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Neuer Vorwärts

Sozialdemokratisches Wochenblatt

EN AVANT! Hebdomadaire en langue allemande

Redaktion und Verlag: 5, Rue Mayran. Paris - 9, Téléphone: Trudaine 46-52

Nr. 271 SONNTAG, 28. August 1938

Aus dem Inhalt:

Belogen und betrogen

Hitler noch nicht dagewesen

Die Volksauto- Erpressung

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Sie

Die Drohung mit dem mit dem Krieg

Warum die Dinge nicht beim rich-/ tigen Namen nennen?

Europa unter nationalsozialistischem Terror

Mitten in Europa sitzt eine sprung­bereite Bestie, mit gefährlichen Zäh­nen und Pranken. Sie späht umher,

verröcheln. Aber

-

Die wahre Lage Deutschlands

Aug in Auge mit einer Weltkoalition

Die wahre Lage des Dritten Reiches wird durch die Reden des Präsidenten Roosevelt und seines Staats­auf welches Opfer sie sich stürzen sekretärs Hull aufgezeigt. Während das deutsche Volk in Atem gehalten wird durch die Mobilmachung, die könne, ohne selbst in Gefahr zu gera- unter dem Namen Manöver läuft, bringen die Staatsmänner des Auslandes den deutschen Machthabern zum Be­ten. Schon ist sie zum Sprung geduckt, wusstsein, dass sie in der Welt isoliert sind. In der Nähe der deutschen militärischen Machtentfaltung und mitten hur Sekunden noch, und das Opfer im Dornengestrüpp der durch die Eroberungssucht des Dritten Reiches aufgeworfenen rein europäischen Pro­wird unter ihren Pranken und Bissen bleme mag sich der grossen Masse des Volkes der Blick für die wahre Lage verdunkeln. Die Verantwortlichen aber wissen, dass sie einen Weltkrieg entfesseln würden, wenn sie den Krieg in Europa hervorrufen.

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Ja, aber die Opfer von morgen ge­hen in der Ruhe des Alltags ihren Ge­Die Rede, die Präsident Roosevelt in Kingston gehalten hat, ist unmissverständich. Er sagte darin: schäften nach, sie essen und schlafen, , Wir können nicht verhindern, dass sich unsere Nation ein Urteil über die zügellosen Gewalttätigkeiten bilde, arbeiten und lieben, diskutieren um die in der Welt geschehen, sowie über die Angriffe auf die Demokratie, die Verletzung anerkannter Rechte des In­Rechte und Freiheiten, um materielle dividuums und die Leiden, denen schutzlose Nationen ausgesetzt sind. Die Ideen sind nicht durch Grenzen gebun­und geistige Dinge, als ob es die den; sie sind das gemeinsame Erbe aller freien Völker. Wir haben in Nord- und Südamerika die Pflicht, diese Tra­Bestie nicht gäbe. Sie leben und dition aufrechtzuerhalten. Wir Amerikaner können uns nicht länger als Bewohner eines abseits liegenden Kon­schmieden Pläne für Wochen, für tinents betrachten, für den die Kontroversen der Länder jenseits der Meere ohne Interesse und ohne Gefahr sind. Monate und Jahre, während die Bestie Wir sind ein Element geworden, dem man in jedem Propagandabüro und in jedem Generalstab jenseits der lauert. Und viele werden böse, wenn Meere Rechnung trägt. Unsere ungeheuren Hilfsmittel, die Ausdehnung unseres Handels und die Energie unserer sie mitten im Alltag angerufen wer- Menschen haben uns zu einem lebenswichtigen Faktor des Weltfriedens gemacht, ob wir nun wollen oder nicht". den, damit sie die Gefahr sehen. Die Bestie da? Warum die Ruhe stören, Flotte und eine der stärksten Luftflotten, ohne dass sie ihr Rüstungspotential erschöpft hätten. Während das die zum geordneten Leben nötig ist? Dritte Reich seine wirtschaftlichen und technischen Reserven für die Rüstung bereits bis zum äussersten ange­springt ja doch nicht! spannt hat, verfügen die Vereinigten Staaten über gewaltige Reserven, die sie in die Wagschale werfen könn­Ja, aber Krieg? Krieg? Und wie- ten. Provozieren die deutschen Machthaber den Krieg, so werden die Vereinigten Staaten im Lager der Demo­der sagen die Opfer von morgen: es kratie gegen das Dritte Reich stehen. Diesen Krieg müssen die Machthaber des Dritten Reiches verlieren. Sie darf nicht sein, also wird es nicht sein. haben deshalb die Erklärung Roosevelts mit Beklemmung aufgenommen. Sie verschweigen ihre wahre Tragweite Wer könnte sein geordnetes Leben dem deutschen Volke. Sie verschweigen ihm, dass in dem stillen Weltkriege, der bereits im Gange ist, das fortsetzen, wenn ihm stündlich vor Dritte Reich in der Welt poltische Niederlagen von grösstem Ausmass erleidet. Sie suchen den Blick des Augen wäre: morgen ist Krieg? Volkes zu fesseln durch ihren billigen Sieg über Oesterreich , durch den Lärm der Kriegsmaschine, die sie in Die Bestie weiss es. Sie weiss um Gang gesetzt haben. Sie täuschen dem deutschen Volke eine Macht vor, die sie nicht besitzen- aber sie ver­gewaltige bindende und hem- schweigen ihm, dass heute bereits eine geistige und militärische Weltkoalition gegen das Dritte Reich besteht, mende Kraft des Willens zum Leben deren Ueberlegenheit weder durch den italienischen noch durch den japanischen Bundesgenossen wettgemacht im Frieden, von der sie heute noch werden kann.

die

begünstigt wird fünf Jahre, nach­

begonnen hat.

