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Ein Sies der DemoKratie Glänzender Wahlerfolg der dänischen Sozialdemokratie

Nr. 124

SONNTAG, 27, Okt. 1935

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Aus dem Inhalt; Diktatur der Generaldirektoren Hugenberg und Seldte Wer ist der innere Feind? Jenseits des Rechts

Der demokratische Sozialismus hat am 22. Oktober in Dänemark einen glänzen­den Sieg errungen. Die von der Sozial­demokratie geführte dänische Regierung ist aus dem kurzen, aber sehr heftigen Wahlkampf mit einem erheblichen Macht­zuwachs hervorgegangen. Dieses Ergebnis verdankt sie dem großen Erfolg der däni­schen Sozialdemokratie. Unsere Bruder­partei verbucht einen Gewinn von rund 100.000 Stimmen und 6 Mandaten. Die zweite Regierungspartei, die Radikalen, gewinnen 6000 Stimmen und kehren mit unveränderter Mandatzahl ins Parlament zurück. Im neuen Parlament besetzen die Sozialdemokraten 68 und die Radikalen 14 Mandate bei einer Gesamtzahl von 148 Mandaten, so daß die Regierung Stauning jetzt über eine sichere Mehrheit im Folke- tbing verfügt. Der Erfolg unserer dänischen Genossen gewinnt noch an Bedeutung, wenn man die allgemeinen Umstände in Betracht zieht, unter denen die Wahlen durchgeführt wur­den. Die Regierung Stauning ist seit sie­ben Jahren im Amt, sie ist eine Koalitions- regierung, die im Folkething zwar eine schwache Mehrheit besaß, aber im Lands­thing ständig auf den Widerstand der bei­den Oppositionsparteien, der Konservati­ven und der Bauernpartei, stieß, die im Landsthing auf Grand eines veralteten

General Fritsch , der Oberbefehls­haber des Landheerea, hat dieser Tage bei der Einweihung eines Totengedenkmales in Bremen eine Rede gehalten, die wenig beach­tet worden ist, obwohl sie Aufmerksamkeit verdient. Der General, der häufig in einen Gegensatz zum Nationalsozialismus gestellt worden Ist, hat in der Bremer Bede Adolf Hitler geradezu exaltiert gefeiert. Er gelobte dem Manne, der die Flamme der alten Hee- restradition mit der neuen Flamme einer wehrfreudigen Massenbewegung vereint habe, »unvergängliche Gefühle des Gehorsams und der Treue«. Das sind Wort«, die über die derzeitige Stellung des Generate und mit ihm der Reichswehr zur Person und zur Politik Hitlers keinen Zweifrf zulassen. Die Wehr­ macht und ihr Oberster Kriegsherr sind In dem Willen einer gewaltigen Aufriistnngs- politlk auf Gedeih und Verderb verbunden. Wenige Tage später, als die Kriegsaka­demie in Berlin den Gedenktag ihrer Grün­dung vor 125 Jahren feierte, wurde Hitler durch Blomberg als der Vollender der Le­bensziele Scharnhorsts gerühmt und das »Sieg Heil!« galt dem Schöpfer des Dritten Reiches , der geeinten Nation und der neuen Wehrmacht Noch einen Tag später redete Dr. Göbbels im Sportpalast zu Berlin vor 15.000 SA -Leu­ten, die er mit Napoleons »Alter Garde« ver­glich. Man hätte eigentlich erwarten dürfen, daß der Propagandist des Nationalsozialis­mus in einer Woche so starker militärischer Ruhmreden auf den Führer und Reichskanz­ler sich durch einige Komplimente an die Adresse der Generale revanchiert hätte. Dies um so mehr, als in denselben Tagen die letzte zivile Konkurrenz der SA , nämlich der »Stahlhelm «, unter einem Jammerlappen Seldte endgültig liquidiert und sein Vermögen von der großen Parteikasse geschluckt wurde. Merkwürdigerweise benutzte aber

Wahlrechts die Mehrheit bildeten. Als in der letzten Zeit eine frachtbare Zusammen­arbeit mit dieser Opposition absolut un­möglich wurde, entschloß sich die Regie­rung zur Auflösung des Parlaments. Das dänische Volk hat in diesen Wah­len seine Zustimmung zu der sozialdemo­kratischen Regierangspolitik in eindeutiger Weise zum Ausdruck gebracht. Die Ar­beiterschaft, die der Stanning-Regierang die Sicherang ihres Lebensstandards vor den Folgen der Weltwirtschaftskrise ver­dankt die Zahl der Arbeitslosen ist in Dänemark von fast 200.000 im Winter 1932/33 auf etwa 60.000 zurückgegangen steht zur Sozialdemokratie. Die Kom­munisten haben in ganz Dänemark 24.000 Stimmen erhalten. Ihre Wähler bilden ein bedeutungsloses Häuflein neben dem Wuch­tigen Block der 759.000 sozialdemokrati­schen Stimmen. Die oppositionelle Bauernpartei, Ven- stre, hatte gehofft, unter den dänischen Bauern in ihrem Kampf gegen die Agrar­politik der sozialdemokratischen Regierung Erfolge zu erzielen. Sie sympathisierte auch mit der sogenannten LS-Bewegung, einer radikalen mit faschistischen Gedan­kengänge spieleden Bauernbewegung, die vor einigen Monaten den Bauernzug auf Kopenhagen in Szene setzte und dann den sogenannten Valutastreik prokla-

