Nr. 80.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin
Redaktion: SW. 19, Benfl- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.
Profeffor Wagners
,, Agrar- und Industriestaat".
1. Die Erhaltung des Agrarftants.
Sonntag, den 6. April 1902.
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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.
Hygienisch- kulturelle Gründe in den Vordergrund geschoben: Sittlich- deutsche Landwirtschaft auch für die stetig zunehmende Bevölkerung feitsbedenken, die Erhaltung der Volts- und Wehrkraft, die Abhängig- und mit einer solchen muß auch nach Professor Wagner gerechnet keit vom Auslande, sogar auch die Poesie des Landlebens 2c. Auch werden zu ernähren, ferner, inwieweit ist Deutschland entsprechend Wagner hält es für angebracht, nicht offen damit herauszurücken, seiner geographischen Lage, Bodenbeschaffenheit, seiner bisherigen warum es sich, im Grunde genommen, handelt. In der Hauptsache wirtschaftlichen Entwicklung auf die industrielle Bethätigung an will er aus folgenden drei Gründen die industrielle Entwickelung ge- gewiesen, Srittens, in welchem Verhältnis stehen die HemmungsSeit die Großindustrie sich in raschem Fortschritt ausdehnt und hemmt sehen: maßregeln zu dem zu erwartenden schließlichen Effekt und schließlich der feudale Großgrundbesitz seine einstige Bedeutung im deutschen 1. Die einseitige industrielle Beschäfligung führt zur Ver- und hauptsächlich: wie würde diese Maßregel auf das deutsche Wirtschafts- Haushalt und damit die Basis seiner politischen Macht- en gerung der Anschauungen", zu einseitig förperlich- Wirtschaftsleben zurüdwirken? stellung schwinden sieht, beschäftigt auch die Frage die zünftige geistiger Ausbildung, des Fehlens aller Vorteile der Für Professor Wagner; existieren diese Fragen nicht, wenigstens Nationalökonomie, ob die Entwicklung Deutschlands zum Industries Iniversalität". beachtet er sie kaum; nur was den letzten Punkt betrifft, versucht er staat zu fördern oder zu hemmen sei. In den sechziger. 2. Die Erhaltung einer absolut und relativ bedeutenden so etwas wie eine Begründung. Im Jahre 1900, so meint er S. 43, siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als noch durch- heimischen ländlichen grundbesitzenden und Landwirtschaft treibenden habe die Einfuhr an Getreide, Schmalz u. dergl. sowie an frischen weg die Preise der landwirtschaftlichen Produkte, vor allem Bevölkerung" ist eine unbedingte Voraussetzung des Fleisch nur 9,7 Proz. der Gesamt- Wareneinfuhr betragen. Nähme des Getreides, fast stetig stiegen und die deutsche Land- Wohles und der dauernden wirtschaftlichen und man nun selbst an, diese Einfuhr höre ganz auf, und zugleich erlitte wirtschaft in England noch einen guten Abfagmarkt fand, hatte socialen, wie physischen, ethischen, tulturellen auch die Ausfuhr einen entsprechenden Rückgang, so wäre das doch allerdings der feudale Besitz, wie neidisch er auch die Expansion des und politischen Gesundheit und Sicherung der nur eine Abnahme des Außenhandels um ungefähr 10 Proz. mobilen Kapitals betrachtete, wenig Anlaß, mit der wirtschaftlichen ganzen Nation". Eine solche Abnahme scheint für Herrn Professor Wagner nicht Entwicklungsrichtung unzufrieden zu sein; denn mit dem Preise der 3. Die Erhaltung der Wehrkraft bedingt die Erhaltung einer bedenklich zu sein. Wir möchten ihm ein andres Exempel entgegenAgrarprodukte stiegen auch die Boden und Bachtpreise; lettere zahlreichen Landbevölkerung. stellen. Nach der Produktionsstatistik betrug