Am Morgen des 12. November zivischen 5 und 6 Uhr hatte Freifinnigen und vier Socialdemokraten, 25 Konservative und tragliche gesetzmäßige Frist von 14 Tagen nicht habe innegehalten Menge dem Kürassier 3. einen Krug mit dem Morgenkaffee weg- Agrarier fißen, davon überzeugt, daß neue Mittel für Heer und werden können. Ferner läge in der ungleichmäßigen Behandlung, genommen. Solche Scherze werden, da es sich um Eigentum der Marine vorerst nicht mehr bewilligt werden dürfen und der Ver- der er und seine deutsch gesinnten Kollegen ausgesetzt worden seien, Kajerne handelt, nicht etwa als Diebstahl angesehen und es passiert treter beim Bundesrat soll in dem Sinne instruiert werden, dort ein Verfassungsbruch, sollten doch alle Staatsbürger vor dem Gesez öfter, daß von der einen Mannschaftsstube Gegenstände nach der für größte Sparsamkeit auf allen Gebieten einzutreten. gleich sein. Der Regierungspräsident zu Schleswig erwiderte auf andren verschleppt werden. 3. verlangte seinen Krug zurüd, Die Beratung des Etats brachte auch eine Zolldebatte und bei die Klage, daß Rosenwold, wenn er auch in Mitleidenschaft gezogen erhielt ihn aber nicht und meldete darauf die Sache dem der auf einem Vier- Klassensystem beruhenden Zusammen sei und die Staatszugehörigkeit besige, im vorliegenden Falle überUnteroffizier Bülde, obwohl er nicht einmal fezung des Landtages war es klar, daß die Mehrheit haupt nicht flagen fönne, weil die ausgewiesenen Ausländer ein Stubenältester war, und ihm die Alberei nichts an- für den Brotwucher zu haben war. Daß der Zoll eine gesetzlich gewährtes Recht zum Aufenthalt im Zuland nicht hätten. ging, fofort mit seinem Rohrstock, der zum Reiten der Preissteigerung mit sich bringe, gab fogar der stramm agrarische Der erste Senat des Ober- Verwaltungsgerichts wies die klage Remonten benutzt wird, auf die Stube lief, wo M. Tag und Staatsminister zu, nur bestritt er, daß der Preis in der vollen Höhe a b. Gründe wurden nicht verkündet. Anscheinend hat man die denselben zur Nede stellte. Menge bestritt zunächst, den Krug ge- des Bolles steige. Mit Recht wurde die Regierung darauf hin- Klage für gesetzlich unzulässig erachtet. nommen zu haben, gab die Wegnahme aber gleich darauf zu, gewiesen, daß Zölle in dieser Höhe für die Dauer kaum zu halten
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worauf der junge Unteroffizier feinen Rohrstock ergriff und wie ein Wütender auf den nur mit Hemd und Drillichjacke befleideten Menge losschlug. Zeugen befundeten, daß Menge auf Rücken, Wangen, Ohr und Hand, welche er zum Schuevor das Gesicht hielt, mindestens 25 kräftige Schlage immer von oben herab erhielt. Dem Unteroffizier wurde vorgehalten, daß infolge der mit Wucht geführten Stockschläge auf dem Rücken und der Schulter des Mißhandelten 15 bis 20 blutunterlaufene Striemen, drei Abschürfungen an der Hand, je einestrieme auf dem Hinterkopf, an der Wange und an der Ohrmuschel vorgefunden wurden. Die Sache mit dem Kruge habe doch gar keinen Anlaß geboten, in dieser brutalen Weise zu mißhandeln, zumal gerade bei diesem Regiment die allerhöchsten Bestimmungen über Behandlung Untergebener der genauen Beachtung wegen sehr häufig befannt gegeben werden.
