tu tl brf if* H so menscheufreundlich«, daß wir mehr Sclaven als freii Ar- beiter sind. Wir haben z. B. seit unserem Hiersein. Mitte Mai. nicht einen Cent Geld erhalten, obwohl alle Leute fort- während arbeiten. Ich will Sie mit Aufzählung aller Dinge nicht langweilen. Genug, wir muffen gehen und wollen uns ein anderes Land suchen. Da ich nun erfahre, daß bezüglich der Ab- gäbe von Land schon früher mit Ihnen unterhandelt wurde— ich selbst bin erst aus Egypten(Afrika ) der Colonie nachgereist— so erlaube ich mir, nachstehende Fragen an Sie zu rickten, nm deren schleunige Beantwortung ich jedoch der Dringlichkeit wegen bitten würde, und nach deren Eintreffen ich sofort mit zwei Mit- gliedern zur Einsichtnahme des Landes abreisen würde. Ich nehme an, daß Sie über die Colonie so ziemlich unterrichtet sind, füge jedoch bei, daß wir aus Sachsen allein bei ordentlicher zweiten Ansiedelung noch auf Tausende von Nachzüglern rechnen können; hat doch der Bcrein selbst noch 300 Mitglieder in Deutsch - land. Dr. Schneider, Präsident der Colonie„Saxonia ", Muuising, ScLoolkraft Co. Mich. Dieser„Doktor" Schneider steckt offenbar trotz seine? jämmer- lichen Gewinsels mit der famosen„Company" unter einen: Hut. Er bestätigt, was der„Volksstaat" so oft bis in'S Detail ausge- führt hat, daß der Boden in Mnnising durchaus unergiebig ist, daß daS Klima sich dem russischen oder sibirischen nähert und daß die Colonisten von der„Munistng Jrou Company" auf daS Schmählichste betrogen und genasführt sind.„Ptehr Sclaven, als freie Arbeiter", damit ist unseres ErachtenS genug gesagt, um jedem vernünftigen Menschen über die„Colonie Saxmiia" die Äugen zu öffnen. Nichtsdestoweniger rechnet der„Doktor" Schneider mit einer Gemüthlichkeit, um welche ihn ein Bismarck beneiden dürste, noch auf„Tausende von Nachzüglern", obwohl er weiß, daß diese erst noch— und hoffentlich vergeblich— zu erwatte ndcn Taufende ganz derselben Noth, demselben harten Klima und derselben Sclaverei unabweisbar änheim fallen mliffen. Daß, nachdem solche Thatsachen durcb den-„Präsidenten" der Colonie selbst an die Oeffentlichkeit gekommen sind, der„Verein" seine 300 Mitglieder in Deutschland behalten wird, wollen wir zu Ehren des gesunden Menschenverstandes nicht annehmen. Die un- verschämte Prellerei der Auswanderer durch die„Company", wie sie dem ersten Zuge widerfahren, wird den etwaigen Nachfolgern nicht erspart bleiben. Der Brief des„Doktor" Schneider aber giebt uns erneute Veranlassung, die deutschen Arbeiter und na- nientlich die sächsischen, von denen man„Tausende von Nachzüg- lern erwartet, zu warnen, sich nicht serner von Schwindlern und Betrügern als Ausbeutungsobjekte benutzen zu lassen. Gieße«: G. Mittenberger, Neustadt litr. v. 201. Stade: Wa- gener, pr. Adr.: Schneidermeister Bremer , StockhauS. Würzburg : I. Ledermann, 4. Distr. Reurergasse Nr. 8. Nürnberg , 3. Nensing, GeierSberg pir. 16.' IV. Augsburg : A. Büttner, per Adr.: Bernhardt u. Comp., Karlstr. ci. 78. Großenhain : A. Ku- nath, Marktgasse Nr. 252. 1. Barmen: F. Krejei, Schaafbrückcn- straße Nr. 9. Gotha : F. Knopf, am Berg Nr. 41. Elberfeld: H. Krellmann, Untergrünenwalderstr. Nr. 24. Bamberg : Ruhl pr. Adr.: Schneider Iörstel, Sandbad 1691. RcgenSburg: M. Erndl, Kepplerstr. v. 46. 