des Brustkastens 59, wegen Unterleibsbruches 334, Wasserbruches 17, Krampf- aderbruches 66, wegen Abnormität der Gliedmaßen 150, wegen Steifheit des Daumens 55, Steifheit eines Fingers 184, wegen Plattfuß III, Krampfader 93, wegen hervorragender Fußballen 15, wegen schwacher Brust 176 in Summa 1773. Bei der Aushebung scheinen die Herren Aerzte es nicht ernst genug, oder sagen wir allzuernst zu nehmen, so daß sie eine große An- zahl Dienstuntauglicher mit einstellen. Welche große Berant- wortlichkeit sie dadurch für die Gesundheit und selbst für das Leben der so Eingestellten übernehmen, dürfte Jedem klar sein, der da weiß, mit welcher Eigenthümlichkeit diejenigen Kranken, deren Krankheit nicht sofort zu erkennen ist. als Simulanten bei dem Militär behandelt werden. 1773 junge Männer, die im Civilleben wohl meist ihre Heilung gefunden hätten, find in einem Jahre, zum großen Theil durch unüberlegte Einstellung in die Soldateska, zu langwierigem oder gar unheilbarem Elend verdammt! Das ist auch eine solche Blüthe am Baume unseres heutigen Militarismus. Bon derNemesis" ereilt. Wir berichteten schon mehrfach von dem vermeintlichen Attentäter Schreiber Lugowski und denEindruck", welchen der angebliche Mordplan desselben in den betr.Kreisen" hervorgebracht hatte. Jetzt erzählen die Zeftungen: Der bekannte, hier seiner Zeit in einem Hotel der Roß- straße abgestiegene Pole, Secretär Lugowski, welcher sich durch ein angeblichesAttentat auf den Kaiser und Fürsten Bismarck" eine traurige Berühmtheit verschaffte, sollte bereits am 24. d. M. vor den Geschworenen erscheinen, bat jedoch, die Verhandlung Ju vertagen, da sein Gesundheitszustand ein sehr zerrütteter ist. )iesem Wunsche wurde seitens des Gerichtes gewillfahrt, da in der That der Gesundheitszustand des Lugowski ein sehr bedenk- licher ist und dessen Tod(an Schwindsucht) wohl bald zu er- warten ist." Wir haben es hier wieder mit einer jener wunderbaren Fügungen zu thun, welche fich seit Bestehen des neuen Reiches der Gottesfurcht so oft wiederholen und welche klar beweisen, daß der Himmel selbst entschieden reichsfreundlich ist. Dieser Lugowski hatte einmal in den betreffendenKreisen" unan- genehmeEindrücke" hervorgerufen ob mit oder ohne Grund, ob er was dafür konnte oder nicht, ist ja schließlich ganz gleich und siehe da die Vorsehung findet alsbald ein ebenso einfaches wie durchschlagendes Mittel, allen fernern Besorgnissen betreffs dieses Menschen ein Ende zu machen. Welches immer auch die Absichten dieses neuen Möros gewesen sein mögen eines steht fest: Lugowski wird nicht mehr attentaten. Es ist wahr der Unglückliche ist darüber im Kerker gestorben; aber wer kann dafür, daß Kriminaluntersuchungen so lange dauern müssen und daß gerade sein Fall so ganz besonders ver- wickelt ist, daß fich die Untersuchung noch länger als gewöhnlich hinzog? Es erweckt ein eigenthümliches Gefühl, zu sehen, wie in unserercivilifirten" Zeit mit Menschenleben wißt Ihr, was das heißt: Menschenleben? umgegangen wird, wie spielend die Menschen und heißen sie auch nur Lugowski so ohne Weiteres aus der bürgerlichen Gemeinschaft weggerissen werden können, um in die Kerkerzelle geworfen zu werden, allen Qualen eines solchen Ortes preisgegeben, von der Welt abgeschnitten, außer Stande, sich ihr vernehmbar zu machen, zu ihr zu sprechen, fich wirksam zu vertheidigen, zu rechtferttgen, und das alles, ohne irgend welcher Schuld schon überführt, vielleicht gar keiner sich bewußt zu sein