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Sittenbild aus dem Offiziersleben.
find und ob sie schon daran gedacht habe, was denn werden soll. wenn diese Zölle fallen gelassen werden müssen. Am Regierungstisch, den zwei Rittergutsbesiger und nur ein Mann ohne der Bevölkerung und allgemein wird das Gebahren verurteilt, das Aus Bamberg wird berichtet: Große Empörung herrscht in Ar und Halm zieren, wußte man nichts darauf zu sagen. Die Beschränkung der Vereins- und Versammlungsfreiheit an einer Christbaumfeier teil genommen hatten, zeigten. In wein in der Nacht zum letzten Sonnabend einige Ulanen- Offiziere, die ist eine stehende Klage in unserem Großstaat, entschied doch auf eine feliger Laune stellten sich einzelne derselben an die Spize der Beschwerde hin der Polizeidirektor der Stadt Altenburg , daß Referate la nentapelle, und marschierten gegen halb 3 1hr nicht absprechend gehalten sein dürfen und daß es zu den Be- mit gezogenem Säbel unter klingendem Spiel fugnissen des überwachenden Beamten gehöre, den Redner auf durch den Grünen Markt, über die Ludwigsbrüde, Königsstraße, üden und Unrichtigkeiten in seinem Vortrag aufmert Sophienbrücke, Schüßenstraße sam zu machen! Diese tollkühne Auffassung von den Befugnissen zur Amalienstraße. Doriselbst eines überwachenden Beamten hat die Regierung allerdings nicht gemachte der Zug Halt und es wurden Pferde gefattelt. Darnach mußte die Kapelleihren Marich fortiegen und teilt. In Ronneburg ließ man einen Redner aus dem benachbarten Gera in einer Textilarbeiter- Versammlung nicht sprechen, weil der die Herren Offiziere ritten in der Hainstraße auf den Trottoirs. da und dort durch Anschlagen an die Fenster die dortigen Bürgermeister der Meinung war, daß der Betreffende die Ver Anwohner aus dem Schlafe störend. Am Schönleinsplatz löfte sich hältnisse in Ronneburg nicht kenne und außerdem kein Bei dem sich furz an den geschilderten Vorgang anschließenden Tegtilarbeiter sei. In dem Bergwerksstädtchen Meuselwitz wurde die Schar auf und der Unfug war beendet. Polizeiliche Anzeige ist erstattet. Stalldienst, der unter Aufsicht der Berittführer stattfand, erhielt der es uns durch den Bürgermeister unmöglich gemacht. Säle a braun und blaugeschlagene Menge von dem Unteroffizier Bülde kommen. Ein Landrat verfügte, daß der Genosse Stücklen, weil regiment an, dessen Chef Kaiser Wilhelm ist, und sind SprößDie betreffenden Offiziere gehören dem 1. bayrischen Ulanenpußen, nicht nachtant und sich bei seinen Kameraden über überhaupt nicht mehr sprechen dürfe. Das sind nur einige noch eine Ohrfeige, weil er dem Befehl, fein Pferd zu er eine aufreizende Rede gehalten haben alle inte linge aus den ersten Adelsfamilien Bayerns . die empfangenen Prügel beschwerte. Menge, der bereits frank Proben dafür, wie man bei uns die Versammlungsfreiheit auslegt. geschlagen war, soll sich mun dadurch vergangen" haben, daß er Beim Schuletat forderten unsre Genossen die Aufhebung des auf den Befehl, ruhig zu sein und das Pferd zu puzen, entgegnete: Schulgeldes an den Volksschulen, leider ohne Erfolg. Bei dieser " Ich puze das Pferd nicht, das brauche ich nicht, ich Gelegenheit sagte der konservative Abgeordnete Frenzel, der In einer Werkstätte des Resorts III der kaiferlichen Werft wurde Tasse mich nicht schlagen, sondern gehe ins Revier und Vertrauensmann des berüchtigten Scharfmacherbundes im Bau- dieser Tage eine Liste gefunden, die die Ueberschrift trägt:„ Vermelde mich krank." Daß er ernstlich kraut war, ging daraus her- gewerbe, er wiffe aus eigner Anschauung, daß die Arbeiter den zeichnis derjenigen Arbeiter der Schmiede- und