3. Stock. Pforzheim : Franz Ueber, pr. Adr.: W. Freyvogel, Marktplatz. Halle a/S. Julius Bever, kl. Sandberg 21, Hof rechts, 1 Tr. Landshut : Johann Huber, per Adr.: B. Englhardt, Schneidermeister, untere Altstadt Nr. 104. Die Mitgliedschaften Fütth und Schweinfurt sind bekanntlich eingegangen, sowie auch erst seit kurzer Zeit Pirna ,„wegen Mangel an Betheiligung". Im Austrage des Ausschusses. Mit Gruß und Handschlag Herm. Weck, Geschäftsführer, BernSbachstraße, 23. lll. Innere Partei-, BerwaltnagS- und OrgauisatiouS- Augelegeuhelten. Protokoll betreffend. Den Vertrauensmännern zur Nachricht, daß in dieser Woche das Protokoll des diesjährigen �arteikongresses zur Versen- dung gelangt. Das Protokoll ist 6 Bogen stark und kostet per Stück 3 Sgr. Die Zusendung erfolgt franko bei Bestellung von niindestenS 5 Exemplaren. Die Vertrauensmänner werden aufgefordert, Bestellungen auf das Protokoll sofort zu macheu und den Betrag möglichst gleichzeitig in Briefmarken miteinzusenden. Hamburg , 3. Oktober 1873. Der Ausschuß. I. A.: Parteikassirer H. Benneke, kleiner Schäferkamp 34. Internationale Gewerkschaft der Maler, Lackirer und Vergoldet. In Nr. 91 dieses Blattes, welche einzusehen leider erst heute (4 Tage später) ich Gelegenheit habe, findet sich die Urabstimmung über einige Paragraphen des Statuts ausgeschrieben, die von wesentlichen Einfluß auf die Entwicklung der Gewerkschaft sein dürften, so daß es nothwendig erscheint, einige Worte darüber zu verlieren. Hoffentlich kommt der damit beabsichtigte gute Rath noch rechtzeitig, um diese ohnehin schwache Gewerkschaft vor Schaden zu bewahren. So einverstanden man auch, auf allgenieine Erfahrung gestützt, mit der beantragten Aenderung des§ 1 sein muß, so sehr die vorgeschlagene Aendening dringend geboten erscheint, so sehr muß man doch gegen die Aenderung des ß S und 6 sich erklären. In allen Gewerkschaften besteht diese 13-wöchentliche Probezeit, und noch keine hat Ursache gehabt, diese Bestimmung zu ändern, im Gegentheil, alle sind sehr gut dabei gefahren. Ebenso ist es mit tz 6, und wenn bei den meisten anderen Gewerkschaften auch die bezeichnete Frist nicht auf vier, sondern auf sechs Wochen festgesetzt ist, so ist daS aber auch die allerhöchste Frist, die überhaupt gesetzt werden darf. Durch eine Aenderung des Statuts in der beau- tragten Weise, 8 Wochen Probezeit, und das Recht, 8 Wochen mit dem Beitrag zu restiren, ist jeder Unordnung Thor und Thür geöffnet, und die Existenz der Gewerkschaft geradezu in Frage gestellt, indem thatsächtich dann solche Mitglieder, die in allen Gewerkschaften unter die Rubrik säumige Zahler gehören, groß gezogen, ja sogar prämiirt werden. Hoffentlich wird die Aenderung dieser beiden Zß 5 und 6, die in ihrer jetzigen Fassung sehr gut sind, abgelehnt. Ein Gewerkschaftler, der etwas davon zu verstehen glaubt. Gewerksgeuossenschaftliches. Allgemeiner deutscher Schneider-Verein. ßhewnih, 1. Okt. Ein Wort über die sogenannte„In- terpellation" der Braunschweiger Mitg ltedschaft resp. C. Ludolph'S. ES könnte nach dem Artikel der Braunschweiger Mitgliedschaft, resp. C. Ludolph'S(siehe Nr. 91 d.