und so hinzusiechen, so lange, bis ihnen die Lust zu aller Vertheidigung und aller Rechtfertigung vergeht und sie, still und stumm, den Mund über all die erduldeten Leiden für ewig geschlossen, in die Grube hinabfahren; aber wer kann dafür, daß dieser Mensch gar so zimperlich war und wegen so was auch gleich gestorben ist an der Schwindsucht! A propos man erinnert sich all der Räubergeschichten, die seiner Zeit über Lugowski colportirt wurden und die ihn zu einem Ichinderhannes zu machen fich die redlichste Mühe gaben. Zur Ergänzung derselben dient eine Correspondenz aus seinem Wohnort Schönlanke , welche damals die(doch wohl nicht reichs- feindliche?)Nattonal-Zeitung" brachte und in welcher es u. A. hieß: Im Uebrigen ist der Lugowskl ein eingeschüchterter Blondin, der an Mord wohl nie gedacht hat; sein Äeußeres ist sonst ein- nehmend. Es hat im hiesigen Städtchen allgemeines Aufsehen erregt, daß dieser junge Mann ein so raffinirter Schwindler ist." Lapisnti sat, d. h. auf Reichsdeutsch:Pst! Stille!" Eine andere mächtige Stütze findet die idealistische Weltan- schauung in den Interessen der herrschenden Klaffen. Diese Herren, selbst kalt und gleichgiltig dem Christenthum gegenüber, sind dagegen ängstlich besorgt, daß das Volk nicht aus dem ge- träumten Himmel herabfalle und durch den Fall etwa erwache. Erst die Zahlung von so jund so viel Steuern berechtigt zur Gleichgilligkeit. Hätte doch der Arme gar keinen Halt, wenn nicht die Hoffnung auf ein zukünftiges Besserwerden vorhanden wäre; der Bourgeois dagegen hat schon in dieser Welt etwas Materielles, Greifbares, woran er sich hält, was er den Armen gegenüber sanktionirt und als die Basis deS ganzen Gesellschafts- lebens hinzustellen versucht. Vermöge seiner Macht und seines Einflusses auf Staatseinrichtungen jeder Art, Volkserziehung, Presse rc. ist er im Stande, noch ein Prinzip als Mittel zu ge- brauchen und das somit schon durch diesen Gebrauch seinen Cha- rakter verliert. Noch immer zwar theilen sich unsere Himmelsgläubigen in zwei Lager: das katholische und das protestantische, aber weder die Einen noch die Anderen meinen es ernst mit ihrem Thun . In beiden Lagern sind wahrhast Gläubige, d. h. Solche, die blindlings ihrer Lehre anhängen und glauben, dieselbe sei noch im Stande, die Welt zu beglücken, gleich selten; ein bedeutendes Contingent zu diesen Anhängern des Christenthums stellen die, die fich aus Interesse irgend einer Art um jene wurmstichige Fahne sammeln; die dritte Abtheilung, die die bei weitem größte Zahl von Anhängern hat und fich zumeist aus den fichgebildet" nennenden Klassen zusammensetzt, find jene GleichgilUzeu, die eine Ehre darein setzen, gar nichts zu sein, jedes Prinzip nach dem Monde verbannt zu haben und verächtlich auf alle die herabblicken, die fich nicht zu ihrer farblosen Fahne und zu ihrer, d. h. der öffentlichen Meinung bekennen. Kein Zweifel, dieses ist die erbärmlichste Sorte, denn nur ein Mensch ohne all' und jeden Charakter und der in Folge dessen seine Situatton gar nicht begreift, kann in dieser Lage leben. Komisch ist dabei, daß man gerade von Seiten dieser Leute häufig klagen hört über die Armuth unserer Zeit an großen Männern. Wo sollen denn aber in dieser Gesellschaft bedeutende Geister aufkommen, Die Berliner Polizei und die Sozialdemokratie. DieMagdeb. Ztg.", welche sicherlich nicht im Verdachte der Sozialistenfreundlichkeit steht, verurtheill in einem längeren mft: Grober Unfug" überschriebenen Arttkel den groben Unfug, welcher in neuerer Z-it von der Berliner Polizei mit dem straf- rechtlichen Begriff:Grober Unfug" getrieben wird. Das Blatt meint, daß unter den Wortengrober Unfug" vom Strafgesetze nur Ruhestörungen und Ungebührlichkeiten, welche zu einer Be- lästigung von Staatsangehörigen führen,»erstanden werden. Würde man dem hier einschlägigen§ 360 Nr. 11 deS R.