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Die agrarischeDeutsche TugeSzcitung" flüchtet sich wieder zu ihrer freihändlerischen Posadowsky-Jntrigue; sie hat also die be- neidenswert phantasiereiche Vorstellung, daß von den paar hoch- schutzzöllnerischen Adressaten und Mitwissern des Bueck-BriefS einer die Socialdemolratie benutzt habe, um den gleichfalls hoch- schutzzöllnerischen Grafen PosadowSkh im Interesse des Frei­handels zu stürzen. Weiter aber ist das Blatt in prächtiger Bauern« schlauheit bemüht, von unS zu erfahren, wie weit und wie zuverlässig wir in die Geheimnisse der Zuchthauspatrone eingeweiht seien; es schreibt nämlich: Zunächst ist die Frage interessant, woher dieLeipz. Volks- zeitnng" auf einmal erfahren haben soll, datz daS Datum, daß sie am Tage vorher selbst noch für fehlerhaft hielt, richtig sei. Es ist nur anzunehmen, daß der Briefdieb oder der Briefh'ehler, der die gemeine Jntrigne insceniert hat, derLeipz. Bolksztg." die Mitteilung über die angebliche Richtigkeit der ursprünglichen Datierung des Briefs gemacht hat. Ist dies aber der Fall, so muß jener Brief« stehlcr entweder den Originalbrief noch zur Hand haben oder doch mindestens irgendwelche Gelegenheit zur Nachprüfung haben; denn wenn er nur eine Abschrift zur Hand hat, so kann er bei dieser Abschrift sich ebenso verschrieben haben, wie auch, um das nebenbei zu sagen, die Möglichkeit einer Berschreibung seitens des Herrn Bneck vorliegt. Die ganze Datierungssache und die Art, wie sie jetzt verwendet wird, muß nachgerade den blindesten und blödesten Politiker davon überzeugen, daß es sich um weiter nichts handelt, als um eine ebenso gemeine wie grobe Jntrigue." Verschrieben hat sich in der That jemand; der Empfänger der 12 000 Mark hat sich mit Kopf und Kragender Industrie" ver« schrieben. Weiter wiederholt dann dieDeutsche Tageszeitung' die Wendung aus dem ersten Akt der Bueck-Affaire, daß das Reichsamt des Innern nicht nötig habe, sich zu äußern: Ob das Reichsamt des Innern Gelegenheit nehmen werde, sich gegen diese neueren Aus st reuungen zu verteidigen, muß abgewartet werden. Für unmittelbar notwendig halten wir da« nicht, weil die Beschnldtguugen so gegenstandslos find und so in der Luft schweben» oaß es kaum möglich ist, eine sachliche Berichtigung irgendwie zu ver- fassen. Wollen aber die socialdemokratischen Helfershelfer und ihre sie am Gängelband führenden Hintermänner, daß ihre neueren Beschuldigungen ernst genommen werden, so müssen sie mit greif- baren Dhatsachen vor die Oesientlichkeit treten, nicht mit dunklen Andeutungen, die das Gepräge des Gemachten an der Stirn tragen." DieDeutsche Tageszeitung" stellt sich übermäßig dumm. Ist das wirklich noch keinegreifbare Thatsache", wenn wir flipp und klar die Behauptung aufstellen: Der Bueck-Brief bezieht sich nicht auf eine Agitation im Sommer 1899, wie die amtliche Korrespondenz behauptet, sondern auf eineAgitation" im August 1398. Aber die Deutsche Tageszeitung" scheint zu wünschen, daß das Reichsamt des Innern diesmal schweige, damit es nicht wieder aus dem Schatz seiner Erfahrungen sich einer Schuld zeihe, deren eS gar nicht angeklagt war und von der wir gar nichts wußten. Nur der konservativeReichSbote" ist klug genug, volle Auf« flärung zu verlangen: Jeder reichstreue Bürger muß dringend wünschen, daß die Sache feiten« der Regierung rückhaltlos klargestellt wird; trifft das ReichSamt keine seine Integrität verletzende Schuld, so kann desto leichter und wirksamer der socialdemokratischen Agi- tntion entgegen getreten werden, und es liegt im Interesse der Regierung und des Reiches, daß dieser Agitation sobald als irgend möglich ei» Ende gemacht wird, haben aber die Herren im Reichsamt die ihnen zur Last gelegten Fehler