Schlosserwerkstatt, vor, daß er nach der empfangenen Ohrfeige fofort in das Revier Tag über fünf bis sechs Glas Lagerbier trinken. Wenn sie welche bei eventueller Entlassung in Vorschlag ging, wo er ärztlich untersucht und laut Attest vom sich mit drei Glas begnügen würden, dann könnten sie gebracht werden." Diese Liste, die offenbar nach Angabe 12. bis 15. November als frank behandelt ihre Kinder sogar in eine gehobene Schule schicken. Diese der Meister im Bureau zusammengestellt, ist mit dem Stempel wurde. Menge erklärte, daß er den Befehl beachtet Arnimerei ist von unfren Genossen gebührend zurück der Werft versehen und enthält die Namen von 50 Arbeitern hätte, wenn er vorher nicht so sehr mishandelt gewiesen worden, namentlich schleuderten sie diesem Scharfmacher der genannten Werkstatt mit beigefügter Arbeitsmarken- Nummer, worden wäre. Er habe aber das Pferd nicht pugen die Anklage ins Gesicht, daß er den Vertrag, der zwischen den Lohntlasse und mit einer Rubrik" Bemerkungen" hinter den Namen. können, weil er krank gewesen sei, was ja durch das Attest hiesigen Maurern und den Meistern geschlossen war, gebrochen habe, Die Bemerkungen haben folgenden lieblichen Wortlaut:" frech" indem er noch vor Ablauf des Vertrages einigen Arbeitern Lohn( 19 mal)," f a ut"( 16), frech und faul"( 3), Bummelant"( 4), Das Gericht erkannte nichtsdestoweniger auf 22 Tage strengen abzüge gemacht habe. Ein konservativer Kommerzienrat rief aus, Trinter"( 3), ufwiegler"," frech und Aufwiegler", Arrests. Der Unteroffizier Bülde erhielt dem Strafantrag gemäß wer die Behauptung aufstelle, daß das Schulgeld als eine Last niederträchtig",„ tann nicht sehen", oft tranf"( je die gelinde Strafe von 45 Tagen Gefängnis, wobei der empfunden werde, der spreche gegen feine Weber- 1 mal). Vertreter der Anklage noch darauf hingewiesen hatte, daß B. die zeugung. Den Vogel schoß aber ein Agrarier ab, der erklärte, Zunächst sei bemerkt, daß die Schmiede- und Schlosserwerkstatt, Abficht gehabt, den M. einmal ordentlich zu verdreschen, obwohl die Arbeiter auf dem Lande haben bei völlig freier Station auf die sich die Liste bezieht, ca. 400 Arbeiter zählt, daß also circa keine Veranlassung dazu vorgelegen habe. V. habe au M. einmal einen Lohn von 6-700 Mark per Jahr, es giebt ländliche 12 Proz. der dort beschäftigten Arbeiter in der angegebenen beals Unteroffizier sein Mütchen fühlen wollen und nichts schade Arbeiter, die 20, 30, ja fogar 40 Mart wöchentlich verschimpfenden Weise charakterisiert werden. Sodann fei konstatiert, der Disciplin mehr. als Mißhandlung Unter- dienen. Wo man diese unbedingt beneidenswerten Arbeiter finden daß es sich nicht etwa um eine politische Prostription handelt, wie sie gebener, so meinte Herr Kriegsgerichts- Rat Wolff. kann, das hat der Gute leider nicht gesagt. Herr v. Tirpitz vor einigen Jahren empfohlen hatte, denn nur wenige Zum Schluß noch ein Stück evangelischer Toleranz. der Verzeichneten find gewerkschaftlich, politisch keine organisiert. Ueber Ein kaum glaubliches Kriegsgerichts- Urteil. Aus Bel Die Zahl der Katholiken in der Stadt Altenburg und Umgebung ist den Zweck der Liste erhalten wir einige Aufklärung, wenn wir in Stich gard i. Pomm. wird gemeldet: Mehrere Reservist en hatten namentlich durch den Zuzug bayrischer und polnischer Arbeiter start proben, die auf genauen Erkundigungen unter den nicht persönlich sich bei der legten Kontrollversammlung angestiegen. Sie verlangten nu vom Staate die Gründung eines an der Sache beteiligten Arbeitern der Werkstatt beruhen, eine Nachgetrunken und an einem Gendarm thätlich ver- römisch- katholischen