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Nr.39.

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Vorwärts

9. Jahrg.

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Fern sered- Anschluß: Amt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Wolkenkukuksheimer.

Dienstag, den 16. Februar 1892.

Expedition: Beuth- Straße 3.

Schlachtfelde der Konkurrenz keinen Werth. Wer auf Eine zweite Resolution der Freifinnigen will die diesem Schlachtfelde kämpfen will, der muß bewaffnet sein, Privilegien der Einjährig- Freiwilligen mehr gesichert wissen. Die Jnnungsbrüder, die am Montag hier in Berlin und die einzige Waffe, die dort zu brauchen ist, heißt Dafür sprach Richter. Beide Resolutionen fanden An­zusammengetreten, sind nicht zu bekehren: sie wollen an der Kapital. Will die Regierung vielleicht die zu schaffen- nahme; für die erstere, welche das Schießen betrifft, Forderung der Zwangsinnnng festhalten, trotzdem sie den Handwerkerkammern mit Kapitalien ausstatten? Das stimmten auch unsere Genossen. doch nunmehr gesehen haben, daß Alles, was nur eine glauben wir nicht, denn die Zuschüsse würden unabsehbar Nach diesen kleinen Plänkeleien begann bei Rapitel 18, Faser modernen Wesens an sich trägt, sich scheut, einen so und endlos sein müssen; der Staat selber würde in den Justizverwaltung des Heeres, die allgemein mit Spannung unsinnigen Schritt in die Vergangenheit zurück zu thun. Konkurrenzkampf mit dem Großkapital hineingezogen wer- erwartete Diskussion über die Soldatenmißhandlungen. Heulen und Wehtlagen ist unter den biederen Zopfträgern, den. Das widerstrebt schon der Natur des modernen Klaffen- Die Resolution Buhl Richter, welche verlangt, daß das denn sie sind sich nunmehr bewußt, daß sie bei all ihrem staats. Die Handwerkerkammern sollen vielleicht ein lindern- Beschwerderecht der Militärpersonen einer Revision unter Eigenfinn auf feinen Erfolg rechnen können. Dennoch des Pflaster auf die Wunden sein, die den Zunftmeistern zogen werde und daß die mißhandelten Soldaten zur Er­wollen sie es noch einmal versuchen, die entschwundene von dem Großkapital einer-, von der ablehnenden Regierung hebung der Beschwerde verpflichtet werden, und Innungsherrlichkeit in eine helle Beleuchtung zu rücken, andererseits geschlagen worden sind. Aber die Wunden die weiter bei der in Aussicht genommenen Reform der und wollen eine Organisation auf Grund der Zwangs- werden dennoch schmerzen, zumal täglich neue geschlagen Militär- Gerichtsverfassung und der Militär- Strafprozeß­innung vorschlagen. Besonders die Regelung des werden. ordnung die Grundsäge der Ständigkeit und Selbständigkeit der Lehrlingwesen 3" soll in dieser neuen Organisation Der Großkapitalismus ist im Begriff, die Welt zu Gerichte, sowie der Deffentlichkeit und Mündlichkeit des Haupt­den Zwangsinnungen übertragen werden. Es ist wahr erobern. Wie eine ungeheure Walze rollt er über die Län- verfahrens, wie sie sich im Königreich Bayern bewährt haftig zum Lachen, wie die alten Jnnungszöpfe der hinweg. Und diesem Ungethüm stellt man das Spiel- haben, eingeführt wiffen will, sprach im Namen der Antrag­der Gesetzgebung zumuthen, solchergestalt den Bock zeug der Handwerkerkammern in den Weg, damit es vor steller Dr. Casselmann. Dieser Herr ist an Stelle des vera storbenen Feustel in Bayreuth von den Nationalliberalen zum Gärtner zu setzen. Denn Niemand trägt doch demselben stille stehen oder gar umkehren solle. mit Hilfe einer strammen antisemitischen Agitation gegen mehr Schuld an der Misère des Lehrlingswesens, Wer das wohl glaubt! den Freifinn gewählt worden.

"

Niemand hat es mehr zu einem Unwesen gemacht, als gerade die alten Innungsmeister. Nicht nur haben sie in der Ausbeutung des Lehrlings es mindestens so weit ge bracht, wie das Großkapital; sie haben auch den Lehrling

zum Mädchen für Alles" gemacht, haben ihn ihre Kinder Politische Leberlicht. Gerichtswesens, dafür aber streifte er die Soldaten­

Berlin, den 15. Februar.

