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Gegenüber dem unverschämten Treiben der Wrund und Schlotjunker gilt es, die Interessen der Konsumenten mit aller Energie zu wahren. Im Reichstage erzielen die Brot Wucherer sicher eine Majorität auch für die ausschweifendsten Forde- rungen, wenn die Wählermafsen nicht rechtzeitig mobil machen und den Zöllnern ein Licht aufstecken. Auf die Regierung ist kein Verlatz, denn sie steht unter der Führung des Grafen von PosadowSky ganz unter agrarischem und schutzzöllnerischem Einfluß. Unter solchen Umständen wird eS höchste Zeit, daß die Kon» sumenten sich rühren, um das ihnen drohende Unheil abzuwenden. Von unsrer Parteileitung sind Vorbereitungen getroffen, um durch Flugblatter und Protestversammlungen die Massen aufzurütteln. Sollten die angelündigten ungeheuren Zollsätze wirklich Aufnahme in die neuen Vorlagen finden, so dürfte ein Prote st stürm dagegen in Scene gehen, wie Deutschland ihn noch nicht erlebt hat. Unsre Parteipreffe hat den Kampf gegen den Brotwucher bisher schon mit aller Entschiedenheit geführt, sie wird ihn fernerhin steigern in dem Matze, wie die agrarische Unverschämtheit bestimmtere Formen annimmt. An unsre Genossen im Reiche aber möchten wir die Aufforderung richten, überall die nötigen Vorbereitungen zu treffen für eine um- äffende und mit aller Energie geftihrte Agitation gegen den im größten Umfang geplanten Brot- und Lebensmittel-Wucher. Parteigenossen, seid auf dem Posten! beutelustigen» Zum Zollkampf. Die Aeltesten derBerliner Kauf- ''mannschaft haben ihren Beschlutz gegen den von den Agrariern geforderten Doppeltarif folgendermatzen begründet: Die Annahme des Doppeltarifs in Deutschland wäre zu- nächst von st a a t s r e ch t I i ch e r Bedeutung. Gegenwärtig werden nach Artikel 11 der Reichsverfassung Handelsverträge vom Kaiser nach Zustimmung des Bundesrats abgeschlossen; zu ihrer Gültigkeit ist die Genehmigung des Reichstags erforderlich. Würde der Minimaltarif eingeführt, so würden damit der Kaiser und der Bundesrat in der verfassungsmäßig ihnen zu- stehenden Freiheit des Vertragsschlusses bis zu der im Tarifgesetze. also unter Mitwirkung des Reichstags, im voraus gezogenen Grenze beschränkt. Während also nach der Reichsverfassung der Reichstag nur nachträglich den vom Kaiser unter Zustimmung des Bundes- rats abgeschlossenen Vertrag zu genehmigen hat. und diese Genehmigung naturgemätz nur dem Ganzen des Vertrags ge wehrlosen BoxerS eröffnet in die Empfindungswelt Deutsches Jleich. Majestätsbeleidigungen in Byzanz. Das Kleine Hofjournal hält sich für seine Anhimmelungen diverser Gottesgnaden-Personen dadurch schadlos, daß es ausländische Potentaten verhöhnt. So lesen wir heute in dem Blatt: «Der Kaiser K w a n g s L wird aber jedenfalls sehr häufig au Kostümbällen paradieren, da ihn darzustellen nur ein m ö g l i ch t dummer Ausdruck nötig ist." Die selige Umsturzvorlage wollte die Angriffe auf die Monarchie ganz allgemein strafbar machen und auch die Kränkung ausländischer Fürstlichkeiten verhüten. Der Ober-Eunuch von Byzanz aber wagt es, den Monarchen, der über 400 Millionen Menschen regiert, eines dummen Gesichts zu beschuldigen. ES_ graust uns auszudenken, was Herr Leipziger über europäische