-

als sie noch klein und ungefährlich

war. Damals haben die Opfer, die

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind heute das mächtigste Land der Erde. Sie besitzen eine mächtige

dem sie die Vorbereitung zum Sprung zwingen, weil sie sehen, dass ihre Politik zusammenbricht. Sie werden nicht sagen können, dass sie getäuscht

Man hätte sie totschlagen können, dem deutschen Volke, der Welt und der Geschichte.

Die Machthaber des Dritten Reiches können den Weltkrieg erzwingen. Sie werden ihn vielleicht er­

worden wären. Sie steuern sehenden Auges in das Unheil. Sie, und sie allein tragen die Verantwortung

es nicht heraus aus der Gebun­

-

vor

von ihr ins Auge gefasst wurden, mit vergisst nicht die kleinen Nöte und noch dem einen grossen Schatten den Achseln gezuckt. Heute ist sie die kleinen Freuden des Alltags; die dem Kriege. Er überschattet alles gross und gefährlich, und nun sagen Grösse und die Höhe der Gefahr reis- selbst die Risse und Sprünge im Ge- aus den drei Armeekorps Ostpreussen , die Opfer, sich sebst belügend: sie sen springt ja doch nicht! Aber wozu hat denheit des Lebens zur Erhebung ge- des deutschen Finanzwesens. Das ist fehlshaber dieser Armee unterstehen sie ihre Zähne und Pranken?

einmal ein Glaubenssatz deutscher nackten Lebens willen verloren. Politik, dass eine deutsche Aufrüstung

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Im Nordosten ist eine echte Angriffs­

armee geschaffen worden. Sie besteht

So ist es heute in Europa ! Es war es hat den Sinn des Lebens um des land angestellt wird. Das andere, das Ostsee

Und doch sieht kein Volk die Ge­

bäude der deutschen Wirtschaft und Pommern und Berlin . Dem Oberbe­

die gen den Anschlag auf alle wirklich, das wahre Manöver, das in Deutsch - zugleich Seestreitkräfte der und die Luftwaffe der militärische, ist eine Mobilmachung. drei Korps. Der Oberbefehlshaber Dies aber ist die Probe, die die deut- ist Generaloberst von Fritsch. Gilt

-

unter Bruch der Verträge um 100 000 fahr so nahe wie das deutsche! Das schen Machthaber vornehmen, ob sie diese Vorbereitung einer Operation oder 200 000 Mann eine internationale ist die letzte Probe, die mit ihm ange- das Volk so hinreichend an den Krieg auf Danzig und Memel , oder phanta­Exekution gegen den Vertragsbruch stellt wird denn heute schon er- gewöhnt haben, dass es nicht rebel- stischeren Plänen im Baltikum? Wer hervorrufen würde. Wie lange ist das lebt

dass in Deutschland anderthalb Mil- sind beim Heer. Frauen und Kinder dass die

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her! Europa hat mehr ertragen und künftigen Krieges. Die Männer, mit- schauerliche Probe, die mit dem deut- dieser Mobilmachung eine so ausge­hingenommen, und heute erträgt es, ten

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wird.

aus der Arbeit herausgerissen, schen Volke veranstaltet wird, ohne sprochene Stossarmee gebildet wird?

wenn im Rahmen

lionen Mann, voll mobil gemacht, un- fragen: ,, Wann kommen sie wieder? Völker verstehen, was hier vor sich heute die Entschlüsse gefasst werden, ter Waffen stehen, bereit, sich auf den Kommen sie überhaupt wieder?" geht. Es ist die letzte Vorbereitung die Befehl eines Einzigen hin auf das Op - Fabriken und Läden schliessen, fer zu stürzen, das er ihnen bezeich- fehlt an Arbeitskräften. Eisenbahnen

-

es der Bestie vor dem Sprung.

diese Stossarmee in Bewegung setzen. Seine Willkür entscheidet über Sie springt ja doch nicht? Wer Krieg und Frieden in Europa , seine und Strassenbahnen schränken den weiss es, und wer weiss, auf wen sie Willkür entscheidet darüber, wer das Opfer des Angriffs sein soll. Was sind Sie wird es nicht wagen, die Tsche- Traditionen und Gesetze der Politik,

Das deutsche Volk, Opfer und In- Verkehr ein. Die Post funktioniert springt? strument zugleich, hat es täglich vor nicht mehr, in Massen bleiben Post­Augen: morgen ist Krieg und es er- sendungen liegen. Alles ist gestört, al- choslovakei zu überfallen? Aber wenn was ihre innere Logik, wenn es der trägt es. Es bäumt sich nicht auf. Es les ist anders, alles untersteht nur sie nach einer anderen Seite springt? Willkür eines Einzenen freisteht, sich