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Nr. 34.

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9. Jahrg

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fern sprech- Anschluß: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Bentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Im Falle Baare

Mittwoch, den 10. Februar 1892.

Expedition: Beuth- Straße 3.

Fall war, scheint Herr Baare aus der Affäre doch nicht Ländern der Fall gewesen wäre nicht auf der Anklage­hervorzugehen. Ganz abgesehen davon, daß der lettere, als bank, sondern er fungirte als Zeuge gegen den Angeklagten ist es also richtig gekommen, wie wir seinerzeit voraus ganz gewöhnlicher Steuerpreller, schon in der ersten Ver- Fusangel, welcher so unvorsichtig gewesen war und über agten. Ganz wie bei den, durch 20 Jahre lang getriebenen handlung entlarot wurde, so hat auch der Herr Staats- die Geheimnisse der Bochumer Steuereinschätzung den Schleier Schienen- Flickereien und Betrügereien auf der Georgsanwalt Schlüter dem Nedakteur Fusangel mitgetheilt, daß gelüftet hatte.

Marienhütte bei Osnabrück , sind es auch jetzt in Bochum Baare nur um deswillen nicht unter Anklage gestellt wurde, In dieser Eigenschaft als 8euge hat nun Herr nur Arbeiter und Meister, gegen welche die Anklage er- weil seine Mitwissenschaft an Fälschungen, deren er durch Baare, als der Rechtsanwalt Kohn am 5. Juni die hoben ist, während die verantwortlichen Beamten, In- die Beugenaussagen überführt erscheint, sich nur auf solche Stempelfälschungen zur Sprache brachte, unter seinem genieure und vor Allem Herr Baare außerhalb der Schuß- Fälle beziehe, deren Verfolgung bereits verjährt sei. Danach Eid und wiederholt erklärt, daß ihm, Baare, von linie bleiben. muß also als feststehend angenommen werden, daß Baare einem solchen Vorgange nichts bekannt sei.

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Wir wissen natürlich nicht was während der langen zwar um die Schienenflickerei und Stempelfälschungen auf Sämmtliche Berichte über den Prozeß, welche jene Monate, durch welche sich die Untersuchung nun schon den Bochumer Werken gewußt hat, nur liegen diese Fälle Szene schildern, wo- nachdem Herr Baare den Vorwurf hinschleppt, alles hinter den Koulissen gespielt hat; schon zu weit zurück, um noch strafgeseßlich geahndet der Profitwuth weit von sich gewiesen und sein und seiner unwillkürlich aber wird man, wenn man die Liste der werden zu können. Söhne selbstlose Hingabe für die Jutereffen des Bochumer Vereins hervorgehoben hatte der Rechtsanwalt Kohn sich erhob und die Schienenfälschung unter Beweis stellte, stimmen darin überein, daß Baare jede Mitwissenschaft leugnete. Rechtsanwalt Rohn hatte erklärt:

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" Ich stelle hiermit unter Bewets, daß auf dem Bochumer Verein seit 16 Jahren Stempelfälschungen allerschlimmster Art, zu Gunsten des Bochumer Vereins und zu Ungunsten in- und ausländischer Eisenbahn- Verwaltungen betrieben worden und zwar in der Weise, daß systematisch die Staatsstempel des Revisors nachgemacht und nach der Schienenabnahme die untauglich befundenen Schienen des Bochumer Vereins mit den inzwischen angefertigten falschen Stempeln gestempelt wurden. Und dies ist, wie ich behaupte, mit Wissen Baare's geschehen."

