Br. 208. 17. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts Berliner Volksblatt. Freitag, 7. September 1900.
Volkswirtschaftliche Rundschau.
Handelsvertrags und agrarische Zollpolitik. Aussichten. lin
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Ernte Aussichten. Nach der Zusammenstellung des kaiserlichen Statistischen Amtes über den Saatenstand in Deutschland Mitte August ergeben sich folgende Noten:
die
Nr. 1 bedeutet sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering, Zwischenstufen sind durch Decimalen bezeichnet.
Winter Weizen 2,5 Sommer- Weizen 2,4 Winter- Spelz
-
2,6 2,7 2,5 2,6 2,3
2,4
3,1 3,2
6426
ococcicio|
1900 dagegen im August Juli Juni Mai April August
1899
2,7
2,2
2,4
2,5
2,5
2,6-2,6
2,5
2,4
2,6
2,3
2,5
2,7
2,5
2,5
2,6
3,2 3,0 3,0
2,8
2,6 2,9
Winter Roggen. 3,0 Sommer- Roggen 2,5 Semmer Gerste. 2,4 Hafer Startoffeln.
Kee Luzerne Wiesen.
2,4
2,3
3,1
2,8
2,8
222222222
Die
Erntes näherung und Durchgangsstadium zum Freihandel aufgefaßt, und auf 230 Millionen Mark, der Kautschukindustrie von 20 aut unser oficlbisches Junkertium, dem heute die landwirtschaftlichen 46 Millionen Mark, ist Frankreichs Außenhandel zurückgegangen. Im Zölle nicht hoch geung gesteigert werden können, war damals frei- Durchschnitt der drei Jahre vor Einführung des Doppel- Tarifſyſtems, Handelsvertrags- und agrarische Zollpolitik. Die agrarische händlerisch gejimmt, da die preußische Groß- Landwirtschaft der Jahre 1889/91, erreichte der Wert des franzöfifchen Außenhandels Presse sezt ihren Kampf gegen die Handelsverträge munter fort, und ziemlich bedentend cyportierte. Die Produktionskosten und die 8167 Millionen Franks, die Ausfuhr allein 3665 Millionen Franks; zwar nicht nur gegen die in den Jahren 1892/94 unter der Reichs- Getreidepreise stellten sich damals in Ostelbien wigleich dagegen stellte sich der Durchschnitt der drei Jahre 1896/98 nur auf fanzlerschaft Caprivis abgeschlossenen Verträge, sondern gegen jede niedriger als in England und Frankreich und als Konkurrent 7579 Millionen Franks, die Ausfuhr auf 3503 Millionen Franks. Tarifvertragspolitit überhaupt. Oeffentlich wird diese Tendenz der tam auf dem damaligen beschränkten Weltmarkt" eigent Das ist gerade kein Ergebnis, das für die Güte des von agrarischer agrarischen Angriffe allerdings geleugnet, und als fürzlich in lich nur Rußland , teilweise noch Oestreich in Betracht; die ameri- Seite angepriesenen Doppel- Tarifjystems spricht. einer Bolemit der Hamburgische Correspondent" ant die kanische Konkurrenz war noch nicht vorhanden. Dentlich kommt die Kreuz- Zeitung " die Frage richtete, ob sie leugnen könne, daß damalige günstige Lage der preußischen Landwirtschaft in den Weizeneine Strömung vorhanden sei, die den Abschluß neuer Handels- preifen und Weizenausfuhrziffern der Jahre 1850-70 zum Ausdruck. berfräge unmöglich zu machen fuche, wollte das Blatt des Herrn Nach Prof. J. Conrad betrug zum Beispiel der Weizenpreis im Durch Kropatscheck von solcher Strömung nichts wissen. Thatsächlich aber schnitt der Jahre 1851-1860 in England pro Tonne( 1000 Kilo laufen die Forderungen der Agrarier auf Verhinderung jeglicher gramm) 250 M., in Frankreich 231,4 m., in der Proving Preußen moderner Handelsvertrags- Bolitit, wie fie fich feit 1860 unter dem nur 199,6 M.; für die Jahre 1861-70 in England 248 M., in Borantritt Frankreichs entwickelt hat, hinaus; denn Handelsvertrags- Frankreich 224,6 m., in der Provinz Prenzeit 195 M. Dem entfchließungen, wie das Junkertum fie meint: Berträge ohne Meist sprach die Weizenausfuhr. Nach Professor v. Juraschef belief sie begünstigungsklausel, ohne gegenseitige