Staatshäupter schreiben würde, wem» er zufällig das Kleine Hofjournal Sr. Majestät des Kaisers Kwangsü heraus geben würde. Deutsche Chknaknltur. Ein Herr Bismarck , der in Peking mit den Gesandten eingeschlossen war, hat dem Korrespondenten der »Franks. Ztg." folgende ebenso reizvolle als dem GedächwiS zu be wahrende Schilderung aus den Tag Natürlich fehlte es auch nicht an humoristischen Vorkomm nisten. Bismarck war mit einem andren Freiwilligen a u Patrouillengang ausgeschickt. Ans Nbentenerlust dehnten sie den Gang in die Chinesenstadt aus, dort einen ihnen entgegentretenden Boxer diese waren nur mit Säbel bewaffnet schnell erledigend. Als sie um die nächste Straßenecke kommen, sehen sie plötzlich zehn reguläre chinesische Soldaten, die nebenher bemerkt alle mit dem modernsten Maufergewehr be Waffnet sind. Nun hatte der eine der Patrouillengänger nur einen Revolver, Bismarck einen Karabiner, und so hieß denn das von der Vernunft diktierte Kommando nicht langsam. sondern schnell um die Straßenecke zurück. An der nächsten Ecke machen sie Halt, um sich nach den Verfolgern um- zusehen. Da diese nicht erscheinen, schleichen sie wieder vor und sahen in der Feme die Chinesen laufen, deren Zöpfe durch die Geschwindigkeit des Laufs auf den Rücken ihrer Besitzer einen wilden Tanz ausführen.Da legten wir uns gegen die Mauer und lachten Thränen." Die humoristischeErledigung" des einen wahrhast grauenvollen Einblick deutsch -christlichcr Kulturträger in China . Die Jämmerlichkeit der China -Resolntionen Eugen Richters setzt auch den liberalen offiziösenHamb. Korrespondent" in Er- staunen; so sanft kann allerdings auch ein Konservativer oder Nationalliberalen die China -Aktion kritisieren, wie es Eugen Richter thut. Der Freisinn wagt eS nicht einmal mehr, die Löwenhaut zu tragen. Auf unsre Bemerkungen weiß dieFreis. Ztg." nichts andres zu erwidem, als daßseit Liebknechts Tode sich in der Redaktion desVorwärts" eine starke Verrohung der Sprache bemerkbar mache. Wir teilen das Bedauern derFreisinnigen Zeitung" Richters, daß unser Alter nicht mehr im stände ist, in s e i n e r Art Eugen Richters Bankrotterklärung zu erörtem. D a S Geschimpfe in der Erwidemng derFreisinnigen Zeitung" hätten wir hören mögen l Ein Rückzug? Der Gewerkverein christlicher Berg- a r b e i t e r veröffentlicht in derGermania " eineErklärung. die sich mit dem Hirtenschreiben beziehentlich mit dem Erlaß des Erzbischofs von Freiburg beschäftigt. Es heißt dort: Diesen Ausfühmngcn(des Erzbischofs von Frciburg. R. d. V.") gegenüber betonen wir als Vertreter des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands und zugleich, wie wir glauben, im Ein- klang mit allen andren christlich-gewerkschaftlichen Organisationen, daß wir nach wie vor in der Behandlung' der Wirt- schaftlichen Fragen unsres Stands auf den christlichen Grundsätzen zu fußen gewillt sind, daß wir niemals einer Lösung der vorgenannten Fragen zustimmen werden, welche gegen die christlichen Gesetze der Gerechtigkeit und Moral verstößt. Nach unsrer Auffassung ist eine allerdings wünschenswerte Vereinigung aller Arbeiter eines Berufs in demselben Verbände nur dann möglich, wenn dieser Verband in seiner Wirksamkeit unsren Grundsätzen nicht widerspricht. Dabei