Bochumer Angeklagten durchgeht, an die Worte aus dem Wie weit diese Angaben des Herrn Baare unanfechtbar Berichte des Regierungsrathes Seydel vom 29. Juli 1887 find, möge dahin gestellt bleiben. Es mag sein, daß trok an den Minister von Maybach erinnert. Dieser Bericht, der merkwürdig langen Untersuchungsdauer der juristische welcher sich mit den Schwindeleien auf der Georgs- Marien- Beweis für die Mitwissenschaft des Herrn Baare aus den hütte beschäftigte, erörterte auch die Frage der Verantwortlich letzten Jahren sich nicht hat erbringen lassen. Näher liegt keit und heißt es dort u. a. bei dem Umfange, in welchem das freilich, daß die schwerwiegendsten Folgen", welche dem Schwindelgeschäft augenscheinlich betrieben worden ist, läßt mit der ganzen Welt in Geschäftsverbindung" stehenden sich in der That auch kaum etwas Anderes annehmen, als Werke sicher in Aussicht standen, wenn die Angelegenheit baß jene Beamte( es sind Direktoren und Leiter des Werkes bis aufs Aeußerste" verfolgt worden wäre, dazu mit­gemeint) wirklich die Seele desselben gewesen gewirkt haben, daß die Beziehungen des Herrn Baare sind." Troß der Ueberzeugung des Herrn Regierungs - zu den Fälschungen der letzten Jahre nicht in der Weise rathes aber, daß die ersten Beamten des Werkes die eigent haben aufgeklärt werden können, wie dies in Bezug auf lich Schuldigen seien, und daß die an der Spige des die älteren Fälle geschehen zu sein scheint. Stahlwerks stehenden Persönlichkeiten von den Betrügereien Sei dem aber, wie ihm wolle, für Herrn Baare ist Kenntniß gehabt, dieselben ausdrücklich oder stillschweigend damit die Angelegenheit noch lange nicht erledigt. Nicht Auf dieſe in wie außerhalb des Gerichtshofes geduldet und sich somit zu Mitschuldigen gemacht haben", etwa, daß wir annehmen, dieser nationalliberale ungeheures Aufsehen erregende Anklage, erklärte Baare, so glaubte er doch für die weitere Behandlung der Ange- Gentleman würde sich aus aus der der moralischen Ver- nachdem er vorher noch durch den Vorsitzenden darauf auf­legenheit" auf zwei Wege aufmerksam machen zu müssen. urtheilung, deren er seitens aller merksam gemacht worden war, daß, wenn er sich bewußt Der eine dieser Wege, welcher gegen gewöhnliche Menschen- Menschen sicher ist, irgend etwas machen. So ein sei, sich einer strafbaren Handlung zu bekennen, er die Ant­linder, wenn sie sich eines Verbrechens gegen Eigenthum auf der Jagd nach Gewinn abgebrühter und mit allen vort verweigern könne: Selbstverständlich ist und Menschenleben schuldig gemacht haben, angewendet Hunden gehegter Gefelle scheert sich den Teufel um das so etwas niemals vorgekommen; daß einmal wird, nämlich die Sache dem Staatsanwalt zu über- Urtheil der anständigen Leute. Er weiß, daß in der Gesell- geflickte Schienen bei einer Lieferung mit unterlaufen, kommt geben, erschien dem Herrn Regierungsrath um schaft, wo er verkehrt, es nur auf Reichthum und Besitz, bei jedem Werke vor..... Jedenfalls ist mir der unter Umständen schwerwiegendsten Folgen" be- nicht aber auf moralischen und sittlichen Werth ankommt. pon einem derartigen Vorgang nichts be denklich. Derfelbe verwies deshalb auf den anderen Weg, Moralisch und fittlich hochachtbare Charaktere trifft annt". Im Verlaufe desselben Berhörs wiederholte I ch nämlich die Herren Direktoren des Werkes ins Ber man auch in der Hütte des Landmannes wie in der Dach- Baare seine Ableugnung, indem er erklärte: trauen zu ziehen, denselben das ganze Beweismaterial zu stube des Fabrikarbeiters, diese Waare ist nicht selten und wiederhole, daß mir von alledem, was ber unterbreiten und sie nachdrücklichst zu veranlassen, nunmehr hat vor allem feinen Kurswerth. Ueber Millionen aber, Herr Vertheidiger vorgebracht, nich das ihrerseits ohne Verzug gegen ihre hiernach belasteten wie sie Herr Baare, mit Hilfe von Steuerhinterziehung, Mindeste bekannt ist." Diese Aussagen Baare's finden Beamten und Arbeiter das Strafverfahren zu beantragen". Stempelfälschen und Schienenflicken aufgehäuft hat, verfügt sich, mit unwesentlichen Abweichungen, in allen Berichten In legterem Sinne wurde auch vorgegangen. Einige nicht Jeder; wer sie aber hat, der, mag er auf welchem über den Prozeß. Wir haben nach der Rheinisch- West­Arbeiter und Meister wurden unter Anklage gestellt und Wege immer sie erworben haben, er bleibt, um mit dem fälischen Beitung", also dem Organe des Herrn Baare, das verurtheilt, der Direktor Boos dagegen schior, von den Preßorgen der Baare und Konsorten zu reden: ein den von ihm repräsentirten Kapitalinteressen mit Haut und Haar ergeben ist, zitirt. Schwindeleien nichts zu wissen. Von der Georgs- Marien- Ehrenmann in des Wortes bester Bedeutung."