in 1897 der Wert der beispielsweise in den östlichen Provinzen Preußens von 1849-1879 Eine Wiederholung alter abgestandener Gründe, mur etwas land- und forfiwirtschaftlichen Produktion 7986 Millionen Mark; der um über 150 Proz. Und auch als dann durch die Koalition zwischen akademisch dekoriert; dennoch zwingt, da Herr Profeffor Wagner Wert der von Professor Wagner berechneten Einfuhr( 543 Millionen dem Großgrundbefiz und der Großindustrie die Bismarcksche diese Säße für so einleuchtend hält, daß er sie nur immer wieder Mark) macht demnach von dieser Summe noch nicht 7 Broz. aus. Zoll- Mera folgte, beobachtete vorerst, trotz der zunehmenden variiert und jeglichen Beweis darüber vergißt, ihr Inhalt zur Was würde wohl Prof. Wagner sagen, wenn jemand daraus Klagen über über die Aufsaugung der Landarbeiter durch die Entgegmmg. folgerte:„ Ach was schreien die Agrarier; es handelt sich ja nur um Industrie, die agrarkonservative Presse eine gewisse Zurückhaltung eine Beeinträchtigung ihrer Produktion um 7 Broz.!" Sicherlich bei der Beurteilung des wirtschaftlichen Entwicklungsganges, da sie würde er sagen, das sei eine volkswirtschaftlich unzulässige, einfältige fich zur Durchsetzung ihrer Zollforderungen auf die Hilfe der schutzRechnung. Ganz richtig. Aber die von ihm aufgestellte Rechnung Zöllnerischen Großzindustrie angewiesen sah, und diese sich auch zur ist genau ebenso einfältig. Unterstützung bereitfinden ließ.
Daß eine Verschiedenartigkeit der Produktion vorteilhaft für das nationale Leben ist, mag schon sein; aber inwiefern wird denn diese Verschiedenartigkeit durch weitere Fortschritte auf der Bahn zum Industriestaat aufgehoben? Von einer Elimination der Landwirtschaft aus dem deutschen Wirtschaftsleben kann feine Rede sein; selbst das Und wenn wenigstens noch die Aussicht auf eine langdauernde Schärfer trat die Frage auf, ob der Jndustriestaat das Ziel sein hochindustrielle England hat seine bedeutende Landwirtschaft. Das Erhaltung der agrarstaatlichen Zustände bestände. Aber daran ist nach solle, als die Großindustrie, um sich ihren Absatz nach den Vertrags- Argument Wagners hat gentan nur so lange Beweiskraft, als man Professor Wagner nicht zu denken; nur eine Verlangsamung der ländern zu erhalten und zu sichern, für die Caprivischen Handels- mit ihm stillschweigend unterstellt, daß das frühere oder jetzige industriellen Entwickelung und der Bevölkerungszunahme läßt sich verträge stimmte. Der feudale Grundbesitz schrie über Verrat und Größenverhältnis der Landwirtschaft zur Industrie in Deutschland erreichen, vielleicht, wie er S. 12 meint, eine Berlangsamung der Zurüdjezung und fand alsbald, daß nicht nur die mit das allein richtige ist. Nimmt man dagegen an, daß Bevölkerungsvermehrung um 15-20 Broz. Doch nehmen wir an, dent Abschluß der Handelsverträge eingeschlagene Handels- dieses Verhältnis anch eint minder günstiges für die der Bevölkerimgszuwachs wie die industrielle Entwickelung würden politische Richtung, sondern die fortschreitende Industriealisierung Landwirtschaft sein kann, ohne daß der Anschauungs- gar fünftlich um 80-40 Broz. verlangsamt, was würde die Folge Deutschlands überhaupt eine ernste nationale Gefahr" herauf- freis verengert oder die Universalität geftört wird, oder nimmt man sein? Wir würden dann die Bevölkerungs- und industrielle Stufe. beschwöre. Und wie selbstverständlich, folgten dieser Parteierkenntnis gar an, daß das Eindringen der Industrie in die die wir sonst beispielsweise 1915 erreicht haben würden, erst 