„V.") den Anschein gewinnen, als leiteten den jetzigen Ausschuß womöglich unlautere Motive, die Uebersiedclung der Geschäftsführung nach Braunschweig so lange als irgend möglich zu„verschleppen", ja noch mehr, dieser Aufsatz ist sogar dazu angethan, den jetzigen Ausschuß den Mitgliedschaften gegenüber zu diskreditiren! Deshalb halten wir cS für unsere Pflicht, hierüber eine nähere Erklärung abzugeben. Nach dem Datum des Poststempels erhielten wir am 30. August die Bekanntmachung von der Neuwahl des AuS- schusseS und am 15. September fanden wir dieselbe im„Volks- flaat". DaS ist also eine„Verschleppung" von nicht 4 Wochen, sondern von 15 Tagen!! Wie es nun kam, daß der Ausschuß cS doch nicht so genau mit der Veröffentlichung genommen hat, als wie er eS hätte nehmen sollen— darüber folgendes: Wenn wir genau nach dem Wortlaut des Statuts gehandelt hätten, so wäre die GeschästSleitung gerade mit Ende des 3. Quartals, d. h. mit Ende September nach Braunschweig übergesiedelt.— Der Braun- fchweiger Ausschuß noch nicht eingerichtet— und gleich die Ab- rechnung vor der Thür— dies, glaubten wir, könnte Veranlas- fung zu verschiedenen Unregelmäßigkeiten geben, und wir glaubten im Interesse des Vereins sowohl als des neuen Ausschusses zu handeln, wenn wir uns dieser Arbeit noch unterzogen', umsomehr, als erst mit Ende dieses Quartals daS volle Geschäftsjahr deS hiesigen Ausschusses beendigt ist! ES ist dies voriges Jahr so ge- handhabt worden, und wir haben desgleichen gethan, aber nicht deshalb, weil eS voriges Jahr fo Usus war, sondern da uns hierzu dieselben Motive leitete»!— Uns war eS voriges Jahr sehr willkommen, daß Freund Reimann(der frühere Geschäftsfüh- ser) sich dieser Arbeit noch unterzogen hatte, denn dadurch war e« uns möglich geworden, uns näher in der Sache zu oricntiren. Wir glauben, dies wird genügen� um in dieser Angelegenheit die nöthige Aufklärung zu verschaffen. Wir können jedoch nicht umhin, dem neuen Ausschuß zu Braunschweig den Rath zu ertheilen, künftighin in derattigen Fällen etwas vorsichtig zu Wette zu gehen, denn durch Uebereilung derartiger Sachen wird größtentheilS der Sache mehr geschadet als genützt! Es dürste sich auch hier der Spruch bewahrheiten„blinder Eifer schadet nur". Auf Wunsch der Leipziger Mitgliedschaft folgt hiermit die Be- vollmächtigten-Liste: »erlin: Aug. Wendt, alte Schönhauserstraße Nr. 11, Eing. Muladtstr. 3 Tr. Bremen : F. Busch, Göthstr. Nr. 11. Braun- ichweig: E. Schäfer, Marstall Nr. 13. Baurcuth: A. Lauter- tkorn, M. 451. Schweizer , Münzgasse 170. S-drstf. Chemnitz : - Weck, Bernsbachstr. 23. III. Frankfurt a O.: Blandow. vrststr. Nr. 8. Leipzig : M. Stumpf, Ncukirckbof Nr. 31. Correspondenzen. Burgstädt , 30. Sept. Der wahrheitsgetreue Bericht im „Volksstaat" über die Landtagswählerversammlung am 14. Sep- tember auf Bellevne, in welcher Herr Dr. Birnbaum in gerade nicht liebenswürdiger Weise gegen die Arbeiterklasse loSzoz, scheint einem Correspondenten deS national-liberalcn„Leipziger Tageblatt " nicht recht zu behagen, denn er sucht seinen Lesern begreiflich zu machen, daß der Bericht gehässig und verlogen sei, ohne anzugeben, was Unwahres in demselben enthalten ist. Der Schreiber des Tazeblattattikels kann sich nicht ärger brandmarken, als wenn er schreibt, der Interpellant und Einsender der Burgstädter Corre- spondenz sei der Führer der Burgstädter Sozialdemokraten. Fast scheint es, als ob der Tageblattschreiber einen jeden Arbeiter für einen Führer