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mit den für diese Zwecks zur Verfügung stehenden Mitteln aus den geheimen Fonds nicht mehr auskommt. Die Geschichte der 12000 M. ist ein Stück deutscher eng zusammenhängt mit der Korr um- deutschen Presse durch das Korruption, welches pierung der Offiziösentum. Deutsches Zieich. Hunuen-Greuel. DerBremer Bilrger-Zeitung" wurde nachfolgender Soldaten bries aus Peking übergeben: 26. August 1366. Heute wurde» wir plötzlich vom Mittagsmahle gerissen. W mußten deutschen Matrosen zu Hilfe eilen. Wir nähme 16 Chinesen gefangen, banden sie mit den Zöpfen zusammen und nahmen sie in unsre Mitte. Und so mußten sie mit Nun hieben einige rohe Burschen unbarmherzig darauf los, daß das Blut aus dem ganze» Körper hervorquoll Schrecklich war das. Ich stand gerade Posten vor den Gefangenen beteiligte mich aber nicht daran, denn so eine Roheit würde ich Tiicht verantworten können. Nach dem Essen wurden sie all zum Tode verurteilt durch Erschießen, wozu auch ich kommandiert war. Als sie zur Richtstätte marschierten, liefen zwei weg. Acht ganz junge Chinesen blieben am Leben. Die andren K8 Stück wurden erschossen, Ivozu auch ich kommandiert war. Zwölf bis fünfzehn Schritt mußten wir uns aufstellen, vier Mann vor einen Chinesen und auf Legt a n I war alles ein Gewinsel um Gnade. Aber da kam dasFeuer I " Da war alles aus. Wir hörten nur noch ein Stöhnen und Aechzen, den» jeder war von vier Kugeln durchbohrt worden und fie fielen rückwärts inS Grab, welches fie vorher selber graben mußten. So endeten die 68 Chinesen. Und dieser S o n n t a g der 26. August 1966 in Peking wird mir unvergeßlich bleiben. Ihr werdet auch wohl schon in der Zeitung gelesen haben, die 4. und 2. Compagnie durch die sie erschossen wurden. Um 3 Uhr wurden sie erschossen also gerade die Nacht von Sonnabend auf Sonntag, als Ihr im Bette lagt und schlieft." Ein weiterer Brief ähnlichen Inhalts, mit Bleistift auf rotem chinesischen Einschlagepapier geschrieben, wird von der Halberstädter »Volks-Zeitung" veröffentlicht: Vor Peking , den 1./9. 1966. p' Liebe Mutter! Es sind nun bereits 16 Wochen her und noch habt Ihr keine Nachricht von mir; heute jedoch haben wir einmal Ruhe täg und somit werde ich an Euch denken. Einen besseren Brie kann ich Euch leider heute nicht schreiben, da UNS das dazu nötige Material mangelt; nicht einmal dabei zu sitzen ist uns vergönnt, sondern wir müssen dabei liegen, dazu regnet es, waS vom Himmel herunter will. Wir lagern in einein Mais felde und zwar vor Peking . Wie es uns so ungefähr ergeht, könnt Ihr Euch nicht entfernt vorstellen. Da wir unsre Proviant wagen infolge der miserablen unwegsamen Gegend nicht bei unZ behalten können, so müssen wir schmachten und darben so daß wir alle abgemagert sind, wie die hölzernen Götter. Liebe Mutter, wir bleiben hier noch vorläufig liegen und ivenn die Kaiserin durchaus keinen Frieden haben will, heißt es, dann soll weiter gekriegt werden und wenn es Jahre dauere, oder die Chinesen gänzlich Vertrieben würden. Bisher bin ich weder verwundet noch sonst krank gewesen, liebe Mutter, abgesehen von einem kleinen Unfall, wo ich in einen Graben gestürzt war, dessen Folge ein längeres Lahmen beim Marschieren war, welches allerdings nicht so ganz schmerzlos abging. Wie es hier jetzt während d ejs K r i e g�s zugeht, liebe Mutter, i st mir u n- möglich zu beschreiben, denn so ein Gemorde und Ge schlachte ist geradezu toll, was daher kommen soll, weil die Chinesen . außerhalb des Völkerrechts stehen, weshalb auch keine gefangen . genommen werden, sondern alles wird erschossen, oder um die Patrone» zu sparen, sogar erstochen. Am Sonntag nachmittag haben wir 7� Gefangene mit dem Bajonett . erstechen müsse». Letztere hatten eine Patrouille von uns er- schössen, worauf das ganze Bataillon zur Verfolgung alarmiert wurde, bei der uns besagte 74 Mann lebend in die Hände . fielen. Es war grausam und nicht zu schildern, wie eS . der Wirklichkeit entsprach. Laß mich schließen in der Hoff- uung, daß es nicht mehr so lange dauert, denn sonst weiß man schließlich nicht mehr, oder vielmehr man vergißt cS, ob mau einmal Mensch war. Mit bestem Gruß Dein Sohn M. i Besten Gruß an alle Geschwister und Bekannten. Es fehlt das Wort zur Brandmarkung dieser Zustände. Die Kultur verhüllt das Haupt und wendet sich voll Entsetzen von diesen Scenen deutschen Hunnentums. I- Der Etat des RcichSamtS des Innern für das Rechnungs- fahr 1961 ist dem Bundesrat zugegangen. Die Einnahmen belaufen sich auf 7 518 585 M. Sie" fließen vornehmlich aus den Gebühren vom Patentamt. Die fortdauernden Ausgaben be- tragen 54 432 941 M.. die einmaligen Ausgaben 5112 566 M. Im Extraordinarium sind folgende Positionen hervorzuheben: Rur Beteiligung des Reichs an der internationalen Er- Forschung der nordischen Meere im Interesse der See- fischerei werden 126 666 M. gefordert. Zur Errichtung zweier Flaggenmasten am Nationaldenkmal auf dem Niederwald 42 000 M.(Sehr überflüssige Ausgabel Die Redaktion.) Zur Förderung der Ausbildung von Schiffsjungen werden 36 666 M. gefordert; zur Fördening der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Betrieben und Verwaltungen des Reichs jburch Gewährung von Beihilfen an Private sowie an gemeinnützige Unternehmungen(Bau- vereine, Baugenossenschaften, Baugesellschaften u. dgl.) sind 2 Mill. Mark angesetzt. Endlich als Beitrag des Reichs zu den Kosten des Ausbaus der Hohkönigsburg eine erste Rate von 156 666 M.(Wie kann mau die Steuerzahler für diesen privaten Bau heranziehen? D. Red.) i Prinz Arenbcrg, der Mordheld von Dentsch-Südwestafrika, soll so berichten einige Blätter nunmehr vom Militärgericht abgeurteilt worden sein und zwar sei er zu 13 Jahren Festungs- arrest verurteilt. Die Nachricht ist offenbar falsch. Erstens kann auf eine Freiheitsstrafe, wenn sie nicht eine lebenslängliche ist, nicht über 15 Jahre erkannt werden. Zweitens kann ein Mörder unmöglich zu der milderen Festungshaft verurteilt werden. Uebrigens sollten doch jetzt die Fabeleien über die Beendigung des Arenberg-Prozeffes aufhören. Es ist kein Grund zu erkennen, warum dieser Prozeß jetzt nicht in öffentlicher Gerichts- verhandlun g zu Ende geführt werden sollte. Die Despotie der Scharfmacher. DerBoss. Zeitz .' wird aus industriellen Kreisen geschrieben: Das Verhältnis der Regierung zu demCentralverband" ist in weiten Kreisen der I ndnstrie seit langen Jahren Gegenstand leb- hafter Beschwerde. Der sogenannteCcntralverband" wird durch eine Gruppe von Industrielle n gebildet, in der vorzugsweise eine Anzahl reicher Firmen der Eisen- und der Textilindustrie vertreten ist, die mit Hilfe ihrer Presse von jeher für die Erlangung möglichst hoher Schutzzölle gekämpft haben. Als vor drei Jahren die Regierung sich mit dem Gedanken beschäftigte, vorbereitende Schritte fstr die Erneuerung der Handelsverträge zu treffen und insbesondere eine Revision des deutschen Zolltarifs in die Wege zu leiten, drängte sich derCeiitralverband" an den Grafen v. Posadowsky nnt dem Vorschlage zur Einberufung einesWirtschaftlichen Aus schnsies" heran, zu dem neben dem Deutschen