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Künstlersterben im Dritten Reich
Glanz der braunen Stars
Elend der Künstler
Relsespesen zur Hälfte) Hälfte) selbst selbst zn decken
haben.
se ergeht es den An
Und ebenso ergeht es den Angehörigen der bildenden Künste. Unter ihnen herrscht namenloses Elend. Die Zeichner und Maler, die wirklich hie und da noch Aufträge bekommen. sind an den 10 Fingern abzuzuählen, die nichts zu tun haben und verzwelfelt und arbeitslos herumlungern, sind Legion. Wenn sich heute ein Künstler entscließt, die S.- A.- Uniform Schlimmer noch steht es bei den Artisten, anzuziehen, so ist er zwar vor dem Hungertod Engagement bei denen man 15.000 Arbeitslose zählt, die zum gerettet, aber ein Auftrag, ein
Nachdem die Herren des neuen Deutschland , land beschäftigte deutsche Künstler Ihre Enga-| ter 4000 Schauspieler arbeitslos, von denen nur unter den prominenten Darstellern des Thea- gements verlieren und in die Heimat zurück- ein Teil Unterstützung bis zum Höchstsatz von ters, des Films und Kabaretts, unter den Ka- kehren würden. Wohl oder übel nahm man 10 Mark pro Woche erhält. pazitäten der bildenden Künste tüchtig aufge- deshalb von der Einführung des Arlerpararäumt hatten und die freigewordenen Plätze graphen in die Künstlerfachschaften Abstand. nach dem Grundsatz ,, Kennen geht vor Die Verhältnisse Hegen nun heute so, daß Können" mit ihren treu ergebenen Künst- zwar in den Fachschaften 3000 Juden als geringsten Teil nur Unterstützungen bis höch- fürs Ausland kommt für ihm nicht mehr in Belern in ihren Stellungen. Hans Albers Mitglieder sind, die ohne weiteres engagiert stens 8 Mark pro Woche beziehen. Ihre Gagen| tracht. Seine Künstlerlaufbahn weist keine wurde trotz seiner erst im Dritten Reich ge- werden können und dürfen, daß sie aber jetzt sind mit Ausnahme weniger ganz großer, meist Chance mehr auf, er hat abgeschlossen. So wächst im Dritten Reich mit jedem Tag schlossenen Ehe mit der Jüdin Hansi Burg wel- nach den neuerlichen Zwischenfällen mit Willy ausländischer Nummern, noch geringer als die terbeschäftigt,. Albert Bassermann Rosen, Irene Eisinger , Grete Mosheim und der Kollegen von der Sprech- oder Opern- ein Künstlerproletariat heran, das seinesgleiseiner jüdischen Frau hingenommen. nach dem Verbot des Bergner- Films für ein bühne. Während es verschiedene Pominente chen in keinem anderen Land der Welt hat. Wallburg begeisterte auch als Jude die Zu- Engagement in Deutschland nicht mehr in mit 20.000 Mark Monatsgage gibt, müssen sich Dafür gibt es aber Fachschaften, eine ReichsGrete Mosheim und Luzie Frage kommen können. Den kleinen Artisten die kleinen Nummern mit 200 bis 300 Mark zu- kulturkammer und einen Kulturbund, in denen Englisch , Freundinnen von Käthe Dorsch , ist das trotz ihrer Mitgliedschaft zur Fach- frieden geben, wobei sie noch ihre Schmink- es sich die bewährten Parteileute umso besser die von Göring protegiert wird, konnten un- schaft schon lange nicht möglich gewesen. artikel, ihre Garderoben, Kostülme( etwaige gehen lassen, je weniger sie können!