hält, der nicht ruhig mit anhören kann, wenn ein „Gelehtter" die Mittel und Wege angiebt, wie die Arbeiter noch mehr zu unterdrücken sind. Wäre diese Bezeichnung in der Ber- sammlung geschehen, die anwesenden Leipziger würden sicher ersah- ren haben, wer der Interpellant war, und das„Tageblatt" hätte seinen Lesern nicht den Bären aufbinden können, Dr. Birnbaum habe dem Führer der Burgstädter Sozialdemokraten gcgcnüberge- standen. Wenn weiter gesagt wird, die Rede des Herrn Professor wäre in ihrer Bedeutung von dem Betreffenden mißverstanden, so kann der Tageblattberichterstatter sich beruhigen und glauben, daß der Arbeiter die gegen ihn geschleuderten Worte sehr wohl versteht. Daß der Herr Dr. Birnbaum in ruhiger und humaner Weise zu seinen Wählern gesprochen, ist nicht zu leugnen, ist wohl auch nicht anders(?) von einem Professor» erwarten: daß er aber in ver» letzender Weise den Arbeiterstand angriff, und der Regierung den Borwurf machte, daß sie nicht energisch genug gegen die Bewe- gung unter den Arbeitern vorgeht, diese Motte haben nicht nur unter dem Arbeiterstand angestoßen, sondern auch theilweise bei seinen Wählern, und wäre eS Manchem erwünscht, wenn ähnliche Versammlungen öfters wiederkehrten, denn diese sind die beste Agitation für die Sozialdemokratie. Bertt«. Die Fortschrittspartei kann nicht mehr mit solcher SiegeSgewißheit auf ihr liebes Berlin blicken. Trotzdem die radi- kalen Elemente theilS irregefühtt und in falsche Bahnen geleitet (z. B. die Radikalreformer, GewerkSvereinler), theilS zersplittert, so ist eS doch fraglich, ob nicht vielleicht schon diesmal die Kaiser- stadt einen Sozialdemokraten in den Reichstag senden wird; we- nigsten« scheinen die Herren von der Fortschrittspartei große Furcht zu haben, und um gewählt zu werden, machen sie jetzt schon aller- lei Kunststücke, um die Berliner Arbeiter auf ihre werthe Persön- lichkciten aufmerksam zu machen. Sie selbst, die Herren Duncker, Virchow-c. sind noch zu stolz dazu; dafür schicken sie eine Reihe von Personen in'S Feld, die thetlwetse ihnen treuergeben, theilweise immer dort sind, wo Gelegenheit vorhanden, sich wichtig zu machen. So erlassen jetzt eine Anzahl von Personen, von denen wir neben unfern alten Freunden Nathan Schlesinger, Max Hirsch noch die Herren Sachse, Schäfer und Belling nennen wollen, in den Zeitungen eine Erklärung, in welcher sie verlangen, daß die zu wählenden Reichs- und Landtagsabgeordneten für folgende For- derungen eintreten: 1. die Ausstattung der wirthschaftlichen und gewerblichen Bereine mit der civilgerichtlichen Rechtsfähigkeit, unter Stellung liberaler Normativ-Bestimmungen; die damit verbundene gesetzliche Anerkennung des freien Kassenwesens, der freien, auf der Organisation dieser Bereine beruhenden Schieds- und Einigungsämter, ent- gegen den behördlichen ZwangSkasseu und den bureaukra- tisirten Schiedsgerichten; die Abwehr jeder Beeinträchtigung des KoalitionS rechtes; 2. den kulturstaatlich pflichtgemäßen Schutz für Leben und Gesundheit aller Staatsbürger, insbesondere der Kinder. der jugendlichen und weiblichen Arbeiter durch eine euer- giftbe Fabrik- und Handwerks- Gesetzgebung; 3. die Beseitigung der Ausbeutung der Gesellschaft vermit- telst der Pttvilegicn einzelner Gesellschaftsklassen, also des