begangen, so erheischt es das Staatsiuteresse, datz' die Regierung die Klarlegung der Sache selbst übernimmc und es nicht der übertreibenden oder entstellenden socialdemokrati- scheu Nmsturzpresse überläßt; trifft die in Betracht kommenden Beamten eine Schuld, so können sie selbstverständlich nicht in einem solchen, ein hohes Matz von Vertrauen erfordernden Amte bleiben; denn dasselbe muß intoAer erhalten werden. So sehr man wünschen muff, daß die an der Spitze dcö Rrichsamts stehende» Männer in ihre» Aemtern bleiben können, zumal jetzt, wo es sich um Fragen handelt, wie die Zollfragen, tu deren Detail sie sich seit längerer Zeit eingearbeitet haben, so geht doch die Integrität des Amts über alleS. Beamte, denen diese Eigenschaft feh lt, sind in so hohen Aemtern einfach unmöglich, zumal als Vertreter der Regierungspolitik im Parlament, wo die Oppositionsparteien es ihnen jeden Augenblick ins Gesicht sagen würden, daß man k ei n Ver- trauen zu ihnen haben könne. Und wenn die positiven Parteien solche unlautere Dinge beschönigen und verteidigen wollten, wnS aber nicht zu erwarten ist, so würden sie die Sache des Staats nur noch vcrschlinimern. Wa» nicht zu billigen ist, das darf man auch nicht zu billigen versuchen, sonst lädt man selbst einen Teil der Schuld auf sich und es geschähe heute den Umsturzparteien nur der größte Gefallen, wenn von den staatserhaltende» Parteien Dinge, die nicht rein sind, in Schutz genommen würden; denn das würden sie nur dazu aus- nutzen, auch diese Parteien mit der schuldigen Sache in Verbindung zu bringen und zu verdächtigen." Das Blatt schließt mit der dringenden Aufforderung nach einer rückhaltlosen Klarstellung der Sachlage: Beamte wie Graf Posadowöky, welche bezüglich ihres Ein- treteus für die Interessen der Arbeiter ein so gutes Gewissen haben können, sollten nicht einen Augenblick zöger», eine» solchen Fehler, wie den ihm zur Last gelegten, offen darzulegen. Alles Verdunkeln könnte die Sache nur verschlimmern." Bisher ist auf konservativer und RegierungSfeite keinerlei Neigung hervorgetreten, in den Beichtstuhl zu steigen. Die Reinigung scheint eben unmöglich. Die Lawine ist im Rollen. Ganz im Gegenteil schlagen sich auch die Liberalen, die anfangs teilweise Reinigungsbedürfnisse zeigten, jetzt in das Lager der Ver­tuschungsagenten; die Angelegenheit wird ihnen jetzt zu kompromitticrlich für das ganze System. Die liberaleNational- Zeitung", die eben noch mit der eignen parteioffiziellen Nationalliberalen Korrespondenz" in Fehde gelegen, weil diese den 12 009 Mark-Leuten Hehlerdienste geleistet, fällt heute selbst um sofern das nicht eine berechnete Taktik sein sollte, indem sie schreibt: Es bleibt abzuwarten, was seitens deS ReickSamtS des Innern hierauf erwidert wird. Bis auf weiteres glauben wir nicht, daß die halbamtliche Erklärung in derBerk. Korr." in einer Art abgegeben worden, die ebenso unklug wie unehrlich gewesen wäre mußte doch vorausgesehen werden, daß eine etlvaige Entstellung des Sachverhalts alsbald zu neuen Enthüllungen von socialdemokratischer Seite führen würde. Wir messen bis auf weiteres der Erklärung in derBerl. Korr." mehr Glauben bei. als einem unbekannten Gewährsmann des Leipziger socialdemokrati - schen Blatts. DerVorwärts" bemitzt die unbewiesene Behauptung. daß eS sich um zwei verschiedene Fälle der Inanspruchnahme deS Centralverbands für socialpolitische Agitationszwccke handele, um von neuem von dem deutschenPanama " zu reden: wenn nicht im Jahre 1899, so seien doch im Jahre 1898 unehrenhafte Dinge vorgekommen. Dafür ist nicht die Spur eines Beweises bei- gebracht. Die Angelegenheit steht nach wie vor so. wie sie von Anfang an beurteilt werden mußte. Das Reichsamt des Innern hat einen schweren Mißgriff begangen; von