Landwirtschaftsrat und dem Deutschen Handelstag auch derCentraiverband deutscher Industrieller" je fünf Mitglieder präsentieren sollte. Die Regierung ging trotz des lebhaften Widerspruchs, der aus andren Kreisen der Industrie hiergegen erhoben wnrde, auf diesen Vorschlag ei» und räumte jener privaten Vereinigung dieselben Rechte bezüglich.der Vertretung der Industrie ein wie dem Landwirtschaftsrath und dem Handelstag be- züglich der Vertretung von Landwirtschast und Handel, lieber- dies erhielt derCentralverband" noch die Zusage, daß außer den von ihm präsentierten fünf Mitgliedern unter' de» vom Reichs- kanzler unmittelbar berufenen Personen sich zwei weitere Mit- glieder desCcntralverbands" befinden sollten. Ans diese Weife war der schntzzöllnerischcn Gruppe der Industrie im Verein mit den Vertreter» der Landwirtschaft von vornherein eine Mehrheit im Wirtschaftlichen Ausschuß gc- sichert, und daß sie diesen Umstand bei der Beratung der Zollvorlage in anSgiebigem Maße ansznnntzen sucht, wird zur Genüge durch daS bestätigt, ivas bisher darüber in die Oeffentlich'keit gelaugt ist. Diesen Thatsachen gegenüber er- scheint es einigermaßen undankbar, wenn Herr Bueck die Forderung der Regierung, einen Beitrag zu Agitationszwecken für einen vom Centraiverband lebhaft unterstützten Gesetz- entwnrf zn leisten,eigentümlich" findet, auch wenn er ans naheliegenden Gründen" es nicht für zweckmäßig erachtet, das Verlangen zurückzuweisen. Nachdem sich das Rcichsamt des Innern in die finanzielle Ab- hängigkeit von dem Centralverband begeben hat, ist es nur natürlich, daß dieser Gegenleistungen verlangt. Eine BeschrLnknng der Arbeitszeit in Bleifabriken wird, lvie dieBerliner Politischen Nachrichten" mitteilen,regierungsseitig in Erwägung gezogen". Aus dem Stadium der Erwägung wird die Sache wohl aber kaum herauskommen, denn natürlich befürchten, wie der Offiziosus weiter zu berichten weiß, die Unternehmer, die man befragt hat, eine Schädigung der Betriebe und für die Arbeiter keine Besserung der Zustände. Hat man schon Unternehmer gesehen, die in solchem Falle freudig ihre Zustimmung gegeben hätte»? Man frage doch einmal die beteiligten Arbeiter, wie die über die Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichbleibenden Löhnen denken. Dem Landtag von Sachsen-Weimar werden nach den bisher vorliegenden Wahlresultatcn angehören: 1 Konservativer, 1 National- liberaler, 5 Freisinnige und 2 Socialdemokraten. Khaki- Beleidigung. DemKleinen Journal" hat unsre Moltke-Chronik nicht gefallen und es meint: Das ist lv'irklichesHunnentum und gegen diese Hunnen solle» sich die Kulturvölker Europas zusammenthun, um es in einer Entscheidungsschlacht aus den katalaunischen Feldern zu vernichten." Nachdem den deutscheu Kulturträgern in China als Ehrenname der Hunnen-Titel gewährt worden ist, beleidigt Leon Leipziger das gesamte Khakitnm, wenn er dieser Auszeichnung gleichermaßen uns vaterlandslose Gesellen für würdig hält. Gegen den Militarismus. Ans Stuttgart bringt das W. T. folgende etwas dunkle Meldung vom Mittwoch: In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten nrachte Ministerpräsident Dr. Freiherr v. Mittuacht Mitteilung über die Vcrsailler Verträge; die Kammer»ahn: hierauf mit 60 gegen 9 Stimmen einen Antrag an, in welchem die Regierung auf- gefordert wird, die erforderlichen Schritte zu thun, um den Anspruch Württembergs auf Ersparnisse beim Militär- etat zur Geltung zn bringen. Man wird den ausführlichen Verhandlungsbericht abwarten müssen, um zu sehen, um was es sich im besonderen handelt. Ausland. Eine proletarische Friedenskundgebung. Paris . 