Papiergeld-Monopols der Privatbanken, de« Bau und VerwalwngS-MonopolS der Privat-Eisenbahn Ge- sellschasten; die Beseitigung der Zuchthausarbeit, insoweit sie der freien Arbeit schädigende Konkurrenz macht, und die Re- gelung des LieferungSwesenS im Interesse der freien Arbeit und der Gefammt-Jndustrie; die Ersetzung der unter allen Umständen ungerechten Verbrauchssteuern durch die progressive Einkommensteuer; und endlich, waS zu dem Allen die Unterlage bildtt: 4. die Ermöglichung einer humanen und den StaatSzwecken entsprechenden Jugendansbildung für Alle durch die von jedem kirchlichen Einfluß zu befteiende, unentgeltliche, in ihren Zielen wesentlich zu hebende Volksschule, sowie durch die mit derselben organisch zu verbindende Fott- bildungSschule. Mit Stolz und Hohn können wir auf diesen Wunschzettel blicken; wie jener Chalif können wir ausrufen: was davon gut ist, steht in unserm Programm, was nicht darin steht und im Berliner Wunschzettel enthalten, ist überflüssig oder taugt nichts. Wie radikal hört sich Punkt 3 an:„Die Beseitigung der AuS- beutung der Gesellschaft vermittelst der Privilegien einzelner Gesellschaftsklassen". DicS scheint ja ein Hauptcoup gegen die Bour- geoisie zu sein; aber so empören sich nicht die betteffenden Unter- zcichner gegen ihre Brotgeber, und kleinlaut führen sie den Inhalt des Satzes 99', Prozent mildernd fott:„also des Papiergeld- Monopols, des Monopols der Privatbahnen." Wodurch, hochge- lehrte Herren Unterzeichner, z. B. Hr. Hirsch und Ihr neuer Freund Hr. Belling, unterscheidet sich das Privilegium des die Bahn bauenden SttonSberg von dem Privilegium deS die Lokomotive bauenden Borsig? In Bezug auf die Arbeiter, die in beiden Un- teruehmungen angestellt sind, gar nicht, und dieses ist doch sicher die Hauptsache. Man frage die Herren Unterzeichner, die in Punkt 2„Pflicht- mäßigen Schutz für Leben und Gesundheit aller Staatsbürger" verlangen, ob sie, zur Beseitigung der Tausende hinmordendcn langen Arbeitszeit, für den Normalarbeitstag stimmen würden. In Punkt 4 plaidiren sie für Jugendbildung; jeder Arbeiter weiß, wie solche bei heutigen Verhälttuffen möglich ist. Durch folgende fast spaßhafte Satze wird die Erklärung ein- geleitet: „Am 13. September d. I. sind die unterzeichneten VettrauenS- männer einer größeren Anzahl fortschrittlicher Wähler der Haupt- stadt zu dem Zweck zusammengetreten, um für die bevorstehenden Wahlen sowohl zum preußischen Landtage, wie zum deutschen Reichs- tage zu wirken. Darüber, m welchem Sinue und in welcher Weise sie dies zu thun gedenken, wollen sie zunächst sich zu ihren Mit- bürgern und Mitwählern aussprechen. „Wir sind— das sagen wir an erster Stelle, um Mißver- ständnissen vorzubeugen— durchaus nicht gewillt, eine neue und besondere Partei zu bilden, oder auch nur mnerhalb unserer alten, nämlich der Fortschrittspartei, welcher wir seit Jahren Alle thätig angehören, auf eigene Hand zu operiren. Unsere politische Ueber- zeugung und Gesinnung hat sich in Nichts geändert." Als„Vertrauensmänner" einer größeren Anzahl von Wählern geriren sich diese Helden! Wir fragen, mit welchem Recht maßt sich Hr. Hirsch und sein neuer Freund, Hr. Belling, dieses Prä- dikat an? Ein Vertrauensmann muß gewählt sein; nirgends aber hat hier eine solche Wahl stattgefunden, und