bleibt es unbenommen, vorläufig von Fall zu Fall durch unsre Vorstände mit andren Ver- einigungen Fühlung zu suchen und ein gemeinsames Vorgehen an- zubahnen. Der Kongreß der christlichen Gewerkschaften in Frankfurt hat über diese principielle Frage keine Beschlüsse gefaßt. Soweit vielfach falsch wiedergcgebene Aeußerungen einzelner Ver­treter in Frankfurt in Betracht kommen, haben diese nichts weiter besagen wollen, als daß die Gewerkvereine nicht den Zweck haben, in ihren Sitzungen sich mit der Erörterung religiöser Streitstagen zu befassen, sondern ihre Wirtschaft- lichen Angelegenheiten auf einer den Arbeitern der ver» schiedenen Konfessionen gemeinsamen religiösen Grund- läge zu regeln, ähnlich wie es in andren Berufsständen(Land- Wirte. Handwerker usw.) bisher ohne Widerspruch geschehen ist." Essen, den 14. Oktober 1900. Diese Erklärung, unterzeichnet vom Centraivorstand, sieht einem Rückzug Brusts, der in so energischer Weise schon gegen den Hirtenbrief Stellung nahm, sehr ähnlich. Vielleicht ist er über seinen eignen Mut gegenüber den hohen Kirchenherren erschrocken, vielleicht fürchtet er, durch ein allzuscharfes Vorgehen gegen die Bischöfe einen Teil seiner gutgläubigen Mitglieder zu verletzen. Im übrigen ist die Erklärung sehr vieldeutig. Was heißt es, auf den christlichen Grundsätzen fußen wollen? Als die katholischen Bergleute am Piesberge ihren christlichen Grundsätzen gemäß die alten Feiertage heiligen und nicht arbeiten wollten, und' schließlich unter Brusts Leitung in den Streik traten, hatten sie nicht bloß die katholischen Unternehmer gegen sich, sondern auch Centrumsblättcr und Centrums-Abgeordnete traten auf die Seite der Unternehmer. Die kapitalistischen Grundsätze gehen aber gerade in wirtschaftlichen Angelegenheiten über die ch r i st l i ch e n. An diesen harten Thatsachen wird auch die Erklärung nichts ändern. währen oder versagen kann, Einführung de? Minimaltarifs komnien, tarifs »m voraus mitzusprechen. bei würde bei der Reichstag reichsgesetzlicher in die Lage jeder einzelnen Position des Vertrags- lirtschaftlich würde dies System mindestens eine Erhöhung der Vertragssätze bedeuten, denn sein Zweck ist ja gerade, die Regierung in den zu gewährenden Konzessionen zu beschränken. Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Reichstags ist anzunehmen, daß die Mehr- heit bei der Festsetzung der Zollminima diese so hoch an- setzen wird, daß sie' für das Ausland keine begehrens werten Objekte für einen Tarifvertrag mehr darstellen. ES wird also der Minimal- Tarif das Z u st a n d e- kommen von Tarifverträgen außerordentlich erschweren, wenn nicht überhaupt verhindern Soweit aber nicht vertraglich Ermäßigungen der Sätze des Maximaltarifs Platz greifen, würden die letzteren in alleinige Geltung treten, eine Folge, die für alle auf Import angewiesenen Zweige' des Handels und der Industrie höchst gefährlich wäre, da ja der Maximaltarif nicht sowohl den von den inländischen Produ- zenten für notwendig gehaltenen Schutz, sondern vielmehr Aus gangspunkt und Waffe' für die Verhandlungen mit dem Ausland darstellt. Das System hat den Grundfehler, daß das Parlament mit der Fixierimg der Minimalsätze handelspolitische Kompli- kattonen herbeiführt, die es noch gar