Hitler braucht Dollars

Reichsbank in der Zange

Letzte Hoffnung: Amerika

Unvermeidbarkeit der Inflation

Der Ausweis der Deutschen Reichs-| schöpft. Also, schließt man, bleibt nichts bank gehört heute zu den aufregendsten anderes übrig, als die Inflation und im Ereignissen. Von Woche zu Woche spitzt Ausland ist man heute schon von der sich die deutsche Devisenlage zu, die Reichsbank ist in der Zange, einschneiden- oder wenigstens einer offiziellen Abwer­de Entscheidungen stehen bevor. tung der Mark um mindestens 30 bis 40 Wie ist die Lage? In der letzten März- Prozent überzeugt, ja man erteilt Schacht woche hat die Reichsbank an Gold und den dringenden Rat, endlich doch das Un­Devisen wieder 17 Millionen und damit vermeidliche einzusehen. im Monat März nicht weniger als 105 Mil- Diese Meinung des Auslandes wird in lionen Gold und Devisen verloren. Ihr manchen deutschen Kreisen nachdrücklich Bestand ist auf 245 Millionen zusammen- unterstützt. Inflation, das ist die Abwäl­geschrumpft, ein Tiefstand, der weder während des Krieges, noch in der Infla­tion da war,

der tiefste Stand, den wohl je eine europäische Notenbank zu verzeichnen gehabt hat.

Denn die Notendeckung beträgt jetzt bei einem Notenumlauf von 3.67 Milliarden 6.7 Prozent, während die entscheidendere Zahl, die Deckung des gesamten Geldum­

die Inflation ein Mittel zur räuberischen Bereicherung auf Kosten der Arbeiter und eines Teils des Mittelstandes, aber kein Ausweg aus der Devisennot.

strie- und Handelstages weitere Fort­schritte gemacht, was besonders für die Bauwirtschaft und die damit zusammenhän­genden Zweige gelte."

Der nächste Satz lautet bereits:

,, Die Ausfuhr habe sich allerdings von ihrer rückläufigen Bewegung noch nicht erholt, auch die Leipziger Messe habe im allgemeinen nur wenige Aus­landsaufträge gebracht." c dieser

Von der Strickerei- Industrie weiß

,, Das Auslandsgeschäft stockte nahezu vollständig. Der Zahlungseingang habe sich verschlech­

Bleibt also dem Schacht nur ein Weg der ,, liberalistische" Weg der Anleihe. Und in der Tat! Nachdem Schacht selbst alles dazu beigetragen hat, um im Bunde mit Hitler den deutschen Kredit zu zer­stören, den deutschen Bankrott herbeizu­führen, scheint er den letzten Versuch aller betrügerischen Bankrotteure machen Bericht anzugeben, daß Beschäftigungsgrad zu wollen, einen neuen Gläubiger zu fin- und Auftragseingang ,, weiterhin befriedigend" den, den er über's Ohr hauen kann. Als sei. Allerdings: die Dummen hat er die Amerikaner aus­ersehen. Unmöglich, unglaublich? Aber in der gleichgeschalteten Presse findet man jetzt täglich den flehentlichen Appell an die Vereinigten Staaten , zung auch der Markschulden, nachdem ausreichende Rohstoffkredite zur Ver­Banken und Industrie an der Entwertung fügung zu stellen, von Dollar und Pfund eben 4 Milliarden hunderte Millionen herzugeben, damit profitiert haben, das ist der neue Raub der Hitler seine Rüstungen fortsetzen und sein werden wird... Gläubiger an den Schuldnern, den Besit- die Menschheit schändendes System auf­zern der Staatspapiere, der Pfandbriefe, rechterhalten kann. der Sparkasseneinlagen. Das ist aber vor allem die allgemeine, schlagartige, unwiderstehlichste Methode der Lohn­senkung.

tert."