Bindung der Zollpofitionen auf fich für Deutschland im Durchschmitt der Jahre 1841-1850 auf längere Zeit und abgeschlossen auf Grund eines festen Minimaltarifs, 2 543 000 Meter- Zentner, 1851-1860 auf 3423 000 Meter- Centner, unter dessen Säge nicht herabgegangen werden darf das find, 1861-1870 auf 5 225 000 Meter- Gentner; dagegen 1881-1890 nur wenn sie überhaupt zu stande kommen, nur fingierte Verträge, für auf 260 000 Meter= Centner. Der Zoll auf Weizen wurde Handel und Industrie völlig wertlos. Erste Bedingung der Nußbar- dann auch in Preußen, nachdem er schon 1857 auf 20 Pf. feit eines Handelsvertrags ist, daß er auf längere Frist, mindestens pro Scheffel herabgefeßt worden war, 1865 völlig aufauf zehn Jahre, geschloffen wird. Verträge, die jederzeit von den gehoben; ebenso der Zoll auf Roggen, Gerste und Hafer, der von Kontrahenten gekündigt und binnen furzer Zeit aufgelöst werden 1857 an gar nur noch 5 Pf. pro Scheffel betragen hatte. tönnen, gestatten der Industrie und dem Exporthandel feine An- Mit der Entstehung der amerikanischen Getreidekonkurrenz, der passung an die Bedürfnisse des andren vertragschließenden Lands. zunehmenden Getreideproduktion Rußlands , Cestreich- Ungarns , RuEine gewisse Stetigkeit und Sicherheit der beiderseitigen fommer- mäniens sowie des infolge der Verbesserungen des Schiffahrt und 2,8 2,8 2,7 ziellen Verhältnisse ist nun einmal unentbehrlich für die Entwicklung Eisenbahnwesens erleichterten und verbilligten Getreidetransports 2,9 2,8 2,8 des Export- und Importhandels zwischen zwei Staaten. aus fremden Ländern gewinnt jedoch die schutzöllnerische Stimmung Ceffentlich wenden sich allerdings die Organe des Agrariertums unter den oftelbischen Agrariern immermehr die Oberhand. Die erläuternden Bemerkungen des Statistischen Amts fügen mur selten direkt gegen jede Handelsvertragspolitik, mur die Jemehr die Profite ans dem einstigen Getreide Grport hinzu: Deutsche Tageszeitung" leiftet sich gelegentlich, um dem oftelbischen sinken, jemehr verwandeln sich die früheren enragierten Wintergetreide. Die für Roggen angegebene Note ist vielfach Krautjunkertum zu imponieren, solchen Ausfall. Sonst begnügt man Freihändler in wüthende Hochschutzzöllner, je weniger wollen sie von als eine solche über die Ernte anzusehen, da die Roggenerute zumeist fich damit, allerlei Gründe gegen die„ jepige" Art der Handels- Export und Außenhandel wissen, je mehr begeistern sie sich für die beendet ist. Die Note für das Reich beträgt nur 3,0; unter dem vertragschließung hervorzusuchen. Bald flagt man über den Ruin wirtschaftliche Selbstgenügiamfeit des Staates. Dabei finden sie an Mittel bleiben Königreich Preußen, Königreich Sachsen nebst Sachsender Landwirtschaft durch das jetzige System der Tarifverträge und den rheinisch- westfälischen Eiſenindustriellen, die 1876. den berühmten Weimar und Sachsen- Altenburg und Mecklenburg - Streliz. Selbst in sucht zu erweisen, daß für landwirtschaftliche Produkte, speciell für und berüchtigten„ Centralverband deutscher Industrieller" gründen, Bayern , das den günstigsten Bericht aufweist, bleibt der Ertrag inGetreide, Minimalzollfäße festgejezt werden müßten, z. B. ein Zoll und denen die Konkurrenz der englischen Eisenindustrie lästig ist, folge des dünnen Stands hinter der vorjährigen Ernte bedeutend von 6 oder 7 M. für den Doppelcentner Weizen oder Roggen, einflußreiche Bundesgenossen. Ende der siebziger Jahre jetzt unter zurüid. Der Weizen hat stellenweise durch Brand, Roſt und Weizenan den bei bei Vertragsverhandlungen nicht gerührt werden Bismards Aegide eine erneute schutzöllnerische Hochflut ein. Der halmtöter