-Str.- G.-B.eine andere Auslegung geben, so würde er zu einem höchst gefährlichen Werkzeuge des subjektiven Beliebens, zu einem Kautschukparagraphen" ersten Ranges werden, und daran hat der Gesetzgeber sicherlich nicht gedacht". Ganz gut, wenn der Gesetzgeber nicht daran gedacht hat. Aber daran hätte erdenken sollen, daß die Polizei in unserm heutigen Staate nahezu all- mächttg ist; daß sie so ziemlich alles thun und lassen kann, was ihr beliebt. Hätte derGesetzgeber" daran gedacht und hätte er demsubjekttven Belieben" ein für allemal ein energisches und unzweideutiges strafgesetzliches Halt evtgegengerufen, die Berliner Polizei hätte nicht gewagt, Sozialisten, die zum Austritt aus der Landeskirche aufgefordert haben, wegengroben Unfugs" zur Rechenschaft zu ziehen. Die Stöckerianer haben den kühnen Ensschluß gefaßt, bei den kommenden Reichstagswahlen in Berlin ihr Glück zu versuchen. Stöcker wird als derjenige bezeichnet, der im 6. Ber - liner Wahlkreise gegen unfern Genossen Hasenclever zu kan- didiren gedentt. Gegen Fritzsche wollen die Leutchen Grüne- berg oder Küster loslassen. Das wird einen Hauptspaß ab- geben. Ach wäre die Zeit der Wahl nur erst herangerückt! Aus einer Hauptübersicht, die der sächsische Unter- richtsminister über die sächsischen Unterrichtsanftalten hatte zu- sammenstellen lassen, hatten wir bekanntlich(s. die sozialpolitische Uebersicht der Nr. 28 desVorwärts") das unsre heutigen Zu- stände grell beleuchtende Ergebniß erhalten, daß in Sachsen auf den einzelnen Studenten und Schüler der höheren Unterricht»- anstalten ein Staatszuschuß von 107 Mark geleistet würde, wäh- rend auf den einzelnen Schüler der niederen Unterrichtsanstalten nur ein solcher von 2'/- Mark entfalle. Diese häßliche Thatsache abzuschwächen, fühlte sich ein Herr R. in Chemnitz berufen, und da dieChemn. Fr. Pr." unsre Daten benutzt hatte, so richtete er seine Polemik unter Benutzung derChemn. Ztg." gegen unser dorttges Parteiorgan. Aber wie polemisirt der edle Herr: Er nimmt die» direkte Einkommensteuer zu Hilfe und sucht aus dem Umstände, daß die vermögenderen Klaffen den größeren Theil derselben aufzubringen hätten, den Nachweis zu liefern, daß in dem Unterstützungsmodus der sächsischen Uiiierrichlsanstalten Seitens des Staates eine Ungerechtigkeit, ein Mißverhältniß gar nicht existire. Wir halten es für überflüssig, von den Ziffern, mit denen Herr R. aufwartet, auch nur eine anzuführen, da sie zur Sache nichts beweisen. Thatsache aber ist, daß die diretten Staatssteuern in dem Budget eines jeden Staates eine sehr nebensächliche Rolle spielen und daß der bei weitem größte Thell der Staatsausgaben durch Einnahmen aus der indiretten Steuer, die, wie der Chemnitzer Schlaumeier sehr gut wissen wird, ledig- lich von den ärmeren Volksklassen aufgebracht wird, bestritten wird. Aber selbst die direkte Steuer kommt in ihrer Wirkung der indirekten Steuer gleich. Der Rentier, Bankier, kurz der moderne Geschäftsmann überhaupt, versteht fich auf die Profit- macherei wie der Fuchs aufs Rauben; und derjenige Geschäfts- mann wäre ein Dummkopf, wie er im Buche steht, der