t

n

d

Nr. 129 BEILAGE

a-

es

in

t-

er

es

d

n

a,

5-

S

t,

g

Et

el

t,

e

e

S

e

Neuer Vorwärts

1. Dezember 1935

Aufeuf an alle Deutsch- Amerikaner

dem

In Nordamerika ist unter Namen >> Deutsch- Amerikani­

Deutschland einst

scher Kulturverband « eine Deutschland hat sich die Dachorganisation aller nicht national- ganzen Welt erworben, als es sozialistischen deutschen Organisatio- barer Treue seinen Anteil zur ounen geschaffen worden, dem sich bis leistete. jetzt Verbände mit 60.000 Mitgliedern Aufwärtsentwicklung angeschlossen haben. Er tritt mit einem schungsdrang und die Klarheit

Achtung der mit unbeirr­menschlichen Der For­abwägenden

die

und

Deutschland heute

Agrarwissenschaftler -Praktiker, statt dessen verschuldet ein mittelalterliches kamen, um von dem Beispiel der preußischen Erbhofgesetz ungezählte menschliche Tra­republikanischen Regierung zu lernen, deren gödien in der deutschen Bauernschaft. Vorbei mutige Siedlungspolitik jede Woche ein neues ist es mit dem Arbeitsrecht des deutschen Dorf schuf. Arbeiters, vorbei mit den Tarifverträgen, vor­bei mit der Sozialpolitik. Was nie zuvor in Deutschland erlebt wurde, ist eingetreten: f an alle Deutsch- Amerikaner an Urteils einer freien deutschen Wissenschaft Nun ist das alles vorbei. Die Bewunderer auf den Straßen sehen sich die Menschen den die Oeffentlichkeit, im der an der haben Menschen aus aller Herren Länder zu der deutschen Wissenschaft Auslande ängstlich um, ob kein Spion zuhört; zahllose Gründung beteiligte Genosse Gerhart begeisterten Schülern deutscher Universitä- sehen mit Entsetzen, daß in Deutschland ausländische Gäste haben berichtet, daß ihre Seger verfaßt hat: ten gemacht. Mit der stolzen Freude an kost- unterm Hakenkreuz Bücher verbrannt deutschen Freunde von früher in demütigen­Deutsche Landsleute! haben den, daß eine einst freie Wissenschaft ge der Furcht die Stimmen dämpften, im Hotel barem, innerlich erworbenen Besitz Im Laufe der letzten hundert Jahre haben viele Bücherfreunde in allen Ländern die un- zwungen ist, zu lehren, was eine Diktatur zur Türe gingen und nachschauten, ob auch Hunderttausende von Deutschen die Fahrt vergänglichen Werke des freien deutschen vorschreibt, daß die in jahrhundertelangem kein Lauscher in der Nähe ist welch ein von der alten zur neuen Welt angetreten. Sie Geisteslebens ihre Bibliotheken gestellt. Ringen eroberte Freiheit der Lehre und der moralischer Absturz eines freien, stolzen Vol­ließen die alte Heimat hinter sich, um dies­ seits des Atlantischen Ozeans eine neue zu finden; sie taten den entscheidenden Schritt, ein menschliches Leben zum zweiten Male zu beginnen.

nis

Unter diesen Hunderttausenden. deutschen Einwanderern nach Amerika hat der weitaus größere Teil die alte Heimat nicht leichten Herzens verlassen. Die Jahre der politischen Tyrannei nach 1848, die Jahre des Sozialisten­ gesetzes unter Bismarck haben viele Deutsche aus dem Lande ihrer Geburt, ihrer Sprache, ihrer Arbeit und ihrer Kultur vertrieben . Diese Deutschen waren erfüllt von dem un­beugsamen Willen, ihrer Ueberzeugung treu zu bleiben, erfüllt von jener stolzen Ent­schlossenheit, die einst Martin Luther in die wenigen, aber von unerschütterlicher Festig­keit zeugenden Worte gefaßt hat:>> Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen. < Diese Deutschen beugten sich nicht der charakterzerstörenden Reaktion, sie liebten die Freiheit über alles; sie zogen es vor, die drückend gewordene Luft der alten Heimat zu verlassen und in fremdem Lande, aber in freierer Luft neu zu beginnen.

Eine solche Vergangenheit, ein solches Beispiel unserer Vorfahren verpflichtet. Wie sich echte Freundschaft erst in der Not er­weist, so bezeugt sich die Treue zur Gesinnung, die Anhänglichkeit an große Ideen am meisten dann, wenn sie vom Wirbel einer kritischen Zeit in Frage gestellt werden.

Keine Flucht aus der

Verantwortung!

