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Nr. 280.

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at the end 17. Jahrg.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

Dte Insertions- Gebühe

beträgt für die fechsgespaltene Roloner getle ober deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpcdition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. dernsprecher: Rmt I, Mr. 1508. Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaksion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

Erklärung.

Die socialdemokratische Fraktion hat sich mit dem Konflikte beschäftigt, der zwischen der Buchdruckerei der Leipziger Volts: zeitung" und den Leipziger Parteigenossen einerseits den aus ständigen Segern und dem Verbande der Buchdrucker andrerseits

entstanden ist.

Die focialdemokratische Fraktion fonstatiert, daß es sich in diefem Konflikt nicht um Meinungsverschiedenheiten wegen der Arbeitsbedingungen handelt, die allen Ansprüchen der gewerkschaft lich organisierten Arbeiter entsprechen. Es handelt sich viel­mehr nur darum, daß die Geschäftsleitung der Buchdruckerei der Leipziger Volkszeitung" auf Beschluß der Leipziger Partei­genoffen den Grundsatz aufstellte, daß bei Entlassung von Arbeitern die Frage maßgebend sein solle, ob die Betreffenden an der agitatorischen Thätigkeit für die socialdemokratische Partei fich be­teiligen oder nicht.

Infolge der Einführung von Sehmaschinen war die Geschäfts­leitung genötigt, Arbeiter zu entlassen; nachdem bereits vor einiger Zeit zwei Mitglieder der Buchdruckergewerkschaft entlassen worden waren, wurde neuerdings auf Grund jenes gefaßten Beschluffes zwei Mitgliedern des Buchdruckerverbands gekündigt, die in Gemeinschaft mit ihren Verbandskollegen diese Gründe für ihre Kündigung nicht anerkannten, weshalb sämtliche in der Leipziger Wolkszeitung" beschäftigten Mit­glieder des Buchdruckerverbands fündigten und die Arbeit nieder­Iegten.

oder Entlassung in Parteigeschäften entscheidend sei.

Sonnabend, den 1. Dezember 1900.

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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

Bereits in der Sigung des Reichstags vom 17. Januar Regierungen", weil sich die See- Berufsgenossenschaft 1899 hat unser Parteigenosse Moltenbuhr nachgewiesen, bisher stets der höchsten Anerkennung des Reichs­Und nach dem Grafen wie das Reichs- Versicherungsamt, in diesem Falle wieder das Versicherungsamts erfreut habe". 3willungspaar Posadowsky- Woedtke, unter Nichtachtung der v. Posadowsky nahm der Vertreter für Hamburg im Bundes­gesetzlichen Vorschriften es unterließ, der See- Berufs- rat das Wort, um nicht nur ebenfalls das Lob der See­genossenschaft diejenigen Pflichten aufzuerlegen, die das Berufsgenossenschaft in den höchsten Tönen zu singen, sondern Gesetz derselben vorschreibt. insbesondere auch dem letzten Sommer verstorbenen Vor­Das Gesetz über die Unfallversicherung der Seeleute fizenden derselben, Laeisz , als eine Art Wohlthäter der schreibt nämlich in seinem§ 6 vor: Menschheit zu schildern, wie kaum ein zweiter gelebt habe, schreibt nämlich in seinem§ 6 vor: Als Jahres- Arbeitsverdienst der zur Schiffsbesagung ge- wobei er sich zum Ueberfluß auch noch auf ein sehr schmeichel­hörigen Personen gilt im Sinne dieses Gesezes das Neunhaftes Anerkennungsschreiben des verflossenen Präsidenten des a de desjenigen vom Reichskanzler festzusetzenden Durch Reichs- Versicherungsamts, Dr. Bödiker, beziehen konnte. schnittsbetrags, welcher bei der Anmusterung oder Als Antwort hierauf las alsdann Herr Raab den oben Anwerbung durchschnittlich für den Monat an Lohn( Heuer) abgedruckten Brief des Vorstands der See- Berufs­oder Gehalt gewährt wird, unter Hinzurechnung von zwei genossenschaft vor, der, wenn sich dessen Inhalt be­Fünfteln des für Vollmatrosen geltenden Durchschnittssakes wahrheitete, was wir nicht bezweifeln, den berstorbenen als Geldwert der auf Fahrzeugen gewährten Betöftigung." Laeisz und seine Vorstandskollegen in ein, Im weiteren wird bestimmt, daß der durchschnittliche gelinde gesagt, mehr als merkwürdiges Licht stellt. Damit, Betrag von dem Reichskanzler nach Anhörung der Landes ist aber auch das Urteil über die bundesrätlichen Lobredner Centralbehörden einheitlich für die ganze Rüfte fest der Laeisz und Konsorten gefällt.ded zusehen sei. Der Festsetzung sollen die an Vollmatrosen auf Wir würden dem Abg. Raab gerne Anerkennung zollen deutschen Fahrzeugen während der letten voran- für die Veröffentlichung jenes Briefs. Aber er hat sich die gegangenen drei Kalenderjahre, in welchen eine felbe dadurch verscherzt, daß er erklärte: er würde dieſes Mobilmachung der deutschen Streitkräfte nicht stattfand, ge- Schreiben nicht veröffentlicht haben, wenn nicht der Vertreter währten Lohnsäge zu Grunde gelegt werden. Endlich soll für Hamburg im Bundesrat durch Form und Inhalt seiner mindestens alle fünf Jahre eine Revision Rede ihn unglaublich provoziert habe". Auch unterließ es der Festsetzung erfolgen. lo dir to th Herr Raab, die Namen der Vorstandsmitglieder, die den Brief unterzeichnet haben sollen und deren Namen zu ihrer Schande bekannt zu werden verdienen, zu nennen.