wer Herrn Belling kennt, wird es für eine Unmöglichkeit halten, daß ihn eine solche Wahl treffen könnte. Also maßen sich diese Herren unrechtmäßig einen solchen Titel an! „Wir wollen keine neue Partei bilden-c.", so winseln, gleich- sam zur Entschuldigung, diese Pseudo-Vertrauensmänner,„wir bleiben Alle bei der FottschrittSpartei, der wir seit Jahren Alle thätig angehören." Dies unterzeichnet auch Herr Schäfer, der Sprecher der freireligiösen Gemeinde. Bis vor kurzer Zeit hat Herr Schäfer der demokratischen Partei angehött und dte Fortschrittspartei bekämpft. Sollte Herr Schäfer, seinem ehemaligen Kollegen Herrn Sachse zu Liebe, freiwillig seine Gesinnung geän- dert haben, oder ist ihm von dem Vorstand seiner Gemeinde der Brodkorb etwas höher gehängt worden? Sonst stimmt es aller- dings; diese Pseudo-VettrauenSmänner mit ihrem neuen Programm gehören der Fortschrittspartei an, die seit 20 Jahren das Volk hänselt. An der Sache wird dadurch Nichts geändett, daß vielen hervorragenden Mitgliedern dieser Pattei, wie Löwe und„unser Fritz Harkott", dieses Programm, besonders ß 1, zu radikal ist. Aber dieS kennzeichnet ihre Schwache; in den wichtigsten Puntten verschiedener Meinung, wagen sie doch nicht sich zu trennen, weil sonst nur Atome übrig bleiben würden. Ihr Haß gegen die So- zialdemokratie hält sie wiederum zusammen. Vielleicht siegt dies- mal noch die Fortschritts-, die Bourgeoispartci in Berlin ; in einigen Jahren wird hoffentlich die„Kaiserstadt" wirklich unser sein. Fl. Seesen , 22. Sept. Am Sonntag, den 21. d., fand in Osterode eine Volksversammlung statt, an welcher auch C. Wolf aus Braunschweig , sowie mehrere Patteigenossen aus Theil Seesen nahmen. Zu Vorsitzenden wurden Klingenberg(aus Osterode ) und Hoberück, zum Schriftführer O eh l mann(aus Seesen ) ge- wählt. Ueber den Gegenstand der Tagesordnung:„Die Äewerk genossenschaften", referirte C. Wolf in eingehendster Weife. Nach- dem derselbe erklärt hatte, es sei nöthig, daß zwischen den Arbeitern ein Meinungsaustausch bezüglich ihrer Lage stattfinde, wies er darauf hin, daß dieselben vereinzelt nicht im Stande seien, für eine Berbesserung ihrer Verhältnisse zu wirken, und daß, da auch die Arbeitgeber sich mehr und mehr vereinigten, nm den gerechten Forderungen der Arbeiter einen Damm entgegensetzen zu können, und einzelne Arbeiter, welche für.die Rechte ihres Standes ein- träten, sehr vielen Verfolgungen ausgesetzt seien, ein Zusammen- gehen aller Arbeiter nothwendig sei. Der Redner zeigte sodann, daß zum Proletariate nicht nur die Handarbeiter, sondern auch der niedere Beamtcnstand und viele geistige Arbeiter gehötten, und empfahl dringend die Bildung von GewerkSgenossenschaften, wobei er klarlegte, welchen Nutzen dieselben auch für die Zukunft haben, und wie auch die Moral durch sie gehoben werde. Der Referent führt- ferner aus, wie daS Kapital, ohne von der Arbeitskraft befruchtet zu sein, völlig werthloS fei, sprach noch über die Nacktheile der Fabrikskrankenkaffen gegenüber den Genosscnschaftskassen und hob nochmals die Wichtigkeit der GewettSgenossenschaften hervor. Hier- auf setzte Oehlmann auseinander, daß durch den sich mehr und
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5 (5.10.1873) 94
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