Nr. 98.
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Sonnabend, den 27. April 1901.
Aloma ermordet worden ist. Aber noch weniger hat das Strafverfahren den Beweis gebracht, daß er der Mörder sein müsse. Wenn wir eine so ungeheuere That, wie es ein Mord ist, wahr-st- Wien , 25. April. nehmen, so wollen wir wissen, was ihr Motiv war; wir Gestern ist in der merkwürdigen Mordaffaire von Polna das vermögen nicht eine so schreckliche Handlung anzunehmen, endgültige Urteil gesprochen worden. Der oberste Gerichtshof als ohne den Grund für sie zu erkennen. Was aber tönnte Raffationshof hat die Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil des hier das Motiv gewesen sein? Geschlechtliche Entartung ist bei Biseter Schwurgerichts verworfen. Das damit gegen Leopold Hilsner nicht vorhanden und ein Lustmord ist nach der Lage der Hilsner ausgesprochene Todesurteil ist nunmehr in Rechtskraft Dinge ganz undenkbar. Bleibt also wirklich nur das Ritualmordgetreten. Damit ist nach menschlichem Ermessen über diese motiv. Aber selbst wenn man den entseglichen Gedanken, daß es graufige Tragödie grauenhaft nicht bloß durch die Ermordung Menschen giebt, die andre um ihres Blutes willen töten, nicht zweier schuldloser Geschöpfe, nicht bloß durch die hohe Wahrscheinlich vorweg abweist, selbst wenn man sich durch das in diesem Punkte feit der Berübung eines schweren Justizirrtums, sondern nicht minder so überaus bestimmte Gutachten der Prager Professoren nicht beirren durch die fürchterliche Verrohung weiter Boltsschichten, die von ihr lassen will: so, wie die Geschworenen angenommen haben, tann ausging der Schleier gefallen. Das strafprozesiffale Verfahren ist sich die hat nicht vollzogen haben. Denn so können nun erschöpft; was noch möglich ist, das ist lediglich die Wieder: fich selbst die blutrünstigsten Antisemiten die Sache nicht vorstellen, aufnahme des Strafverfahrens. Die ist nach öftreichischem Recht daß zwei wildfremde Juden nach Bolna fommen, Herrn Leopold selbst nach vollzogener Strafe, ja selbst nach dem Tode des rechts- Hilsner fragen, ob er kein Christenmädchen kenne, das abgeschlachtet fräftig Verurteilten möglich, wenn dargethan ist, daß seine Ver- werden könnte, und er sie sofort in den Wald führt und ihnen bei urteilung durch falsches Zeugnis veranlaßt worden ist, oder wenn der Ermordung des jungen Mädchens hilft. Sondern es müßte doch neue Thatsachen oder Beweismittel beigebracht werden, die allein ein regelrechtes Stomplott vorhergegangen sein, Hilsner müßte dann oder in Verbindung mit den früher erhobenen Beweifen geeignet er feine Mitschuldigen fennen, und wenn er sie hätte, so würde er auch scheinen, seine Freisprechung oder die Verurteilung wegen einer unter feinen Augenblid zögern, sie zu nennen. Der Mensch, der um ein milderes Strafgesetz fallenden Handlung zu begründen. Es sein elendes Leben zu retten, im Arrest zwei ihm gerade einfallende wäre also auch hier die neue Thatsache" vonnöten, die in Juden als Thäter angab, würde sich wohl nicht bedenken, auch die der Affaire Dreyfus eine so bedeutsame Rolle gespielt hat. Aber wahren Mitschuldigen zu nennen wenn er sie hätte: Der veres müßte ein Wunder geschehen, wenn über jene zwei Morde die kommene Strolch schaut wahrlich nicht danach aus, als ob er das bolle Wahrheit herauskommen sollte; wie der Lauf der Welt Bedürfnis hätte, für sein" Volk zum heldenmütigen Märtyrer zu ist, wird von den entsetzlichen Geschehnissen, deren Schauplatz der werden. Man erinnert sich noch, das in dem Fall Dreyfus das Wald bei Polna war, der Schleier nie gelüftet werden. Das felt stärkste Schuldargument das angebliche Geständnis Dreyfus' na ch same Kriminaldrama ist zu Ende; was jezt folgt: die Frage, ob der Berurteilung war obwohl es prozessual gar feine an Hilsner die Todesstrafe vollzogen oder ob er begnadigt werden Bedeutung hatte; der mangelnde Beweis sollte durch das wird, hat nur ein menschliches, aber kein gesellschaftliches Interesse.