Parochialverbandes. In der Diskussion prüfung der Bemerkungen" anstellen. griffen. Sie hatten diesen Uebergriff schiver zu büßen, denn sie hierüber ist sowohl von seiten der bürgerlichen Abgeordneten als find durch Urteil des Kriegsgerichts aus dem Heere ausgestoßen und auch der Staatsregierung das Amvachsen der Katholiken tief be zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden, und zwar der Ge- dauert worden. Man sieht nämlich schon das Gespenst des freite Zemte zu 5 Jahren 2 Monaten, Füsilier Zemke zu 5 Jahren Ultramontanismus! Borläufig hat man diesen Entwurf an die 1 Monat und der Trainsoldat Koop zu 5 Jahren. Kommission zurückverwiesen und es besteht alle Aussicht, daß er abEs ist dringend erwünscht, daß Aufklärung gegeben wird, worin gelehnt wird. der thätliche Angriff gegen den Gendarm bestanden hat, der eine Unfre Parteigenossen haben selbstverständlich gegen den Etat gestimmt. derartige Bestrafung möglich machen konnte.
bewiesen ist.
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Aus naheliegenden Gründen veröffentlichen wir die Namen der Verfemten nicht, geben aber, wo von einzelnen die Rede ist, die Markennummern an, damit man sich an maßgebender" Stelle über die Authenticität unfrer Veröffentlichung keinem Zweifel hingiebt. Was die als" frech" und" faul" charakterisierten Arbeiter anlangt, so ist es ihren Kollegen rätselhaft, wie gerade diese Namen auf die Liste geraten sind, es müßte dei den Arbeitern als Frechheit und Faulheit angekreidet werden, wenn sie bei Accordabmachungen die eigne Berechnung energisch vertreten und so den Meistern unbequem werden.
Bom Altenburger Landtag. Ans Altenburg wird uns ge- Vom Kampf gegen die Dänen. Dem Sattlermeister Rosenfchrieben: Die Landtagssession ist beendigt. Der Präsident hat die wold in Apenrade waren innerhalb 6 Monaten vier Sattlergesellen Nr. 1181 wird als niederträchtig bezeichnet. Es handelt Abgeordneten zum Diner eingeladen, wofür ihm aus Landesmitteln dänischer Staatsangehörigkeit durch Ausweisung entzogen sich um einen geistig nicht ganz normalen, bei seinen Arbeitskollegen 1000 m. bewilligt werden. Der Etat ist fertiggestellt, er bilanziert worden. Nach vergeblichen Beschwerden beim Landrat und beim aber allgemein als vollständig harmlos geltenden Mann. mit 5 152 349 M., d. h. wenn, da der Etat auf drei Jahre festgestellt Regierungspräsidenten klagte er im Verwaltungs- Streitverfahren, in- Nr. 1007: Aufwiegler", gleichfalls ein völlig indifferenter bird, das Reich nicht mit noch erheblicheren Anforderungen an die dem er geltend machte: Die Ausweisungen richteten sich eigentlich Arbeiter, der sich an nichts beteiligt und höchstens durch die BeEinzelstaaten herantritt. Im Altenburger Lande schwimmt man sonst gegen ihn als dänisch gesinnten preußischen Staats- mühungen irgend eines getreuen Nachbars in die Liste gekommen ist. förmlich in Hurraſtimmung, den Bauern, die im Landtage figen, ist angehörigen. Das werde bewiesen durch die Thatsache, daß Nr. 1036 wird als frech" geführt, trotzdem er ein„ braves" aber doch etwas fagenjämmerlich zu Mute geworden, als sie den Ausgewiesenen gestattet worden sei, bei andren Sattler Mitglied des Kriegervereins ist. fehen mußten, welche Wirkung die Weltpolitik und was drum meistern in Apenrade , die deutscher Gesinnung wären, in und dran hängt, auf die Finanzen unsres Landes und damit auf den Arbeit zu treten. Man wolle ihn schädigen und habe ihn Geldbeutel des einzelnen Stenerzahlers hat. Bei den hohen lleber- auch erheblich geschädigt. Als Beteiligter könne er deshalb gegen schüffen aus den verflossenen Jahren war es nicht notwendig, die die Ausweisungs- Verfügungen flagblar werden. Die Maß Steuern zu erhöhen, ob es aber später nicht doch noch kommen regeln der Polizei seien auch schon ungerechtfertigt, weil dadurch der muß, das ist die Befürchtung, die man nicht von der Hand Arbeitsvertrag verlegt worden sei. Die den Ausgewiesenen gestellte weisen kann. Allgemein war man im Landtag, in dem neben einem Frist habe nur 24 Stunden betragen, so daß infolge dessen die ver