nicht übersehen kann, die vielmehr erst während der Unterhandlung mit fremden Staaten für diese Unterhändler übersehbar werden. Deshalb mutz, wenn man überhaupt zu wertvollen Tarifverträgen gelangen will, eS bei dem bisherigen Verfahren bleiben, bei welchem die Regierung gegen angebotene Konzessionen nach bestmöglicher Abwägung aller Vor- und Nachteile die ihr gleichwertig erscheinenden Gcgenkonzessionen macht. Die vertrag- liche Sicherung erträglicher Höhe der ausländischen Zollschranken ist aber für die deutsche Volkswirtschaft unvergleichlich viel wich­tiger, als die Festhaltung jedes von einer Jnteressentengruppe ge­forderten und von einer Reichstags« Mehrheit' gebilligten Schutz- zolls; diese Schutzzölle werden vielmehr selbst im eignen Interesse unsrer Volkswirtschaft vielfach schädlich stin. Der Reichstags-Abgeordnete*für Bielefeld-Wiedenbrück, Herr H u m a n n, Mitglied der Centrumspartei, sagt in einer Er- klärung über die Stellungnahme zur Zollstage: WaS mich selbst bettifft, so habe ich in der Versammlung der CentrumSwähler in Delbrück am 30. v. M. nur bestimmt hervorgehoben, daß der Roggen- und Weizenzoll gleich sein und die Centrumspartei einig und geschloffen an diese Frage herantreten möchte. Was dann die Höhe des Zolles anlangt, so habe ich nieine unmaßgebliche persönliche Ansicht dahin ausgesprochen, daß das Crntrum sich wohl aus ti M. einigen kann, aber ausdrücklich hinzugesetzt, daß sich darüber nichts Bestimmtes sagen lasse und man die Forderungen nicht allzu hoch stellen dürfe, weil im Centrum auch alle Stände vertreten seien."« Das ist die Rücksichtnahme der Centrumsabgeordneten auf die katholischen Arbeiter, daß der Hungerzoll auf daS tägliche Brot nur von 3>/z auf 6 M. pro Doppelcentner erhöht werden soll! * Der wirtschaftliche Ausschuß zur Vorbereitung und Begutachtung handelspolitischer Maßnahmen hat am Mittwoch- vormittag seine Beratung des Zolltarif-Gesetzentwurfs unter Vorsitz des Grafen Posadowsky fortgesetzt. Der Schluß der Beratungen wird nicht vor Ende dieser Woche erwartet. Ein stadträtlicher Irrtum. Wie derD. TageSztg." von Leipzig gemeldet wird, hat der Stadtrat zu Leipzig als Schulpatronatsbchörde einem Oberlehrer einer hiesigen höheren Schule, der sich mit öffentlicher Agitation für die nationalsociale Partei mehrfach befaßt hatte, sehr deutlich den Wunsch ausgedrückt, daß er von dieser Agitation künftighin lassen möge. Wir verstehen diese Maßnahme des Stadtrats nicht. Giebt es doch keine Partei in Deutschland , die mit mehr Eifer dem China - »atriotismus diente als die Nationalsocialen, deren Losungswort aist: Keinen Pardon geben! Nur nicht so weich- lichl Der Leipziger Stadstat muß sich also doch wohl geirrt haben. Ein KohlenauSfuhr-Verbot ist, wie heute mit Bestimmtheit von derNat.