Wir glauben, daß demnächst im Dritten Reich unter die gesetzlichen Gründe zur Ver­hängung des Konkurses über eine Firma auch der günstige Geschäftsgang" aufgenommen

Daß dieser Plan kein bloßes Hirnge- Sahen wir das nicht schon...? spinst ist, davon zeugt ein merkwürdiger Titelseite des Völkischen Be­Vorgang. Denn er ist doch merkwürdig, obachters": Adolf Hitler , umgeben von wenn das Deutschland Schachts und Hit- Paladinen, hinter einem Tisch stehend, auf laufs von 5702 Millionen gerade noch 4.3 Zwar sind die deutschen Löhne seit dem lers einmal Verpflichtungen erfüllt. Am dem eine Reliefkarte von irgend etwas ausge­Prozent ausmacht. Es ist eine Lüge, wenn Sturz der Regierung Hermann Müller 1. April waren Zinsenzahlungen an die breitet liegt. Sein Zeigefinger weist auf einen Hitler, so oft er den Mund auftut, verkün- schon um 25 bis 30 Prozent herunterge- Vereinigten Staaten für die gestundeten Punkt des Tableaus, sein Blick sagt, daß er det, daß er ein bankerottes Deutschland stezt worden, zwar geht die Herrschaft Besatzungskosten und Entschädigungsan- dort die Entscheidung sucht, und seine Gran­übernommen habe, es ist aber Wahrheit, Hitlers mit einer ständigen Lohnreduktion sprüche fällig. Zuerst bestand natürlich den starren mit gefurchten und entschlossenen daß ein Jahr nationalsozialistischer Poli- einher, aber ein neuer Lohnraub, den der die Absicht, die Zahlung nicht zu leisten. Mienen ebenfalls dorthin. tik Deutschland an den Rand völligen Göbbels schon als unwiderstehlichen Die deutsche Regierung hat aber dann Daß wir Adolf Hitlers Bild im, Völkischen " Bankerotts gebracht hat. Das zeigt der Zwang darstellen wird, das ist eine zu doch die Zahlung von 3.18 Millionen finden, kann uns nicht überraschen. Wundern Etat, das zeigt der Reichsbankausweis. schöne Sache, um nicht bei den deutschen Reichsmark pünktlich geleistet. Warum? würden wir uns höchstens, wenn uns einmal Dabei gilt vom Reichsbankausweis das- Wirtschaftsführern Anklang zu finden und Unterdessen hat nämlich der amerika - eine Nummer seines Leiborgans zu Gesicht selbe wie vom Etat. Beide verhüllen die die Gefolgschaft darf sich doch nicht rüh- nische Kongreß ein Gesetz angenommen, käme, in der der große Adolf nicht auf Vor­Wahrheit. Wie im Etat große Ausgaben- ren. daß die Beteiligung an Anleihen für Staa- der- und Rückseite, in Beilage und Hauptblatt

posten nicht ausgewiesen werden, so figu- Daß schließlich mit oder ohne den ehr- ten, die mit ihren Verpflichtungen im ein halb dutzendmal prangte, besichtigend, rieren unter den Aktiven der Reichsbank baren Kaufmann Schacht der Inflations- Rückstand sind, verbietet. Um nicht unter Paraden abnehmend, Blumensträuße empfan­zu einem Teil Posten, die faule Wechsel versuch gemacht werden wird, ist mög- dies Gesetz zu fallen, hat Deutschland die gend, den SA.- Mann Knutschke leutselig auf die darstellen oder Wertpapiere", die wie lich. Er wird aber nichts nützen. Sein Zahlung geleistet. Schacht scheint also in Schulter klopfend. die Steuergutscheine vom Reich nicht ein- Zweck wäre, den Export durch die Ent- der Tat die Hoffnung zu hegen, von der Aber dieses Bild, es erinnert uns an irgend gelöst werden oder solche, die nur unter wertung der Mark zu steigern, das Defizit amerikanischen Regierung eine Rohstoff­großen Verlusten realisiert sind. Der heu - der Handelsbilanz zu verringern und wo- anleihe zu erhalten. Er spekuliert offen- etwas... Richtig, jetzt ist der Faden geknüpft: tige Status der Reichsbank ist nach so möglich wieder in einen Ueberschuß zu bar darauf, daß der Drang der Baumwoll- So erschien es im März 1918: Wilhelm II. , zwischen Hindenburg und Ludendorff stehend, unsoliden und willkürlichen Grundsätzen verwandeln. Aber einmal findet doch ein farmer, ihre überschüssigen Vorräte zu aufgestellt, daß er in Wahrheit weder mit solcher Dumpingexport bereits statt, da vermindern, den kühnen Anschlag auf die studiert den Plan der Frühjahrs­den früheren Ausweisen in der marxi- ja ein Teil der Ausfuhr heute mit entwer- Taschen der Geldgeber erleichtern werde. offensive. Auch damals der Tisch mit der stisch- liberalistischen" Zeit noch mit denen teter Sperrmark oder Scrips bezahlt wird. Das ist die Situation. Die Nationalsozia- bespickten Karte, der siegesgewißausgereckte anderer Notenbanken verglichen werden Der Anteil dieses Dumpingexports an der listen haben Deutschland so herunterge- Zeigefinger, der deutschen Gesamtausfuhr wird offiziös, wirtschaftet, daß selbst die Inflation, die stumme Zustimmung der Paladine. Damals Die verzweifelte Situation hat bereits wahrscheinlich zu niedrig, mit einem Drit- Expropriation der Sparer, der Lohnraub Durchbruchsschlacht, heute Arbeitsschlacht. Im Jahre 1918 waren dann im Herbst das zu verzweifelten Maßnahmen geführt. Zu- tel angegeben und ist jedenfalls in rascher und die Schmutzkonkurrenz, keinen siche­nächst hat man die Einfuhr der Rohstoffe Zunahme begriffen. Die Wirkung der all- ren Ausweg mehr bietet. Ihnen bleibt nur Fiasko und der große Katzenjammer da... allgemein dadurch beschränkt, daß man gemeinen Markentwertung wäre so von übrig, die Spekulation auf die Dummheit, die Zuteilung der Devisen auf 35 Prozent vornherein begrenzt. Sodann aber ist es der Versuch, ob ihnen mit dem Ausland Front des Geistes ausgeschlossen, daß die anderen Länder gelingt, was ihnen im Inland bis jetzt ge­Dr. Richard Kern. einer plötzlichen Steigerung des deutschen glückt ist. Dumpingexportes untätig zusehen würden