trotz
schauer,
Es handelt sich nicht darum, daß man dieses Platzen der Bombe den„, charakterfesten" nichtarischen Künstlern nicht von Herzen ge
Der Kampf der Abiturienten
Die neue Auslese- Der Denunziant triumphiert
gehindert in Berliner Theatern und im Film Bekam wirklich einer einmal ein Engagement auftreten. Auch beim Kabarett duldete man in der Provinz, so erschien an irgendeinem einige Juden weiter, so den Chansonkompo- Abend ein SA- Mann zur„ ,, Kontrolle" und vernisten Willy Rosen . Die Sängerin Irene haftete den Künstler, der es gewagt hatte, Eisinger, die zuerst nach Prag emigriert sich engagieren zu lassen! war, ließ sich von da aus wieder nach Berlin Daß diese tausenden kleinen Schauspieler rückengagieren und gedachte auch im Dritten und Artisten dem Hungertod preisgegeben Aus Berlin wird uns geschrieben: nur flau erwidert, was er irgendwo einmal geReich Triumphe zu feiern und fette Gagen sind, ist klar, denn eine Unterstützung zahlt Der bürgerlichen Jugend wurde dieses gen den Nationalsozialismus gesagt hatte. einzuheimsen Bis eines Tages die Bombe nicht die Fachschaft, sondern der Kulturbund. platzte...! Und bei ihm muß der Ariernachweis, der in der Jahr ein schönes Osterei gelegt: laut amtll- Einer sollte in privater Diskussion Mommchen Bericht werden 1934 von 400 000 Abituri- sen gegen die alten Germanen zitiert haben Fachschaft nicht gefordert wird, erbracht werenten nur 10.734, darunter 1048 Mädchen, zum- dem Geschichtsprofessor, einem völkisch denn! Wenn man aber glaubt, daß es den ari- Hochschulstudium zugelassen. Angesichts des verrannten Vollbart, wurde das in mehreren gönnt hätte. Im Gegenteil! Sie haben es schen Künstlern erheblich besser geht, so irrt wachsenden akademischen Proletariats ließe anonymen Briefen so verklatscht, daß er sich sich für eine solche Begrenzung manches in der nächsten Stunde veranlaßt sah, etwas wegen ihrer Charakterlosigkeit redlich ver- man. Jahrelang wetterte die Nazipresse gegen dient, von den Theatern und den anderen das Prominententum, gegen die Riesen- Star- sagen, wenn dabei die Begabung das Aus- von dem„, offenen Visier" zu erzählen, mit dem Kulturstätten des neuen Deutschland verjagt gagen, gegen die Rechte der Divas von Thea- schlaggebende wäre. Aber so etwas wie gei- die Germanen angeblich kämpften. In einem zu werden. Aber hier gilt es, etwas anderes ter und Film. Die Künstlerschaft hatte geglaubt, stige Eignung spielt im Dritten Reiche längst anderen Gymnasium hatte ein Primaner eine zu beweisen: daß nämlich im Dritten Reich daß im Dritten Reich ein Ausgleich zwischen keine Rolle mehr. Nur die Gesinnung und regelrechte Sammlung alles Materials, das für seine Mitschüler belastend war, säuberlich anwieder einmal ein regelrechtes natio- den Bezügen der hochbezahlten Stars und den zwar barbarischste Hakenkreuzgesinnung nalsozialistisches Gesetz von Hungerlöhnen der Chargen und Statisten statt- entscheidet. Die braunen Oberbonzen machen gelegt. Von den Aussprüchen einzelner Kameeinem SA- Sturm einfach nieder- finden werde. Heute wissen sie, daß alles ver- daraus ja auch in Schrift und Rede gar kein raden über Schule und Staat bis zu den sexuelgetrampelt wurde, logene Propaganda gewesen ist. Nichts hat Hehl. Der lediglich Intelligente, Talentierte, len Dingen, von der großmütterlichen Abstamsich geändert, es ist im Gegenteil noch schlim- dessen Kinderstube irgendwie oppositionell mung bis zur früheren Parteizugehörigkeit der verseucht erscheint, bleibt schon bei den Prü- Familien der Kameraden fehlte nichts. mer geworden! fungen hängen und wenn er das Genie Ein Sechzehnjähriger denunzierte Der Unterschied zwischen den Stargagen sämtlicher geistig Großen des Jahrtausends seine Eltern als hitlerfeindlich, und der Entlohnung der mittleren und wen!- aufwiese. In der Demokratie gab es die um sich eine gute Nummer" zu machen und ger guten Künstler ist noch krasser gewor- freie Bahn für den begabten Volksschüler: das darzutun, daß er studieren und in einem StuKulturexamen für Arbeiterkinder. Das war ein- dentenheim untergebracht werden müsse, um mal. Vom ,, Aufstieg der Begabten" redet nie- aus dem„ marxistischen Milieu" zu kommen. A jeb| Dabei sind Vater und Mutter selt jeher völlig
daß die Herren Führer in allem und jedem von der Gunst ihrer Unterführer abhängig sind und daß man sich bei der SA gar nicht darum kümmert, was die Führer beschließen I oder anordnen.