Herzens und der Stärke der Nation. Die Klasse selbst, für welche das Opfer gebracht wurde, wird bald in Verfall geraten; Dichter mögen das Lob des Fürsten , der sie mit seinem Golde gekauft hat, fortsingen. Aber es ist gewiß, daß Männer, die einmal ihre Unabhängigkeit verlieren, am Ende auch ihre Kraft verlieren werden. Ihr Geist muß wirklich sehr stark sein, wenn er in der frankhaften Atmosphäre eines Hofes nicht verdorrt. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich einzig auf ihren Herrn, und so nehmen sie unvermerkt die Sitten der Knechtschaft an, die für ihre Lage passen. Und wie sich der Kreis ihrer Teilnahme zusammenzieht, wird der Gebrauch und die Thätigkeit ihres Genius geschwächt. Ihnen ist Unterwürfigkeit eine Sitte, und Knechtschaft ein Vergnügen. In ihren Händen verliert die Litteratur bald ihre Kühnheit, Ueberlieferung gilt für einen Grund der Wahrheit, und der Geist der Forschung erlischt. Dann kommt der gefährliche Augenblick, wo die Gemüter der Menschen sich nicht Luft machen können, weil der öffentlichen Meinung kein Ausdruck übrig gelassen ist, ihre Unzufriedenheit sich langsam in das Gift eines tödlichen Haffes verwandelt, weil sie teine Stimme hatte, und ihre Leidenschaften sich in aller Stille anhäufen, bis sie zuletzt alle Geduld verlieren, und zu einer jener schrecklichen Revolutionen aufgestachelt werden, durch die sie den Stolz ihrer Herrscher demütigen und die Vergeltung selbst bis in das Junere des Balastes tragen.
Dieser Fürst ergab sich während seiner langen Regierung der schädlichen Gewohnheit, Männer der Litteratur mit großen Summen Geldes zu belohnen, und ihnen vielfache Beweise seiner persönlichen Gunst zu geben. Da dies länger als ein halbes Jahrhundert geschah, und der Reichtum, den er so gewissenlos verwendete, natürlich aus den Taschen seiner andern Unterthanen genommen war, so fönnen wir kein besseres Beispiel der Wirkungen, die eine solche Gönnerschaft hervorzubringen geeignet ist, finden, als ihn. Er hat wirklich das Verdienst, jene Beschützung der Litteratur, welche Manche so gern herstellen möchten, in ein System gebracht zu haben. Zu feiner Zeit sind Schriftsteller so verschwenderisch be= lohnt worden, als unter der Regierung Ludwigs XIV.; und zu teiner Zeit sind sie so gemein gefiunt, so servil, fo gänzlich unfähig gewesen, ihren großen Beruf als Verkünder des Wissens und als Prediger der Wahrheit zu erfüllen. Um die Gunst des Königs zu gewinnen, opferten sie den Geist der Unabhängigkeit, der ihnen teurer als ihr Leben hätte sein sollen; sie gaben die Erbschaft ihies Genius fort, sie verkauften ihre Erstgeburt für ein Linsen gericht . Deshalb follte jedes Bolt sich wohl in Acht nehmen, daß die Interessen der Schriftsteller mehr auf seiner Seite, als auf seiten seiner Herrscher liegen. Denn die Litteratur vertritt den Berstand, welcher progressistisch ist, die Regierung vertritt die Ordnung, und die ist stationär. Wenn jedoch diese Mächte sich verbinden, wenn die Regierung den Verstand bestehen kann, und wenn der Verstand der Regierung nachgiebt, muß die unvermeidliche Folge Despotismus in der Politik und Servilität in der Litteratur
fein.