29. Oktober. In der Pariser Arbeitsbörse fand gestern eine erhebende Friedenskundgebung englischer und französischer Proletarier statt eine kräftige Antivort auf die gegenwärtige Hätz der französischen Chauvinisten und der englischen Jiugoes. Um dieser .)atz entgegenzutreten, hatten die Vertreter des organisierten englischen Proletariats die Ueberreichung einer F r i e d e n s a d r e s s e au die Vertreter der organisierten französischen Arbeiter beschloffen. Die Adresse ist von 269 Beamten der Gewerkvcreine, Arbeiterdeputierten des englischen Parlaments, dem Generalsekretär des englischen Ge- nossenschaftsverbanbs, der 1866 Genoffenschaften mit nahezu zwei Millionen Mitgliedern vereinigt, sowie von zahlreichen pro- letarischen Gemeinderats-Mitgliedern und Friedensrichtern unter- zeichnet. Die englische Abordnung, die die Adresse überreichte. zählte 27 Mitglieder, darunter William Pickles, General- ekretär der Gewerkvereine und Vorfitzender des letzten Gewerk- Vereins- Kongresses, Georges Barnes, Generalsekretär des Maschinenbauer- Verbands und Leiter des Maschinenbauer- Streiks von 1897, Richard Bell, Sekretär des Gcwerkvereins der Eisenbahner und neugewähltes Parlamentsmitglied, Gray, General- ekretär des Geuossenschafts-Vcrbands, John Wilson, Sekretär des Bergarbeiter- Gewerkvereins von Durham . R a n d a l C r e m e r, neugewählter Abgeordneter von Shoreditsch. Herbert urrows, Sekretär des Zündholzarbeiter-Gewerkvereins von London und Mitglied der Socialdemokratischen Föderatton, Appleton, Spitzenarbeiter-Nottingham, Francis Chandler, immerleute und Tischler- Manchester. Chapmau. Schuhmacher- London , Allen Gee, Weber und Spinncr-HudderSfield, M a c d o- nald, Trades-Councils(Gewerkschaftskartell)-Loudon, Turner, Weber- und Trades-Council von Dorkshire, u. a. Die Kundgebung nahm einen imposanten Verlauf. Die große Halle der Arbeitsbörse, geschmückt mit Fahnen aller Nationen und mit mächtigen roten Bannern, war schon vor der angesetzten Zeit zum Erdrücken voll. Die später Gekommenen mußten in den Nebensälen und den Wandelgängen stehen. Und zwar wurden in den Saal nur gewerk- chastlich organisierte Arbeiter zugelassen, um der Kundgebung ihren eignen Charakter zu wahren. Von französischer Seite wurden als Redner vorgesehen, außer den Vertretern der Pariser Gewerkschaften, die Genossen Jaurös und Vaillant in ihrer Eigenschaft als Mit- glieder des vom Pariser Internationalen Socialistischen Kongreß geschaffenen Internationalen Bureaus. Zunächst begrüßte A. Baums nantenS der VerwaltungS- kommission der Arbeitsbörse die englische Abordnung in einer An- prache, die auf den Klassemirsprung des Militarismus und der Kriege hinwies und mit dem Rufe schloß:Nieder mit dem Krieg I Hoch die Internationale der Arbeiter." Der Ruf wurde von der ganzen Versammlung mit Begeisterung aufgenomnien, wie überhaupt alle Ansprachen immer wieder einmütigen Beifall entfesselten. Vorher noch wurde die englische Abordnung, als fie auf der Tribüne Platz nahm, von einer socialistischen Musikkapelle mit der Internationale" begrüßt, die zugleich von der Versammlung im Chor gesungen wurde. Die FriedenSadreffe verlas William PickleS. Sie ist be- titelt:An die Arbeiter Frankreichs die Arbeiter Englands I' Mit Rücksicht auf den Raum geben wir nur ihren wesentlichen Inhalt wieder. Sie beginnt mit der Kennzeichnung der Macht der kapitalistischen Presse, die vongesiuuungs- und skrupel- losen Kapitalisten" dazu gebraucht wird, um in Frankreich und in Eng- land chauvinistische