„ Geständnis" gekräftigt werden. So steht auch die Sache Es ist nüzlich, sich die einzelnen Phasen dieses Unkulturprozesses mit dem jüdischen Zumpenproletarier aus Polna : der Benoch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Am 29. März 1899 wurde weis seiner Schuld soll erst jetzt, durch das Geständnis in dem Reczina- Walde bei Polna die Leiche eines jungen Mädchens na ch der Verurteilung, erbracht werden. Darauf aufgefunden, das am Morgen des vorhergehenden Tages aus der fezzen auch die Erreger des Blutrausches ihre Hoffnung; Herr Dr. Wohnung ihrer Mutter zur Arbeit gegangen war. Der Verdacht Bara, der berüchtigte Privatbeteiligte", hat mit dieser Hoffnung die der leicht zu fanatisierenden Dorfbewohner lenkte sich sofort gegen Geschwornen zum Schuldspruche direkt ermuntert. Aber umgekehrt Leopold Hilsner, einen jüdischen Lumpenproletarier, dessen Ruf tann man auch sagen: Bleibt das Geständnis aus, so wird es sehr schlecht, deffen Liederlichkeit bekannt war. Aber es fehlte jede Spur, wahrscheinlich, daß hier aller Voraussicht nach ein schwerer Justiz die zu einem Beweise hätte führen können. Nach fünf Monaten irrtum verübt worden ist. Leopold Hilsner ist nichts, aber die Geeiner Untersuchung, die weniger von den Gerichten als von einem rechtigkeit ist alles. Es wäre eine Wohlthat für die vom Aberbon Wiener antisemitischer Seite gebildeten Rechtskomitee" geführt glauben gepeitschten Boltsmassen, wenn die Wahrheit bald und wurde, meldet sich ein Mann, der aussagt, er habe Hilsner um unverkümmert zu Tage träte. 5 Uhr im Walde in der unmittelbarsten Nähe des Orts, wo die Leiche aufgefunden worden war, gesehen und erkannt; in seiner Gesellschaft wären zwei alte, fremde Männer gewesen. Der Zeuge war 890 Schritte von dem Punkt entfernt, wo die„ Thäter" gestanden haben sollen, die Zeit war die fünfte Abendstunde eines nebligen Frühjahrstags, der Schauplatz war ein ziemlich dichter Wald: trotzdem will der Mann mit dem abenteuerlichen Sehvermögen Hilsner ganz dentlich erkannt haben! Zwei Landärzte liefern das nötige Gutachten, daß die Schnittwunde ein sogenannter stand am Freitag der Antrag v. Bockelberg( f.) und Schächtschnitt gewesen sei, daß die Leiche blutleer vorgefunden Genossen betr. die innere Kolonisation zur Beratung, der wurde und das ausgeströmte Blut nicht vorhanden gewesen unter dem Deckmantel einer scheinbar im Staatsinteresse notsei; ein berüchtigter antisemitischer Klopffechter tritt in den wendigen Agrarpolitik in Wirklichkeit doch nur darauf hinausProzeß als Privatbeteiligter" ein und es geschieht, was ganz läuft, den verschuldeten Großgrundbesitzern die Möglichkeit zu felbstverständlich ist: die Geschwornen verneinen die Frage auf gewähren, unter Hilfe des Staats ihre Güter zu hohen unmittelbaren Mord, bejahen die Schuldfrage auf mit schuld, so daß der Angeklagte zur Mitthäterschaft an einem Ver- Preisen zu veräußern und sich billige Arbeitskräfte zu verbrechen verurteilt wird, deffen eigentliche Thäter nicht bekannt, nicht schaffen.