Dies war die Geschichte Frankreichs unter Ludwig XIV. , und dies, das können wir versichert sein, wird die Geschichte eines jeden Landes sein, das sich versucht fühlen sollte, ein, so verführerisches, aber so verhängnisvolles Beispiel nachzuahmen.
Je weiter das 17. Jahrhundert vorrückte, desto offenbarer wurde der Verfall und desto deutlicher kömien wir den Zusammen hang der schwindenden Kraft der Franzosen mit dem protektionistis schen Geiste erkennen, der ihre Energie lähmte, die er zu stärken dachte. Ludwig XIV. hatte gehört, Astronomie sei eine edle Wissenschaft; er wollte daher ihren Betrieb in Frankreich gerne befördern, um den Ruhm seines Namens zu erhöhen. In dieser Absicht belohnte er die Professoren der Astronomie mit unerhörter Verschwendung; er baute das prächtige Observatorium von Baris, er lud die berühmtesten fremden Astronomen, Cassini aus Italien , Römer aus Dänemark und Huygens aus Holland an seinen Hof, aber an einheimischem Geist brachte Frankreich nicht einen einzigen Manu hervor, der auch nur eine von den epochemachenden Entdeckungen in der Astronomie gemacht hätte.
In jener Zeit, und überhaupt in allen Zeiten folgte das Elend des Volkes und die Erniedrigung des Landes dem Sinken des nationalen Geistes, während dieser seinerseits das Resultat des bevormundenden Geistes war, jenes schädlichen Geistes, der alles schwächt, was er berührt. Wenn in dem langen Lauf der Geschichte irgend etwas flar ist, so ist es dies, daß, wo nur eine Regierung die Beschüßung der geistigen Arbeiten unternimmt, sie diese fast immer am unrechten Orte beschützen und die unrichtigen Leute belohnen wird; und man darf sich nicht wundern, daß dies der Fall ist. Was können Könige und Minister von jenen un ermeßlichen Wissenszweigen verstehen, deren erfolgreicher Anbau oft das Wert eines ganzen Lebens ist? Wie können sie, die immer von ihren vornehmen Beschäftigungen in Anspruch ge= nommen sind, Zeit für so untergeoronete Dinge finden? Kann man erwarten, daß sich solche Kenntnisse bei Staatsmännern finden, die immer mit den wichtigsten Angelegenheiten beschäftigt sind, Depeschen zu schreiben, Reden zu halten, eine Partei im Parlament zu organisieren, eine Intrigue im Kabinett zu ver= eiteln? Oder wenn der König seine Gönnerschaft in Gnaden nach seinem eignen Urteile verleihen sollte, können wir erwarten, das bloße Philosophie und Wissenschaft hohen und mächtigen Fürsten geläufig sei, die ihre eignen besonderen und wichtigen Studien haben, die die Mysterien der Heraldit, die Natur und Würde des Ranges, das Verhältnis und den Wert der verschiedenen Orden, Dekorationen und Titel, die Gesetze des Vortritts, die Borrechte adeliger Geburt, die Namen und die Wirkungen von Ordensbändern, Sternen und Hosenbändern, die verschiedene Art und Weise, wie man eine Ehrenstelle überträgt, Aemter verleiht, wie man Ceremonien einrichtet, die Feinheiten der Etiquette beobachtet, und alle übrigen höfischen Vollkommenheiten zu lernen haben, welche notwendig sind, um ihr hohes Amt zu verwalten?