Wir leben in solch einer Gegenwart, wo alles aus den Fugen geraten scheint und alle Ueberlieferung, alle großen menschlichen Ideen in Frage gestellt werden. Einige Län­der, und unter ihnen unsere Heimat, haben sich der Diktatur verschrieben. Millionen von Menschen haben unter dem Ansturm der wirtschaftlichen und politischen Schwierig­keiten unserer Zeit verzagt, selbst ihr Schick­Sie sal und das ihres Landes zu meistern. haben die Flucht aus der eigenen Verant­wortung angetreten, sie fürchten sich, Hand anzulegen, sie weigern sich, darüber nachzu­denken, was geschehen soll. Millionen Menschen haben sich selbst aufgegeben, haben sich willenlos einem» starken Mann< unter­worfen, der für sie denken, für sie handeln, der für sie tun soll, was sie doch nur selbst tun können. Vergebens! Auf unserer Stufe der geschichtlichen Entwicklung wird kein Ueber­mensch erstehen, der das wirtschaftliche und politische Chaos der Gegenwart mit natürlichen Kräften lichtet. Nur das vereinte

von

über­

in

A C

Der Parteitag der Freiheit

Hoffentlich bald!

wer­

kes in die demoralisierende Niederung barba­rischer Diktatur! Die Großzügigkeit des Starken, Minderheiten anständig zu behan­deln, ist der brutalsten Verfolgung gewichen. Die Gefängnisse und Zuchthäuser sind über­füllt; alte Zuchthäuser, die die junge Republik außer Dienst setzen konnte, sind wieder in ver­Betrieb. Mit fassungslosem Entsetzen nehmen die Menschen anderer Länder die un­widerlegliche, tausendfältig bezeugte Kunde von den Schrecknissen der Konzentrations­lager, von der mittelalterlichen Folterung un­schuldiger Menschen mitten im zwanzigsten Jahrhundert, von der Geiselhaft unschuldiger Frauen und Kinder die Welt blickt, außer­stande zu begreifen, auf ein Land, das sich mit Gewalt in die dunklen Zeiten überwunden geglaubter Vergangenheit zurückversetzt.

Nicht genug mit dem, was sie in Deutsch­land einem tief unglücklichen Volke zufügen, versuchen die Sendboten dieser Barbarei die Lehre des geistigen Rückschritts, der bruta­len Gewalt gegen die eigenen Volksgenossen, die Lehre von der Unterdrückung jeder freien Meinung, die Lehre des Religionskrieges, der Geistliche wie vor Jahrhunderten in Gefäng­niskleider steckt und sie für ihren Glauben hinter Kerkermauern büßen läßt, auch hier in Amerika zu verbreiten. Organisationen ver­schiedenen Namens, aber eines Zieles suchen das amerikanische Deutschtum nationalsozialistischer Parteipolitik zu ver­giften, versuchen den Deutsch- Amerikanern, die den Eid auf eine freiheitliche Verfassung ihres Gastlandes geleistet haben, eine Schur­kerei ohnegleichen zuzumuten; nämlich mein­eidig zu werden.

ver­mit

Die Tradition der Freiheit

Das darf nicht sein. Die Deutsch- Ameri­kaner haben eine Tradition zu pflegen, die mit den Namen Karl Schurz und General Steuben genügend klar bezeichnet ist; kein aufrechter, freiheitliebender Deutsch- Ameri­kaner kann sich dazu hergeben, das ver­pflichtende Andenken dieser Männer, die den deutschen Namen in Amerika. zu höchstem Ansehen gebracht haben, zu beschmutzen. Wir haben die schwere, aber dankbare, die unabweisbare Aufgabe, in unserer zweiten Heimat eine aufsteigende Gefahr zu verhüten: daß die Barbarei des Dritten Reiches zu einer Minderung des Ansehens Deutschlands führt. Immer und immer wieder müssen wir den Bürgern unseres Gastlandes, die eine so kost­bare Erinnerung an ein freies Deutschland vor Augen haben, sagen, und müssen es durch unsere eigene Haltung zu erkennen geben: Deutschland ist nicht Hitler,