einem Panama " zu reden, ist aber sinnlos." Die Frage, an der dieNational- Zeitung" ängstlich vorüber« huscht, ist aber die, ob derschwere Mißgriff" im Jahre 1893 oder 1899 begangen worden ist. Hat denn auch dieNational« Zeitung" keine Verbindungen mehr mit Herrn Bneck oder will sie diesmal nur vermeiden, mit Rücksicht auf die Agrarier, allzu deutlich ihre Genugthuung zu äußern? Allerdings war die «National« Zeitung' auch halb und halb Freund der Zuchthaus - vorläge, warum sollte sie nicht auch ihre Entrüstung über die Korruption nach den Vorschriften de« liberalen Dualismus halbieren? Am auffälligsten aber benimmt sich wieder das Centralorgan deS EentrumS; für dieGermania " existiert der Fall gar nicht mehr, e« übertrifft an Schweigsamkeit fast diePost" und dieBerliner Neuesten Nachrichten". DaS Centrum, das focialpolitischvor« geschrittene' Centrum ist in seinem agrarischen Fanatismus nun so weit entartet, daß eS der schlimmsten Korruptton der Scharf- macherei Vorschub leistet. Es paßt ganz gut zusammen: der katholische Klerus schleudert den Bannstrahl gegen die katholische Arbeiter- bewegung und des Centrum hat nichts Sonderliches gegen das dienstlich-finanzielle Verhältnis einzuwenden, in das die Regierung den Scharfmachern gegenüber getreten ist. Am Sonntagmorgen war in derNorddeutschen Slllgemeinen Zeitung" die folgende offiziöse Zkundgebnng zu lesen: Die MüuchenerAllgemeine Zeitung " schreibt: DieDeutsche Tageszeitung" bringt unter der Spitzmarke Die Karten werden aufgedeckt" die Behauptung, daß die Ver- öffentlichung des Schreibens Bnecks vielleicht zu dem Zweck erfolgte, den für manche Kreise unbequemen Grafen Posa- dowsky zu stürzen. Wir sind natürlich nicht in die Geheimnisse der Herkunft dieses Schrift- stückS eingeweiht und wissen daher auch nicht, ob eS sich Ivieder nur um Sensationsmache mit entwend eten Schrift st ücken handelt; oder ob wirklich Hintermänner vorhanden sind, die noch einen b e- sonderen Zweck mit dem begangenen Vertrauens- bruch verfolgt haben. Läge wirklich die Absicht vor, PosadoivSky z» stürzen, so würde dieser Erfolg voraussichtlich nicht in Er- scheinung treten. Denn wir glauben bestimmt zu wissen, daß Reichskanzler Graf Bülow alsbald nach seiner Ernennung dem Grafen Posadowsky die Hoffnung ausgedrückt hat, daß ihm dessen hervorragende Erfahrung und Sachkenntnis bei Führung seines verantwortungsvollen Postens zur Seite stehen werde." Diesvoraussichtlich" ist ein köstlicher stilistischer Einfall des Blatts, dos vorsichtigerweise bemüht ist, auch den Eventualitäten gerecht zu werden, die eine nahe Zukunft bringen kann. Das offiziöse Organ wechselt schnell feinen Herrn, es übt darum immer Treue unter Vorbehalt. Voraussichtlich wird Graf PosadowSkh in Amt und Gehalt bleiben. Aber wer kann Genaues wissen das geht über norddeutschen allgemeinen Menschenverstand. Fassen wir zusammen: Bis jetzt ist keine Rechtfertigung auf die schwere Anklage erfolgt, welche die Socialdemolratie anfs neue er- hoben hat. Nicht einmal ein ernster Versuch der Wicderlegung und Aufklärung ist unternommen worden. Alle direkt Beteiligten schweigen, alle Wissenden schweigen mit Ausnahme der Social- demokratie. Glaubt man wirklich, durch Schweigsamkeit das verlorene Spiel retten zu können I Man würde einen solchen Versuch nicht ivagen, hätte man nur ein wenig Kenntnis von den Einpfindungen und Stimmungen des Volks; keine Minute würde man unnütz verstreichen lassen. Das können wir den Herren versichern, denen plötzlich ganz gegen sonstige moderne Gewohnheit die Zunge den Dienst versagt: Niemals zuvor ist die Arbeiterschaft so in ihren tief st en Tiefen aufgewühlt worden, wie durch diese Enthüllungen über die finanziellen Ge- heim nisse der Zuchthausvorlage. Polikifche