es nicht verstünde, jede Steuer, trete sie aus in welcher Gestalt immer, durch seinGeschäft" wieder herauszuschlagen. Es ist also zum mindesten sehr dreist, für die höheren Bildungsanstatten das R-cht einer ausgiebigeren Staatsunterstützung zu beanspruchen, weil die vermögenden Klassen angeblich den größten Theil der direkten Steuer aufbringen. Der französische Marineminister hat an die Gou- verneure der Strafkolonien von Neu-Caledonien und Cayenne eine Verfügung erlassen, nach der die Prügelstrafe fortan nur in ganz bestimmten Fällen zur Anwendung kommen soll. Danach darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Gouverneursgeprä- gelt" werden, nachdem der Gouvernenr einen Bericht des Di- rettors der Strafoerwaltung und das Gutachten einer besondern Commission eingeholt hat. Die Verfügung schreibt außerdem vor, daß die Leibesstrafen nur bei den schon in die Correktions- Abtheilungen gestellten und auf Lebenszeit verurtheilten©träft lingen und dann nur in solchen Fällen in Anwendung komme« dürfen, wo die Thatsache« nicht vor das Kriegsgericht verwiesen werden können und der disziplinarischen Bestrafung verfallen. Wir hätten die Verfügung des französischen MarineministerS Ivo sollen sie Fuß fassen können, welches Prinzip soll sie tragen, wenn die Gesellschaft es.sich zum Prinzipe macht, kein Prinzip und keinen Boden zu haben? Wie sollen Charattere aus einem Guß aufkommen, wenn die Gesellschaft bald nach rechts, bald nach links gezogen wird; wie soll eine Gesellschaft Bedeutendes leisten können, wenn sie selbst nicht weiß, was sie will? Der Mangel dieses sittlichen Haltes offenbart fich in gleicher Weise bei uns, wie wir das in der römischen Welt, zu Cäsaris Zeiten und später, sehen. Sowohl im politischen wie im sozia« len Leben tritt dieser Mangel unzweideutig hervor, und seine herrlichste Frucht auf polittschem Gebiete ist der Nationallibera- lismus, zusammengesetzt au» Anhängern jener dritten Abtheilung vonGottesfürchtigen". Der nun überlebte Culturkampf zeigt uns so recht deullich das Schwanken dieser Halbmenschen zwischen der alten und neue« Welt, den gänzlichen Mangel eines jeden sittliche» Halte». Leute, die sich berufen glauben, für die Freiheit des Menschengeiste» zu kämpfe», können fich noch nicht zur confesfionsloien Schule erheben, können fich noch nicht einer Hülle entledigen, deren Inhalt längst verflogen ist; sie nennen sich kacholisch oder pro- testantisch, tragen aber weder von der einen noch von der ander« Religion eine Spur im Herzen. Nicht die Kraft haben sie, fich äußerlich von dem loszusagen, mit dem sie innerlich längst ge« brachen. Sie nennen sich die Beschützer der von der Religion befreiten Wissenschast, sagen stolz, dw Wissenschaft müsse mft dem Staate gehen, können sich aber mft den Resultaten ihres Pflege- kindes nicht vertragen, und bekämpfen sie auf alle mögliche Weise. Sie haben versucht, die Wissenschaft, Voltserziehung. Presse-c. von der Religion zu lösen, aber nicht um diese wichtigen Fak- toren der Civilisation sich selbstständig entfalten zu lassen, son- der» sie haben diese Culturpflanzen nur au« dem Felde der Kirche in das eigene umzupflanzen gesucht. Wie bei den Römern, so auch bei uns sind alle Rechtsbe- griffe und Ideale in der allgemeinen Versumpfung erstickt; alle seine Kräfte, all' sein Streben richtet der Mensch nach dem Gelde, die Mittel, dieses Ziel zu erreichen, find durch den Erfolg'w Boraus geheiligt;Agiotage und Liberalismus sind so recht die