gelitten, auch durch Notreife in der Julihizze, insgesamt dürfe, bald weist man auf den englischen Plan eines Boll auf Weizen und Roggen wird am 1. Januar 1880 zunächst aber wird er eine gute Durchschnittsernte ergeben. Unter Reichs Zollverbands und auf die in einzelnen englischen auf 1 M. pro Doppelcentner festgejezt, dann 1885 auf 3 M., dem Mittel bleibt von den Staaten nur Mecklenburg- Schwerin Kolonien hervortretende Neigung zur Einführung hoher 1887 auf 5 M.; der Zoll für Mühlenfabrikate steigt im gleichen( mit 3,2), über die Note gut gehen Bayern und Neuß ä. L. hinaus Industrie- Schutzölle hin. Dann wieder wird an der Hand der vom Zeitraum von 20 auf 105 m. pro Tonne( 1000 Kilogramm), der( mit 1,8). Ministerium des Innern veranlaßten famosen Produktionsstatistit Boll für Hafer von 10 auf 40 W. pro Tonne usw. Sommergetreide. Obgleich alle Sommerfrüchte in diesem Jahre geltend gemacht, daß der ausländische Markt gegenüber dem ein- Die Handelsvertrags- Politit selbst wurde indes von den Agrariern erheblich bessere Ernte als in den meisten der Vorjahre gebent, heimischen doch nur eine nebensächliche Rolle spiele und deshalb die vorerst noch nicht grundsäglich bekämpft; ihr Streben ging mur dahin, werden doch im einzelnen viele Klagen verlautbart über Rotreife, Erreichung einer größtmöglichen wirtschaftlichen Selbst möglich für ihre Zollpolitik freie Hand zu behalten. Deutschland Lagerstellen, Körnerverlust durch Wind und Hagel, Answuchs. genügsamteit das Mel jeder vernünftigen Wirtschaftspolitit sollte seine Tariffäße nicht binden, es sollte nur Meistbegünstigungs- berechneten Reichsnoten: 2,4 für Hafer, Sommerweizen und sein müsse; oder aber es wird auf die schutzzöllnerische verträge abschließen, die ihm an den Vergünstigungen fremder Sommergerste, 2,5 für den Sommerroggen zeigen aber, daß man Strömung in Rußland uni Oestreich hingewiesen und darans ge- Staaten den Mitgenuß sicherten, ohne es an eigenmächtiger Erhöhung es mit einer weit über den Durchschnitt hinausgehenden Grute zu folgert, daß in Anbetracht dieler Tendenzen auch Deutschland natürlich der Zölle für landwirtschaftliche Prodnfte zu hindern. Die Sache thun hat. feine Zolljähe erhöhen müsse, um angemessene Gegenforderungen hat nur den Haken, daß natürlich auch den andern Staaten, soweit Kartoffeln. Die Kartoffeln zeigen fast überall schönen Bestand stellen zu können". sie nicht unter sich durch Tarifverträge gebunden sind, das und guten Knollenanjak, wie es aber bei einem Anbau auf so vers Besonders sind es die neuerdings in einem Gutachten des gleiche freisteht, auch sie können eigenmächtig nach dieser oder jener schiedenen Böden und in so verschiedenen Lagen nicht anders fein öftreichischen Vereins der Montan-, Eisen- und Maschinen- Industriellen Richtung Bollerhöhungen vornehmen. Als deshalb 1892. die meisten fan, wird doch aus vielen einzelnen Bezirken über stellenweiſes das östreichische Gegenstück zu unirem„ Centralverband deutscher der zwischen den europäischen Staaten geschlossenen Handelsverträge Faulen, aus andren wieder über geringe Knollenausbildung infolge Industrieller" geäußerten Anschauungen, die mit Behagen aus- abliefen, sah sich die. Caprivische Regierung genötigt, wollte sie nicht von Trockenheit berichtet. Die Reichsnote.