Mvbevflchk. Berlin , den 28. Oktober. Der chinesische Katzenjammer. China ward verkündet als das Märchenland, aus dem Europa gewaltige Reichtümer gewinnen werde. In China sollte die europäische Thatenlust sich ungeni essen entfalten. In wilder Rache- bcgeisterung wurde der Kreuzzug gegen China unternommen, da die Chinesen sich erkühnten, den europäischen Ueberfall nicht in christ- licher Demut ertragen zu wollen. Wie übermütig traten noch vor wenigen Monaten die mehr oder weniger alldeutschen Uebersee- und Weltpolitiker auf und wie anmaßend glaubte man die Warnungen der socialdemokratischen Presse verleumden zu dürfen. Das alles ist heut ganz anders. Der Rausch ist im Ver- fliegen und das große graue Elend naht. Gar nicht mehr heroisch, so kündigt die Münchner A l l g. Z t g." an. werde das Auftreten der Regierung sein, wem der Reichstag zusammentritt. Die Regierung wird in aller Bescheidenheit um die Nachsicht deS Parlaments bitten. Kann ste doch die von ihr verübte Mißachtung der ReichstagSrechte nicht einmal durch den Schein eines chinesischen Erfolgs verschönen. Und immer neue Zeugnisse werden"erbracht, welche die ganze Lächerlichkeit der Chinahoffnungen offenbaren und geeignet sind, auch die hitzigste WelteroberungS-Begeisterung auf den Gefrierpunkt herabznkühlen. Wir citiertcn bereits, wie sich Sir RobertHart in der Fortnightly Review" über das chinesische Problem ausspricht. Unsre Weltpolitiler schen mit Erschrecken, datz dieser hervorragende Chinakenner, dessen Autorität sie selbst stets feierten, Anschauungen über das Vorgehen Europas in China äußert, die denjenigen sehr nahe kommen, wegen denen man uns mit unerhörten Schmähungen verfolgt hat. Die LondonerTimes" haben allerdings bereits die Möglichkeit entdeckt, wie sie sich an diesen, peinlichen Mahner vorüberstehlen können; Sir Robert Hart , sagen die Times", habe sich so intensiv mit dem Chinesentum beichäftigt, daß er ganz in seinen Bannkreis gezogen und einfatalistischer Orientale" geworden seil Wir vervollständigen die von uns schon wiedergegebenen Aeußerungen Haris nach einem uns vorliegenden Auszuge seine? Artikels noch durch folgende sehr beachtenswerte Bemerkungen: Sir RobertHart spricht in dem Artikel die Ueberzeugung aus, daß die Boxerbewegung eines Tags trium- phieren müsse. Er gicbt zu, datz die Bewegung das Ergebnis amtlicher Inspiration sei, aber zugleich doch auch der Ausfluß des einen Gefühls, welches in China allgemein vorherrsche: Stolz auf chinesische Einrichrungen und Verachtung für die fremden In st itutio n e n. ES ist das. erklärt Sir Robert Hart , eine rein patriotische F r e i m i l l i g e n b e w e g u n g, die den Zweck verfolgt, China zu stärken und einem chinesischen Programm zum Siege zu verhelfen. Die 400 Millionen Chinesen, sagt Hart, be- trachten die Beziehungen zur übrigen Welt, in die sie durch oktroyierte Verträge hineingezwungen worden sind, als Demütigung. Sie erblicken in denselben'ke inen Vor- teil und erivarten sehnsüchtig den Tag, an dem sie stark genug sein werden, zu ihrem früheren Leben zurückzukehren und den Verkehr mit den Fremden sowie deren Einmischung abzuschaffen. Die Rebellion beweise, wie sehr daS Volk bereit fei, einem solchen Ruf zu folgen. Die Boxer der Zukunft, fährt Hart fort, werden die besten Waffen haben, die für Geld zu bekommen sind. und dann werden ste ihre Pläne allen Ernstes ausführen: christ- liche Konvertiten und daS Christentum selber ausrotten, um daS Land vom.anfaulenden Einfluß eines fremden Kultus" zu befreien. Den Fremden selber, meint Hart, werden die Chinesen keine leibliche Unbill zufügen, nur aus dem Lande hinausschrecken werden sie dieselben,»m China von fremden Uebergriffen, fremder Ansteckung und Demiitigtmg zu säubern." Die Kinder und