genannt werden, die aber nur allzu deutlich in der phantastischen Der in die Form eines Gesezentwurfs gekleidete Antrag Erregung der Maffen leben! Der oberste Gerichtshof hat befanntlich verlangt, daß der Regierung aus bereiten Mitteln ein Fonds dieses Urteil tassiert und eine Ueberprüfung der Untersuchungs- von 12 Millionen Mark zur Verfügung gestellt wird, um ergebnisse mittels eines Gutachtens der Prager Universität an- Grundstücke fäuflich zu erwerben und sie planmäßig durch geordnet. Das Gutachten geht dahin, es sei absolut nicht zu be- Errichtung mittlerer ader kleiner, in Ausnahmefällen, haupten, daß die Flecken auf der Hilsnerschen Hose Blutfleden menn es sich um Restgüter handelt, auch größerer feien, es sei lächerlich, von einem Schächtschnitt zu sprechen, nach Rentengüter zu besiedeln. dem der Kehlfopffnorpel durchgeschnitten vorgefunden ist; das Zur Durchführung dieser AufGutachten weist in verschiedener Weise nach, daß das Blut gabe sollen Ansiedelungsstellen gegründet werden, und zwar nicht verschwunden", sondern auf natürliche Weise bersidert ist, nach Bedarf für einzelne Provinzen. Die gesamten, auf und es erklärt, daß nach der Beschaffenheit des Leichnams Grund des Gesezentwurfs zu erledigenden Geldgeschäfte wahrscheinlich ein Mord aus geschlechtlicher Entartung vorliege. Das sollen der Seehandlung übertragen werden. Ergebnis ist, daß Hilsner in der zweiten Verhandlung, vor einem Die Debatte unterschied sich taum von den früheren andern Schwurgericht, mit derselben Einstimmigkeit desselben Ver- Debatten über dasselbe Thema. Mit dem Ziel des Gesetz brechens als schuldig erklärt wird! Ja, noch mehr, die Geschworenen entwurfs waren die Redner aller Parteien einverstanden, von Bisel bejahten fogar die Schuldfrage in Beziehung eines im nur über die zu diesem Ziele führenden Wege war sich das Jahre 1898 vorgefallenen Mordfalles, obwohl darüber nicht einmal bewiesen ist, daß ein Mord vorliege; es war nur vor Jahr und Haus nicht einig. Die Regierung, die durch nicht weniger als Tag ein Mädchen verschwunden und nach einem Jahr ist ein drei Minister, die Herren v. Miquel, Frhr. v. Hammerstein und unerkennbares Stelet aufgefunden worden! Der oberste Gerichtshof Frhr. v. Rheinbaben, mit einer Schar von Kommissaren verhatte gestern nicht das Urteil, sondern nur den formalen Lauf der treten war, ist sich über ihre Stellung zu dem Antrag noch Hauptverhandlung zu überprüfen. Aber seinen verneinenden Beschluß nicht schlüssig geworden, doch stehen ihm die Minister dürfte wohl hauptsächlich die Erwägung bestimmt haben, daß die v. Miquel und Frhr. v. Hammerstein, die allerdings nur Wahrheit in dieser traurigen Justizaffaire überhaupt nicht zu für ihre Person sprachen, nicht gerade unsympathisch gegen erforschen ift, fein noch fo oft wiederholtes Verfahren über. und fein noch so umfangreicher Beweis mehr an Thatsachen zu Tage fördern könne, als schon die zwei Prozesse zu Tage gefördert
Der Antrag wurde an eine Kommission verwiesen.
haben. Jede weitere Verhandlung wäre nur eine Posse gewesen. Die nächste Sigung findet erst am Montag statt. Auf Denn aus ihrem wirtlichen Grinnern wissen ja die Beugen der Tagesordnung steht die Beratung des freisinnigen Antrags nichts mehr auszusagen; sie können nur aus ihrem Erinnern an die betr. anderweitige Einteilung der Landtagsschon abgelegten Aussagen ihre Behauptungen einfach Wahlkreise.
wiederholen. Und die letzte, traurigste Erwägung: die Berurteilung
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.
er und seine politischen Freunde, ebenso wie die Schlesier im Gesez einschalten, daß die geschädigten Landesteile durch Tarifermäßigungen ents fchädigt werden, ferner sollen die Jahresraten für den Bau des Kanals durch den Etat festgestellt werden. Man werde dann entsprechend der Finanzlage das Bautempo bestimmen können. Sollte sich dies Programm nicht ausführen lassen, so bleibe nichts übrig, als vorläufig die Entscheidung über den Mittellandkanal auszusetzen.