Leidenschaften zu entfachen. Das Geschrei dieser Presse werde mit Unrecht bisweilen für die Stimme des Volks gehalten, währenddie Massen weder in Frankreich noch in England den ge- ringsten Grund haben, einander zn hassen, und den geringsten Wunsch, einander irgendivelchen Schaden zuzufügen. Verdächtigungen und Uebelwollen schaden stets den Arbeitern, deren Interessen stets am besten durch Eintracht und Frieden gedient ist. Unsre Interessen sind also die gleichen. Ei» Krieg zwischen Frankreich und England wäre der Ruin der In- dustrie beider Länder. Euer Handel und der unsrige würden sofort andren Ländem zufallen, die den größten Teil davon endgültig behalten würden.... Sodann wurden die Vorteile des Krieg? für die Finauzleute und dessen Nach- teile für die Arbeiter betont.> Aus allen diesen Gründen werden die französischen Arbeiter aufgefordert, Hand in Hand mit den englischen die Hetze der Chauvinisten und Jingoes zu vereiteln und darauf zu dringen, daß im Notfall jeder Konflitt durch das von dergroßen Haager Konferenz" ge- schaffene Schiedsgericht geschlichtet werde. Die Adresse schließt mit den Worten:Arbeiter! Der Augenblick ist gekommen, wo wir im Interesse der Menschheit Schulter an Schulter niarschieren müssen, indem wir verkündigen, daß der Friede das höchste Interesse der Arbeit ist." Außer Pickles sprachen noch die sechs oben zunächst genannten englischen Vertreter, von denen mir Herbert B urrows über den Inhalt der Adresse hinausging, um die Kriegs- und Friedensfrage vom social! st ischen Standpunkte aus zu be- leuchten: als Socialist denke er, daß nur die Abschaffung des kapitalistischen Regimes dem Militarismus und dem Krieg ein Ende machen könne. Er schloß mit einem Appell an die Arbeiter aller Länder, sich zum Kampfe gegen Kapitalisinus und Militarismus zu vereinigen. Im gleichen Sinne wie BurrowS sprachen mehrere'I französische Gewerkschaftsredner und mit besonderem Nachdruck die Genossen I a u r s s und Vaillant. Nach der Kundgebung fand ein Bankett statt, auf welchem die englischen und französischen Vertreter herzliche Ansprachen wechselten. Frankreich . Waldeck-Rousscaus Rede. Paris , 36. Oktober. Selten hat eine Rede so viel Tinte fließen lassen, ehe sie gc- halten wurde, wie die nunmehr endlich gehaltene Tonlouscr Rede des Ministerpräsidenten. Man erwartete von alle» Seiten so oder andersentscheidende" Worte aus dem seit langer Zeit schweigsamen Munde Waldeck-Rousseaus. Nach der jüngsten Rede M i l l e r a n d s in Lens, wo der Handelsminister sein socia- lislisches Bekenntnis wiederholt und ein immerhin kühnes social- reforniatorischcs Programm entworfen hatte, war man neugierig zu hören, was der Mimsterpräsident zu sagen für gut finden wird. Andrerseits hatte B a r t h o u, der von M e l i n e halb und halb abgefallene staatsmännischc Streber, sich in einer Tschrcde von neuem auf die socialistische Gefahr besonnen und den Minister- Präsidenten namens der Bourgeoisrepublikaner zur Desavouierung der Millerandschen Rede bczw. des Socialismus aufgefordert. Nun hat Waldeck-Rousjeau geredet und beide Seiten cuttänscht: die Bourgeoisrcpublikaner und die ministerfreundlichen Socialisten. Jenen hat er bloß einen mageren Knochen hingeworfen mit der Erklärung, daß diestaatliche Umwandlung des Privateigentums in Kollcktivcigentum keinen Teil des ministeriellen Programms bilde". Nun das hätte noch gefehlt!" ruft derTemps", das Organ des sozusagenlinken" Flügels der Bourgeoisrepublikaner, recht miß­mutig aus. Dagegen' ist er die Antwort auf Barthous Heraus- forderung schuldig