( 2,3) läßt aber erkennen, gcichlachtet werden. Der Verein verlangt nämlich eine weitere Aus den deutschen Export durch fremde Zollchikanen lahm legen und ver- daß bis jetzt die Ernte- Aussichten selten gute sind und in keinem der gestaltung des Zollschutzes, namentlich auch für Halbfabrifate. Dabei schiedenen Industriezweigen die Ausfuhr abschneiden lassen, die legten sieben Jahre um diese Jahreszeit übertroffen wurden. stellt er den Grundsatz auf, daß für die fünftige Zollpolitik nicht Juitiative zu ergreifen und Tarifvertrags- Verhandlungen einzuleiten, Für Oestreich Ungarn sind nach dem letzten Bericht des mehr der bloße Ausgleich der Verschiedenheit der Erzeugungs- die dann in den sogenannten„ Caprivi'schen Handelsverträgen" ihren ungrijchen Acerbau Ministeriums und sonstigen Schäßungen die bedingungen bestimmend sein müsse, sondern die Tendenz, Abschluß fanden. Erite Aussichten entschieden ungünstigere, als im vorigen Jahre. den inländischen Markt für die inländische Ware zu sichern Was aber konnte vorwiegend Landbau treibende Länder, wie Im ganzen wird vom Ackerbau- Ministerium der Ertrag der diesund die heimische Industrie groß zu ziehen. Für Eisen, Eisenwaren, z. B. Cestreich- Ungarn und 9tußland, dazu veranlassen, der deutschen jährigen Weizenerate auf 36/2 Millionen Meter Centner geschäßt. Maschinen und Fahrzeuge giebt er dem Handelsministerium Mindest- Industrie für ihre Produkte Zoflermäßigungen zuzugestehen und Da im vorigen Jahre der Ertrag sich auf 38,45 Millionen Meterzolljäze an, die jede Industrie unbedingt nötig hat und unter die ihnen die Thore zu öffnen, als stompenjationen auf dem Wirtschafts- Centner belief, ist auf einen Ausfall von 2 Millionen zu rechnen. Dieser bei Vertragsverhandlungen nicht herabgegangen werden darf. Der gebiet, auf dem diese Länder mehr produzierten, als sie verbrauchten: Rüdgang würde indessen nicht so sehr ins Gewicht fallen, weil artige Wünsche eingefleischter industrieller Schutzzollinteresienten sind auf dem landwirtschaftlichen Gebiet. So wurde denn vertragsmäßig er teilweise durch alte Vorräte Deckung findet; der Schwer natürlich willkommene Wasser auf die Mühlen des Agrariertunts. der Zoff für Weizen und Roggen auf 3,50 M. pro Doppelcentner. punkt der Situation liegt darin, daß auch die Roggenernte, die mit Worauf die Bestrebungen der Agrarier hinzielen, ist, wie für Mühlenfabrikate auf 7,30 wt., für Hafer auf 2,80 M., für Gerste 10 300 000 Meter- Centner tagiert wird, gegen das Vorjahr ein schou geingt, Abivendung von der modernen Handels- auf 2 M. herabgesezt. Erst seitdem hat sich bei den Agrariern die Minus von mehr als 11/2 Millionen Meter- Centuer ergeben würde vertrags Politik und Rückkehr zur sogenannten autonomen Ansicht eingestellt, daß sowohl das System der heutigen Tarifs, als und der Ertrag der Gerste mit 11 300 000 Meter- Centner gegen das Handelspolitik", wie sie unter dem Merkantilsystem zuerst auch das der Meijtbegünstigungsverträge eine schwere Schädigung des Vorjahr jogar mit 2,1 Millionen Meter- Centner im Rückstande entstanden ist: eine Politik des einseitigen Gewerbeschußes, die sich wirtschaftlichen Gedeihens und der Wohlfahrt der Nation bedeute, beren wäre. Gerste Gerste ist in qualitativer Beziehung ebenfalls wenig un Gegenbergünstigungen und Gegenbenachteiligung feitens andrer höchste und erhaltungswerteste Blüte natürlich durch den preußischen befriedigend. Beim Hafer wird gegen das Vorjahr ein Ausfall von Länder wenig fümmert, sondern ihren Zolltarif in Anwendung bringt, oder schlesischen Landjunker repräsentiert" wird. Die Meist 11/2 Millionen Meter- Centner befürchtet. wie es die Bedürfnisse der Industrie und der Landwirtschaft des begünstigungsverträge haben speciell deshalb ihr Ansehen eingebüßt, In Frankreich ist nach den amtlichen Ernteschätzungen eine eigenen Lands, d. h. in Wirklichkeit natürlich die Wünsche der be- weil zufolge der Meistbegünstigungsklausel des deutschen Vertrages mittlere oder ziemlich gute Ernte zu erivarten. Der