Göbbete die so naheliegende Möglichkeit einer schwungvollen Huldigung der Einigkeit zwi­schen SA , SS und Partei hier und Wehrmacht dort keineswegs. Er wehrte sich vielmehr wieder einmal gegen die Forderung»gewis­ser Elemente«, daß diese oder jene Partei­organisation oder gar die Partei aufgelöst werden solle. Diese»Elemente« scheinen doch nicht gerade schwach zu sein, wenn der Propagandaminister immer wieder sich öf­fentlich gegen sie zur Wehr setzt. Sollte es unbeabsichtigt sein, wenn Göbbels zur Be­gründung der Notwendigkeit des Fortbeste­hens der NSDAP einen Vergleich mit der Wehrmacht zieht? Er meint, auch wenn alle Deutschen soldatisch dächten, würde man doch die Wehrmacht nicht auflösen, well man sie gegen den äußeren Feind brauche. Die Partei aber und ihre SA ständen gegen den inneren Feind, gegen den man die Soldaten nicht einsetzen wolle. Es sind doch eigentlich düstere Phantasien, die Herr Göb­bels da mitten in der angeblich schönsten Volksharmonie entwickelt. Um so mehr, als er ganz zu vergessen scheint, daß auch eine gewaltige Polizeimacht im Reiche vorhanden ist, die doch eigentlich etwaiger Aufstände, die auch für den kühnsten Revolutionär am weiten Horizont und in der größten Ferne noch nicht sichtbar sind, Herr werden müßte. Irgend etwas stimmt da nicht. Vielleicht ist Herrn Dr. Göbbels aufgefaUen, daß die Herren Generale zwar den Führer und Reichs­kanzler Immer höher in den Olymp der mili­tärischen Halbgötter erheben, gelegentlich auch Oefe Verbeugungen vor der»national­sozialistischen Weltanschauung« machen, die so außerordentlich für die Wehrmacht , für deren Offiziere und deren Karriere sorgt, daß dieselben Herren Generale aber stumm blei­ben. wenn es um die NSDAP , die SA und die SS und um deren Bonzokratic geht, die an-

mierte. Die Spekulation der Bauernpartei ist am gesunden politischen Sinn der däni­schen Bauernschaft gescheitert. Die Bau­ernpartei kehrt mit einem Verlust von 10 Mandaten ans dem Wahlkampf zurück. Der politische Radikalismus hat in Dä­ nemark keinen Boden. Das haben auch die dänischen Nazis erfahren, die ganze 16.000 Stimmen auf ihren Listen vereini­gen konnten. Und selbst in den ehemals deutschen Gebieten in Süd-JUtland hält sich der Stimmenzuwachs der deutschen Nazis in bescheidenen Grenzen; er wird aufgewogen durch die Erfolge, die die So­zialdemokratie selbst in diesen Gebieten erringen konnte. Für die demokratische und sozialistische Welt bedeutet das Bekenntnis des däni­schen Volkes zu der stetigen zielbewußten Aufbauarbeit der Regierung Stauning eine große Genugtuung, und die Sozialdemokra­ten im Dunkel des faschistischen Deutsch­ lands werden aus dem glänzenden Sieg der dänischen Sozialdemokraten neue Kräfte für ihren schweren Kampf um die Errich­tung eines freien und demokratischen Deutschland schöpfen. Die dänische So­zialdemokratie kann mit verstärkter Kraft ihr Aufbauwerk fortsetzen; und die Welt hat die Gewißheit: der Norden bleibt unzer­störbares Bollwerk der Demokratie.

scheinend doch von den Generalen nicht ganz voll genommen werden. Irgend etwas stimmt da immer noch nicht. Es sind nicht unsere Sorgen, aber Herr Dr. Göbbels muß sie doch recht ernst nehmen, und man kann eigentlich nicht leug­nen, daß er, wenn es um Schicksalsfragen der Nazibewegung ging, immer eine ganz gute Witterung gehabt hat. H. W. Absdnedsessen Am 21. Oktober 1935 ist der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund effektiv geworden. Der deutsche Konsul in Genf , W. Krauel, beschloß, diesen Tag zu federn. Er lud einige der höchsten Funktionäre des Völ­kerbundes zu einem Diner am 21. Oktober 1935 ein. Zu seinem Erstaunen ließen sich alle Eingeladenen höflich entschuldigen. Der Takt der braunen Diplomatie ist nicht zu übertreffen.