Kindeskinder der heutigenFrei- willigen" werden, sagt Hart, zu diesen Bestrebungen auferzogen werden und sie werden in aller Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein. In fünfzig Jahren werden Millionen gedrillter und wohlbewaffneter Boxer zur Verfügung der chinesischen Regierung stehen und die Zukunft der Welt gefährden. Nur eine Teilung Chinas oder eine wunder- bare Verbreitung des Christentums in seiner besten Form könnte nach Ansicht Harts diese Katastrophe abwenden. Beides aber er- achtet er als außer dem Bereich der Möglichkeit liegend. So ge« langt er zu dem Schlüsse, daß der gegen w artig eAufst and verziehen werden und die Mandschn-Dynastie mit allen Kräften unterstützt werden müsse." Aus den Anschauungen Robert Harts sind aber sicherlich außer der Folgerung, daß der letzte Aufstand nicht durch eitel Rache- fordernngen beantwortet werden dürfe, noch weitere Schlüsse zu ziehen. Eine sorgfältige Prüfung der Methoden ist nötig, ver- mittelst deren die europäischen Staaten, der europäische Kaufmann, Missionar und Diplomat sich der chinesischen Welt zu nähern ver« suchten. So lange die chinesische Bevölkerung berechtigt ist, im Ein- dringen der Fremden Uebergriffe und Demütigungen zu empfinden, so lange sind die großen Gefahren, die Robert Hart anzeigt, unaus- bleiblich. Nicht uninteressant sind ferner einige Bemerkungen, die sich in einemStimmungsbild ans Shanghai " desB. L.-A." finden. Der Korrespondent dieses Blatts ergeht sich zwar reichlich in kriegerischen Drohungen gegen das rebellische China . doch sind ihm allerlei Be- denken aufgestoßen, ob ans China wirlich so vielzu holen" sein werde, wie man bei uns anzunehmen pflegt. Der Korrespondent schreibt: China mit seiner bedürfnislosen Bevölkerung ist nicht der große Marktplatz für enropäische Waren, als der es so lange galt. Wohl mögen einige Wenige hier große Vermögen erworben haben, aber ihre Zahl wird immer geringer, denn was diese Wenigen ihalen, was sie konnten, das ihnen so gut bezahlt wurde, daS hat ihnen der Chinese längst abgeguckt und er wird nun selbst reich, statt den Europäer» den Gewinn zu über- lassen. Es wird nicht bedacht, daß der Chinese, sollte er in der That zum Beispiel in das Wesen unsrer Industrie tiefer eindringen, bei seiner natürlichen Begabung für alle mechanischen Verrichtungen, seinem außerordentlichen Nach- ahmungstrieb und seinem überaus billigen Arbeitsmarkt bald' die europäischen Konkurrenten aus dem Felde schlagen und, statt als Konsument fremder Waren als siegreicher Konkurrent auf dem Weltmarkt in Wettbeiverb trete ic dürfte. Gott sei Dank, daß dieser Fremdenhaß, diese Ver- achtung alleS Nichtchinesischen besteht, sonst würde sich die Konkurrenz Chinas schon längst sehr empfindlich bemerbar gemacht haben, Gott sei Dank, daß'der Chinese alle unsre Erfindungen mit einem überlegenen Lächeln von sich weist und unsre Waren verschmäht, sonst dürften wir bald� auf dem Gebiete der Industrie erleben, was der Kanfmam: in China schon jetzt erfährt, nämlich, daß selbst der Euro- päer den chinesischen Händler dem eignen Lands- mann vorzieht. Selbst die fremden Regierungen bevorzugen schon jetzt in Shanghai einen Chinesen er nennt sidh Cheap Jack als Lieferanten für ihre Kriegsschiffe und die Geschäfte, die dieser unter andren auch mit der deutscheil Marine macht, belaufen sich auf Millionen. Wie gesagt, wir können recht froh sein, daß der bedürfnislose Chinese, der von Reis und Thee lebt und französischen Chan, pagner und holländische Austern verschmäht, für unsre Dampfmaicbinen und elektrischen Erfindungen nur das Lächeln über eine hübiche Spielerei hat. Ein Bedürft, is dafür existiert nur im europäischen China , nicht aber im Innern, wo die ungezählten Millionen konservativer