kann. Denn die sind ehrlich.

eingeschränkt, die

und

das KontingentSystem macht ja die Gegenwehr heute leichter möglich allid 2 cat als je.

Einfuhr der Textilrohstoffe und Me­talle ganz verboten hat. Diese Maßnahme kann aber nicht auf­recht erhalten werden, sollen die Spinne­reien und Metallwerke nicht zum Erliegen kommen. Eine Zeit lang mag es gehen. Denn auch das Konjunkturinstitut muß in Eine dauernde Exportsteigerung ist also seinem letzten Vierteljahresbericht zuge- auch durch die Inflation nicht möglich. ben, daß der Konsum in Deutschland hin- Die steigende Einfuhr, die sie aber ter der künstlich angestachelten Produk- aussetzt, muß nach wie vor in Gold voll tion zurückgeblieben ist. So sei in Eisen bezahlt werden. Und deswegen ist zwar mit einer guten Lagerbildung zu rechnen, und das Institut fürchtet bereits die Ge­fahr einer zeitweiligen Uebersättigung des Walzeisenmarktes. Auch in der Textilin­dustrie seien die Vorräte sowohl in den

Rohstoffen als in den Halbfabrikaten an- Julius Deutsch

gewachsen. Sicherlich haben bei der Ver­

mehrung der Rohstoffbezüge die Befürch- bridiza tungen wegen Gestaltung der Devisenlage

in Sorge vor Inflation bereits mitgewirkt. Immerhin, gerade die Textilindustrie, die ja, für die Lieferungen von Uniformen, w Fest- und Einheitskleidern angekurbelt worden ist, kann die Drosselung ihrer Rohstoffbezüge nicht lange ertragen, ohne daß Stillegungen erfolgen und dasselbe gilt für die Rüstungsproduktion.

Einfuhrbeschränkung und Arbeitsbe. Schaffung sind miteinander unverein­bar.

Hitler hat aber verkündet, daß in diesem Jahr 2 Millionen Arbeiter neu in Beschäf­tigung gebracht werden.

Schacht wird also den Gläubigern mit­zuteilen haben, daß sie auf Bezahlung von Kapital und Zinsen nicht zu rechnen ha­ben. Die Situation kann ungemütlich wer­den. Denn die Herren werden fragen, wie­so sie dazu kommen, die deutsche Aufrü­stung zu finanzieren. Aber gesetzt den Fall, daß sie sich noch einmal breitschla­gen lassen, so wird auch das nicht viel nützen. Denn auch nach vollständiger Einstellung der Zahlungen an die Gläubi­ger, bleibt bei dieser Wirtschaftspolitik das Defizit der Handelsbilanz, also der Zwang, einen Teil der Einfuhr mit Gold zu bezahlen und der Goldvorrat ist er­

entschlossene Blick, die

Neue bemerkenswerte Veröffentlichungen.