-Lib. Korresp." versichert wird, nicht zu erwarten. Ein Kohlenausfuhr-Verbot ist bis jetzt auf feiten der Regierung nicht in Frage gekommen, und nach Lage der Dinge wird das auch in absehbarer Zeit nicht der Fall sein, um so weniger, als sich die Anzeichen mehren, welche auf ein allmähliches Nachlassen der Kohlen- knappheit hindeuten." Uns erscheint die Meinung, es sei einallmähliches Nachlassen" der Preise in, Anzüge, angesichts des nahenden Winters doch allzu optimistisch. Ein neuer HerrenhauSler. Wie dieZeitung für Hinter- wmmern" meldet, ist dem Geschlecht derer von Zitzewitz an- läßlich seiner Feier des SOvjährigeii Besitzstands das PräsentationS - recht für daS Herrenhaus verliehen worden. Begnadigung. Der Gutsbesitzer zu K o k o tz k o lvar wegen Verkaufs einer Kulmer Fleischer zu zwei Monaten worden. Nach dem Genutz deS Fleischs .chwer erkrankt. Grotrian reichte dem Erfolg, daß die Gefängnisstrafe in 50 Mark umgewandelt wurde. Ferdinand Grotrian Iranken Kuh an einen Gefängnis verurteilt waren mehrere Personen ein Gnadengesuch ein mit eine Geldstrafe von in denen neu zu wählen war, Wahlmänner Von denjenigen Bezirken, hatten: Freifinnige 135, Socialdemokraten 38, Konservat. 177 " ES wurden neu gewählt: Freisstmige 158, Socialdemokraten 51, Konservat. 159 Es verblieben als Wahlmänner: Freisinnige 433, Socialdemokraten 50, Konservat. 469 ' Dazu: Neugewählt 158, Neugewählt_ 61, Neugewählt 159 Ehronlk der MajestiitsbeleidigungS- Prozesse. AuS Hamburg wird uns berichtet: Wegen gewerbsmäßiger Unzucht und Majestätsbeleidigung wurde am DienStag vom hiesigen Landgericht die 13 jährige Akrobatin T. u einer Woche Haft und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die Angeklagte, die trotz ihrer Jugend schon mehrmals besttaft worden ist, war vor einiger Zeit mit ihrer LogiSwirtin in Streit geraten und hatte dieselbe wegen Kuppelei denunziert. Um nun das Zeugnis der T. im bevorstehenden Kuppeleiprozeß zu entwerten, ging ein -reund der Logiswirtin hin und erstattete die Anzeige, daß die T. ich vor einigen Monaten einer Majestätsbeleidigung schuldig gemacht habe. Zeugen und Angeklagte waren Leute, die offenbar täglich in dem größten Schmutz und den ekelhaftesten Gemeinheiten waten. Auch die inkriminierte Aeußerung, die von der Angeklagten allerdings vergeblich bestritten wurde, enthielt eine widerliche Gemeinheit. Der Staatsanwalt sprach sein Bedauern darüber aus, daß ein solcher Fall infolge einer offenbar aus den niedrigsten Motiven erstatteten Denunziation vor Gericht erörtert werden müsse. Er beanstagte sechs Monate Gefängnis und drei Wochen Hast. Die vreslauer LandtagSwahl. DaS Gesamtresultat der Breslauer Landtagsnachwahl stellt sich. abgesehen von unwesentlichen Aenderungen, die noch eintreten können, wie folgt: " 591 101 628 Wahlmänner Es würden also 591 Liberale und 101 Socialdemokraten, zu- sammen 692 Wahlmänner beider Parteien den 628 konservativ- klerikalen Wahlmännern gegenüber stehen. Beeinflußt können diese Zahlen noch durch Ungültigkeitserklärungen und das Ausbleiben eventuell Umfallen einzelner Wahlmänner werden, doch ist an der Niederlage der Reaktion bei der Abgeordnetenwahl nicht zu zweifeln. Die' S o c i a l d e m o k r a t i e hat 13 neue Wahlmännerviandate gelvonnen. Diese sind zumeist in Bezirken gewonnen worden, die bisher stcisinnige Wahlmänner hatten. Die Freisinnigen konnten aber mit socialdemokrattscher Hilfe diese Verluste durch Eroberung konservativ- klerikaler Bezirke gutmachen. Mehrere Bezirke verfielen mit geringer Majorität den Konservativen infolge ungenügender Unterstützung unsrer Partei durch die Freisinnigen, die mehrfach bei Stichwahlen sich der Abstimmung enthielten; sogar drei Freisinnige, die zu