Mongolen Hausen, wo die menschliche Arbeitskraft so ausgebildet ist, daß sie selbst die Hilf- der Arbeitstiere ent- behren kann." Europa ivird gut thun, seine Chinapolitik von Grund auf zu revidiere»! Der Etat für das NeichS-Schatzamt ist dem Bundesrat gegangen. Für die Verwaltung und llnterhaltuiig des Kaiscrpalasles in Straßburg sind 24 000 M. ausgeworfen, als Beitrag zur Deckung der laufenden Ausgaben der Universität Straßburg 400 000 M. Der Disposttioiisfonds des Kaisers zu Gnaden- bewilligimgen ist wie innner ans 3 000 000 M. festgesetzt. Zu Prägekosten und sonstigen Ausgaben für die Unterhaltung de? Münzmnlaufs sowie zu Präinien für die Entdeckung von Münzverbrechcn sind 2 15S 000 M. angesetzt. Im Extra-Ordinarium sind 100 000 M. gefordert zur Einrichtuna einer elektrischen Be- leuchtungsanlage im Kaiserpnlaft zu Straßburg . Die Ueberweisungen an die Bundesstaaten sind angesetzt auf 570 933 000 M.. das heißt 55 993 000 M. mehr als für das Jahr 1900. und zwar aus dem Ertrag der Zölle und der Tabak- stcner 360 995 000 M.. auS dem Ertrag der ReichS-Stempclabgaben 100 170 000 M.. aus dem Ertrag der Verbrauchsabgabe für Brannt- wein 109 768 000 M. Khakipocfie. Der ElberfelderFreien Presse" teilt ein Leser mit, daß als Dekoration sich jüngst an einem Hanse Elberfelds ein Schild befand mit einem Bilde, auf dem ein Deutscher einen Chinesen übers Knie zieht und ihn gründlich verhaut. Uuter diesem Bild stand folgende geschmackvolle Inschrift: 'Wartenur.DuBiest. Du Ivirst noch geköpft und gespießt. Man sieht, wie der KhakipatriotiSmuS den Geschmack verfeinert und das Gemüt veredelt! DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" äußert auch eine eigene Meinung über den Bneck- Brief, freilich an sehr versteckter Stelle. Ucber das Feuilleton der Soniitagsnummer setzt sie nämlich als Motto folgenden Satz von Jeau Paul:Je mehr Schwäche. je mehr Länge; die Kraft geht gerade." Aus dem Reiche Hülle. Das Amtsgericht K o t t b u S ver­öffentlicht folgende Bekanntmachung vom 25. Oktober 1900: In unsrem Firmenregister ist unter Nr. 333 bei der Firma Evangelisckie Vereinsbuchhandlung' folgendes vermerkt: Die Vorstandsmitglieder Philipp Schwartzkopff . Vetter und Fahrenhorst sind aus dem Vorstande ausgeschieden. Dafür sind in den Vorstand eingetreten: Assessor Dr. G e r l a ch, Baurat Ernst Schwartzkopff und Redacteur Dr. P a n k o w. Vorsitzender ist Professor Dr. Lasson, sein Stellvertreter ist Dr. G e r l a ch. Die obige Firma ist augenscheinlich eine Filiale deS Hülle- Woedtkeschen, Unternehniens zur Hebung der Scharfmacherei. Den Herrn Fahrenhorst aber scheint man nicht mehr für würdig zu halten, im Vorstand des frommen Geschäfts zu sitzen. Militärjustiz. Das Militärgericht der Ostseestation in K i e l verurteilte den Matrosenartilleristen Hohl. der in der Trunkenheit seinen Vorgesetzten, den Signalmaaten Reitz, durch einen Fanstschlag niedergeworfen und die Wache mit gezücktem� Messer bedroht hatte, in öffentlicher Sitzung zu sechs Jahren Gefängnis. Die BreSlaner LandtagSwahl. Bei der am Montag statt- gefundenen Wahl von drei Abgeordneten wurden dieselben liberalen Kandidaten gewählt, deren Mandate in, März d. I. von der Majorität des Abgeordnetenhauses für ungültig erklärt worden waren, nämlich die Herren Schmieder, Goihein, Wetekamp. Die Konservativen und Klerikalen hatte vergeblich versucht, Wahlmänner sei es durch Drohungen, sei es durch Ver- sprechungen zu beeinflusseii. Schmieder erhielt 650, sein Gegen- kandidat, ein CentrumSmann, 615 Wahlmäiiner- Sti»»»en; die Majorität des fuisinuigen Kandidaten ist von 17 im Jahre 1398 auf 85 gestiegen. Gothen, erhielt eine Majorität von 44 Stimmen gegen 21 im Jahre 1898. Für Wedekainp liegen die genauen Zahlenangaben noch nicht vor.