Auf diese freitonservativen Ankündigungen, deren jede für sich allein genügen sollte, der Regierung zu zeigen, daß die Konservativen und Agrarier die Kanalvorlage nicht wollen, erwiderte Herr v. Miquel lediglich mit weiteren Nachweisen über die finanzielle Möglichkeit des Baues.
Das Centrum unterstützt die Kanalverschleppung eifrig durch zweideutig schwankende Erklärungen. Abg. Herold erklärte für feine Partei:
Der Kanal feil nicht notwendig, aber nüzlich. Die Rentabilität sei zweifelhaft, aber nicht von entscheidender Bedeutung. Die Schädigung des Eisenbahnverkehrs sei nicht zu befürchten. Allerdings sei die Gefahr vorhanden, daß die Ermäßigung der Tarife hinausgeschoben werde, und das tömme für die Finanzen günstig sein. Die Staffeltarife seien nicht mit dem Kanal zu vergleichen. Erstere seien für den Osten nicht vorteilhaft, letztere wohl. Es fei die Notwendigkeit eines intensiveren Ausbaus der Eisenbahnen zu betonen. Was die Zeit des Baues der Kanäle angehe, so sei es awedmäßig, mit der Verbindung des Dortmund- Ems- Kanals mit dem Rhein zu beginnen. Seine Freunde ständen auf dem Standpunkt, nur die Lippelinie auszubauen, ebenso die Regulierung der Flüsse im Osten zu bewilligen, dagegen den Mittellandkanal aufzuschieben. In fünf bis sechs Jahren werde sich die Lage geklärt haben, dann könne man sich auch über den Mittellandkanal entscheiden. Eine jährliche Beschlußfassung sei nicht zwed mäßig. Die Fortsetzung des reizvollen Spiels wurde auf Dienstagvormittag vertagt.
Inzwischen versucht die Regierung, hinter den Coulissen eine Ginigung mit den Kanalrebellen herbeizuführen. Mit ver schiedenen Mitgliedern der Kanalkommission haben, wie nach der National Beitung" im Abgeordnetenhaufe unter Nemnung von Namen am Freitag erzählt wurde, im teichstanzlerpalais Besprechungen stattgefunden.
Der Kaiser in Maria- Laach . Die Ansprache des Kaisers in der Abtei Maria- Laach, die, wie wir gestern bereits mitgeteilt haben, besonders die Erhaltung der Religion für das Volk betonte, hat in dem betreffenden Teil nach der ausführlichen Wiedergabe der Germania " wie folgt gelautet:
„ Er( der Kaiser) habe wohl vorausgesehen, daß die früheren Intentionen vom Orden weiter gepflegt und gehegt würden. Er habe deswegen dafür gesorgt, daß dem Orden sein früheres Eigentum wiedergegeben würde. Der Orden dürfe seines Schutzes und seiner Huld stets versichert sein. Er erachte das Christentum für den Hort und Anker aller Bestrebungen der Gegenwart. Ueberhaupt dürften alle diejenigen Bestrebungen auf seine Unterſtügung rechnen, die dahin gerichtet seien, dem Volke die Religion zu er halten, wie er das auch gestern auf dem Studentenkommers zum Ausdruck gebracht habe."
Aus dem Bericht der„ Germania " über den Besuch des Kaisers in Maria- Laach ist vielleicht auch die Mitteilung eines FürstinnenPrivilegiums in fatholischen Klöstern nicht unintereffant:
" Zum Schluß trug der Kaiser seinen Namen in ein neu angelegtes Fürstenbuch als erster ein, nach ihm der Kronpring, Prinzessin und Prinz Adolf, die übrigen Gäste und das Gefolge. Daß der Prinzessin Victoria und ihrer Hofdame der Zutritt in die Clausur, die sonst allen weiblichen Wesen streng verschlossenen Räume gestattet war, beruht auf einer päpstlichen Verordnung, daß Damen in Begleitung von regierenden Fürsten der Zutritt in die Clausur erlaubt ist."