Die Fraktion ist von jcher, und zwar unter Zustimmung der Wenn es in diesen Vorschriften heißt: der Reichskanzler gangen Partei, dagegen aufgetreten, wenn die Leiter von Staats- soll das und das thun, so liegt auf der Hand, daß der Reichs oder Privatbetrieben Arbeiter entließen, weil diese einer ihnen miß- tanzler alles das was Reichsverfassung und Reichsgesetze ihm Nun, wir wissen, der eine Name war derjenige des verſtor. liebigen Partei angehörten. Von diesem Gesichtspunkt aus kann die Fraktion es auch nicht billigen, daß die Frage, ob ein Arbeiter eine aufbürden, nicht selbst ausführen und prüfen kann, sondern benen Laeisz, ein andrer ist der des berüchtigten Reeders Schiff Fraktion es auch nicht billigen, daß die Frage, ob ein Arbeiter eine daß er sich in dieser Beziehung auf die Departements chefs,( Elsfleth ), der vor Jahren, als eins seiner Schiffe unter­gewünschte politische Thätigkeit ausübe oder nicht, bei der Kündigung im vorliegenden Falle in erster Linie auf den Staats gegangen war, telegraphierte: Schiff verloren, Mann­Die Frattion spricht deshalb die Hoffnung aus, daß die sekretär des Reichsamts des Innern, verfchaft leider gerettet. Lassen muß. Die Namen der andren Vorstandsmitglieder aus jener Leipziger Parteigenoffen alles aufbieten werden, um den gemachten Wolfenbuhr wies nun nach, daß die erste vom Gesetz Zeit werden wir in Kürze erfahren und werden sie dann der Mißgriff auszugleichen und die daraus entsprungenen Differenzen vorgeschriebene Festsetzung der Durchschnittsheuer am verdienten Verachtung preisgeben. zu beseitigen, sie erwartet aber auch, daß der Buchdrucker- Verband 22. Dezember 1887 befannt gemacht wurde, daß man aber Der Geist, der in der See- Berufsgenossenschaft herrscht, eine Stampfweise einstedt, welche die herrschende Verbitterung nur schon damals die Durchschnittsheuer niedriger ansette, wird nicht nur durch jenes für unmöglich gehaltene Schreiben, verschärfen muß. Die Frattion erklärt sich bereit, die Vermittelung zwischen den als sie nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre hätten sondern insbesondere auch durch die Thatsache illustriert, daß angesetzt werden müssen. Das war eine schwere und un- jener berüchtigte Schiff bis heute Vorstands. Das spricht berantwortliche Schädigung der versicherten Seeleute, die dadurch mitglied der Genossenschaft ist. bei einem Unfall und, im Falle des Tods ihre Hinterlassenen, Bände. erheblich niedrigere Renten betamen, als das Gefet sie vorschreibt.

Streitenden zu übernehmen.

Berlin , den 30. November 1900.

pt vid 15 Im Auftrag der Fraktion:

Der Fraktionsvorstand.