anständigen

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hütte waren die schweren Folgen", welche dem Herrn Bevor aber Herr Baare wieder in alle Würden und Es steht also fest, daß Baare unter Eid jede Mitwissen Regierungsrath so viel Kopfweh machten, abgewendet. Die Ehrenämter, mit denen er so reich gefegnet ist, eintritt, schaft an den Stempelfälschungen zc. abgelehnt hat. Bie Georgs- Marienhütte bewahrte aber ihren Weltruf uns wird noch eine kleine Angelegenheit zu ordnen sein. Ge- verträgt sich aber diese eidliche Aussage mit der Wiltheilung befleckt bis auf den heutigen Tag und ihr Direktor Haar- legentlich des aus den großen Steuerhinterziehungen her- des Staatsanwaltes Schlüter, wonach Baare der Mitwissen­mann, ein nationalliberales Kirchenlicht gleich Direktor Baare, rührenden Prozesses, welcher vom 1. bis 19. Juni vorigen schaft durch die Zeugenaussagen überführt erscheint, die ist ein ebenso unbescholtener Ehrenmann wie dieser. Freilich Jahres in Essen geführt wurde, saß nämlich der Steuer- Fälle aber verjährt seien?- ganz so unschuldig, wie bei Tirektor Haarmann dies der preller Baare- wie dies vielleicht in anderen wilden" Der Zeuge Baare hat keinen Vorbehalt bezüglich neue

Feuilleton.

Nachdruck verboten.)

Am Webstuhl der Zeit.

[ 34

Beitgenössischer Roman in 3 Büchern

von A. Otto Walster .

für den es zum ersten Male ein lebhafteres Interesse haben Sie Recht, es ist jetzt ganz unnöthig, sich darüber empfindet, zumal wenn es sich selbst zum ersten. Male ge- Gedanken zu machen. Also fort mit den Grillen!" liebt sieht. Unser Verhältniß würde sicherlich mit der" Ich bin, was Letzteres anbelangt, vollständig mit Beit an Innigfeit zugenommen haben, sie würde viel- Ihnen einverstanden, wenn ich auch das von Ihnen in leicht mit der Zeit das treueſte und anhänglichste Weib dieser Sache eingeschlagene Verfahren nicht billigen kann. geworden sein, ihr Wesen würde mich glücklich gemacht Wer sagt Ihnen denn, das sollte doch in diesem Fall die haben, denn es pflegte mich ausnehmend wohlthuend zu beerste Frage sein, ob nicht doch noch dieses Herz für Sie rühren, weil bei ihr Menschenerziehung fast gar nichts an schlägt, und für diesen Fall müssen Sie noch zu retten einem liebreizenden Naturell verdorben; kurz ich habe in suchen, was zu retten ist." ihr etwas verloren, was ich wahrscheinlich niemals wieder