Bemühen selbst denkender, verantwortlich Die Reinheit und Sicherheit des öffentlichen| Forschung aufgehoben ist, daß die angesehen - und Hitler ist nicht Deutsch­fühlender, überlegt und entschlossen handeln- Lebens in Deutschland hat die ausländischen sten Gelehrten zu Hunderten aus dem Lande land. Wir haben das Erbe der deutschen der Menschen wird in geduldiger Arbeit Bewunderer unserer schönen Heimat in Strö- vertrieben wurden, dessen wissenschaftlichen Kultur sorgsam zu verwalten, es ist dem Aus­zu treuen Händen über­Schwierigkeiten überwinden, die nichts ande- men ins Land geführt und ihnen das Reisen Weltruf sie begründeten. Reisende, Staats- landsdeutschtum uneingeschränkten Ge- bürger anderer Länder erleben, daß es mit geben, bis sich die Wolken einer dunklen Ver­res als die Frucht des ewigen menschlichen in Deutschland zum ver- der Sicherheit eines zivilisierten Landes vor- irrung über Deutschland wieder lichten, bis Ringens, des Widerspiels der geschichtlich ge- nuß werden lassen. In wenigen Jahren der menschlichen Gesell- mochte die junge deutsche Republik die bei ist; die Konsule fremder Länder müssen die alte Heimat wieder zu dem wahren Cha­wordenen Kräfte eines kultivierten Nachwehen der Kriegspsychose zu überwin- sich mit Beschwerden ihrer Bürger befassen , rakter Deutschlands als schaft sind. aus die auf den Straßen des Dritten Reiches ver- Landes zurückgefunden hat. Dieser Appell er­Flucht aus der eigenen Verantwortung ist den; an Stelle einer Welt von Feinden immer feige. Preisgabe der eigenen Menschen- vier Jahren kriegerischer Entartung schuf prügelt wurden, weil man sie für Juden hielt, geht an alle Deutsch- Amerikaner: Laßt uns die deutsche Kultur pflegen, rechte, Preisgabe, der persönlichen und poli- eine geduldige, ihres schließlichen Erfolges die gefangen gesetzt wurden, weil sie das in tischen Freiheit ist immer unwürdig. Auf die sichere Verständigungspolitik der deutschen der übrigen Welt bestehende Recht der freien nicht die» Kultura der Konzentrationslager eigene Tat zu verzichten, willenlos alles trei- Republik eine Welt von Freunden. Gäste aus Meinungsäußerung auch in Deutschland vor- und der verbrannten Bücher, ben zu lassen, mit schlaffen Händen, gelähm- allen Teilen der Welt kamen nach Deutsch- aussetzten. Was in Kunst, Literatur, auf der wahre deutsche Kultur, erwachsen aus des land, um den Aufbau eines neuen Staates aus Bühne und im Konzertsaal erarbeitet wurde Geistesleben und Kunstschaffen eines freien ten Sinnen, trägen Herzens am Rande sehen: die Schulmänner aus und was die ganze Welt aus Deutschland als Volkes, erwachsen aus dem politischen und Schicksals zu stehen, darauf zu warten, daß der Nähe zu sozialen Fortschritt! Laßt uns zusammen­ein anderer tut, was zu tun die eigene Pflicht allen Ländern bewunderten die moderne, vor- Tribut zum Fortschritt dankbar übernahm, erbärmliches wärtsgerichtete Entwicklung des republika- ist nun als» Kulturbolschewismus verbannt, das ist ein stehen und einen Wall gegen diejenigen bil­gebieten sollte Verhalten.>> Nur der verdient sich Freiheit nischen Erziehungswesen, den Wandel von der die allein schöpferische Atmosphäre der Frei­den, die mit dem Gift der parteipolitischen aufgeschlossenen heit besteht nicht mehr, die muffige Wolke wie das Leben, der täglich sie erkämpfen stumpfsinnigen Lern- zur Diktatur in das Deutsch- Amerikanertum ein­Arbeitsschule; die Kommunalfachleute der der Zensur, der vorgeschriebenen Meinung, muß, mahnt uns Goethe. Deshalb ist es die schwere, aber dankbare, Welt betrachteten sich die modernen Wohn- des amtlich verkündeten allein erlaubten dringen, die uns zu meineidigen Verrätern an Deutsch- bauten der deutschen Städte; die Menschen Stiles legt sich wie ein Alpdruck auf die einst der von uns beschworenen freiheitlichen Ver­die unabweisbare Aufgabe aller zweiten Heimat machen aufrechtzuerhalten, was Amerikaner, im mit sozialem Gewissen kamen zu uns, um die so lebendige Welt des Geistes und der Kunst fassung unserer soziale Gesetzgebung, das und erstickt alle Regungen. Vorbei ist es mit wollen! Wir haben , als Deutsche und gegenwärtigen Deutschland verloren ging, zu fortschrittliche Hitler preisgegeben Tarifwesen, das moderne Arbeitsrecht an der modernen Schulen, vorbei mit modernen Bau- Amerikaner, einen Ruf zu verlieren verteidigen, was unter wahret ihn! Quelle der deutschen Republik zu studieren;| ten, vorbei mit der ländlichen Siedlung wurde.

-

Sondern die dem

als

be

S

S