Auer. Bebel. Meister. Pfannkuch. Singer.

Das war das erste bittere Unrecht, um fein härteres Wort zu gebrauchen, begangen an Arbeitern, die einem der lebensgefährlichsten Berufe angehören. Das zweite bittere Unrecht, das an den Seeleuten begangen wurde, hat ebenfalls Mundus vult decipi. Herr v. Bötticher, der damalige Staatssekretär des Reichsamts des Innern, auf dem Gewissen, der im Jahre 1893, als zum ( Die Welt will betrogen sein.) erstenmal die gesetzlich vorgeschriebene Revision der Noch hat sich die Aufregung und Erbitterung, welche die Heuersätze hätte vorgenommen werden müssen, eine Bekannt­Zwölftausendmark- Angelegenheit in der ganzen deutschen machung veröffentlichte, wonach ein Grund zu veränderten Arbeiterklasse hervorgerufen hat, nicht gelegt, und wiederum Heuerfäßen nicht vorliege, weil angeblich seit 1887 die Heuer tommt eine Enthüllung, welche abermals die gesamte Arbeiter- dieselben geblieben seien. Molkenbuhr hat ebenfalls nach­Klasse in ihren tiefsten Tiefen aufregen muß.

Gäbe es in Deutschland Gerechtigkeit, so müßten die Unterzeichner jenes Schreibens, soweit sie noch am Leben und noch Vorstandsmitglieder der See- Berufsgenossenschaft sind, mit Schimpf und Schande von ihren Posten gejagt werden.

Zwar hat Graf v. Posadowsky sofort verlangt, daß ihm eine Abschrift jenes Schreibens eingehändigt werde, aber ob auch die entsprechenden Maßregeln von ihm ergriffen werden, steht noch dahin.

Schließlich ist aber das selbstvernichtende Urteil, das die Vorstandsmitglieder der See- Berufsgenossenschaft im Jahre 1896 über den Wert ihrer berufsgenossenschaftlichen Unfallvorschriften fällten, die glänzendfte Rechtfertigung für die gewiesen, daß diefes unwahr war, daß in dem Zeitraum bisher vergeblich erhobene socialdemokra von 1887-1892 die Heuern erheblich gestiegen waren, so daß, tische Forderung, daß den Berufsgenossen­streng genommen, an den invaliden Arbeitern und ihren schaften das Recht, folche Vorschriften zu Hinterbliebenen wieder eine Art Betrug verübt wurde." erlassen und die Ausführung derselben durch Das Tollste und kaum Glaubliche aber ist, daß nach ihre eignen Beamtentontrollieren zulassen, weiteren fünf Jahren, im Jahre 1898, die Bekanntmachung genommen werden muß, und die Gewerbe- Inspektoren des Herrn v. Bötticher aus dem Jahre 1893 mit ein paar das ausschließliche Recht der Revision und eine besondere Be­Der stenographische Bericht giebt das Schreiben der See- fleinen Aenderungen im Wortlaut abermals veröffentlicht hörde, z. B. ein Reichsarbeitsamt, das ausschließliche Recht Berufsgenossenschaft, mit den Unterbrechungen, welche die wurde, weil angeblich auch jetzt noch kein Grund zur zum Erlaß solcher Schutzmaßregeln erhält. linte Seite des Hauses während des Vorlesens durch den Aenderung der Heuerfäße von 1887 vorhanden sei, obgleich Wenn jemals Arbeiter über unzureichende oder mangelnde Abg. Raab machte, folgendermaßen wieder: feit 1893 abermals Veränderungen in den Heuersägen ein- Schußvorrichtungen zu flagen haben, dann mögen sie denken an die Laeisz , Schiff und Konsorten, die Schutz­getreten waren, wie Molfenbuhr ebenfalls nachwies.

Es ist der Brief des Vorstands der See- Berufsgenossen schaft gemeint, dessen Inhalt der Abgeordnete Raab in der Sigung des Reichstags am Dienstagabend mitteilte und der nur wegen der späten Stunde, in der er bekannt wurde, im Hause nicht mehr diejenige Beachtung und Verurteilung ge­funden hat, die er in vollstem Maße verdient,

Die Unfallverhütungsvorschriften haben meines Erachtens weniger einen direkten praktischen Zwed, als daß sie zur Detoration bienen( hört! hört! links), um den Be­hörden und dem Publikum zu zeigen, wie vor trefflich die See Berufsgenossenschaft alles geregelt hat, wie sie alles bedacht hat, für die Reeder benttund forgt, ihnen die Mühe des eignen Nachdenkens und die Verantwortung abnimmt( Sört! hört! links) und fie in jeder Weise bevormundet. Dann geht es weiter:

Von diesem Gesichtspunkte aus, meine ich, follten wir jede auftauchende Frage durch eine hübsche Unfall berhütungsvorschrift zu lösen tracten( hört! hört! links), je barmloser, desto besser."