Die Weltbühne hat in Nr. 14 und Nr. 15 eine eingehende Darstellung der Waffen­Der Wirtschafts- Coué schmuggelpläne nach Marokko veröffentlicht. Es geht besser und besser Unter der Ueberschrift Die Sache mit Ein Wirtschaftsbericht der ,, Frankfurter dem Optimist", werden sehr interessante Zeitung" über die Lage der Würtembergischen Einzelheiten und Zusammenhänge zwischen Rüstungsindustrie, Schiebern und Nazipolitik Industrie beginnt verheißungsvoll:

,, Stuttgart , 31. März. Die Besserung gegeben. der allgemeinen Wirtschaftslage hat nach dem Berichte des Württembergischen Indu­

Soeben erschienen:

DER BURGERKRIEG

IN OSTERREICH

Eine Darstellung von Mitkämpfern und Augenzeugen

J

Umschlagzeichnung von Th. Th. Heine , mit 24 Seiten Illustrationen und 100 Seiten Text

Der Autor ist der Gründer und Leiter des Schutzbundes, der Kampftruppe der österreichischen Arbeiterschaft, und war der erste Kriegsminister der Re­ publik Oesterreich . Er beschränkte sich nicht auf die Darstellung der militä­rischen Ereignisse, er gibt auch ihre politische Vorgeschichte und zeigt, wie der Schutzbund schließlich gegen eine große Uebermacht isoliert kämpfen mußte, weil die gefühlsmäßige Sympathie der Bevölkerung keine praktische Auswirkung fand. Der Generalstreik versagte. Ein tragisches aber auch er­hebendes Stück weltgeschichtlichen Klassenkampfes zieht in Wort und Bild mit plastischer Eindringlichkeit an uns vorüber.

Preis in: Belgien 21 Frs./ Bulgarien 96. Lewa/ Dänemark 4.20 Kr./ Deutschland 2.50 RM./Frankreich 15.- Frs. Großbritannien 3.8 Pfund Sterling Italien 11­Lire Jugoslavien 48 Dinar/ Niederlande 1.50 Gulden Oesterreich 5 Schilling/ Palästina-200 P. Pfd./ Polen 5.- Zloty/ Rumänien 110.- Lel/ Schweden 3.80 Kr. Schweiz 3. Frs./ Tschechoslowakel 20.-/ Ungarn 4.40 Pengo/ USA . 1. Dollar.

Bestellungen durch jede Buchhandlung oder direkt an Verlagsanstalt ,, Graphia", Karlsbad ČSR.

bau

Neuer Vormärts

Gozialdemokratisches Wochenblatt

Herausgeber: Ernst Sattler: verant­wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck: Graphia"; alle in Karlsbad . Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. Der Neue Vorwärts" kostet Im Einzels verkauf innerhalb der ČSR . 1.40.( für ein Quartal bei freler Zustellung 18-). Preis der Einzelnummer im Ausland 2.-( 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60). Belgien Frs. 2.-( 24.-) Bul­ garien Lew 8.-( 96.-), Danzig Guld. 0.30 ( 3.60). Deutschland Mk. 0.25( 3.-). Estland E. Kr. 0.22( 2.64). Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Frankreich Frs. 1.50( 18.-). Großbritannien d. 4.-( Sh. 4.-). Holland Gld. 0.15( 1.80) Italien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din . 4.50( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60) Litauen Lit. 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs 2.-( 24.-), Norwegen Kr. 0.35( 4.20). Oesterreich Sch 0.40( 4.80). Pa­lästina P. Pt. 0.018( 0.216). Polen Zloty 0.50 ( 6.-), Portugal Esc. 2.-( 24.-). Rumänien Lei 10.-( 120.-). Saargebiet F Fr. 1.50( 18.), Schweden Kr 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30 ( 3.60), Spanien Pes. 0.70( 8.40) Ungarn Pengo 0.35( 4.20). USA 0.08( 0.96).

Einzahlungen können auf folgende Post­scheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei : Zeitschrift Neuer Vorwärts", Karlsbad . Prag 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärts" Karls bad. Wien B- 198.304. Polen : Neuer Vorwärts". Karlsbad . Warschau 190.163. Schweiz : Neuer Vorwärts". Karlsbad Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn : Anglo- Cechoslovakische und Prager Creditbank. Filiale Karlshad Konto Neuer Vorwärts". Budapest Nr. 2029 Jugoslawien : Anglo- Čechoslovakische und Prager Credit­bank. Filiale Belgrad Konto Neuer Vor­wärts" Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeich­nung der Konten ist erforderlich.