Unter einem solchen System erfolgt zuerst natürlich die Ver
Nr. 1087, 1080, 1028 verden als Trinker gebrandmarkt. Dabei ist Nr. 1087 seit 18 Jahren, Nr. 1080 feit 20 Jahren, Nr. 1028 seit 27 Jahren auf der Werft beschäftigt. Jezt auf einmal sollen diese Leute als„ Trinker" hinausfliegen.
Nr. 1037 ist f an I"- ein über 60 Jahre alter Arbeiter, der seit 27 Jahren auf der Werft arbeitet, also begreiflicherweise nicht mehr über die Kräfte eines Jünglings verfügt.
armung und die Verknechtung des Genies, dann der Verfall des Wissens und endlich der Verfall des ganzen Landes.
So entschieden schädlich ist das ganze System der Gönnerschaft und der Belohnung, daß nach dem Tode der Schriftsteller und Künstler, deren Werke die einzige Ehrenrettung für die Regierung Ludwigs XIV. bilden, sich nicht ein einziger Mann fand, der fähig gewesen wäre, ihre Vorzüge auch nur nachzuahmen. Die Dichter, Dramatiker, Maler, Musiker, Bildhauer, Baufünstler waren fast ohne Ausnahme unter einer freieren Politit, wie sie vor seiner Zeit bestand, nicht nur geboren, sondern auch erzogen. Als sie ihre Arbeiten begannen, zogen sie Vorteil von einer Freigebigkeit, welche ihr Genie zur Thätigkeit aufmuterte. Als aber in wenigen Jahren diese Generation ausgestorben war, tam die Hohlheit des ganzen Systems deutlich zum Vorschein. Mehr als ein Viertel Jahrhundert vor dem Tode Ludwigs XIV. hatten die meiſten von diesen ausgezeichneten Männern zu leben aufgehört; und unit konnte man sehen, zu welch einem elenden Zustande das Land unter der gerühmten Gönnerschaft des großen Königs beruntergebracht war.
Das Genie der Maler sant aber so tief, das Frankreich lange vor dem Tode Ludwigs XIV. feinen einzigen Maler von einigem Verdienst mehr besaß; und als sein Nachfolger den Thron bestieg, war diese schöne Kunst unter jenem großen Volke fast ganz ers Toschen.
Die Schriftsteller, die der Hof pensionierte und dekorierte, waren in ein friechendes, scheinheiliges Geschlecht ausgeartet, die nach dem Wunsche ihres Herrn sich aller Verbesserung widersetzten, und sich bemühten, alle alten Mißbräuche aufrecht zu erhalten. Das Ende von alledem war eine Verderbuis, ein Knechtsinn und ein Kraftverlust, die man in so vollständigem Maße nie bei einem der großen Völker Europas gesehen hat. Es gab keine Volksfreiheit, es gab keine großen Männer, keine Wissenschaften, keine Litteratur, feine Künste.
Dies war die verzweifelte Lage jenes edlen Voltes am Schlusse der Regierung Ludwigs XIV. Die Unglücksfälle, welche die finkenden Jahre des Königs verbitterten, waren in der That so ernsthafter Art, daß sie unsre Teilnahme erregen müßten, wenn wir nicht wüßten, daß sie die Folge seiner eigenen leidenschaftlichen Ehrfucht, seiner unerträglichen Anmaßung aber, vor allem einer übergreifenden ruhelosen Eitelkeit waren, die ihn verleitete den Ruhm ganz Frankreichs in seiner einzigen Person zu konzentrieren, und so die trügerische Politik erzeugte, welche zuerst mit Geschenken, mit Ehrenstellen und füßen Worten die Bewunderung der intellektuellen Strasse gewann, sie dann höfisch und dienstbeflissen machte und zulegt all' ihre Kühnheit zerstörte, alle Anstrengung zu ursprünglichem Denten erstickte, und so den Fortschritt der Französischen Civilisation auf lange Zeit hinausschob.