Ertrag der treffenden Interessentengruppen, verlangen. Nicht immer beherrschte mit den Bereinigten Staaten die Zollermäßigungen, die wir den Weizenernte wird auf höchstens 85 Millionen Doppelcentner gegen diese Auffassung unser Landjuntertum. Als in 1860 mit dem russischen und östreichischen Landwirtschaftsprodukten zugestanden 100 Millionen Doppelcentner im Vorjahr geschäßt. Der Jahreszwischen England und Frankreich abgeschlossenen sogenannten haben, auch denen aus der Union zu gute fommen und deren bedarf Frankreichs wird mit 95 Millionen Doppelcentner an Cobden Vertrag". nach dem englischen Unterhändler fo Konkurrenz teilweise noch schärfer drückt, wie die der russischen Er- genommen; die legtjährige Erute soll aber einen Ueberschuß von benannt die Aera der modernen vertragsmäßigen zeugnisse. nahezu 10 Millionen Doppelcentnern gelassen haben. Das AufHandelspolitik" begant, als deren charakteristische Eigen- Statt dessen beginnt sich in den agrarischen Reihen eine gewisse nehmen der Kartoffeln hat begonnen, und die Ernte verspricht einen beit vor allem die gegenseitige Festlegung und Bindung bestimmter Vorliebe für das Doppeltarif System Frankreichs breit guten Ertrag. Die Wiesen, Klee- und Luzernfelder sowie die Weiden Zollfäße für eine längere Frist bezeichnet werden kant, da zeigten zu machen, obgleich die Rückkehr zur autonomen Handelspolitit haben sehr unter der Trockenheit zu leiden gehabt. fich die Agrarier dieser Politik durchaus geneigt, und die preußischen und die Aufstellung eines Marimal und Minimaltarifs. Nach Meldungen aus Rußland wird die Getreideernte kaum Bestrebungen, sich dem zu Anfang der sechziger Jahre heraus- zu dem die französische Republik durch Geiez vom 11. Januar 1892 cine mittelgute jein. Weizen steht schlecht, stellenweise recht schlecht bildenden Kreis von Vertragsstaaten anzuschließen, die sich gegen zur Abwehr der Bismarckschen Zollpolitik abergegangen ist, fich für und man befürchtet in einzelnen Gouvernements, daß der Ertrag feitig die„ Meistbegünstigung zugestanden, fand bei ihnen lebhafte die Handelsentwicklung Frankreichs vom größten Nachteil erwiesen gegen das Vorjahr noch beträchtlich zurückbleiben wird; vielfach rechnet Unterstügung. Allerdings waren bei dem Bemühen Bismards, hat. Während unter dem Systen der Handelsverträge sich der man auf einen Ausfall von 30 bis 40 Proz. Auch die Roggenernte einen Handelsvertrag mit Frankreich zu stande zu bringen, deutsche Erport nach dem Auslande kolossal gehoben hat und die wird kaum eine mittlere werden. Dazu konunt, daß die Qualität noc andre Gründe maßgebend. als nur wirtschaftliche: Ausfuhr einzelner Warengattungen von 1891 bis 1898 geradezu er- im südöstlichen Rußland nur eine niedrige ist, da das Korn zum es galt den Eintritt des hochschußzöllnerischen Oestreichs in den staunliche Steigerungen aufweist, so z. B. die Ausfuhr von Erzeug- Teil notveif wurde. Aus Sibirien laufen nach wie vor schlechte deutschen Zollverein zu hindern und Preußen seinen beherrschenden nissen der chemischen Industrie eine Zunahme von 246 Millionen M. Nachrichten ein. In der letzten Zeit eingetretener Regen kann nur Einfluß in ihm zu sichern. in 1891 auf 339 Miffionen Mart in 1898, der Stein-, Thon, Glas- den Wiesen und den zu bestellenden Winterfeldern nüßen. Die Ziemlich allgemein wurde nämlich unter dem Einfluß der industrie usw. von 79 auf 108 Millionen Mart, der Metallindustrie Dürre hat sich allmählich bis nach Sretenst verzogen, wo die Taiga englischen Freihandelsschule die Vertragspolitik nur als An- von 294 auf 408 Millionen Mark, der Maschinenindustrie von 153 jcit Wochen brennt. H. C.