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Man muß das alles schwarz auf weiß lesen, um zu vorschriften mit der Absicht erlassen, daß sie nicht in glauben, daß solch ungeheuerliche Entscheidungen vom Reichs- Anwendung kommen, und so Leben und Gesund­amt des Innern auf Gutachten der beteiligten Regierungen heit der Seeleute gewiffenlos preisgeben hin getroffen werden konnten.

und welche die Invaliden und ihre Hinter­Iaffenen lieber durch ein kleines Blutgelb abfinden, damit sie die großen Kosten für die Durchführung ihrer Anordnungen sparen. Sind wir denn sicher, daß in andren Berufsgenossen­schaften nicht ähnliche Zustände bestehen?

Und so wurde verfahren zu Gunsten einer Organisation, bie zu einem großen Teil aus Millionären besteht! Das Endresultat jener Verhandlungen am 17. Januar 1899 war, daß kein einziger Vertreter der bürgerlichen Parteien sich der aufs schwerste geschädigten Seeleute annahm und daß, Wird die socialdemokratische Forderung nicht schleunigst nachdem Herr v. Woedtke das Verfahren der Behörden zu rechtfertigen versucht hatte, der Reichstag über die Angelegen durchgeführt, so darf man zwar ferner nicht sagen: Die Welt heit hinwegging. long will betrogen sein, wohl aber: sie wird betrogen. Vor allem die deutsche Arbeiterklasse, Aber Molkenbuhr tam in späteren Sizungen abermals Und das Schlußwort lautet: mundus vult decipi.( hört! auf die Angelegenheit zurück und schließlich erzwang er die um ihr täglich Brot zu gewinnen, Leben hört! links.) eine Erklärung, daß eine nochmalige Erhebung über die und Gesundheit im Interesse der deutschen Unterschrieben mit dem Vermert Einverstanden" ist es Heuersätze vorgenommen werden solle, die mittlerweile er- Rapitalist entlasse opfern muß. außer von dem Vorfizenden der See Berufs- folgt ist. genossenschaft noch von sechs der übrigen Diefe Vorgänge zeigen, welche Beziehungen zwischen dem Vorstandsmitglieder derselben.( hört! hört! Reichsamt des Innern und der See Berufsgenossenschaft be­links.) stehen und wie das tiefste Mißtrauen gegen Neben dem Centralverband der Großindustriellen ist es die leitenden Personen im Reichsamt des die See Berufsgenossenschaft, das heißt die Innern am Blaze ist. Organisation der großen Reederei Interessen, die auf In der letzten Dienstagssigung nahmen die Verhandlungen hat am Freitag in langen Erörterungen einmal die Begebung die deutsche Socialpolitik den verhängnisvollsten insofern einen abweichenden Verlauf, als es besonders der der legten 80 Millionen Reichsanleihe in Amerita Einfluß auszuüben verstanden hat. Und wie der antisemitische Abgeordnete Raab war, der die See- Berufs- und zweitens an der Hand der Uebersicht über die Reichs­Centralverband der Großindustriellen in erster Linie in genossenschaft wegen ihrer Praktiken angriff. Darauf sah sich Einnahmen und Ausgaben für 1899 die gewohnheitsmäßigen Im ersten Herrn v. Woedtte sein mit klarer Erkenntnis ihm dienendes Graf von Posadowsky wiederum veranlaßt, die See- Berufs- Etats Uberschreitungen besprochen. Freiherr von Thielmann das Stich­Berkzeug fand, so in demselben Herrn b. Woedtke auch die genossenschaft gegen die Raabschen Angriffe in Schutz zu Fall war See- Berufsgenossenschaft. nehmen und zwar sogar namens der verbündeten blatt der Angriffe für Agrarier und Bankiers.

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Politische Lebericht.

Berlin , den 30. November. Der Reichstag

Graf