1920 die Vertreter konservativer Wirtschaftsanschauungen auf den volks- preußischen Ostprovinzen für deren Anschauungsfreis und oder 1922 erreichen; aber haben werden wir, wie auch wirtschaftlichen Lehrstühlen. Sie, die einst, so lange der Großgrund- Univerfalität recht niglich sein dürfte, so ist das Wagnersche Wagner meint, den Industie staat mit seinen besitz noch vorteilhaft nach England exportierte, englische Freihandels- Argument völlig hinfällig. Und für die Richtigkeit solcher Annahme ethischen, politischen tulturellen und sonstigen theoretik dociert hatten, entdeckten mm auch, daß Deutschland sich auf sprechen gute Gründe; denn es unterliegt keinem Zweifel, auf welcher Gefahren" doch. Und Im diese Verzögerung Zu schiefer Ebene befinde. Unter ihnen Profeffor Adolf Wagner , der im Seite wir, wenn wir die industriell fortgeschrittensten Länder mit gewinnen, soll, wie Herr Professor Wagner später alts= September 1894 in einem Artikel der Zukunft" eine Rückführung den Agrarstaaten vergleichen, die größere Berengerung der An- führt, das Volk die bon den Agrariern gestellten Zoll„ der deutschen Volkswirtschaft aus der falschen schauungen" und den größeren Mangel an Univerfalität" finden. forderungen sich aufladen, die Wagner selbst als Opfer" be Bahn des exportierenden Industrie staats" forderte. Wie Professor Wagner sich hier als Gegner der neuerdings ent- zeichnet? Für die Agrarier mag es ja ganz rentabel sein, wenn Neue Anregung erhielten diese Bedenken nach der Veröffent deckten voraussetzungslosen Wissenschaft" erweist, so bietet er zum Zweck solcher Hinausschiebung des Resultats, fie hohe Zölle lichung der Ergebnisse der 1895 er Gewerbe- und Berufszählung, die auch im zweiten Argument als„ voraussetzungsvoller" National- und Preise für ihre Produkte zugestanden erhalten; ob sich die einen bedeutenden Rückgang der landwirtschaftlichen Bevölkerung ökonom nichts als unbewiesene leere Boraus- Uebernahme der ihr dadurch entstehenden Lasten gegenüber der industriellen nachwies. Besonders entfachte Bro- fegungen. Unbefehens unterstellt er auch hier, daß eine absolut auch für die Arbeiterttasse lohnt, ist jedenfalls feffor Oldenberg durch seine Warnung vor den Gefahren des und relativ bedeutende heimische ländliche grundbesitzende und Land- eine ganz andre Frage. Industriestaats auf dem Leipziger evangelisch- socialen Kongreß im wirtschaft treibende Bevölkerung" vorteilhaft für die physische, ethische, Es ist einseitigste Parteiwissenschaft, die Wagner bietet nicht Jahre 1897 eine lange Kontroverse, an der sich, durch die inzwischen fulturelle Gesundheit 2c. ist, ohne auch nur im geringsten zu unter- in dem Sinne, als suche er vider besseres Wissen seine Erkenntnisse ausgebrochenen Kämpfe um die Fortsetzung der Handelsvertrags- suchen, inwieweit und inwiefern diese Unterstützung zutrifft, ob z. B. den Parteiforderungen anzupassen, sondern insofern, als für ihn politik hervorgelockt, nach und nach so ziemlich die meisten Profefforen nicht der von ihm angenommene vorteilhafte Einfluß von der Basis und Zweck, d. H. die Erhaltung des ostelbischen Großgrundder Bolkswirtschaft an deutschen Universitäten beteiligten. Erwähnt Bildung dieser Bevölkerung, von ihrer Lebenshaltung, von der Ver- besizes in seiner wirtschaftlichen und politischen Machtstellung, einfach feien nur Diegel, Brentano, Diehl, Wolf, v. Mahr usw. teilung des Grundbesizes usw. abhängt. Daß jede grund- von vornherein gegeben sind und er von diesem Standpunkt aus
Politische Uebersicht.