Wahlmäunern gewählt wurden, stimmten in der Stichwahl gegen unsre Genossen und führten in zwei Fällen den konservativen Sieg herbei. » In unsrem BreSkaner Partei-Organ, derVolkSwacht", wird der Wahlausfall folgendermaßen beurteilt: Die politische Bedeutung der Niederlage der Reaktionäre ist nicht zu unterschätzen. Die Brotwucherer, die Fleischverteurer, die Feinde jeder freiheitlichen Regung des Volks hatten ihr wahres Gesicht verhüllt und die grinsende Maske des konser- vativenVolksfreimds". des lang erwartetenRetters des bedrängten Mittelstands", vorgenommen. Durch eine Monate dauernde, geschickt geleitete Agitation hatten sie die politi- schen Leidenschaften im Stande der Handwerker und Ge- werbetreibenden aufgerührt. Andrerseits und das ist für uns das besonders Interessante hatten sie die Thaffache, daß bei dieser Nachwahl Nattonalliberale, Freisinnige und Social­demokraten zur Bekämpfung der Reaktion vereinigt waren, nach Kräften für sich auszunutzen versucht. Die Furcht vor dem roten Gespenst, vor denThcilern", denFeinden des wohlerworbenen Eigenttims" sollte den ehrsamen liberalen Spießbürgern so in die Glieder fahren, ihnen derart den Verstand, die Ueberlegung nehmen, daß sie sich ohne Besinnen in die liebend ausgestreckten Arme der braven Junker, Junkergenossen und Pfaffen stürzten. In diesem Sinne hat man seit Wochen in Rede und Schrift gearbeitet und wirklich Anerkennenswertes geleistet. Gewiß ist auch nicht zu leugnen, daß man gewisse Erfolge nach dieser Richtung hin erzielte. Die Niederlage der Reaktion hätte eine geradezu vernichtende werden können, wenn nicht Hunderte von Wählernfteisinniger" Observanz aus Furcht vor der Koaltion deSUmsturzes" mit dem Liberalis- nius entweder von vornherein für den konservativen Kandidaten gestimmt hätten oder doch zu Hause geblieben wären. Und gar Mancher, der trotz der Umsturzfurcht im ersten Wahlgang für den Freisinn stimmte, hat dann in der Stichwahl zwischen Social- demokraten und Reaktionären für den letzteren seine Summe ab- gegeben... Die socialdemokratische Partei beteiligte sich in 105 Bezirken und erzielte in denselben 51 Mandate. Da Ivir von den 105 Man­daten vorher nur 38 im Besitz hatten, haben wir einen Gewinn von 13 neuen Mandaten zu verzeichnen, ein Resultat, das uns mit großer Genugthuung erfüllen darf. Die Arbeiter Breslaus haben die rechte kräftige Antwort gegeben auf die ge- meinen Angriffe, die man auf ihre und ihrer Wahlmänner Ehre zu richten wagte: Die Breslauer Arbeiter senden eine ganze An- zahl mehr von jenenkäuflichen, bestechlichen Subjekten" in die Wahlmänner-Versammlung zur Wahl der Abgeordneten. W i r lassen uns nicht ungestraft beschimpfen. Ja, die Sieger in diesem Wahlkampfe sind einzig die Socialdemokraten! Sie allein haben einen Zuwachs von Mandaten zu verzeichnen, während die Freifinnigen ihren Besitz- stand nur infolge unsrer thatkrästigen Unterstützung wahren konnten und die Konservattv-Klerikalen unS ihre erneute Nieder- läge zu danken haben. Und noch einen andern großen Borteil hat unS diese von den Konservativen in gehässiger Verblendung herbeigeführte neue Landtagswahl erbracht. Sie hat die lange fünsjährige Pause zwischen den Wahlen von 1898 und der Neuwahl des Abgeordnetenhauses in