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Wie die Auslese vor sich geht, welche parteilos. Schamrot steht der charaktervollere schamlose Gesinnungsschnüffelei von der Lehrer vor solchen verdorbenen Kindern, muß Lehrerschaft gefordert wird, kann sich jeder sich den Klatsch mitanhören und darf dem ausinalen. Die Schüler und Schülerinnen wissen Früchtchen nicht einmal sagen, wie erbärm
Bekanntlich gibt es in Deutschland eine Reichskulturkammer. Ihr oberster Herr Werner Kraus bekommt nebst seiner ist der Propagandaminister Dr Göbbels , sein Gage von 500 Mark pro Abend für einen Film Adlatus in dieser Funktion der bekannte Schau- sind ihm 60.000 Mark geboten worden spleler Werner Kraus. Dieser Reichskultur- noch Gehalt als Vorsitzender der Reichskammer unterstehen sämtliche Künstlerschaf- kulturkammer im Betrage von monatlich 1200 ten. So helßen nämlich heutzutage die ver- Mark plus 4000 Mark Repräsentationsspesen, schiedenen Künstlerverbände. Da gibt es die Käthe Dorsch bezieht 20.000 Mark pro Schauspielerfachschaft, die Filmfachschaft, die Monat plus 3000 Mark Toilettenzuschuß. Gu- das und helfen entsprechend nach. Ich habe lich sein Tun ist, denn für die Angebereien der Varieté- und Artistenfachschaft usf. Die ehe- stav Gründgens als Staatstheaterintendant infolge meiner Stellung mit vielen Lehrern Großen wurden ja von braunen Staatskommaligen Künstlergenossenschaften, der Bühnen- und Schauspieler 18.000 Mark, pro Film 25.000 gute Fühlung und gebe hier einiges von dem missariaten sogar Belohnungen ausgebund, die Artistenorganisation, der Verband Mark, Renate Müller nebst freier Woh- wieder, was ich von Lehrerseite erfuhr. lobt. Früher gab es einmal Schülersolidarität Viele der Schüler bemühen sich, den Kreis gegen Schultyrannen; es war dabei viel under Operndarsteller, die„ Dacho", Organisa- nung in der dem ehemaligen Polizeipräsition der Filmschaffenden usw. wurden in die denten Dr. Weiß gestohlenen Villa in Dahlem der Hochschulberechtigten durch offene und Fachschaften aufgeteilt. Zwar wollte man ur- 250.000 Mark Jahresgage. Viktor Kowa anonyme Denunziationen möglichst zu sprünglich bei diesen Fachschaften den Arier- 25.000 Mark pro Film, Liane Haid 25.000 Auf einem Berliner Gymnasium nahIda Wüst, Film, deren pro paragraphen einführen, mußte aber not- Mark mmen die Intrigen solche Formen an, gedrungen davon abstehen, weil viele die- Bruder Standartenführer ist, für Chargenrollen daß in den höheren Klassen jeder im ser Organisationen wie z. B. die Artisten- pro Filmtag 800 Mark. Dagegen erhält der anderen seinen Rivalen witterte organisation Internationalen Verbän- Duchschnittsschauspieler noch immer 300 Mark den angeschlossen waren und man deshalb pro Monat, der Statist 160 Mark und der Film- und selbst befreundete Schüler kaum noch mitmit Recht fürchten mußte, daß bei Einfüh- komparse 5 bis 8 Mark pro Tag. Dabei sind bei einander zu reden wagten. Die Lehrer erfuhrung des Arierparagraphen tausende im Aus- dem katastrophalen Geschäftsgang der Thea-| ren, wann einer den Hitlergruß gar nicht oder Die Hakenkreuzbroschen werden immer grö
Kurt Doberer:
Nation
Mich bindet nichts
an euch,
an Junker und an Bürger. Wenn wir die gleiche Sprache sprechen
und eure Mutter euch
im selben Lande auch gebar
wie mich die meine uns bindet nichts!
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Die Worte die ihr sprecht,
wenn ihr beim Erntefest von unsrem Geld
uns einen Schnaps bezahlt
und die der Pfaffe dann
am Sonntagsmorgen
in der Kirche wieder plärrt-
Vom auserwählten Volk
das wir nun sind,
weil wir mit euch,
mit großen Herren,
Junkern, Pfaffen, Bürgern, Generälen,
auf jenem Flecken Erde wohnen, den ihr mit buntbemalten Pfählen
so sorgsam abgesteckt
An solchen Köder
gehn nur kranke Fische.
Ihr rasselt mit dem Schwert und euer Maul,
für dieses eingezäunte Land,
es zieht auf Taten aus
das euch allein gehört,
nicht euren Knechten.
Es sei denn,
daß der Tag schon nahe ist, an dem sie ihre Ketten nehmen und euch das Maul zerschlagen damit ihr schweigen lernt.
Wenn euer Schweiß
dann ebenso den Boden düngt, von eurer Stirne rinnend
wie vom Angesicht der andern, wenn alle frei
auf freiem Boden stehn, wenn alle aufrecht
verengern.
klarer jugendlicher Sturm und Drang im Spiele, aber immerhin war es eine Charakterschulung. Petzen" galt als elend und niederträchtig. Das ist vorbei. Da eine eigene Meinung verboten ist, atmen die Schüler Feigheit, Denunziantengeist und Strebergesinnung mit der Luft ringsum ein.