Die Rede Casselmann's war als Jungfernrede gut, nur etwas zu breit angelegt. Besonders erging sich der Redner in viel zu ausführlichen Darlegungen des Militär­warten und der Meisterin in der Küche helfen lassen, und mißhandlungen nur so nebenher. Nach Caffelmann kons wenn er schließlich aus der Lehre kam, so hatte er fo statirte der sächsische Militärbevollmächtigte die Echtheit wenig gelernt, wie der Meister selber. Von der Behand- Im Reichstag war heute, in Erwartung der Debatten des von uns gebrachten Erlasses, der nur durch einen lung, die den Lehrlingen dabei widerfuhr, wollen wir gar über die Soldatenmißhandlungen, der Zudrang zu den unerhörten Vertrauensbruch" an die Deffentlichkeit ge= nicht reden; an warmen Ueberschlägen", wie Tribünen ein ungemein starker. Hunderte von Schau- und langt sei. einmal der Pfarrer Westermayer sich ausdrückte, hat es Hörlustigen mußten umkehren, weil die vorhandenen Pläge Nach v. Schlieben erhob sich der Reichskanzler, um in ihnen sicherlich bei feinem jener gemüthlichen" Innungs- schon zu Beginn der Verhandlungen besetzt waren. Be einer langen Rede auf die Ausführungen Casselmann's zu meister gefehlt, die mit der Schürze behängt und etwas sonders war die Zahl der neugierigen Offiziere eine sehr repliziren. Der Herr Graf v. Caprivi befand sich offenbar Werkzeug in der Hand den halben Tag im Wirthshause große und auf allen Tribünen fonnte man Uniformen in schlechter Laune und daß die Nationalliberalen in dieser fizen und zu Hause Gesellen und Lehrlinge bei elenden Löhnen glißern sehen. Am Bundesraths- Tisch befand sich ein ganzer Angelegenheit mit den Freisinnigen Hand in Hand gehen, und schmaler Roft für sich arbeiten lassen. Wenn diese Leute Generalstab von höheren Offizieren, darunter der Reichs- ist ihm ersichtlich sehr unbequem. Ueberhaupt scheint bas für sich gesetzliche Vollmachten beanspruchen, das Lehrlings- tanzler, welcher, wie er im Verlaufe seiner Rede mittheilte, Gespenst von der großen liberalen Partei" dem Herrn wesen zu regeln", so heißt das so viel, daß man ihnen von erschienen war, um den kranken Kriegsminister eventuell zu Reichskanzler mehr Sorge zu machen, als vielleicht seiner Staatswegen den Auftrag und die Befugniß geben soll, den vertreten. Gesundheit zuträglich ist. Die Nothwendigkeit und Mög alten Schlendrian und Unfug aufrecht zu erhalten. Glück- Die Verhandlungen begannen mit einem kleinen Rede- lichkeit einer Aenderung der Militär- Strafprozeßordnung, licherweise werden diese Bäume nicht in den Himmel wachsen, duell zwischen Richter, Dr. Meyer und Singer einer und wie sie in der Resolution Buhl- Richter verlangt wird, lehnte und wenn gewisse Gipstöpfe" noch so sehr schreien, die dem General von Goßler und dem sächsischen Agrarier der Herr Graf rundweg ab. In Bezug auf die Soldatena " Rettung des Handwerks" hänge davon ab. Dr. v. Frege andrerseits. Es drehte sich um eine Resolution mißhandlungen meinte er, daß dieselben immer vorgekommen

Das Handwerk kann nicht gerettet" werden und wenn betreffend die bekannten Schießereien von Militärposten in sind und auch in Zukunft vorkommen werden, doch lasse sich die Handwerker- Rammern", welche die Regierung bewohnten Straßen und um die vielbeklagten rigorosen in den letzten Jahren eine Abnahme der zur Kenntniß der vorschlagen will, auf eine Rettung" oder auch nur Absperrmaßregeln gelegentlich fremder Fürstenbesuche in Militärbehörden gekommenen Fälle von Mißhandlungen Kräftigung" des Handwerks hinauslaufen, so sind sie genau Berlin . Was die Schießereien betrifft, so denkt natürlich konstatiren. Natürlich beklagt auch der Reichskanzler die so überflüssig wie die Zwangsinnungen. Es ist deshalb nur die Militärleitung nicht daran, den allgemein getheilten Soldatenmißhandlungen und zwar besonders um deswillen, weil forrett, wenn die Innungsmeister von diesen Kammern Wünschen des Bürgerthums nachzugeben. Die Posten haben, durch dieselben die Aufrechthaltung von Zucht Nichts wissen wollen. Wenn die Handwerker zusammen- so erklärte der Herr General v. Goßler, schneidig wie immer, und Ordnung im Heere erschwert und der treten und ihre Interessen berathen, die Vortheile der Ver- nur entsprechend den Vorschriften ihrer Instruktionen ge- Sozialdemokratie damit gedient werde. einigung fich zuwenden wollen, so können sie das ja thun, ohne daß handelt und wenn etwas zu ändern wäre, so höchstens die Das rothe Gespenst" scheint überhaupt auch einer der der bureaukratische Staat ihnen die Form vorschreibt, innerhalb Bestrafung jener Frevler, welche die Posten zum Schießen kleinen Quälgeister für den Herrn Reichskanzler zu sein. deren sie sich bewegen sollen. Papierene Beschlüsse haben auf dem gereizt haben. Es wird also eventuell fortgeschossen. Nach dem Kanzler erhielt Bebel das Wort. Derselbe

Feuilleton.

Nachdrud verboten.]

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Am Webstuhl der Zeit. Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster .

Die Waage des Kampfes stand ziemlich gleich, und er­wartungsvoll blickten die Sachverständigen nach der Redner­tribüne, um nach der Erscheinung des nächsten Redners zu bemessen, welcher Partei der nächste Vortheil erwachsen

würde.

die Rednerliste so zu stellen: Barth, Dr. Lange, dann steller, da muß ein Irrthum vorliegen, denn ich habe mich meine Wenigkeit, dann Frank, dann Dr. Luz. Bevor erst nach Herrn Barth gemeldet." jedoch dieser Frank zum Worte gelangt, stellen" Dann ist jedenfalls Ihr Name auf die unrechte Stelle Sie, Herr Licht, einen Antrag auf Schluß der Debatte, und gekommen, und ich habe dem Herrn Frank das Wort zu zwar aus naheliegenden Gründen, denn es ist bereits halb ertheilen. Herr Frank, wollen Sie sich gefälligst hierher zehn, und ich werde sehr lange sprechen." bemühen?"

" Ich möchte dann auch noch einmal ums Wort gebeten haben", rief Dr. Benjamin und warf den erschrockenen Romiteemitgliedern einen höhnischen Blick zu.

Dr. Raffmans aber blieb kühl und bemerkte gleich giltig:" Sie werden der Sechste in der Reihe sein. Meine Herren", rief er sodann, mit der Glocke läutend:" Herr Buchdruckereibefizer Barth hat zunächst das Wort." " Ich habe zuvor etwas zu bemerken", rief der Ge­nannte von seinem Blaze aus.

Am Tische des Präsidiums aber herrschte zur Zeit eine Wollen Sie nicht hier heraufkommen, Herr Barth?" große Betroffenheit, und dies zwar in Folge der Anmeldung " Ich bitte um Entschuldigung, ich habe vorher ein von drei neuen Rednern auf schriftlichem Wege. Wort in Bezug auf die Geschäftsordnung zu bemerken. Meine Herren", flüsterte Raffinaus den Komitee- Mit- Es hat sich nämlich vor mir Herr Frant zum Wort ge­gliedern zu, die Sache scheint eine höchft bedenkliche zu meldet." es haben sich hier turz nacheinander drei Das ist ein Frrthum von Ihrer Seite, Herr Barth, Herren angemeldet. Der Erste nennt sich Frank, und wir denn Herr Frank ist erst als Bierter in die Liste vom fönnen nicht im Entferntesten errathen, wer dieser Frank Schriftführer eingetragen." sein dürfte. Folglich ist er ein Agent des Dr. Benjamin,

werden:

"

Mit dem größten Vergnügen", bemerkte der Auf­geforderte, indem er mit festen, elastischen Schritten der Tribüne zuging.

Niemand war erstaunter, den jungen Mann hier auf­treten zu sehen, als der würdige Expeditions- Vorstand Herr Muſſelich, der bis zu diesem verhängnißvollen Momente den jungen Mann zu seiner größten Beruhigung wohlverwahrt hinter Schloß und Riegel glaubte, und nun wie auf ein Gespenst blickte, als er Frank die Gruppen zertheilen und die Stufen zur Tribüne emporklimmen sah.

"

"

Meine Herren," rief der neue Redner, indem er sich das wallende Haar aus der Stirne strich, mit weitschallen­Der Stimme: Wenn ich mir erlaube, in dieser Versamm­lung das Wort zu ergreifen, so geschieht es weder, um für die Ansichten des Herrn Dr. Benjamin, noch für die des Herrn Dr. Raffmaus mich auszusprechen, da beide Herren beredt genug sind, ihre Ansichten selbst zu vertheidigen."

Dr. Raffmaus und die übrigen Komiteemitglieder athmeten erleichtert auf und horchten mit dem Interesse ers weckter Neugier auf das, was der bis jetzt noch unentdeckt ges bliebene Volksredner vorzubringen haben möchte.

ein Trumpf, den unser Gegner gegen uns ausspielen will. Ich kann mich unmöglich irren," entgegnete indessen Der Zweite nennt sich Barth; das ist jedenfalls der Buch- Barth unerschütterlich, denn ich bin mit Herrn Frank zu druckereibesizer, den dürfen wir allenfalls zu den Unseren gleicher Zeit in die Versammlung gekommen und habe selbst zählen; und der Dritte ist Dr. Lange, der, meines Er- seine schriftliche Anmeldung zum Wort hinaufbefördert." achtens unparteiisch und ungefährlich ist. Da jener Herr Nun, dann muß allerdings ein Irrthum von Seiten Nein, meine geehrten Herren, was mich hierhergeführt, Frank nun nicht wissen kann, ob sich nicht die Anderen vor unseres Schriftführers vorliegen, und es hätte dann zunächst ist der Wunsch, eine große Kluft, einen Abgrund auszufüllen ihm zum Wort gemeldet haben, so glaube ich, thun wir Herr Dr. Lange da Wort. zwischen den brennendsten Bedürfnissen des Volkes und

Frank selbst aber fuhr fort:

am Besten, ihn einstweilen aus der Reihe zu lassen und] Entschuldigen Sie, Herr Präsident", rief der Schrift- ben Programmpunkten dieser Herren, welche unter dem