Ein beschleunigtes Verfahren scheint in dem Prozeß, der Generalmajors v. Kettler eingeleitet ist, von Gerichsstelle beliebt zu gegen unfren Kollegen Robert Schmidt wegen Beleidigung des werden. Es handelt sich um eine jener Anklagen, die dem Feldzug in China die Rechtfertigung der kriegerischen Ruhmesthaten bringen fol. Beschleunigung des Prozeßverfahrens ist auch uns eine recht fympathische Eache, besonders wenn wir fie allgemein in unfren In diesem besonderen Falle Prozeßfachen bemerken fönnten. dem Lobe zurückhalten, weil die
müssen wir aber mit
Beschleunigung zu ungunsten des Angeklagten unter Außerachtlaffung der prozessualen Vorschriften geschicht. Als Schmidt die Anklage erhielt, war ihm zur Gegenäußerung eine Frist von fünf Tagen gestellt. am 20. April wäre diese Frist abgelaufen, aber schon am 19. April wird von der Straftammer die Erhebung der Anklage beschlossen und kommt so die Gegenäußerung des Anwalts auf die Anklage vor dem Beschluß gar nicht zur Kenntnis des Gerichts. Rechtsanwalt . Heine, der Vertreter des Angeklagten, wird Beschwerde im Auffichtswege hiergegen einlegen.-
Zu den kommunalen Brotwucher- Protesten wird uns aus Jena geschrieben: Zur Handelsvertrags- und Zollfrage sollte in der Sigung am 25. d. W. der Gemeinderat der Stadt Jena Stellung steht in jedem Fall vor der Verhandlung fest. Wenn alles Die Kommiffion für Verschleppung der Kanalvorlage hat nehmen. Das Kartell der vereinigten Gewerkschaften hatte an die das, was der Verteidiger begehrt, auch geschähe: die Geschworenen auch am Donnerstag und Freitag fleißig ihrer Aufgabe gelebt. Man Korporation die Bitte gerichtet, den Gemeindevorstand zu verwürden ihr Ja mit derselben leidenschaftlichen Begeisterung sagen, ist nicht einen Schritt weiter gekommen. anlaffen, bei der großherzoglichen Staatsregierung dahin vorstellig als es schon zweimal gesagt worden ist. Die Ueberzeugung von der Freiherr v. 3edlig handhabt weiterhin mit nicht geringem zu werden, daß sie ihren Vertreter im Bundesrat beauftragt, Schuld des Hilsner, der Glaube an den Ritualmord, ist Geschick die Verschleppungstaftit, der durch die Hinausschiebung der unter feinen Umständen einer Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel in den Schichten, aus denen sich für diesen Prozeß die Geschworenen Bolltariffrage bis zum Herbst neue dankbare Aufgaben gestellt sind. zuzustimmen. In der Sigung gab es eine interessante Debatte über zu rekrutieren haben, felsenfest und unerschütterlich. Freiherr v. Bed liz erklärte in Freitag- Sizung u. a.: die Frage, ob der Gemeinderat zuständig sei, zu der Handelspolitik Die Zeit zur Entscheidung sei noch nicht gekommen, des Reichs Stellung zu nehmen. Die Meinungen waren geteilt; es es sei denn, der Vicepräsident des Staatsministeriums fönne die wurde aber schließlich die Kompetenz verneint, dagegen der abVersicherung geben, daß die Zolltarifreform lehnende Beschluß dahin erweitert, daß der Gemeindevorstand Erdem entsprechen werde, was seine Partei erwarte. Aufhebungen über den Einfluß der Zollfrage auf eine stetige Zunahme der Eisenbahn- Einnahmen fönne man wohl die Existenz- und Entwicklungsfähigkeit mit Sicherheit rechnen. Man werde ohne Gefährdung des Etats Stadt veranstalten soll. Auf diesem Wege wird der Ges mit einer Berbilligung der Tarife rechnen tönnen. Für den meinderat sicher dazu kommen, Material gegen die Getreidezölle zu Fall der Annahme des Mittellandtanals wollen liefern.
Das menschliche Gefühl sträubt sich dagegen, einen Menschen dem Tode zu überliefern, dessen Schuld nicht bewiesen ist. Bewiesen in jener zwingenden Art, die dem menschlichen Geist bei Beurteilung von Thatsachen der Erfahrung als Gewißheit er scheint. Das ist bei diesem Mordprozeß ganz bestimmt nicht der Fall gewesen. Wohl hat Hilsner nicht bewiesen, daß er nicht schuldig sein kann; er hat weder darzuthun vermocht, wo er am 29. März 1899 war, wo die Hruza, noch am 17. Juli 1898, wo die
der