Goring und Mussolini Die Nationalzeitung in Essen, das Organ Görings, läßt die geheimen Wünsche der Hlt- lerpolitik erkennen. Sie richtet an Mussolini die Frage, ob nicht der Nationalsozialismus und der Faschismus sich heute über die Alpen hinweg die Hand reichen könnten. Ueber die Alpen hinweg: das heißt über Tirol hinweg. Dieser Händedruck soll die Selbständigkeit O esterred cha zerdrücken.

Die Nürnberger Judengesetze im Unter­richt. Der Sächsische VolksbUdungskommis- sär hat angeordnet, daß in allen Schulen die Gesetze, die für den Aufbau des national­sozialistischen Staates erlassen werden, künf­tig im nationalpolitischen Unterricht behan­delt werden sollen. Aus dem letzten Halb­jahr werden u. a. das Reichsflaggengesetz,' das Reichsbürgergesetz und das Gesetz zum Schulz des deutschen Blutes und der deut­ schen Ehre(das Judengesetz) genannt. 1

Jenseits des Redits Hitlers endgültige Trennung vom Völker­bund. Seit dem 21. Oktober ist Hitlerdeutsch­ land auch formell nicht mehr Mitglied des Völkerbundes. Mit der Miene eines ermü­deten Kavaliers hat es den Betrag seiner letzten Zeche über den Tisch geschoben; 5 Millionen Goldfrancs gleich 4 Millionen Goldmark. Nicht wenig für einen Staat, dessen Gold- und Devisenschatz 167 Mil­lionen beträgt und die Währung mit 2,8 Prozent deckt! Doch ist es ein alter Grund­satz, daß man seine kleinen Schulden be­zahlen muß, wenn man große machen will. Außerdem gibt es im Statut einen lästigen Paragraphen, wonach die Mitgliedschaft erst erlischt, wenn der Austretende alle seine Verpflichtungen erfüllt hat. Also fort mit Schaden! Etwas fröstelnd tritt der Kavalier in die Nachtluft. Er muß sich noch einmal selber bestätigen, daß er bei dem ganzen Handel eine tadellose Figur gemacht hat. »Es gibt in dieser Sache nur eine Stimme«, schreibt die»Deutsche Allgemeine Zei­tung«,»es war richtig. Reichsminister Frick hat in seiner Saarbrückener Rede für alle Deutschen das festgestellt« Also auch für die Herren des Auswärtigen Amts, die sich mit der gleichen Ergebenheit von Stresemann in den Völkerbund hinein, wie der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen! von Hitler wieder hinaus­führein ließen? Selbstverständlich auch für sie. Reichsminister Frick hat für alle Deutschen festgestellt, daß es' richtig war. Erhebt sich Widerspruch? Wir hören kei­nen! Die einzigen Deutschen , die heute noch ein offenes und auf Kenntnis der Tatsa­chen begründetes Urteil abgeben können, sind die Vertriebenen, die Proskribierten, die der Gewalt des Dritten Reiches Ent­rückten. Sie werden sich dem Urteil des Frick nicht anschließen! Sie sehen, daß in Wirklichkeit alles ganz anders ist, als man es den Kindern des Dritten Reiches erzählt. Die Republik von Weimar war mit wenigen Soldaten nach außen besser ge­sichert als das Dritte Reich mit seiner un­geheuren, alle Mittel des Landes verschlin­genden Heeresmacht. Deutschland war als Mitglied des Völkerbundsrates unvergleich­lich angesehener und einflußreicher als es heute ist. Auch der Hinweis auf die ge­genwärtigen Schwierigkeiten der Völker­bundstaaten im Konflikt mit Italien zieht nicht Deutschland ist ihnen durch seinen Austritt keineswegs entgangen: in seinem Schwanken zwischen England und Italien ist es nur ein Spiegelbild Prankreichs. Deutschland hat durch seinen Austritt nur verloren und nichts gewonnen. Dennoch: dieser Austritt war eine im Sinne des neuen Staatsgeists konsequente Handlung. In einem Völkerbund, der auch nur einigermaßen seinen Namen verdient, kann für das Reich Hitlers kein Platz sein. Das Italien Mussolinis, das vom Völker­bund moralische und physische Kränkun­gen erduldet, ohne ihn deshalb gleich zu verlassen, handelt weniger konsequent, wenn auch wahrscheinlich klüger. Es will auf ein Instrument, dessen sich das Bri­ tische Weltreich und Sowjetrußland mit Vorteil bedienen, ohne letzte Not nicht verzichten. Darum hat es der unlogische

IHuMjAu Jmm femd Düstere Phantasien im Sportpalast