-
Parteitag
"
der östreichischen Socialdemokratie.
Graz, den 4. September 1900.
Dritter Verhandlungstag, nachmittags. Den Vorsitz führt Popp- Wien .
Zur Verhandlung gelangt als fünfter Punkt der Tagesordning die Frage der
Landagitation.
Der Berichterstatter, Dr. Ellenbogen- Wien, empfiehlt de Mesolution:
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Obgleich die industriell kapitalistische Entwicklung Oestreichs gegen die andrer Staaten weit zurückgeblieben ist und demgemäß auch der Ausbau der Organisation der industriellen Arbeiterschaft noch einer gründlichen und. mühevollen Arbeit bedarf, ist es unfre Pflicht, die Ideen des Socialismus, soweit es möglich ist, schon jezt unter die Landbevölkerung zu tragen, deren wirtschaftliche Existenzbedingungen unter demselben schweren Drud leiden, wie die der Arbeiter. Ueberdies nötigt uns hierzu das aller Vernunft hohnsprechende Wahlsystem der fünften Kurie mit seinen ungeheuren Wahlbezirten.
Ohne in principielle Erörterungen der Agrarfrage, deren wissenschaftliche Grundlagen noch teilweise unausgebaut jind, einzugehen, erklärt daher der Parteitag:
Die Aufgabe der socialdemokratischen Landagitation ist es zunächst, die Landbevölkerung zu socialistischem Denken zu erziehen, und sie hat sich daher in erster Linie an jene Schichten zu wenden, die vermöge ihrer lassenlage der Idee des Socia
い
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1. auf eine gesellschaftliche Organisation der Erzeugung und Verteilung der Bodenprodukte abzielen, also: Bergesellschaftung von Wald, Wieje, Wasserkraft durch Staat, Land oder Gemeinde. Erweiterung des öffentlichen Landbesitzes durch eine volksfreundliche Landpolitif, Ausbaut des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens auf völlig demokratischer Grundlage und dergleichen;
lismus am zugänglichsten sind, an die Landarbeiter und Klein eigen der egent find, also: Aufhebung fämtlicher mit dem Grund
bauern.
Sie muß ferner vor allem die Beseitigung all der geistigen nud politischen Schußwehren des ländlichen Konservatismus an= streben, also die Erweiterung der Schulbildung, die lebernahme der Schullasten durch den Staat, die Erkämpfung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts und die Aufklärung der Landbevölkerung durch Zeitungen. Broschüren, landwirtschaftliche Kalender und dergleichen energisch betreiben, mid hat, indem sie es gemäß unjrem Programm vermeidet, die religiösen Empfindungen der Landbevölkerung zu verlegen, den Kampf gegen den volksverdummenden Klerikalismus mit aller Wucht zu führen. Da die Kleinen Landgemeinden vorzügliche Ausgangspunkte für die Landagitation sind, soll der provinziellen Kommunalpolitik ein forgjames Augenmerk zugewendet werden.
Unter den praktischen landwirtschaftlichen Reformen ist für diejenigen einzutreten, die
2. Die die Privilegien und lebergriffe einzelner Besitzender gerichtet
bejizz verbundenen Vorrechte( Banrechte, Fideikommiffe, Wahlfurien), Nebergabe der Jagd- und Fischereirechte an die Gemeinden;
3. die auf die allgemeine, der Gesamtheit zu gute kommende Hebung der Bodenkultur., sowie die Verbesserung, Verbilligung und Zufuhrerleichterung der Lebensmittel gerichtet sind, also: Bodenmeliorationen durch Staat und Land( Wildbachverbauungen, Drainagen, Gewinnung wüfter Ländereien für die Kultur usw.), Errichtung von landwirtschaftlichen Versuchs: und Untersuchungsstationen, eine den Anforderungen der modernen 28ienschaft entsprechende Vieh- und Fleischbeschau, Aufhebung der Lebensmittelzöfle, Herabsetzung der Frachtentarife für Lebensmittel, Uurentgeltlichkeit des landwirtschaftlichen Unterrichts, Wahrung der Interessen der landwirtschaftlichen Bevölkerung gegen die Nebervorteilung durch Ungarn , mithin politische und fistalische Tremmg Oestreichs von Ungarn ;