Bei den höheren Mädchen" dasselbe
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Bild!
mir. Klein, hager, schlecht genährt. Zwei Kin-| scher Betriebsobmann, seit zwei Jahren Nazi der, die Frau oft krank. Dazwischen Arbeits- und deswegen eifriger als die alten, die schon losigkeit, Kurzarbeit. Seine Frau braucht ein zu rosten anfangen. Nach dem Märzrummel Kleid, sein Aeltester ein Paar Hosen. Aber lief unser Direktor brauner an, als Hitler seldas allein ist's nicht, was den Spund raus haut, ber und machte den Sedlatschek zum Vorwie Wutzlich sagt. Er hat einen Traum: Knik- arbeiter. Seitdem platzt der vor Ehrgeiz und kerbocker... Seit zehn Jahren läuft er in der hat sich auch einen persönlichen Traum zugegleichen Sonntagskluft rum. Er könnte drin legt: er, an der Spitze des Betriebs, alles in konfirmiert sein, so sieht sie aus. Sonntags Blau und der NSBO- Vorstand sagt:„ Da, wandert er mit der Familie gern ins Freie. seht euch den Sedlatschek an! Der hat seinen Da sieht er andere mit Kniehosen. ,, Mann, Du Betrieb in Schwung!" Jede Woche kassiert hast doch ordentliche Waden", meint seine er pro Mann zwei Mark für Leys ZwangsFrau, hol Dir doch mal einen Anzug, mit jacke. So in Massenbestellung würde es vier Knickebocker!" Seitdem ist das sein Traum. Mark billiger. Er hat schon bei einigen SchneiFünfzehn Mark hatte er schon dazu gespart. dermeistern akkordiert. Einer ist sein SchwaJetzt soll er das für Ley stiften, damit das ger. Und wie viel Prozent kriegt er von den Ding blau, zweireihiges Jakett im anderen? Schranke hängt und mal raus gezerrt wird, Aber Sedlatschek will nicht nur ein orgawenn die braune Bonzerie zum Antreten kom- nisatorisches Genie sein nein, er dichtet mandiert. auch. Seine erste Frau soll dran gestorben Seit zwei Monaten meckert Wutzlich neben sein. Aber durch die blaue Jacke ist bei ihm Außer dem allgemeinen Kotz kann jeder im mir jedes Wort ein paar Monate K- Z. Vor offenbar noch eine Ader geplatzt. Er bedichtet Dritten Reich , je nach Temperament und Nei- einem Jahr hat er mit seinem Nachbar vor- die neue Uniform von hinten und von vorne. gung, sein besonderes Leiden haben. Laßt sichtshalber das Naziblatt abonniert. Seine Einige dieser Ergüsse erschienen im Naziblatt. sein Nichts bleibt diesen Lesern erspart und uns euch das meines Kollegen Wutzlich erzählen. Frau läuft in nationale Frauenabende,
durch die Städte schreiten, dann wird
aus Land und Volk
aus starker fronbefreiter Klasse die Nation erstehen.
Die Zwangsjacke
Von Max Baldauf.
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Er ist in unserem Betrieb zweifellos der Un- Aeltester sollte demnächst in die Hitlerjugend , auch nicht: wer Sonnabends seine zwel Mark politischste, hat sich in der Demokratie nie Wutzlich geht jede Woche in„ Kraft und nicht abgeliefert hat, kriegt eine Mahnung in um Parteien und Bewegungen gekümmert und Freude". Man rennt was man kann, um seine die Hand gedrückt, mit einem Verschen drauf. wollte lediglich möglichst geräuschlos regiert Ruhe zu haben. aber bei der blauen Zwangs- Etwa von der Art: Kummer breitet sich nicht sein. Alsó ein ruhiger Beamter, wie wir sagen. jacke, da hakte es aus. Futsch ist die Sonn- aus, hast Du den Festanzug im Haus... Am schwierigsten hat ers mit Wutzlich. Gerade dem wird der blöde ,, Einheitsfestanzug" tagskluft mit Knickebocker. Er steht abends
zum Verhängnis. Jawohl, derselbe Festanzug, in der Kammer vorm Schrankspiegel, mustert Das gibt immer ein Gefluche. Sedlatschek den Ley verordnet hat, damit die Arbeiter seine anständigen Waden, sieht die schönen drückt ihm eine Mahnung in die Hand, geht noch eine Uniform zu bezahlen und die Kniehosen in Schaufenstern und möchte dem rasch an der Werkbank weiter und Wutzlich Sedlatschek ein paar kleben. liest:„ Die Welt ist Lug, die Welt ist Trug Schneidermeister was zu tun haben. Der Sedlatschek ist unser nationalsozialisti- fest bleibt der Einheitsfestanzug!" Wutzlich
Wutzlich steht an der Werkbank neben
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