erwünschter Weise unterbrochen, sie hat uns erneute Gelegenheit gegeben, im Feuer zu exerzieren, zu agitteren, zu organisieren und zu lernen, wie unter dem famosen Drei- klaffen-Wahlsystem von unS gearbeitet werden muß und mit Erfolg gearbeitet werden kann. Wir werden, angespornt und ge- schickter' gemacht durch die Erfahrungen dieser Wahl, in drei Jahren um so besser anzgpacken verstehen. Und wir werden um so freudiger, begeisterter, energischer in jenen Wahl- kämpf hineingehen, als dann nicht lediglich eine Unter- stützung andrer Parteien für uns in Bettacht kommt, wie sie die gegenwärttge Situatton eben unbedingt erforderlich machte. Nein, dann werden wir unsre ganze Arbeit, unser Mühen und Trachten richten auf ein andre? Ziel: auf die Eroberung eines eignen MandatSI Im Jahr 1903 wird die Breslauer Arbeiterschaft ihre ganze Kraft einsetzen, um den erste». socialdemokratischen Abgeordneten in das preußische LandtagshauS zu bringen. Die Lehren, der Ausfall der gestrigen Wahl zeigen uns, daß das Ziel erreichbar ist. Nutzen wir die vor unS liegenden drei Jahre aus in steter, zäher, planvoller Arbeit, dann muß es gelingen zum Wohl unsrer großen Sache, zur Ehre der Breslauer Arbeiterschaft I" Ausland. Dänemark . dänische Reichstag ist mit Vorlage Der dänische Reichstag ist mit Vorlage und Beratung des Budgets eröffnet worden, die nun schon 14 Tage dauert, weil reformierende Steuergesetze bevorstehen und daher die verschiedenen Richtungen sich schon hier bekämpfen. In dem vorgelegten Budget bettagen die indirekten Steuern über 61 000 000 Kronen, die diretten nur gegen 11000 000 Kronen, und zwar sind die ersteren in den letzten Jahren viel mehr gesttegen als die letzteren, von 33 Millionen 1894/95 auf 43'/« 1899/1900, und nun sind sie sogar auf mehr als 51 Millionen angesetzt. DaS M i l i t ä r w e s e n er- fordert 22V» Millionen, über Va der Staatseinkünfte, circa 3 Millionen mehr als im Vorjahre. Bei der Beratung zeigte es sich, daß eS nur noch zwei Parteien im Folkething giebt: die Liberalen, die mit den Moderaten gehen und es mit König und Landesthing halten, und die kleine Gruppe der Socialdemokraten. Die Rechte hat nur einzelne Vertreter, die schweigsam ihre Wege gehen. Am Sonnabend sprachen alle Minister des neuen Ministeriums außer dem Kriegsminister, der mit seinem herabgesetzten Budget vom Vor- jähr ausgekommen ist. obwohl er es damalsfür unmöglich" er« klärte. ÄuS den Mitteilungen des Konseilpräsidenten S e h e st e t geht hervor, daß die von der Folkethings-Steuer-Kommission ausgearbeitete Steuer- Refonn keine Aussicht auf die Zu- stimmung der Regierung und des LandeSthing hat, denn er sagte, die Meinung dieser müßte auch erst gehört werden, und daß die Regierung selbst einen neuen Eni« wurf vorlegen wolle. Jnstizminister Goos kann noch immer nicht den Entwurf der Rechtsreform vorlegen, weil er nicht fertig wird, obwohl die Rechtszustände, wie sich kürzlich wieder an zwei Fällen gezeigt hat. unhaltbare sind. Der E i f e n b a h n m i n i st e r Baron Juul-Rysensteen nannte den Streik der Eisenbahn. arbeiterTagedieberei", obwohl die Arbeiter durch ihre» Lohn- kämpf 3 Kronen Tageslohn erlangt haben. Große Heiterkeit erregte Iber Kultusminister Probst Bjerre, da-r sich für einen