geblieben. Er fand kein Wort zur Erklärung der Thatjache, daß er auch noch jetzt, wo doch nach seinen eignen selbst- bewußten Ausführungen die politische Situation wieder durchaus normal geworden ist, mit Hilfe eines Socialisten regieren zn muffen glaubt.' Die Verschweigung ist freilich nur allzu sprechend: Wolbeck- Rousseau will es weder nnt der äußersten Linken, noch nnt der äußersten Rechten seiner Mehrheit verderben, was aber das beste Mittel ist, es mit beiden zu verderben.... Die Fortdauer der außergewöhnlichen ministeriellen Kombination erscheint nach der Toulonser Rede desto unbegreiflicher, als das von Waldeck-Ronsseau wieder einmal entworfene gesetzgeberische Programm auch den Mut jedes beliebiger: und geivöhnlichcu radikalen Ministeriums keineswegs übersteigen würde. Der Kampf gegen die Kongregationen? Die Radikalenkämpfen" ja von jeher in Fest-, Wahl- und auch Parlamcntsreden gegen dieselben. Und ebenso bilden die paar andren Toulouser Reform- versprechen, die Getränkesteuerrefornr und Alterspensionen für Arbeiter, einen altehrwürdigen Bestandteil der radikalen und sogar bourgeoisrepnblikanischen Versprechungen. Hingegen vor- mißt man in demunmittelbaren" Programm von Toulouse nicht nur jede Andeutung auf die von Millerand in Anssickt ge- stellten Resormentwürfe, sondern auch auf die Reform der Mlitär- justiz, die schon vor einem Jahre unter dem Kriegsminister Galliffet eingebracht und deren Auferstehung in neuer Form jüngst vom Kriegs- Ministerium aus angekündigt wurde. Schließlich fehlt imunmittel- baren" Programm auch der vom Finanzniinister bereits ausgearbeitete Einkommensteuer-Entwurf. Doch Waldeck- Rousseau wird sich mit erfahruugSkluger Selbst» beschränkung gesagt haben, daß es schon ein echtes Weltwunder wäre, wenn die drei ergrauten Reformentwürfe bis zum Schluß der Legis- latur(Frühjahr 1962) Gesetz würden.... In der langen Rede findet man nur einen Gedanken, der über daS gewöhnliche Niveau der Bourgeoispolitik sich erhebt: die Er- kennttiis, daß die wiederkehrenden Krisen der dritten Republik den hartnäckig verratenen Reformprogrammen ihren Ursprung mit ver- dankten. Desto erstaunlicher aber ist es, daß Waldeck-Rousseau ans dieser Erkenntnis nicht die nötigen Konsequenzen gezogen. Ja, auch der kühnste französische Bourgeoispolitiker scheint glücklich und end- gültig in das Normalgeleise der bourgeoisen Ohnmacht eingelenkt zu fern._ Spanien . In karlistischcn Kreise« wird erklärt, Don Carlos stehe der Bewegung in Katalonien vollkommen fremd gegenüber. Die Führer werden getadelt, weil sie die Bewegung, die zu nichts führen könne, so unbesonnen ins Leben gerufen hätten. Die Karlistenbande in Berga besteht aus 366 Mann, sie wird von zivci Bataillonen Jägern lehaft verfolgt. Eine Schwadron von dem in Attala HenarcS bei Madrid ganiisonierenden Kavallerie- Regiment hat Befehl er- halten, nach Katalonien abzugehen. Das BlattLiberal " sagt, wenn heute ernste Nachrichte» aus Katalonien eingehen sollten, würde die Regierung diekonstitutionellen Garantien" in ganz Spanien suspendieren. Amerika. Valparaiso , 36. Oktober. Das chilenische Kabinett ist wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten in der letzten Nacht zurückgetreten. Patf«i-Vschvichken. Genosse Albert Schmidt, der Rcdactenr unsres Magdeburger Partei-OrgauS, hatte am 36. Oktober von seiner Strafe ein Jahr verbüßt. Am 29. September wurde Schmidt wegen Majestäts- beleidigung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, am 25. Oktober entließ man den in gleicher Sache zu 4 Jahren Gefängnis unrecht-