Auch Wagner fehlt darunter natürlich nicht. Schon auf dem besitzende Schon auf dem besigende ländliche Bevölkerung, z. B. auch die russische manche Seiten des Problems gar nicht sieht oder Fragen als erwähnten Leipziger Kongres trat er Oldenbergs Warnungsruf Bauernschaft, diesen günstigen ethischen und kulturellen Einfluß aus- absolut nebensächlich behandelt, die von einem andern Standpunkt bei und ließ weiter mehrere Artikel und Vorträge über das gleiche übt, wird wohl Professor Wagner ebensowenig behaupten wollen, aus sofort die größte Bedeutung gewinnen. Noch deutlicher zeigt Thema folgen, die, von Professor Brentano heftig angegriffen, ihn wie daß es für diesen Einfluß gleichgültig ist, ob der Grundbefiz fich dies in den Abschnitten seiner Schrift über die Bevölkerungsin eine lange Bolemit mit diesem verwidelten. Von Wagners Seite aus Latifundien besteht mit einem ärmlichen Arbeiterbestand, der zum frage in ihrem Verhältnis zur Agrarfrage. Doch deren Diskussion wurde der Streit in der Täglichen Rundschau" geführt. Die von Teil aus fremdländischen Wanderarbeitern ergänzt wird, oder aus erfordert einen zweiten Artikel. ihm für diese geschriebenen Aufsäße gab dann wesentlich erweitert fleinen und mittelgroßen Bauerngütern. Wagner im August vorigen Jahres in Broschürenform heraus. Jetzt Solche Untersuchung könnte aber gerade für den angeblichen hohen ist von dieser Schrift die zweite Auflage erschienen eine völlige ethischen und fulturellen Einfluß des ostelbischen Latifundienbefizes Neubearbeitung, die nicht nur viele Erweiterungen- das sechste nicht allzu günstig ausfallen, und so begnügt sich denn auch Professor Stapitel ist z. B. ganz neu hinzugefügt enthält, sondern auch der Wagner hier wieder damit, einfach zu unterstellen, die Erhaltung Erörterung einen mehr principiellen Charakter zu geben sucht. Ein der grundbesitzenden ländlichen Bevölkerung in dem Umfang und Ereignis für die argrarische Preise, die, voran das Bundes- der Zusammensetzung, wie sie in Preußen Deutschland besteht, sei Intelligenzblatt, die Deutsche Tageszeitung", diese neueste erforderlich für die ethische, kulturelle, politische Gesundheit. Denn wissenschaftliche" Begründung ihrer Zollforderungen mit lauten fann eine solche Gesundheit auch bei einem solchen Verhältnis der Netlame- Tamtam- Schlägen begrüßt. landwirtschaftlichen zur industriellen Bevölkerung vorhanden sein,
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Auf ihren eigentlichen Inhalt zurückgeführt, das heißt der wie es in England, in Holland oder den Rheinlanden besteht, so ist patriotisch- ethischen Einkleidung entledigt, heißt die Frage Agrar- nicht einzusehen, warum nicht auch in andre Gebiete die Industrie oder Industriestaat" nichts andres als: Soll die Entwicklung in gleichem Maße vordringen darf.