Es ist wahr, Sie haben Recht; es muß noch etwas

" Ich empfinde die innigfte Theilnahme für Ihr Geschick finden werde und doch im Leben zu einem erträumten Glüde geschehen und es soll auch sogleich geschehen. Ich werde

kann."

und kann mich lebhaft in Ihre Gefühlswelt einleben. Doch auch diese Entbehrung hat vielleicht des Heilsamen genug in Gründen Sie denn Ihre Besorgnisse wegen ihres ver­fich: Sie werden sich Beide durch diese erzwungene Trennung meintlichen Verlustes auf bestimmte Thatsachen oder nur theurer und Ihr Glück wird inniger und tiefer werden. auf Vermuthungen?" Glauben Sie mir das nur."

an das Mädchen schreiben. Ach, Herr Doktor, ich komme mir recht komisch vor, aber ich bin verliebt wie ein Roth­kehlchen. Noch diesen Augenblick werde ich schreiben."

" Ich lasse Sie zu diesem Zwecke allein," erklärte Lange und erhob sich. Gerade zu dieser Zeit öffnete fich die Thür, die alte Magd steckte den Kopf ins Zimmer und meldete:

zu

Herr Doktor, es ist eine Dame draußen, welche Sie sprechen wünscht?"

st sie alt oder jung?" Eine Dame, Auguste? wer könnte denn das sein?

Sie ist jung und sehr schön; ich habe so eine schöne Dame in meinem Leben noch nicht gesehen. Und wie prächtig sie sich trägt!"

Auf Vermuthungen, natürlich, oder vielmehr auf eine " Und wenn sie nun für mich verloren, ganz und gar große Wahrscheinlichkeit, da ich in den vier Monaten nichts verloren gegangen ist durch diesen Echicksalsschlag?" von ihr gehört habe und sie auch seit ebenso langer Zeit " Sie meinen wohl, wenn sie Ihnen in der Zwischenzeit kein Lebenszeichen von mir erhalten hat, nicht einmal untreu geworden ist? O ich glaube, in solchem Falle haben weiß, ob ich in Sibirien oder Kalifornien herumstreife." Sie auch nicht allzu viel an ihr verloren." Wie? Herr Frank, Sie haben Ihrer Geliebten nicht " Wie Sie nur so sprechen können, Herr Doktor, da Sie Fesseln bel boch ſelbſt, wie Gie, jagen, mit more effeln einmal Kunde von Ihrem Verbleib gegeben? belastet find? Nicht alle Mädchen haben ein so" Nein, das habe ich nicht gethan, denn belügen wollte nachhaltiges Gefühlsleben, daß sie eine flüchtige Liebe treu ich sie nicht, und ihr die Wahrheit sagen mochte ich auch nd fest bei allen Proben und Versuchungen bewahren. nicht. Unsere Bekanntschaft war doch eine noch zu flüchtige, Es ist Helene," rief der Schriftsteller verlegen. Mein Nicht alle Männer sind auch im Stande, burch ihre Persön- und sie ist jedenfalls zu unerfahren in solchen Sachen. Ich Gott , welches Zusammentreffen! Sie hat es doch ers lichkeit, durch die reiche geistige Welt, welche ihnen inne sagte mir: hier mußt Du abschneiden und Alles dem Schick fahren... ich hätte ihr etwas sollen sagen lassen. Und wohnt, einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf ein weibliches fale anheimgeben. Ich glaubte auch damals sie viel leichter jet bin ich nicht einmal in Toilette! Lieber Herr Frank, war noch sehr jung und hatte einen leichtbeweglichen Sinn; leicht habe ich Wesen hervorzubringen. Das Mädchen, welches ich liebte, vergessen zu können, als es mir jegt scheinen will. Biel - ich muß die Dame im Konversationszimmer" spechen, eine recht große Eselei begangen, damit die neugierigen Leute des Wachtmeisters nichts er fie nun einmal geschehen. Im Uebrigen horchen können. Bitten Sie doch die Herren in meinem