Deutschlands zum Industriestaat aufgehalten werden, damit Dasselbe gilt von dem dritten Argument, der Erhaltung der der Großgrundbesitz seine wirtschaftliche Bedeutung und Wehrkraft. Daß immer eine ländliche Bevölkerung, was physische damit seine politische Machtstellung in Preußen- Deutschland Leistungsfähigkeit anbetrifft, einen Vorzug vor der industriellen behält? In dieser Weise faßt denn auch, wenn sie offen ist, die hat, fann nicht behauptet werden. Es genügt in dieser agrar- tonfervative Presse, vornehmlich die Kreuz- 8tg.", die Sache auf. Hinsicht ein bloßer Blick auf die körperliche Qualität der Wer in den letzten Jahren ihre Leistungen verfolgte, stieß immer Bevölkerung industrieller und ackerbautreibender Länder, z. B. Engwieder auf den Gedankengang: der feudale Grundbesiz muß er lands und Irlands . Auch in Deutschland finden wir z. B., daß bei halten werden; er ist der Träger der altpreußischen Politit, die der Rekrutenaushebung in Schleswig- Holstein in den Jahren 1898/99 Stüße von Thron, Altar und Militarismus. Und wie einst der nur 56,3 Proz., in Pommern 58,7 tauglich befunden wurden, im englische Freihändler Bowring erklärte:" Der Freihandel, das ist industriellen Elsaß dagegen 63,5 Proz. und in Westfalen mit seinem Jesus Christus ", so erklärt das feudale Blatt:„ Die Nichtbewilligung Bergbau und seiner Eisenindustrie immerhin noch 54,3 Proz. Die höherer Agrarzölle, das ist der Ruin des Grundadels, die Vernichtung Art der industriellen Thätigkeit, Ernährung, Arbeitsdaucr, Lebensdes konservativen Elements in unsrer Politik das ist die gewohnheiten spielen dabei eine große Rolle; und wenn in einzelnen Revolution!" industriellen Gegenden die Einwirkung der dortigen Industrien auf Indes ist solche Offenheit auf akademischen Lehrstühlen nicht be: den Gesundheitszustand eine ungünstige ist, ergiebt sich daraus liebt. Allenfalls wird noch von der Erhaltung der fonservativen nicht die Erhaltung des Agrarstaates, sondern die Durchführung Kräfte des Staatslebens oder der Verhinderung einer Stärkung der hygienischer Maßregeln.
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destruktiven Elemente( der Socialdemokratie) gesprochen; gewöhnlich Doch selbst zugegeben, alle Voraussetzungen Wagners wären aber wird die Frage auf ein wissenschaftliches Niveau" erhoben, richtig; es sei thatsächlich die Erhaltung der agrarstaatlichen Verd. h. es werden statt der eigentlichen Motive allerlei ethisch- patriotisch hältnisse erwünscht, so bleiben immer noch die Fragen: Vermag die
Die katholische Mitteilung:
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Berlin , den 5. April. Die Politik der Bestechung. Kölnische Volts 8tg." bringt folgende ,, Der Berliner Lokal- Anzeiger" berichtet, daß nach Durch bringung der ersten Flottenvorlage von 1898 dem Abg. Lieber die Wahl gestellt worden sei zivischen einem Oberpräsidium, einem Staatssekretärposten und einem Ministerportefeuille, und daß ihm auch ein hoher Orden angeboten worden sei. Diese Nachricht ist richtig. Dr. Lieber hat in derselben Selbstlosigkeit, welche ihn jene Angebote ausschlagen ließ, von diesen Angeboten auch nur ganz wenigen vertrauten Freunden Mitteilung gemacht, und auch diesen mur unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Jezt aber, nach seinem Tode, zumal wo der Berliner Lokal- Anzeiger" von andrer Seite in die Lage gesetzt worden ist, diese Thatsache zu veröffentlichen, liegt fein Grund mehr vor, hinter dem Berge zu halten. Das katholische Volk und die Centrumspartei werden es dem Vers storbenen hoch anrechnen müssen, daß er eine hohe Stelle im Staatsdienste ausschlug, welche ihn in Anbetracht seiner sehr zahlreichen Familie aus persönlichen Rücksichten nur erwünscht sein konnte, ebenso hoch, wie sie es dem Abg. Windthorst angerechnet. haben, daß er die sehr hoch dotierte Stellung eines Verwalters des fürstlich Thurn und Taxisschen Vermögens ausschlug. Beide Männer haben dabei in musterhafter Weise die Interessen ihrer guten Sache und ihre Aufgabe im öffentlichen Leben höher gewertet wie persönliche Vorteile der berlockendsten Art. Für Dr. Lieber kam vom Standpunkte seiner persönlichen Neigung in erster Linie das Angebot eines Oberpräsidiums in Betracht. Es handelte sich um das Oberpräsidium